Articles by Uwe Bätz

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3056

Transmitter-Hasardeure – von Uwe Anton
Der akonische Etappenhof Kesk-Kemi steht kurz vor der feierlichen Eröffnung. Es wird der 897. Etappenhof werden. Die Transmitterstrecken überwinden insgesamt 70.000 Lichtjahre. Kesk-Kemi hat seinen Standort an der Peripherie des Sternenreiches Chebor-Popta und steht im Orbit einer Siedlungswelt der Cheborparner. Zahlreiche prominente Galaktiker haben sich angekündigt. Die TREU & GLAUBEN des Barniters Kondayk-A1 ist eingetroffen. Der cheborparnische Finanzier Hyadusz Pervuggan ist anwesend und auch ein hochgestellter Akone. Der Kommandant des Etappenhofs Glosiant ter Tupun ist entsprechend angespannt und beaufsichtigt letzte Arbeiten. Die Siganesin Barbara Meekala ist zusammen mit ihrer Kollegin, der Swoon Rohonzori, dabei, einer Irritation im Transmittersystem auf den Grund zu gehen. Doch die positronische Protokolle liefern keine verwertbaren Ergebnisse an die beiden Transmitterspezialistinnen. Dennoch sind die beiden Mikrotechnikerinnen sicher, dass etwas nicht in Ordnung ist und raten ter Tupun von einer Inbetriebnahme ab.
Der Akone ignoriert die Warnung. Bei Inbetriebnahme kommt es zu einem ersten Zwischenfall. Geschenke, die Hyadusz Pervuggan an Bord abstrahlen ließ, materialisieren nicht im Empfänger. Erneut machen sich die beiden Transmitterspezialistinnen auf die Suche. Und warnen eindringlich vor der Aufnahme von Personentransporten. Inzwischen ist auch ein cairanischer Augenraumer vor der Station eingetroffen. Mit Matetao Goniwari ist der Legat für die Sicherheit interstellarer Transportsysteme an Bord gekommen. Das Unheil nimmt seinen Lauf. Die Transmitterprobleme sind nicht das einzige Problem. Transmitter-Hasardeure sind in die Station eingedrungen. Unter ihnen auch zwei Tomopaten, die Angst und Schrecken verbreiten. Barbara Meekala und Rohonzori bleiben zunächst unbemerkt, kommen in Kontakt zu zwei merkwürdigen Agenten und versuchen hinter die Absichten der Eindringlinge zu kommen.
 
Nach 15 Wochen kehrt die Handlung zur Atlan-Ebene zurück. Ein bisschen zumindest. Der Arkonide hat einen Kurzauftritt am Anfang, den Rest der Handlung bestreiten danach andere Akteure. Der kurze Fokus zu Beginn von Uwe Antons Roman diente einzig dem Zweck, die Handlungsebene in Erinnerung zu rufen und die Figuren für diesen und kommende Romane in Position zu bringen. Gucky ist nun bei Atlan, die Thesan Zemina Path ist auf dem Weg nach M13 und es werden Aktivitäten Monkeys erwähnt. Außerdem werden Giuna Linh und Lanko Wor zum Etappenhof Kesk-Kemi in Marsch gesetzt, weil der Nachrichtendienst Ephelegon Hinweise auf Anschläge durch Transmitter-Hasardeure bekommen hat. Der Roman setzt jedoch verstärkt auf andere Figuren.
Uwe Anton lässt das Geschehen aus der Sicht zweier Winzlinge ablaufen. Der Siganesin Barbara Meekala und der Swoon Rohonzori. Die beiden Technikerinnen haben aufgrund ihrer geringen Körpergröße nicht nur eine gänzlich andere Perspektive auf die Lage an Bord. Sie genießen auch gewisse Vorteile daraus. Denn sie bleiben in bestimmten Situationen unter dem Radar. Angesichts der Gegner, darunter zwei Tomopaten, kein geringer Vorteil. Die Handlung beginnt harmlos und wird vom Autor von Szene zu Szene gesteigert. Uwe Anton spart dabei auch nicht an drastischen Darstellungen. Einerseits schildert er schonungslos die Auswirkungen eines Transmitterunfalls. Andererseits werden von ihm auch die brutalen Angriffe der Transmitter-Hasardeure geschildert. Die keine Paralysatoren einsetzen, sondern tödliche Waffen ohne jede Rücksichtnahme.
Allerdings ist die Gewaltdarstellung in Uwe Antons Roman kein Selbstzweck. Zumindest empfinde ich es nicht so. Es ist eher eine inszenatorische Finesse und eine notwendige realistische Darstellung, um seine Figuren in diesem Umfeld agieren zu lassen und das Vorgehen und die Emotionen der beiden Technikerinnen in diesem Zusammenhang plausibel schildern zu können. Die Geschehnisse wirken unmittelbar auf den Leser und der Autor kann die Neugierde, wie es seine Hauptfiguren schaffen, um zu überleben und die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten.
Wer hinter dem Angriff auf den Transmitterhof steckt, war schnell klar. Aber die Motive wurden noch nicht aufgedeckt. Eine sehr unterhaltsame Geschichte von Uwe Anton, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3055

