Interview mit Kai Hirdt zu Perry Rhodan Jupiter

In meinen Rezensionen zu den Romanen der Jupiter-Serie hatte ich zuletzt die eine oder andere Frage formuliert und Kai Hirdt bot an, mir darauf Antworten zu geben, die ich in meinem Blog veröffentlichen darf.

 

Uwe Bätz: Worin unterscheidet sich die Heftromanserie in ihrem dramaturgischen Aufbau von der alten Veröffentlichung als dickes Taschenbuch (Ziegel)?

Kai Hirdt: Es gibt gar keine riesigen Unterschiede: Jupiter ist immer noch Jupiter. Im Wesentlichen haben wir einen weiteren Handlungsstrang ergänzt, sodass wir in mehreren Heftromanen zwischen zwei Handlungsebenen hin- und herblenden. Aber unser Ziel war nicht, die Dramaturgie grundlegend zu verändern. Ein paar Verbesserungen wollten wir einführen, wo die erste Fassung noch Aufwärtspotenzial hatte.

 

Uwe Bätz: Lt. News auf der PR-Homepage vom 12.05.2106 ist die Basis für die ergänzende Handlung erneut ein Exposé von Wim Vandemaan. Warum wurde ein vierter Handlungsstrang gemacht?

Kai Hirdt: Das hatte zwei technische und einen inhaltlichen Grund. „Technisch 1“ ist simpel und formal: Das Format Miniserie bei PERRY RHODAN hat nun mal zwölf Hefte, und wir mussten auf die richtige Länge kommen.

Das hätte man nun gerade noch über Bord werfen können, um zu sagen „Diese Serie hat aber nur zehn Hefte.“ Da kommt aber Grund „Technisch 2“ ins Spiel: Die Handlungsabschnitte des Buches haben nicht alle Heftromanlänge. Das geht direkt am Anfang los: Der Prolog hat etwa 60.000 Zeichen, also rund ein Drittel Heft. Der erste Haupthandlungsabschnitt hat dann zwar etwa die richtige Länge für ein Heft, aber wenn er hinter den Prolog gesetzt wird, muss das letzte Drittel ins nächste Heft. Das sind halt keine sinnvollen Abschnitte. Schließlich soll die Hefthandlung nicht irgendwann beliebig abgebrochen werden, sondern jedes Heft soll sich als geschlossene Einheit anfühlen. Es war also klar, dass wir an manchen Stellen kürzen mussten, an manchen aber auch neue Texte einbauen, damit die Hefte sich wirklich wie Hefte und nicht wie Textauszüge lesen.

Der wesentliche inhaltliche Grund ist, dass wir dadurch die Möglichkeit hatten, einige Ungereimtheiten des Taschenbuchs zu erklären. Darin ist die Informationsvergabe an mehreren Stellen etwas abrupt, oder es wurden Dinge gar nicht erklärt, die ich als Leser gerne besser verstanden hätte. Ich konnte den Text so gestalten, dass Chayton Rhodan nach und nach all diesen Dingen begegnet und all diese Informationen erhält, sodass sich für den Leser zugleich die drei schon bestehenden Handlungsstränge runder und stimmiger anfühlen.

 

Uwe Bätz: Und wie kam es zu Chayton Rhodan? Hat Euch PR 1177 Der Junge von Case Mountain inspiriert, mal wieder was zum Privatumfeld Perry Rhodans zu schreiben?

Kai Hirdt: Das ist eigentlich eine Frage für Wim Vandemaan. Von ihm stammt das Exposé zu Band 1, die Familiengeschichte der Rhodans in Manchester mit dem verschwundenen Chayton. Wo er die Ideen dazu hergenommen hat, weiß ich gar nicht.

Mein Beitrag war, Chayton zu einer wirklichen Hauptfigur zu entwickeln. Nach dem ursprünglichem Konzept sollte der neue Handlungsstrang die Suche nach Chayton sein. Aber wenn wir schon einen neuen Rhodan in die Handlung einführen, dann sollte der auch agieren, fand ich. Entsprechend haben wir diesen ersten Plan dann gründlich verändert.

 

Uwe Bätz: Die ursprüngliche Geschichte bleibt in ihren Resultaten unangetastet. Chayton kann also nichts bewirken. Ist mein Eindruck falsch, bzw. welche Rolle hast Du für Chayton in der Serie vorgesehen?

