Ansichten zum Magazin SOL 92

Immer wieder gerne lese ich das Magazin der Perry Rhodan-Fanzentrale. Diese Publikation hat schon seit geraumer Zeit eine Professionalität erreicht, die mich immer wieder positiv überrascht. Und das Beeindruckende dabei ist, dass das alles von Fans gestaltet wird. Zur Ausgabe 92 will ich ein paar Anmerkungen machen.
Die Titelillustration wurde von Guy Roger angefertigt, der übrigens die Titelbilder für die französische Ausgabe der Perry-Rhodan-Serie zeichnet.
Das Magazin enthält zwei Interviews. Alexandra Trinley entlockte dem Autor Uwe Anton einige Informationen, die ich noch nicht kannte. Und Roman Schleifer unterhielt sich mit Andreas Eschbach. Darin geht es schwerpunktmäßig um das aktuelle Buch „NSA“ des Bestseller-Autors und wie der Autor zur Idee kam und den Stoff entwickelte. Nur kurz wird auf das Perry Rhodan-Buch Eschbachs eingegangen, das in einigen Monaten erscheint. Das Internet verrät dazu inzwischen mehr Informationen.
Immer wieder interessant ist auch die Sicht anderer Rezensenten auf die Romane der Serie. Matthias Hettler wirft einen Blick auf die Romane 2964 bis 2976. Und ich blättere dann hin- und wieder in meine Besprechungen zurück, um nachzulesen, wie ich selbst die Romane empfunden habe. Spannend.
Gerhard Huber ruft mit seinem Völkerdatenblatt zu den Nakken Außerirdische ins Gedächtnis, die ich seinerzeit als sehr geheimnisvoll und exotisch wahrnahm. Andere Teile der SOL widmen sich Terrania. Einen schönen Überblick über die verschiedenen zeichnerischen Darstellungen der ersten Stadt des Perryversums liefert Redakteurin Christina Hacker. Den Mittelteil des Magazins bilden dann einige Illustrationen Terranias von Stefan Wepil. Speziell Blues-Town dürfte bei den Bewohner der Zukunft schnell einen schlüpfrigeren Beinamen erhalten.
Klaus Frick steuert eine harmlose Story zum Weihnachtsfest am Goshunsee bei. Besser gefiel mir die Story von Ralph Keim, der über eine Begegnung in Terrania schreibt und reichlich Lokalorit versprüht. Interessant war auch Dennis Mathiaks Beitrag. Der Autor beschreibt detailliert wie er für seinen Roman zur Mini-Serie Terminus (Band 2) die Stadt Terrania entdeckte, in der er seine beiden Protagonisten agieren ließ.
Und auch ein weiterer Beitrag zur Artikelreihe Perrypedia ist enthalten. Stephan Eichenberg beschäftigt sich darin mit der Qualitätssicherung. Ich gestehe, jedes Mal wenn ich etwas zur Perrypedia lese, kriege ich ein schlechtes Gewissen. Die Mitglieder, die an dem Online-Wiki arbeiten, leisten Erstaunliches. Und die Artikelreihe soll natürlich animieren, daran teilzunehmen. Angemeldet bin ich seit längerer Zeit. Aber dort geschrieben habe ich noch nicht. Ein paar Texte aus meinem Blog habe ich mal Björn Beier zur Verfügung gestellt, der sie in die Perrypedia hochgeladen hat. Aber meinen ersten Beitrag dort schiebe ich immer wieder auf.
Björn Beier ist auch in der SOL aktiv. Er steuert ein Kreuzworträtsel bei. Und natürlich kann man mit der Lösung, die ich hier nicht verrate, etwas gewinnen. Neben den von mir hier erwähnten Inhalten gibt’s noch ein paar Artikel mehr zu entdecken. Wie immer eine bunte und gelungene Mischung.
Nachtrag: Und da war noch der Beitrag von Wim Vandemaan. „Die Straße der Herrenschneider“ nennt er seine Geschichte. Sie beginnt im Dokumentationsstil von jener Art, bei der eine leise aber markante Männerstimme den interessierten Zuhörer die weniger bekannten Seiten einer Stadt oder einer Region näher bringt. Daraus entwickelt sich eine Kurzgeschichte, die ich zwar nicht hundertprozentig verstanden habe, die mir aber viel Freude beim Lesen bereitete.