Die VECU – von Michael Marcus Thurner
Dem Einsatzteam um Icho Tolot ist es gelungen, die VECU aus ihrem Gefängnis aus Vektormaterie auf Zpud zu befreien. Mit der geschwächten Superintelligenz, die sich auf sechs Körper verteilt, kehrt das Kommando an Bord der zweiten ZALTERTEPE-Jet zurück zur RAS TSCHUBAI. Dem stellvertretenden Sicherheitschef Onker Dou wird die Aufgabe übertragen, für die Sicherheit des riesigen Schiffes und seiner Besatzung zu sorgen. Dou hat Vorstellungen, wie er das bewerkstelligen kann. Doch bereits bei der Rückkehr werden seine Anordnungen unterlaufen, denn Phersunen rücken gegen die RAS TSCHUBAI vor und der Sicherheitschef muss Icho Tolot aus der vorgesehenen Quarantäne entlassen, damit der Haluter die Schiffsführung im Kampf gegen die Phersunen unterstützen kann.
Unklar für alle Beteiligten ist allerdings, wie sich die VECU verhalten wird. Onker Dous Maßnahmen zielen darauf, der aufgesplitterten SI den Zugriff auf Bordsysteme, insbesondere ANANSI zu verwehren. Doch die VECU geht ihren eigenen Weg. In Bru Shaupaard verankert, kann die SI dennoch auf die Systeme der RAS TSCHUBAI zugreifen und nach und nach unter ihre Kontrolle bringen. Onker Dou initiiert ein Notprogramm, das es ihm, Icho Tolot und anderen Besatzungsmitgliedern ermöglicht, sich zunächst dem Zugriff der unter dem Einfluss der VECU stehenden ANANSI zu entziehen. Und auch die Semitronik selbst hat einen vergessenen Teil, der frei und unabhängig bleibt.
Die Pläne der VECU bleiben für Kommandant Cascard Holonder mysteriös. Sie will offensichtlich die RAS TSCHUBAI dazu verwenden, um gegen die Kandidatin Phaatom zu kämpfen. Aber da ist noch ein insektoides Volk, dem die VECU ihre Aufmerksamkeit widmet. Werden sich die Terraner in diesem Konflikt behaupten können?
 
Hin und wieder gibt es Handlungsstränge und Einzelthemen, bei denen ich den Eindruck erhalte, sie passen den Planern nicht mehr so richtig ins Konzept. Perry Rhodan ist ins Galaxiengeviert aufgebrochen, um mehr über die Cairaner zu erfahren. Vor Ort zeigt sich, dass die Cairaner hier keine Rolle mehr spielen. Der Unsterbliche hatte ein weiteres Ziel. Nämlich die verschwundene Erde zu finden. Dieses Ziel hat der Held inzwischen erreicht. Vor Ort ist aber noch ein Trägerschiff mit viel Potential, das nun irgendwie verloren wirkt. Der Schauplatz ist abgefrühstückt und die Musik spielt nun woanders. Gleichwohl gibt es aber noch Themen, die zu einem Ende gebracht werden müssen. Während die Helden schon weitergezogen sind, muss die zweite Garde ran. Gegen die destruktiven Kräfte, die schon die Vecuia beiseite gefegt hatten, steht die RAS TSCHUBAI allerdings auf verlorenen Posten. Das Motto dieses Romans könnte lauten: „Noch ein wenig aufräumen und dann ab nach Hause.“
Die letzten Reste der ehemaligen Mächtigkeitsballung werden zusammengekehrt. So wirkte die Roman auf mich. Andererseits hätte eine breitere Darstellung aus den eingangs genannten Gründen keinen Sinn gemacht. Immerhin blieb uns eine weitere Lebensgeschichte erspart. Wobei ich durchaus Fan solcher Geschichten bin. Aber hier hätte eine solche Story ebenfalls keine besondere Wirkung erzielen können.
Der Roman erzählt vom Widerstand der Besatzung gegen die Superintelligenz. Der Autor musste dabei eine Balance finden. Einerseits sollten die Bemühungen einzelner Figuren nicht lächerlich dargestellt werden, denn es ging schließlich gegen ein eigentlich unbezwingbares Superwesen. Und dagegen können Aktionen wie die des Sicherheitschefs oder des Haluters nicht anstinken. Andererseits musste der Autor dennoch die „Größe“ einer SI vermitteln. Das ist ihm m.E. ganz gut gelungen. Doch ein Punkt störte mich dann doch. Die Figuren wurden nicht müde darin zu betonen, dass derartige Wesen Pläne schmieden, deren Ausführung Jahrzehnte in Anspruch nimmt und Auswirkungen in Jahrhunderten oder Jahrtausenden zu erwarten waren. Und dann wird von der VECU als erstes ein im Bau befindlicher Abyssaler Triumphbogen als Angriffsziel auserkoren. Wie banal! Als Ablenkung wenig geeignet und als Fanal „seht her, wir können etwas bewirken“ auch nicht.
Die Figurendarstellung Tolots und des Sicherheitschef Onker Dou hat mir zugesagt. Die des „Vergessenen“ weniger. Die vielen Darstellungen positronischer Intelligenz in der Serie wurden zwar um eine weitere Facette erweitert aber um eine wenig Überzeugende.
Letztlich hat die VECU dann doch einen Plan B, der ihr zumindest ein Überleben für eine gewisse Zeit ermöglicht. Dann war allerdings wirklich Schluss auf dieser Handlungsebene und die RAS TSCHUBAI macht sich auf den Heimflug in die Milchstraße.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3054