Kai Hirdt: Das stimmt nur zum Teil. Bestimmte Dinge, die ich bei einem anderen Projekt wahrscheinlich geschrieben hätte, gingen bei Jupiter tatsächlich nicht. Beispielsweise hätte Chayton es wahrscheinlich geschafft, die Triebwerke der Station in Gang zu setzen. Aber wegen des bestehenden Bull-Handlungsstrangs musste die Faktorei halt an Ort und Stelle bleiben.

Dennoch: Im Vergleich zum Taschenbuch bewirkt Chayton eine ganze Menge. Er warnt Team Mondra vor einer Falle, er bewirkt Paos überstürzten Aufbruch zum Jupiterkern, er macht die Positronik MERLIN und die Dragoman-Roboter handlungsfähig, er stellt die Waffe her, mit der Mondra am Ende DANAE besiegt.

All diese Handlungselemente gibt es zwar auch im Taschenbuch; aber sie wirken dort alle ein wenig „aus dem Hut gezaubert“, wie unser geschätzter Chefredakteur das manchmal nennt. In der Heftserie sind sie durch Chaytons Wirken vernünftig motiviert. Zudem erhält Chayton als einziger Handlungsträger die Informationen, was die Syndikatsleute mit Jupiters Verwandlung überhaupt erreichen wollen. Damit erfüllt er eine wichtige dramaturgische Funktion, indem der Leser noch ein paar hochrelevante Dinge erfährt.

Abgesehen davon ist der Handlungsstrang autark und enthält einige Wendungen, die keine Auswirkungen auf die anderen drei Hauptthemen haben. Das ist genauso wie bei dem ursprünglichen Text; in der Mitte der Handlungsstränge schlägt jeder Protagonist sich mit seinen eigenen Sorgen herum, um bei einem Ziel anzukommen, das dann wiederum für die Gesamthandlung wichtig ist.

 

Uwe Bätz: Chayton wird durch Pao Ghyss Tau-acht-süchtig und die Droge führt bei ihm zu Empathieverlust. Dennoch will er sich rächen und trägt am Ende dazu bei, dass die Bewohner MERLINS gerettet werden.  Ist jemand, der aller Empathie beraubt wurde, fähig, solche Pläne zu verfolgen?

Kai Hirdt: Mangelnde Empathie bedeutet ja nicht, zwanghaft böse zu handeln. Es heißt nur, den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht zu begreifen. Die Frage, wie Chayton damit umgehen würde, fand ich ungemein spannend. Deshalb ist sein ganzer Handlungsstrang als Entwicklungsgeschichte angelegt.

Er beginnt wie von dir beschrieben als das empathielose Drogenopfer, das nur noch selbstsüchtige Regungen kennt: Selbstmitleid, Gier und Rachsucht. Allein die äußere Konstellation bringt ihn auf die Seite der Guten: Er will sich an den Bösen rächen, die ihm übel mitgespielt haben. Und als Verwandter des großen Perry fühlt er sich durchaus wohl dabei, bei den Guten mitzumachen. Das passt zu seinem vom Größenwahn geprägten Selbstbild.

Dann erkennt er schnell, dass dieses Gut-und-Böse-Ding wohl doch etwas komplexer ist. Als er Pao belauscht, hört er Dinge, die ihn auf intellektueller Ebene zweifeln lassen, ob sein Racheimpuls berechtigt ist. Seine erste Entscheidung auf diesem Weg ist deshalb gar nicht „Gut oder Böse“, sondern die zwischen zwei Drogenwirkungen: Rachsucht oder Größenwahn? Er entscheidet sich, sein Selbstbild als vom Schicksal auserwählter Held zu erhalten. Und damit beginnt das eigentliche Dilemma von Chayton Rhodan während der ganzen Serie: Er beschließt auf rationaler Ebene gut zu handeln, hat aber kein Gefühl mehr dafür, was „Gut“ eigentlich bedeutet.

Das Gespräch mit Porcius beim ersten Zusammentreffen führt ihn weiter in diese Richtung. Porcius sagt leichthin „Es ist nie eine gute Sache, jemanden umzubringen.“ Klingt einfach, ist aber für einen Menschen ohne Empathie alles andere als selbstverständlich. Damit beginnt seine Suche nach Regeln, wie man eigentlich gut handelt. Das ist jedoch in einer Ausnahmesituation wie auf MERLIN alles andere als einfach.