Ansichten zu Dorgon 101

Schwarze Seele – von Roman Schleifer:
Mit Dorgon 101 von Roman Schleifer habe ich das erste Mal einen Roman der Fanserie des PROC gelesen. Für diese Geschichte ist kein Vorwissen nötig, denn der Roman spielt losgelöst von der Serie. Der Autor schildert die bislang unbekannte Vorgeschichte einer bekannten Figur. Es ist der Werdegang des Alysker Rakiyat. Am Ende steht Rodrom.
Die Geschichte fängt harmlos an. Ein etwas merkwürdiger kleiner Junge, der aus Sicht der Eltern zu wenige Emotionen zeigt. Obwohl sie sich doch sehr um ihn bemühen. Dann ein plötzlicher Gewaltausbruch, dem der Autor unmittelbar die nächste Eskalation folgen lässt, als der 10-jährige die Nachbarstochter als nächstes Opfer ins Visier nimmt. In der Folge entwickelt sich ein Thriller, der mit einigen Schockelementen aufwartet.
Die Story wird von einem wiederkehrenden Element beherrscht. Hilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber verwerflichen Tätern. Das Tier, an dem der junge Rakiyat seine widerwärtigen Neigungen auslässt und das dem Mörder hilflos in die Falle geht. Seine Eltern, die von ihm drangsaliert werden und hilflos dem Sohn ausgeliefert sind. Die Frauen, die von den nunmehr zwei Psychopathen gefoltert und ermordet werden. Die Polizistinnen, die entnervt ihrem Job nachgehen und keine verwertbaren Spuren haben. Die Polizistin, die den Tod der Schwester nicht verhindern kann. Schließlich macht der Autor sogar Rakiyat zum hilflosen Opfer. Und das sogar mehrmals. Zuerst, als er dem Partner dieser abscheulichen Beziehung nichts entgegensetzen kann und durch die Bombe zur Geisel wird. Und dann, als er angeblich echte Gefühle für die ermittelnde Polizistin empfindet und sich gefangen sieht, zwischen seinen abstoßenden Emotionen, die ihn sonst leiten und diesen neuen Gefühlen. Und schließlich werden auch die ermittelnde Polizistin Vita Etan und der zweite Psychopath zu Opfern. Abgesehen davon, dass der Planet in den Untergang gerissen wird. Der Leser ist das erste und letzte Opfer. Er muss ohnmächtig und hilflos alles über sich ergehen lassen.
Kann ein Psychopath, der solch unglaubliche Taten begangen hat und dessen ganzes Denken von Gewaltphantasien beherrscht wird, tatsächlich so etwas wie normale Liebe empfinden? Oder ist sein Geist nicht bereits irreparabel beschädigt?
An verschiedenen Stellen des Romans versucht der Autor eine Steigerung einzubauen, die aus meiner Sicht gar nicht möglich ist. Sein Täter Rakiyat ist perfekt. Nun könnte man die Figur „perfekter“ oder gar „am perfektesten“ zeichnen, aber es macht m.E. wenig Sinn. Denn perfekt ist bereits die Endstufe. Und doch schien es so, als ob das noch gesteigert werden soll. Aber hier geht es nicht um das Steigern von Adjektiven. Es geht darum, wie eine Figur dargestellt wird. Der Mörder macht sich an Vita Etan heran. Der Mann ist attraktiv. Die Augen: Perfekt. Der Körper: Perfekt. Die Manieren: Perfekt. Das Auto: Perfekt. Die Uhr: Perfekt. Der Hubschrauber: Perfekt. Die Technik: Perfekt. Die Fallschirme: Perfekt. Und so weiter und so weiter.
Dem Komparativ und dem Superlativ lässt der Autor weitere Steigerungsformen folgen und die Figuren tun so, als wäre das okay. Die Figur der Polizistin schluckt das alles. Der Autor gönnt ihr ein paar Gedanken, die ein bisschen von dem was sie beobachtet oder fühlt in Frage stellt. Aber nur kurz. Zu schnell schwenkt die Figur wieder zurück. Die Analytik, die sie aufblitzen lässt, sollte sie warnen. Nun könnte man mutmaßen, dass ihre Gefühle deshalb Achterbahn fahren, weil sie Schmetterlinge im Bauch hat und ihr Verstand ausgeschaltet wird. Bei aller Vorgeschichte und allen Fakten passt das aber nicht zu Vita Etan. Es folgt ein ständiges Auf und Ab, ein Hin und Her. Sie ist berauscht von ihren Emotionen und setzt doch immer wieder eine gewisses Kalkül ein, nur um es beim nächsten Gedanken wieder über den Haufen zu werfen. Gerade in den Momenten, als sie sicher ist, den Mörder ihrer Schwester in Rakiyat zu sehen. Was dieser tatsächlich nicht ist, aber das weiß sie nicht. Sie geht aber davon aus. Und doch sind die Momente der Vernunft und der Schwäche dieser Figur zu dicht gewoben. Sie wechseln sich teils in jedem Satz ab. Das war mir zu unglaubhaft.
Dabei greift der Autor zu einem Element, das seine Figur überzeugender darstellen soll. Er lässt Vita Etan über ihre Gefühle reflektieren. Das tut sie nicht nur ein Mal. Sie tut es ein zweites Mal, ein drittes Mal. Und was passiert? Es passiert nichts. Einerseits erkennt Etan mit seltsamer Klarheit die Widersprüche. Andererseits lässt sie keine Konsequenzen folgen. Die Offenheit, mit der die Figur ihre Widersprüche erkennt, wirkt angesichts der ausbleibenden Reaktion darauf seltsam. Der Figur und der Handlung werden keine Auswege eröffnet. Und damit bin ich wieder am Anfang meiner Ansichten. Der Ohnmacht der Figuren, die sich auf den Leser überträgt.
Mein Fazit: Ein Thriller, der nichts für Zartbesaitete ist. Die Geschichte ist hart und mit Zug geschrieben. Sie wird sicher ihre Fans finden. Meinen Geschmack trifft sie nicht ganz, da ich nicht alle Entwicklungen der Figuren nachvollziehen kann.
 

