Articles By Uwe Bätz

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2917

Reginald Bulls Rückkehr – von Hubert Haensel – Handlung:

Im Jahre 1544 NGZ lebt Reginald Bull zusammen mit seiner Frau Toio Zindher in der Stadt Pha Gashapar, auch genannt die Stadt Allerorten. Genauer gesagt im Stadtteil Carpenseen, dessen kosmische Koordinaten den beiden Galaktikern unbekannt sind. Reginald Bull ist wegen seines chaotarchisch geprägten Zellaktivators bislang nicht nach Terra zurückgekehrt. Und auch seine Gefährtin Toio Zindher dürfte auf Terra aufgrund der Tötung von Ronald Tekener wohl nicht gern gesehen sein. Pha Gashapar leidet unter der dys-chronen Scherung der Universen. Die Technik fällt immer häufiger aus. Insbesondere die Übergänge zwischen den Stadtteilen sind gestört. Doch momentan hat Reginald Bull andere Sorgen. Toio erwartet ihr gemeinsames Kind und die Geburt ist schwierig. Robotische Helfer sollten eigentlich unterstützen, doch Bull kann sie nicht erreichen. Eine Nachbarin, das Reptilienwesen Makkia, wird zur Hebamme. Töchterchen Shinae wird geboren und Icho Tolot gratuliert den Eltern.

Sieben Jahre später lebt die kleine Familie auf Krynn, dem vierten Planeten des Gosenasystems, im Randbereich des Neuen Tamaniums. Die beiden Galaktiker haben Tarnidentitäten angenommen und sind Bürger der Stadt Kamaluc. Unweit der Siedlung gibt es ein aufgegebenes Kloster einer Jülziish-Sekte. Die Tefroder wissen nicht, dass sich im Inneren des Klosters ein Zugang zur Stadt Allerorten verbirgt. Eigentlich wollte die Familie nach Andro-Gamma gelangen und ist stattdessen auf Krynn gelandet. Icho Tolot ist ebenfalls dabei. Nur versteckt sich der Haluter in den Wäldern um das Kloster. Dort hat er sich in einer Höhle eingerichtet und besorgt sich hin- und wieder Apparaturen aus dem Kloster.

Die siebenjährige Shinae ist ein aufgewecktes Kind. Sie weiß, dass ihre Eltern nicht die sind, für die sie sich ausgeben. Nach und nach füttern Reginald und Toio ihre Tochter mit dem notwendigen Wissen, immer darauf bedacht, dass sie das Gehörte für sich behält. Die für tot gehaltene Mutantin aus dem Einflussbereich von Vetris-Molaud darf nicht publik werden und auch ein Terraner ist im Tamanium ungern gesehen. Krynn ist so abgeschieden, dass die galaktischen Nachrichten dort nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch dringen die Ereignisse um die Sonnenleuchtfeuer, derentwegen Perry Rhodan mit einem Fernraumschiff aufbricht, auch zur Tefroder-Welt. Reginald Bull hat ein schlechtes Gewissen, sich nach seiner Rückkehr in die Milchstraße nicht bei seinen Freunden gemeldet zu haben. Sein chaotarchisch geprägter ZA beschäftigt ihn zusehends. Er hat Albträume und sieht seine Tochter gefährdet. Und auch Toio Zindher hat Albträume. Etwas braut sich zusammen.

Es kommt zu einem merkwürdigen Naturphänomen. Nager aus allen Gegenden des Planeten drängen zum Meer, als würden sie vor etwas fliehen. Bull und Zindher mutmaßen, dass Bestrebungen im Gange sein könnten, die hiesige Breviatur abzutrennen. Bull nimmt seine Tochter mit, um das zu untersuchen. Shinae besitzt als in der Stadt geborene ein ewiges Passepartout. Und sie hat einen Identor von Quick Silver erhalten, mit dem sie übt, andere Identitäten anzunehmen. Zusammen mit Tolot suchen sie das Hanen-Kloster auf.