Auf der Suche nach dieser Antwort „Was ist eigentlich gutes Handeln?“ wird Chayton erst Einsiedler, dann erkennt er, dass er mit anderen Menschen interagieren muss. Er wird enttäuscht und betrogen, hält dennoch an seiner Grundsatzentscheidung fest. Bis zu dem Moment, da es hart auf hart kommt, in Heft 10. Das ist sein Entscheidungsmoment: Rettet er selbstsüchtig sein eigenes Leben, oder versucht er gegen jede Wahrscheinlichkeit noch etwas auf MERLIN zu bewegen? Und vor dieser moralischen Herausforderung versagt er. Er handelt hier selbstsüchtig. Ein anderer Weg ist für den drogengeschädigten, empathielosen Charakter nicht möglich.

Äußere Umstände verhindern allerdings seine Flucht. Ab diesem Moment weiß Chayton, dass er todgeweiht ist. Jetzt kann ihm wirklich alles egal sein, für ihn wird es keinen Unterschied mehr machen. Aber genau deshalb kann er eben auch gut handeln, wie es seit Heft 4 sein Ziel ist. Er selbst stirbt ohnehin, aber warum nicht die letzten Stunden nutzen, um andere zu retten? Das wird dann eben doch noch mal heroisch, aber halt erst, als Eigennutz überhaupt keine realistische Option mehr ist.

Insofern begleiten wir Chayton elf Hefte lang durch eine Menge schwierige Konflikte zwischen Eigennutz und Altruismus, Rache und Vergebung, Emotion und Verstand, und er durchläuft dabei eine schwierige Entwicklung mit einigen Rückschlägen, bis er am Ende wirklich in der Lage ist, zu MERLINS Rettung beizutragen. Der Chayton aus Heft 4 hätte nicht tun können, wozu der Chayton am Ende von Heft 10 fähig ist.

 

Uwe Bätz: Vielen Dank für die detaillierten Antworten. Du schreibst für NEO, machst die Comics und zur Miniserie Arkon hast Du auch einen Roman beigesteuert. Was sind Deine nächsten Projekte und wann sehen wir Dich mit einem Roman in der Erstauflage?

Kai Hirdt: Zur Erstauflage ist meine Antwort dieselbe wie immer: Wenn man mich fragt, werde ich bestimmt nicht ablehnen. Für den Vereiste-Galaxis-Zyklus jedenfalls bin ich nicht eingeplant.

Aber ich langweile mich ja auch so nicht. Im Augenblick habe ich Comicband 4 fertig gelettert, mit dem Zeichner das Skript zu Band 5 durchgesprochen und das Skript für Band 6 vor der Brust. Außerdem schreibe ich weiterhin zwei NEOs pro Staffel.

Ob ich bei der nächsten Miniserie dabei bin, weiß ich noch gar nicht. Zumindest eine kurze Pause, bei der ich nicht auf allen Hochzeiten tanze, wäre ganz erholsam. Bei Jupiter musste ich ja ein halbes Jahr lang alle zwei Wochen ein Manuskript abgeben; und selbst die Hefte, in denen ich nur sehr wenig angepasst oder dazu geschrieben habe, haben jeweils mehrere Tage Arbeit verursacht, weil ich sie mehrfach gründlich lesen und analysieren musste, welche Auswirkungen sie auf die jeweils anderen Handlungsstränge haben und welche Informationen der Leser dort erhält. Oder eben auch, welche Informationen immer noch fehlen und deshalb an anderer Stelle eingebaut werden müssen. Damit stand ich sechs Monate unter Dauerstrom. Das Hirn jetzt eine Weile zu entkrampfen, wäre nicht verkehrt.

Ganz abgesehen davon habe ich ein paar Dinge auf meiner Liste, die ich gerne schreiben würde, die nichts mit PERRY RHODAN zu tun haben. Dafür war im letzten Jahr keine Zeit; es wäre aber schön, wenn ich ein oder zwei davon im Jahr 2017 angehen könnte. Davon ist allerdings noch nichts soweit spruchreif, dass ich das jetzt schon verkünden könnte.