Ansichten zur FanEdition Der Weg der Bewährung

Der Weg der Bewährung – von Angelika Rützel – Handlung:

Die Handlung ist in den Jahren 2428 bis 2430 angesiedelt. Michael Rhodan studiert in Terrania-City Kosmonautik und Hochenergietechnik. Seine Kontakte zu Perry Rhodan, seinem Vater, sind spärlich. Vater und Sohn kennen sich kaum und Michael Rhodan orientiert sich mehr an dessen Freunden. An Reginald Bull und insbesondere an Atlan, der für ihn väterlicher Lehrmeister ist. Michael Rhodan möchte sein Studium unterbrechen und an einem einjährigen Spezialtraining der USO teilnehmen, um seine eigenen Grenzen kennenzulernen. Atlan bittet Perry, diesem Vorhaben zuzustimmen und den Sohn damit zu überraschen.

Zum 23. Geburtstag der Zwillinge Suzan und Michael Rhodan gibt es im Haus der Eltern eine Feier. Auch Geoffry Waringer, der Freund Suzans, ist eingeladen, von dem Perry Rhodan gar nichts hält. Der Wissenschaftler bittet Mory und Perry Rhodan um Hand der Tochter. Er will sich mit ihr verloben und später heiraten. Perry Rhodan lehnt das brüsk ab. In die Party platzt zudem ein verschmähter Liebhaber Suzans. Tim Schneider ist ein Kommilitone Michaels und zusammen mit ihm in einem Karatekurs. Das Verhältnis der beiden jungen Männer ist angespannt. Tim wirft Michael vor, protegiert zu werden, weil er der Sohn des Großadministrators ist. Perry lässt dennoch Schneider in sein Haus und lässt einen Zweikampf zwischen Michael und Tim zu. Schneider bedient sich jedoch unlauterer Mittel und wird verhaftet. Perry Rhodan kommt nun endlich dazu, seinen Sohn Michael den Segen für das Ausbildungsjahr bei der USO zu geben.