Die letzte Welt der Vecuia – von Dennis Mathiak
Nur einen Tag nach Abflug von Perry Rhodan mit der TESS QUMISHA, rüstet sich die RAS TSCHUBAI zur Suche nach der VECU. Dem Versprechen, die Superintelligenz zu befreien, will die Besatzung nun nachgehen. Der Sextadim-Span, den der Cairaner Bru Shaupaard im Nacken trägt, vermittelt ihm den Standort eines Planeten, auf dem sich das Gefängnis der VECU befindet. Die Superintelligenz ist in einem Abyssalen Verlies aus Vektormaterie gefangen. Bru Shaupaard besteht darauf, dass neben ihm und Wavalo Galparudse, der Haluter Icho Tolot, sowie Gry O’Shannon, Penelope Assid und Jalland Betazou an der Unternehmung zur Befreiung der SI teilnehmen sollen. Gry O’Shannon aus der Suspension zu holen, birgt ein Risiko. Denn schließlich kann sie vom Advokaten aufgespürt werden. Da der Planet Zpud aber fast 26000 Lichtjahre entfernt ist, hofft man, dass der Advokat sie dort nicht aufspüren kann.
Auf der Zielwelt Zpud ist zur gleichen Zeit der Henker Shukkner auf dem Weg zur Stadt Bossonu. Der Dovoin hofft darauf, dort gute Geschäfte zu machen. Sein Sklave Klurn ist immer an seiner Seite. Noch ahnt Shukkner nicht, dass er bald eine schicksalhafte Begegnung haben wird.
Das Zielsystem wird von starken Verbänden der Phersunen geschützt. Dennoch kann eine ZALTERTEPE-Jet den Kordon aus Schiffen und Vektormaterie durchdringen. Kurz vor dem Planeten werden sie dann doch entdeckt. Bevor das Schiff vernichtet wird, kann das Team, wenn auch mit Verlusten, Zpud erreichen. Der Planet ist von Schiffswracks der Vecuia übersät. Die einheimischen Dovoin nennen sie Sternensplitter. Einige Dovoin beuten die Wracks aus. So kommt das Einsatzteam in Kontakt zu Einheimischen, die etwas über eine Insel berichten, die vor langer Zeit aufgegeben worden war. Der Einfluss von Vektormaterie muss die Dovoin von dort vertrieben haben.
Icho Tolot und die anderen haben nun ein Ziel. Doch je näher sie dem vermeintlichen Gefängnis der VECU kommen, umso stärker werden die Auswirkungen der Graumaterie. Und Bru Shaupaard scheint mehr zu wissen, als er bislang preisgegeben hat.
 