Ansichten zu Perry Rhodan Jupiter Heft 12

pr_jupiter12Der ewige Lügner – von Kai Hirdt/Wim Vandemaan – Handlung:

In der auf Jupiter havarierten NAPHAUT DOSCHUR hat Perry Rhodan erfahren, dass die Schiqalaya die Kontrolle verloren haben. Nur auf Schelekesch, wo jetzt die Zhiridin herrschen, könnte man auf den Fluktuationstransmitter einwirken. Die Schiqalaya haben eine Methode entwickelt, mit einer Transportkapsel dem Weg der Higgs-Teilchen zurück nach Schelekesch zu folgen. Allerdings wurde die Methode nie erprobt. Perry Rhodan, Pao Ghyss und Firmion Guidry treten mit Ileschqa die Reise an. Der junge Ganymedaner mit seiner Fähigkeit, Geräte und Maschinen beeinflussen und reparieren zu können, stabilisiert den Transport.

Die Reise verläuft ereignislos und endet an einem Kraterrand. Am Boden befinden sich einfache Gebäude. Perry Rhodan muss sich vergegenwärtigen, dass inzwischen Jahrzehntausende vergangen sind. Wie die Zhiridin aussehen, ist unbekannt. Als zwei Wesen den Ankömmlingen gegenübertreten, ist der Unsterbliche entsprechend vorsichtig. Schnell stellt sich heraus, dass die Gruppe Schelekesch verfehlt hat. Sie sind auf einer Raumstation namens THINTYSIR, die Schelekesch umkreist. Die Bewohner nennen sich Uotooy und sind einst ebenfalls für die Tritheophane Präsenz tätig gewesen. Ein einfaches Gefährt kann von Firmion Guidry wieder flott gemacht werden und der Flug nach Schelekesch verläuft problemlos, ebenso die Landung in der Nähe des Psionen-Borns.

Dort treffen Perry Rhodan und seine Begleiter erstmals auf Zhiridin. Doch auch von diesen Wesen geht keine Gefahr aus. Sie bringen die vier Reisenden zu einem Eremiten, der ihnen möglicherweise Zugang zum Psionen-Born verschaffen kann.

Der Eremit entpuppt sich als Phalguwan. Er ist Perry Rhodan als der Abgesandte der Superintelligenz YNTRIM bekannt. Der Bote verhält sich abweisend, als der Terraner ihn um Hilfe bittet und die Lage in seiner Heimat schildert. Perry Rhodan wird nicht so recht schlau aus dem Boten und vermutet, dass dessen Geschichte in Teilen anders verlaufen ist, als er sie von den Schiqalaya erfahren hat. Der Unsterbliche konfrontiert Phalguwan mit einer anderen Geschichte. Er wirft ihm vor, die Schiqalaya für seine Zwecke instrumentalisiert zu haben.

Nachdem Perry Rhodan zusammen mit Pao Ghyss, Firmion Guidry und Ileschqa in den Psionen-Born vordringen kann, erfährt er mehr über den Boten. Phalguwan selbst ist eine Maschine, eine unvollkommene dazu. Unter dem Einfluss von Psionen sollten andere Wesen Fähigkeiten entwickeln, die Phalguwan letztlich helfen können.

Im Psionen-Born kommt es schließlich zur Konfrontation zwischen Perry Rhodan und Pao Ghyss. Als sie auf ihn schießt, stürzt sich Ileschqa in die Schussbahn und stirbt. Rhodan tötet Ghyss. Firmion Guidry vereinigt sich mit Phalguwan und repariert ihn so. Rhodan gibt ihm den Zellaktivator von Ileschqa. Phalguwan beendet den Fluss von Higgs-Teilchen und schickt Perry Rhodan zum Jupiter zurück. Dort kann der Unsterbliche die NAPHAUT DOSCHUR gerade noch rechtzeitig verlassen und von Irene Lieplich geborgen werden. Alle Fremdtechnologie verschwindet vom Jupiter. Es ist Montag der 14. Februar 1461. Vor drei Tagen hatte die Katastrophe begonnen.