Der Wächter der Brevizone verweigert Bull und Tolot den Zugang. Ihre Passepartouts würden demnächst ungültig werden. Plötzlich tauchen zwei Roboter auf, die Bull und Tolot angreifen. Eine alte Jülziish namens Mutru erscheint, die sich als Klosterwächterin bezeichnet. Sie hat vor Jahren das Eintreffen der kleinen Gruppe Galaktiker beobachtet. Bull und Tolot können sie beruhigen. Da wird Shinae von etwas in den Finger gestochen. Tolot erkennt ein winziges Raumschiff, das er zunächst für ein Modell hält, bis es anfängt zu wachsen.

Über Krynn taucht ein Haluterschiff auf, das auf keine Funkanrufe der Wachschiffe reagiert. Es wird abgeschossen. An der Aufschlagstelle werden zwei tote Haluter gefunden, die erschlagen wurden. Bull und Tolot finden heraus, dass es einen dritten Haluter an Bord gab. Dieser dritte Haluter wird bald von Tefrodern gestellt. Zum Entsetzen von Tolot und Bull läuft der Haluter Amok und richtet ein Blutbad unter den Sicherheitskräften an. Er bewegt sich zur Siedlung, wo sich Toio und Shinae aufhalten. Die Vitaltelepathin erkennt, dass der Haluter irgendwie auf die Zellaktivatoren von Bull und Tolot reagiert. Tolot kann den fremden Haluter überwältigen. Sein Name ist Fagur Ord. Er sagt, dass er krank sei und in die Unumkehrbarkeit stürze. Dann kommt es zur Strukturumwandlung. Toio sieht keine Vitalität mehr in dem Haluter. Er ist tot.

Die Familie zieht sich ins Hanen-Kloster zurück. Im Gosenasystem sind tefrodische Kriegsschiffe eingetroffen. Über Funk wird nach Tagen eine Botschaft verbreitet. Es sind die Gemeni, die das zweite Pacische Rhizom im Gosenasystem gepflanzt haben. Den Spross SHINAE.

Der Tamaron gibt den Befehl, Krynn zu evakuieren. Es ist der 13. Juli 1551 NGZ. In fünf Tagen soll die Evakuierung abgeschlossen sein. Reginald Bull fragt sich, ob es klug war, Allerorten verlassen zu haben.

 

Rezension:

Mit Reginald Bull kehrt eine meiner Lieblingsfiguren in die aktuelle Handlung zurück. Und findet in Autor Hubert Haensel einen würdigen Schilderer seiner Abenteuer.

Mit Reginald Bull und Toio Zindher schickt Hubert Haensel zwei sehr unterschiedliche Helden in ein Abenteuer. Der Terraner ist, wie ich finde, die menschlichste aller Hauptfiguren der Serie. In der Serienvergangenheit war Reginald Bull als Stellvertreter Perry Rhodans festgelegt und es hat Jahrtausende und tausende von Heften gebraucht, bis er sich aus dieser Rolle lösen konnte. Der Figur fehlt das kosmische Flair, das Atlan, Rhodan oder Saedelaere umgibt. Aber das ist auch gut so. Wenn Hubert Haensel in diesem Roman seinen Helden als Allesmonteur und als Inhaber einer Werkstatt beschreibt, drückt das genau das aus, was Bull ist. Trotz Unsterblichkeit ist der Terraner Pragmatiker geblieben.

Toio Zindher scheint das genaue Gegenteil. Die Mutantin und Agentin der Tefroder hat gegen Zellaktivatorträger gekämpft und einen von ihnen, Ronald Tekener, getötet. Es ist ein Balanceakt, den Hubert Haensel hier vollbringen musste. Er muss die Mörderin einer beliebten Serienfigur als Sympathieträgerin zurückbringen. Aus meiner Sicht ist das gelungen. Und dabei verschweigt der Autor keineswegs die Ereignisse oder versucht sie zu beschönigen. Er findet Argumente, die die Beziehung Bulls zu Zindher erklären. Abgesehen davon tut eine starke weilbliche Hauptfigur der Serie gut. Und – nebenbei bemerkt – über die Jahrtausende gesehen, ist keiner der Unsterblichen frei von Schuld.