Nach Andreas Brandhorst (3005) und Liza Grimm (3012) erneut ein Gastroman. Dennis Mathiak ist allerdings kein Unbekannter im Perryversum. Der Autor hat schon für NEO und diverse Miniserien geschrieben, sowie Atlan-Taschenbücher verfasst.
Seine Geschichte gliedert sich in zwei Handlungsstränge. In der einen führt der Autor die Leser in die Welt der Dovoin aus Sicht eines Einheimischen ein. In der anderen machen sich die Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI auf, eben jene Welt zu erreichen, weil sie dort das Gefängnis der VECU vermuten. Ein altbewährter Aufbau also. Man ahnt, nein als Leser weiß man, dass sich die Wege von Shukkner und Co. und dem Einsatzteam kreuzen werden.
Ein probates Mittel ist auch die Strategie der Terraner, mit der Dennis Mathiak sein Einsatzteam losschickt. Die haben nämlich keinen Plan und setzen wie immer darauf, dass ihnen „vor Ort“ schon das richtige einfallen wird. Angesichts dessen, dass Bru Shaupaard von einem Abyssalen Verlies aus Vektormaterie spricht, ist diese Vorgehensweise allerdings ziemlich tollkühn. Man könnte auch sagen: Sinnlos. Weder haben die Terraner eine Methode zur sicheren Aufspürung der Graumaterie, noch einen Schutz, geschweige denn ein Gegenmittel.
Auch hier ahnt man als Leser bereits, nein, weiß man als Leser, dass den Helden der Zufall in die Hände spielen wird. So ähnlich kommt es dann auch. Bru Shaupaard hat ein paar Informationen verschwiegen und legt die Karten endlich auf den Tisch. Überraschend für mich ist allenfalls das Ergebnis des Einsatzes. Die Terraner sind in nur 1 Roman ziemlich weit gekommen.
Das erreichte Ergebnis kam auch dem Autor, bzw. seiner Geschichte zugute. Er konnte eine flotte, schnörkellose Handlung schreiben. Wobei, nach dem Einstieg in die Lektüre sah es für mich noch nicht so flott aus. Die beiden Handlungsebenen schienen in einem Clinch zu liegen. Detail kontra Wiederholung. Die Dovoin-Welt war detailreich. Beinahe schon zu detailreich! Zumindest für meinen Geschmack. Etwas mehr Figurendarstellung hätte es sein dürfen. Dafür weniger Umgebung. Aber da gab es ja noch die andere Handlungsebene. Hier brachte der Autor die Leser zunächst auf den Stand der Dinge „vor“ dem kleinen Jubiläum in der Zyklushandlung. In einem Interview geht der Autor auf diese Herausforderung ein. Er musste die Stammleser wieder abholen, die vier Wochen Pause auf dieser Handlungsebene hatten und auch potentielle Neu- und Wiedereinsteiger mit dem Stoff zufriedenstellen.
Einige dieser „Erklärungen“, die für diese Zwecke notwendig waren, gerieten mir etwas zu umfangreich. Aber je weiter der Roman voranschritt, desto kürzer wurden diese Wiederholungen und wichen schließlich einer Handlung, die ich als flott empfand. Die Absicht, Gry O’Shannon aus der Suspension zu holen, damit sie den Einsatz mitmachen kann, lässt der Autor diskutieren. Er war sich also der Schwierigkeit, diese Figur mitzunehmen, bewusst. Das Argument, dass aufgrund der Distanz zum bisherigen Einsatzgebiet es eher unwahrscheinlich sei, dass Gry O’Shannon vom Advokaten aufgespürt werden kann, erscheint schlüssig. Ist m.E. jedoch zu kurz gedacht. Denn es geht zum Verlies der VECU. Man sollte angesichts der vergangenen Ereignisse um die Sextadim-Späne meinen, dass dem Advokaten klar sein sollte, dass seine Feinde versuchen werden, die SI zu befreien.
Mit den Figuren kommt der Autor gut zurecht. Im Fokus steht häufig Penelope Assid. Deren Emotionen hat der Autor nachvollziehbar eingefangen. Sehr schön beispielsweise die Gemütsbewegungen, die die Figur während der Beobachtung der Vektormaterie an Bord der RAS TSCHUBAI an der Seite des Onryonen verspürt. Auch der Umgang dieser Figur mit anderen Teammitgliedern, ihre Beobachtung von Wavalo Galparudse und wie Tolot reagiert. Das hat mir gefallen.
Dennis Mathiak hat seine Sache gut gemacht. In eine Serie einsteigen, die seit beinahe 60 Jahren läuft und in ein Team von Autoren vorstoßen, von denen einige eine nach Jahrzehnten bemessene Schreiberfahrung haben, dürfte etwas Nervosität ausgelöst haben. Dem Roman merkt man das allerdings nicht an.