Im Krankenhaus von Manchester, Connecticut, wo Chayton Rhodans kranke Tochter Caruu behandelt wird, treffen sich Mondra Diamond, Perry Rhodan, Buster, Payette und Porcius Amurri. Der TLD-Agent, der in den letzten Minuten bei Chayton war, erfindet eine Geschichte, um Caruu den Tod ihres Vaters erträglich zu machen. Doch das Mädchen durchschaut ihn. Aber sie ist ihm nicht böse und ihrem Bruder Buster und Tante Payette hilft die Geschichte.

 

Rezension:

Der Roman von Wim Vandemaan schließt die Serie ab. Die Handlungselemente, die sich um Chayton Rhodan drehen, werden von Kai Hirdt zu Ende geführt. Der Roman war atmosphärisch dicht, mit teils eigenwilligen Handlungsorten und ebensolchen Figuren und sehr flott zu lesen.

Die direkte Fortsetzung von Heft 8 katapultiert Perry Rhodan in unbekannte Fernen. Ein eigenwilliges Szenario, das der abschließende Jupiterband bereithält. War die ganze Serie eigentlich darauf ausgelegt, an einem regionalen Ort zu spielen, heimisch noch dazu und mit Jupiter, Ganymed und MERLIN überschaubar, wird die Lösung der Probleme in ganz anderen Regionen gesucht. Nicht nur Perry Rhodan fühlt sich merkwürdig, als er nach dem Transport auf der Sternenstadt THINTYSIR herauskommt und sich erst orientieren muss. Mir als Leser ging es ebenso.

Ein paar Fragmente der Historie kennt Rhodan und somit der Leser aus den Erzählungen der Schiqalaya. Aber Perry Rhodans Vorgehen in diesem letzten Band scheint seltsam entrückt. Im Denken und Handeln der Figuren wird die nahende Katastrophe für das Solsystem ausgeblendet. Natürlich wird hin- und wieder pflichtbewusst an die Zeit erinnert, die Rhodan bleibt, um das Unglück aufzuhalten. Aber die räumliche Entfernung schafft zu dieser sich anbahnenden Katastrophe auch eine emotionale Distanz.

Die merkwürdigen Handlungsorte und die seltsamen Bewohner, von denen einige ihr Sternenerbe vergessen haben, andere als Mönche leben, tun ein Übriges, um die Katastrophe auszublenden. Ganz anders zuletzt der Roman mit Reginald Bull, als es darum ging, die Menschen von Ganymed zu retten. Da war man als Leser mittendrin. Das Szenario in diesem letzten Band der Jupiterserie dämpft gewissermaßen die Gefahr.

Erst als Rhodan auf den Eremiten trifft, der sich als der Bote einer Superintelligenz entpuppt und mit einem freundlichen Juhu aus seiner bescheidenen Behausung, einer Erdhöhle, gelockt werden kann, ändert sich auch langsam die Stimmung, die durch die Geschichte verbreitet wird. Rhodan sucht Antworten und erlangt zumindest teilweise die Kontrolle wieder, nur um sie dann wieder zu verlieren. Die Geschehnisse rauschen an Perry Rhodan vorüber, wie sie auch am Leser vorbeiziehen. Ging ich bislang davon aus, dass der Fluktuationstransmitter nach wie vor eine Gefahr für Jupiter darstellt, ist es angeblich nicht so. Da habe ich wohl was verpasst. Der Romantitel verriet es eigentlich, aber als Perry Rhodan Phalguwan mit einer anderen Geschichte konfrontiert, fand ich den spontanen Durchblick, den Rhodan auf jahrzehntausende alte Geschehnisse hat, die er nur vom Hörensagen kennt, doch erstaunlich.

Dann geht alles sehr schnell. Pao Ghyss findet ihr Ende, ebenso wie Ileschqa. Zwischen Firmion Guidry und Phalguwan gibt es eine Vereinbarung. Der junge Ganymedaner repariert den Boten und geht dabei in ihm auf. Der Fluktuationstransmitter wird abgeschaltet.

Das Ende ist überraschend. Caruu verkuppelt Amurri mit Tante Payette. Diese Verkuppelung passt irgendwie gar nicht an das Ende der Serie. Die Figur Porcius Amurri taucht in Heft 4 auf und hat mit den Geschehnissen vom Band 1 gar nichts zu tun. Die Figur ist Chayton zweimal begegnet. Einmal in den Lüftungsschächten (seufz) und zum zweiten Mal, als Chayton stirbt. Mit Mühe kann ich aus der letzten Begegnung den Zusammenhang herstellen, dass der TLD-Agent in das Privatleben des Titelhelden involviert wird. Aber die Verkuppelungsgeschichte?