Auf Quinto-Center beginnt für Michael Rhodan das härteste Jahr seines Lebens. Zusammen mit anderen gestandenen Spezialisten der USO beginnt sein Training. Alle vorher erworbenen militärischen Ränge ruhen und die Teilnehmer werden als Kadetten von Major Henson trainiert. Henson zeigt schon nach kurzer Zeit seine sadistische Seite. Insbesondere Michael Rhodan muss unter ihm leiden. Alle Kadetten erkennen, dass der Major seine Befugnisse bei weitem überschreitet. Kadett Rhodan will jedoch keine Nachforschungen anstellen, woran das liegen könnte. Einige Teilnehmer verlassen den Lehrgang und schließlich lässt Michael Rhodan seine Beziehungen spielen. Major Henson ist der Vater von Tim Schneider. Nach einem Mordanschlag auf Michael und die anderen Kadetten kann Henson fliehen.

Atlan übernimmt die Ausbildung der Kadetten. Zum Ende des Lehrgangs soll ein Flug mit dem Raumschiff PAITO das Training abschließen. Das Schiff wird in einem entlegenen Raumsektor überraschend von einem Blues-Schiff angegriffen. Atlan ist schwer verletzt und Kadett Rhodan übernimmt das Kommando. Das Feindschiff wird vernichtet. Die Überlebenden des Angreifers sind zur Überraschung aller, Major Henson und Tim Schneider. Die PAITO schlägt sich in den Sektor Morgenrot durch und wird von der CREST IV unter Perry Rhodans Kommando aufgenommen. Michael Rhodan lässt sich ohne Wissen der Eltern auf Tahun einer gefährlichen Mentalstabilisierung unterziehen. Seine weiteren Vorhaben sollen geheim bleiben. Zurück auf der Erde bringt er sein Studium zu Ende und taucht anschließend unter. Er schließt sich den Freihändlern an. Seine Identität als Roi Danton ist nur wenigen bekannt.

 

Rezension:

Der Roman der Fan-Autorin Angelika Rützel lag schon länger bei mir auf dem Stapel. Ich hatte Angelika beim Stammtisch in Hamburg zugesagt, den Roman zu lesen und zu besprechen.

Mit dem Roman begibt sich der Leser auf eine Zeitreise zurück in die 60er Jahre. In eine Zeit, die im Serienkosmos zwischen Heft 299 und 300 spielt und zwar einige Jahre vor den Ereignissen von Band 300, in dem Michael Rhodan als Roi Danton seinen ersten Auftritt hat. Autorin Angelika Rützel schreibt also die Vorgeschichte von Michael Rhodan, wie er sich vom Vater abnabelt und wie er zu Roi Danton wurde. Dabei werden drei Begebnisse oder Zeiträume im Leben der Hauptfigur von der Autorin unterschiedlich intensiv behandelt. Die Geburtstagsfeier am Anfang führt in das Leben der Hauptfigur ein und dessen Verhältnis zum Vater. Die Ausbildung bei der USO bildet den zweiten Hauptabschnitt und am Ende steht der Übergang zur Selbständigkeit unter der Tarnidentität des Roi Danton. Und es gibt einen roten Faden, der sich durch den ganzen Roman zieht. Michael will seinen eigenen Weg gehen. Er will Anerkennung durch seine eigene Leistung erzielen und nicht durch Protektion, weil er der Sohn des Großadministrators ist.

Am Anfang steht die Geburtstagsfeier. Michael Rhodan wird 23 Jahre alt und die Feier findet im Haus der Eltern statt. Sowohl mit den Szenen vor der Feier aber insbesondere mit dem geschilderten Verhalten der Protagonisten während der Feier führt Angelika Rützel den Leser nicht nur in die Serienvergangenheit des Jahres 2428 sondern auch in die 60er Jahre mit ihren aus heutiger Sicht veralteten gesellschaftlichen Normen. Damals als Leser hat man es wohl nicht so bemerkt. Aber die Gesellschaft des 25. Jahrhunderts unterschied sich kaum von der realen Gesellschaft der Erde der realen Welt. Um die beabsichtigte Abnabelung vom Vater zu unterstützen, lässt die Autorin auch die Figur des Perry Rhodan doch sehr rückwärtsgewandt agieren.