Bulls Selbstzweifel hat der Autor gut eingefangen. Er leistet sich dabei nur kleine Schwächen. Ein wenig zu häufig verfällt seine Figur in Gedanken, die sich mit der chaotarchischen Prägung seines Chips beschäftigen und den mutmaßlichen Auswirkungen. Dabei sind keine Symptome erkennbar. Seine Angst, nach Terra zurückzukehren, lässt sich alleine damit nicht erklären. Auch nicht damit, was seine Frau getan hat, die einen aus der Riege der Unsterblichen getötet hat. Bull und Zindher sind beide nicht perfekt. Das macht sie menschlich und deshalb interessant.

Die Gedanken zu einem chaotarchisch geprägten ZA greifen m.E. zu kurz. Ich hätte erwartet, dass eine Figur, die eine so immense Lebenserfahrung hat, auch über das Offensichtliche nachdenkt. Wenn chaotarchisch geprägte ZA ein Problem sein sollten, dann müssen kosmokratisch geprägte ZA es auch sein. Und da die Hohen Mächte ambivalent geschildert werden, kann beides, chaotarchisch oder kosmokratisch, gut oder schlecht für die Träger sein. Es täte mich überraschen, wenn sich Bulls Wesen verändern würde. Denn dann wäre auch einer Änderung von Rhodan und Atlan Tür und Tor geöffnet. Ich hoffe, dass die Autoren diesen Weg nicht beschreiten.

Shinae fängt der Autor gut ein. Am Romanende werden allerdings der Siebenjährigen Sätze in den Mund gelegt, die so mancher Erwachsener nicht zusammenbekommt, da sie viel Empathie voraussetzt. Beispielsweise als sie bemerkt, dass ihr Vater so entspannt lächelt und sie ihn fragt, ob er gute Neuigkeiten hat.

Die Geschichte mit der Ungültigkeit von Bulls Passepartout habe ich nicht ganz verstanden. Es war ja das besondere an seinem chaotarchisch geprägten ZA, der dadurch zu einem ewigen Passepartout aufgewertet wurde. So stand es in 2749.

Fazit: Die vielschichtigen Protagonisten wussten in einer unterhaltsamen Geschichte zu überzeugen. Mehr davon!

 

Ansichten zu Perry Rhodan Terminus Heft 7

Die geheime Werft – von Bernhard Kempen – Handlung:

Am 24. November 3430 verlässt die CART RUDO die Freihandelswelt Olymp und fliegt in die galaktische Eastside. In den Daten, die sowohl auf Olymp als auch auf Nosmo erbeutet wurden, konnte ein Koordinatensatz entdeckt werden, der zu einer kleinen roten Sonne in 60.000 Lichtjahren Entfernung führt. Neben Perry Rhodan fliegen seine Leibwächterin Takayo Sukurai und Gucky mit. Auch die beiden Zeitspringer und Professor Bievre sind dabei.

Anderenorts wird der Jülziish Tääj Yöriil vom Volk der Gaatanyi vor die Wahl gestellt. Tääj Yöriil ist kurz zuvor von einem Gericht zum Tode durch Enthauptung verurteilt worden. Doch plötzlich bekommt er die Chance, seinen Hals zu retten. Mit Dutzenden anderer Verurteilter soll er an einem Himmelfahrtskommando teilnehmen. Überlebt er, kann er der Todesstrafe entgehen. Mit anderen geht er an Bord eines Diskusraumers. In engen, speziell abgeschirmten Kapseln wartet er mit seinen Kameraden auf den Einsatz. Es soll gegen die Kugelköpfe gehen, wie die Lemurerabkömmlinge von den Gaatanyi bezeichnet werden. Sie haben einen Stützpunkt im Hoheitsgebiet der Gaatanyi eingerichtet. Ein Stoßtrupp, angeführt von Tääj Yöriil, soll die Anlagen dort sichern.