 

Ansichten zu Perry Rhodan Jupiter Heft 11

pr_jupiter11Countdown für MERLIN – von Christian Montillon – Handlung:

Auf der Station MERLIN wüten Schwerkraftanomalien. Der Gravo-Fraß wird zur tödlichen Gefahr für jeden Bewohner der Faktorei. Außerdem stürzt Ganymed auf Jupiter zu. Der Mond wird noch vor dem Aufschlag auf den Planeten MERLIN in den Untergang reißen.

Für Mondra Diamond und Porcius Amurri scheint schon vorher das Ende zu kommen. Der Stationsleiter Oread Quantrill zwingt die beiden ins Casino und will sie Tau-acht aussetzen. Mehrere Techno-Jaguare begleiten die beiden Terraner und machen eine Flucht undenkbar. Plötzlich stürmen Roboter das Casino. Sie feuern auf die Techno-Jaguare, die unter DANAES Kontrolle stehen. Oread Quantrill und Anatolie von Pranck setzen sich ab, während Mondra und Porcius in dem Chaos bewusstlos werden.

Als sie erwachen, werden sie medizinisch versorgt. Ihr Retter ist ein alter Mann. Schnell stellt sich heraus, dass es Chayton Rhodan ist. Der Verwandte von Perry Rhodan ist dem Tode nahe. Er hat mit der alten Positronik MERLIN einen Teil der Kontrolle über die Faktorei zurückerlangt. Aber DANAE muss zerstört werden. Er übergibt Mondra ein kleines Gerät, mit der das bewerkstelligt werden kann. Dann stirbt Chayton.

Mondra erfährt von den Dragoman, den unter MERLINS Kontrolle stehenden Roboter, wie schlimm es um die Station steht. Die 20.000 Bewohner werden sterben. Quantrill lässt sein Fluchtschiff TYCHE mit Tau-acht beladen. Die beiden Terraner trennen sich. Während Mondra loszieht, um DANAE auszuschalten, damit MERLIN mehr Kontrolle bekommt, will Porcius Amurri die Bewohner der Station wachrütteln und den Verrat von Oread Quantrill unter die Leute bringen. So sollen möglichst viele Verbündete gewonnen werden, mit denen man die TYCHE erobern kann, das einzige Schiff, mit dem eine Flucht möglich ist.

Auf dem Weg ins Casino gerät Mondra mehrere Male in Lebensgefahr. Eine junge SteDat-Angehörige hilft ihr, wird aber bald darauf getötet. Auch für den TLD-Agenten beginnt eine mörderische Mission. Mit MERLINS Hilfe hat er einen kleinen Teil der Faktorei mit einer Botschaft bestrahlen können. Etliche Stationsangehörige, darunter Cheborparner, schließen sich ihm an. Aber DANAE beginnt sofort mit Gegenmaßnahmen. Amurris Truppe wird immer wieder angegriffen.

Inzwischen hat sich Mondra zum Casino und zu DANAE vorgekämpft. Dort setzt sie das Gerät von Chayton ein. Der hatte ein Ganymed-Graviton in einem Kraftfeld eingesperrt, das nun freigesetzt wird und DANAE vernichtet. Mondra trifft auf ihrer Flucht einen Schiqalaya. Sie befreien die Artgenossen des Wesens aus dem Labor.

Auch Porcius Amurri erhält von unerwarteter Seite Unterstützung. Anatolie von Pranck wurde von Oread Quantrill hintergangen. Die Wissenschaftlerin will sich rächen. Auch sie ist Tau-acht-süchtig und nutzt nun ihre Para-Gabe, um mit dem TLD-Agenten ein paar Space-Jets flottzumachen, um die TYCHE anzugreifen. Anatolie von Pranck tötet Oread Quantrill, wobei auch sie ums Leben kommt. Mondra Diamond und Porcius Amurri erobern die TYCHE und nehmen so viele Bewohner der Station auf, wie sie können. Auf der Flucht bekommen sie mit, wie von der TSUNAMI-X ein SHIVA-Torpedo auf Ganymed abgefeuert wird. Der Mond zerbirst. Ein gewaltiges Trümmerstück reißt MERLIN endgültig in den Untergang.