Der Unsterbliche zeigt keine Empathie für seine Kinder, seine Frau oder seine Freunde. Die Absicht der Autorin ist klar. Sie will eine Ausgangsbasis für Roi Dantons Werdegang schaffen. Michael Rhodan soll durch das Verhalten seines Vaters dazu getrieben werden, sein eigenes Leben aufzubauen. Allerdings übertreibt es die Autorin dabei. Sie überzeichnet die Figur des Perry Rhodan als einen kalten und gefühllosen Anführer der Menschheit, der Fremden mehr Empfindungen entgegenbringt als der eigenen Familie. Ganz so kalt und gefühllos hatte ich den Großadministrator nicht in Erinnerung. Zum Ende dieses Handlungsabschnittes kann die Autorin den Perry Rhodan aber wieder etwas einfangen.

Einige Beschreibungen zum Umfeld der „Familienfeier“ sind der Autorin gut gelungen. Auch die Figur des Atlan, der gleich zu Beginn des Romans einen Auftritt hatte, gefällt mir. Ebenso Gucky, den die Autorin wirklich gut trifft. Wie oben schon erwähnt, wirken die gesellschaftlichen Normen des Jahres 2428 auf mich sehr altmodisch. Das Zeremoniell, das da praktiziert wurde, kann mich heute nicht mehr begeistern. Und doch wurde so oder so ähnlich in den 300er Romanen das eine oder andere auch beschrieben.

Einige Szenen sind mir zu lang geraten, bspw. als Atlan Waringer zur Seite nimmt. Hier hätte ein kurzes „sie Unglücksvogel“ und „lassen sie uns versuchen die Situation zu retten“ ausgereicht. Auch andere Dialoge dehnen die Geburtstagsfeier zu sehr aus. Dazu zählt Rhodans Entschuldigung oder Guckys Erläuterungen zu dem ungebetenen Gast Schneider. Auch hier hätte ein kurzes „der will es Michael heimzahlen und nutzt die Situation“ ausgereicht. Die Absicht der Autorin ist auch hier augenscheinlich. Die Figuren sollen lebendiger wirken. Tatsächlich aber verleihen die zu langen Dialoge und Beschreibungen den Figuren keine Tiefe. Sie wirken eher statisch und der Leser ist schnell gelangweilt. An einer Stelle bemerkt Perry Rhodan die geschliffenen Formulierungen seines Gegenübers, die ihm „zu“ geschliffen erscheinen und ihn daher abstoßen. Das lässt sich auch auf einige Dialoge anwenden, die andere Figuren zuvor hatten und die bei mir eine ähnliche Reaktion auslösten.

Schließlich beginnt der Handlungsabschnitt über das Spezialtraining bei der USO. In den zwischenmenschlichen Beziehungen trifft die Autorin nicht immer den richtigen Ton. Militärangehörige untereinander haben je nach Situation natürlich verschiedene Sprachen. Die Unterscheidung zwischen Befehlston und privater Plauderei gelingt im Roman nicht immer. Die Kadetten werden einerseits als verschworene Gemeinschaft dargestellt, andererseits würde bei dem Umgangston eine solche Gemeinschaft erst gar nicht entstehen, weil einfach zu viel Distanz zwischen den Figuren vorherrscht.

Die Autorin ist in vielen Szenen, wie zuvor auch schon während der Geburtstagsfeier zu sehr auf eine Absicherung nach allen Seiten bedacht. Entsprechend viele Erläuterungen, Figuren und Dialoge bietet sie auf. Den Leser erwartet daher kaum noch Überraschendes. Er ist meist auf alles vorbereitet.

Die im zweiten Abschnitt des Romans beschriebene Glorifizierung Michaels durch seine Kameraden und durch anderes militärisches Personal ist mir persönlich zu weit gegangen. Kadett Rhodan erzielt zudem viel zu schnelle Erfolge. Die Hürden sind nicht hoch genug oder nicht vorhanden. Ein paar Rückschläge hätten der Figur gut getan und hätten eine solidere Basis für die Unterstützung durch die anderen Kadetten gelegt.

Auffällig ist, dass Michael Rhodan, zu dem die anderen Kadetten aufsehen, letztlich dafür verantwortlich ist, dass die meisten dieser Kadetten scheitern. Die geben nicht etwa auf, weil sie schwach sind oder die Herausforderungen nicht meistern, nein, die geben auf, weil sie es nicht ertragen können, dass Rhodan unter Henson so leiden muss. Michaels (einzige) Schwäche in diesem Abschnitt führt zum Scheitern der anderen.

Wie eingangs erwähnt ist eine der Triebfedern von Michaels Handeln der Umstand, seine Ziele selbst zu erreichen und sich nicht dem Verdacht auszusetzen, durch seine Abstammung begünstigt worden zu sein. Und doch lässt Angelika Rützel die Probleme ihrer Hauptfigur durch Begünstigung lösen. Als Sohn des Großadministrators lehnt Michael Rhodan eine Vetternwirtschaft ab. Gleichwohl sind es fast ausschließlich diese Kontakte, die ihm weiterhelfen und die er gerne in Anspruch nimmt. Ebenso selbstverständlich übernimmt er bei jeder Gelegenheit das Kommando, auch in den Fällen, in denen erfahrenere und wahrscheinlich qualifiziertere Personen, die Rolle des Anführers hätten übernehmen müssen und er sich diese Position zuvor kaum erarbeitet hat. Er ist eben doch der Sohn Rhodans.

Der letzte Abschnitt, der mit dem Eingriff auf Tahun beginnt, ist mir zu schnell gegangen. Ich hätte an der Stelle gedacht, dass hier vielleicht eine Fortsetzung folgt, die sich mit Michaels, bzw. Rois Aufnahme bei den Freihändlern beschäftigt. Auch gibt Michael m.E. zu früh seine wahre Abstammung gegenüber Lovely Boscyk preis. Das passt nicht zu seinem angekündigten Verhalten, sich alles selbst zu erarbeiten.

Ein ambitionierter Fan-Roman, der aus meiner Sicht einige Kürzungen vertragen hätte. Und weil es ein Fan-Roman ist, hätte im Aufbau eine Orientierung an den genreüblichen Fixpunkten für mehr Spannung gesorgt:

  1. Starker Beginn, Einstieg mit Action
  2. Ruhigere Phase in der erklärt wird, was in dem Roman geschieht, was die Aufgabe ist
  3. Es muss Hindernisse geben, Zwischenhöhepunkte
  4. Hauptbösewicht
  5. Der Held könnte scheitern

 

Demnach wäre der Kampf Tim gegen Michael der Einstieg. Die beiden kämpfen auf Leben und Tod und der hinterhältige Angriff mit dem Messer beendet die Szene. Es erfolgt der Rückblick, wie es zu dieser Eskalation kam.

Danach werden die Familienzwistigkeiten beruhigt und Michael geht zur USO. In seinem ersten Auftrag an Bord der IMPERATOR scheitert er, beweist aber in der Niederlage Größe und kann sich Respekt verschaffen. Auch im Training sind ihm einige andere Kadetten voraus, aber er kämpft.

Die Schlüsselszene ist die Aufdeckung von Hensons Identität und die Verhinderung des Mordanschlags. Hier darf auf keinen Fall die Abstammung Michaels für die Problemlösung herangezogen werden. Es gibt zahlreiche Alternativen. Bea hätte ihre Rolle als frühere Kommandantin nutzen können. Oder die Gruppe hätte sich heimlich in Hensons Quartier eingeschlichen und vertrauliche Daten erbeutet. Es sind weitere Optionen denkbar.

Die Rückkehr des Hauptbösewichts muss besonders herausgearbeitet werden. Seine „Entdeckung“ an Bord des Rettungsbootes war wenig spektakulär. Und ganz wichtig, obwohl wir als Leser wissen, dass Michael überlebt, er muss auch scheitern können.