 

Rezension:

Auf dem Cover ist nur Christian Montillon als Autor angeführt. Aber da Chayton Rhodan in der Geschichte seinen letzten Atemzug haucht, steckt auch ein wenig von Kai Hirdt in dem Roman, aus dessen Feder der zusätzliche Handlungsstrang um den fernen Verwandten von Perry Rhodan stammt. Damit ist bereits ein Heft vor Serienfinale klar, dass sich die beiden Rhodans nicht begegnen.

Das ist ein wenig schade, da es diese Familienbande waren, die das erste Heft der Jupiterserie bestimmten und der Reihe zu einem ungewöhnlichen Auftakt verhalfen. Ein Happy End für die Figur Chayton wurde zuletzt immer unwahrscheinlicher. Dennoch sieht es so aus, als ob der Bogen, der mit den Geschehnissen in Band 1 begonnen wurde, nicht abgeschlossen wird. Ob das erst im 12er geschieht, wenn Perry Rhodan die traurige Nachricht überbringen darf?

Der vorletzte Band der Jupiterreihe bringt wieder Mondra Diamond ins Spiel. Die Idee, sie in den Parcours zu schicken passte zwar zu dieser Figur, aber eigentlich gefällt sie mir in diesem Roman besser. Montillon schildert die Lebensgefährtin des Serienhelden irgendwie erwachsener. Dazu kommen noch ein paar selbstironische Gedanken, beispielsweise als sie über ihre Außenwirkung nachdenkt, als sie von der jungen SteDat-Frau mit dem Begriff einer Geliebten Perry Rhodans konfrontiert wird.

Sowohl Mondras als auch Porcius´ Handeln wird in der ersten Romanhälfte allerdings durch einen Umstand nicht so richtig zur Geltung gebracht. Der erste Teil der Geschichte besteht im Grunde genommen aus einer Aneinanderreihung von Begebenheiten, wie die Menschen an Bord zu Tode kommen. Der Gravo-Fraß hält reiche Beute und der Autor lässt die bizarrsten Todesformen über die Bewohner der Station kommen. Das war mir etwas zu plakativ in den Vordergrund gestellt worden.

Als sich die Wege der beiden Hauptfiguren trennen, wird es etwas besser. Beide gewinnen Verbündete. Der Sinneswandel von Anatolie von Pranck kommt überraschend. Und Porcius Amurri muss sich ihre Geschichte anhören. Das geriet sehr statisch. Überzeugender wäre es gewesen, wenn der TLD-Agent mit seinen Helfern zum Kampf um das Silo dazu gestoßen wäre. Dann hätte man sich den Rückblick und die Überzeugungsgeschichte sparen können.

Relativ schnell findet der Handlungsstrang um Chayton Rhodan ein Ende. Wobei es mich interessieren würde, wie Mondra ohne dessen Geschenk den Kampf gegen DANAE im Original von Jupiter bestritten hat. Ein wenig zeigt sich zum Ende von Chayton auch wieder eine Widersprüchlichkeit, die mir in den Bänden zuvor schon aufgefallen ist. Er, der auch hier wieder betont, wie egal ihm andere Menschen sind, rettet zuerst Mondra und stiftet sie dann an, die Menschen der Station zu retten.

Das fühlt sich nicht gut an, passt irgendwie nicht zusammen. Seine bisherigen Handlungen hatte ich noch dahingehend interpretiert, dass er diejenigen bestrafen will, die ihm das angetan haben. Also Pao Ghyss oder Oread Quantrill. Dazu hätte es nicht unbedingt Hass benötigt, obwohl dies ein starker Antrieb gewesen wäre. Doch Chayton hat durch Tau-acht seine Emotionen verloren. Zu Hass ist er nicht mehr fähig. Zu Mitgefühl mit anderen geschundenen Kreaturen auch nicht. Selbst seine eigenen Kinder sind ihm egal. Warum also will er Mondra und die anderen retten? Damit sie zu Erfüllungsgehilfen seines Plans werden, Oread Quantrill zu töten? Ist jemand, der aller Empathie beraubt wurde, fähig, solche Pläne zu verfolgen?