Fünf Tage nach dem Aufbruch beendet die CART RUDO die letzte Linearetappe am Rande des Zielsystems und versteckt sich in einer Kometenwolke. Das System wird Arcane getauft und hat vier Planeten. Nummer zwei scheint die Hauptwelt zu sein. Dort werden Städte, Raumhäfen und Werften ausgemacht. Um Planet vier treiben die Wracks dreier Bluesschiffe. Rhodan geht mit einem Einsatzteam an Bord eines der Wracks Die Raumschlacht, die zur Zerstörung der Diskusraumer geführt hat, ist erst wenige Tage oder Wochen her. Weitere Daten kann das Team nicht sichern und muss das Schiff überhastet verlassen, als einige Notsicherungssysteme anspringen.

Zurück auf der CART RUDO präsentiert Professor Bievre neueste Erkenntnisse über Planet Zwei. Dort gibt es große Howalgoniumvorkommen, die großmaßstäblich abgebaut werden. Die Ortung meldet etwas Überraschendes. Vom zweiten Planeten starten acht Kugelraumschiffe der 800m-Klasse. Es scheinen exakte Kopien terranischer Schlachtschiffe der STARDUST-Klasse zu sein. Sie tragen keine Kennzeichnung. Überraschend nähert sich eine zweite Flotte von Diskusraumern und greift die Schlachtschiffe an. Die Blues haben keine Chance. Etliche Schiffe werden zerstört, das Flaggschiff zum Wrack geschossen. Der Rest tritt die Flucht an und sammelt sich in einiger Entfernung, wie die Orter der CART RUDO feststellen. Die acht Kugelraumschiffe verschwinden mit unbekannten Ziel.

Perry Rhodan möchte sich auf Arcane Zwei umsehen. Mit einem Shift reist er huckepack auf dem zum Wrack geschossenen Flaggschiff der Bluesflotte. Das Schiff stürzt in einer unbewohnten Gegend von Arcane Zwei ab. Die Bewohner der Welt kümmert das nicht. Vor dem Aufschlag trennt sich der Shift vom Wrack und steuert eine der Werften an. Da bemerkt Gucky die Gedanken von Jülziish. Die waren bisher abgeschirmt. Noch jemand anderes ist wie die Terraner heimlich auf der Werftwelt eingesickert.

Perry Rhodan erreicht mit Gucky, Darren Zitarra und Takayo Sukurai eine der Werften. Es gibt keinen Schutz und sie können ungehindert eindringen. Es gibt eine Belegschaft, deren Gedanken der Mausbiber aber nicht lesen kann. So, als seien die Unbekannten in Trance. Die Fabrik scheint überhastet geräumt worden zu sein. Der Teilbau eines Kugelschiffes steht noch darin. Rhodan entdeckt, dass die Schiffe nach Bauplänen des Solaren Imperiums entstanden sind. Und er entdeckt einen Datensatz, der ihn alarmiert. Doch dann müssen er und seine Begleiter fliehen, weil die Jülziish eintreffen. Auf dem Rückzug muss sich Rhodans Team gegen ein paar Industrieroboter wehren.

Die Terraner machen sich auf den Weg in die nächste Stadt. Derweil erobern die Jülziish die Werft. Als einer der Roboter explodiert, wird Tääj Yöriil der Kopf abgetrennt.

Die Stadt erweist sich als Geisterstadt. Die meisten Bewohner sind weg. In den Appartements sichert Zitarra Spuren von Bewohnern. Er vermutet, dass dort verschwundene Nosmoner gelebt haben. Im zentralen Turm der Stadt arbeiten noch Terraner, Arkoniden und Akonen. Gucky lenkt sie ab, während Rhodan erneut Daten sichert. Er entdeckt zu seinem Entsetzen, dass die Unbekannten auch Daten des Hyperinmestrons haben und daran arbeiten.

An Bord der CART RUDO entdeckt man eine große Flotte Diskusraumer, die den zweiten Planet anfliegt. Rhodan kann nicht gewarnt werden. Mehrere Diskusraumer dringen in die Atmosphäre ein und fliegen die Stadt an, in der sich Rhodan und sein Team aufhalten.

Rezension:

Mit Bernhard Kempen liefert ein weiterer, nicht ganz so bekannter Autor einen Beitrag zu Terminus. Bernhard Kempen schrieb bisher für Atlan-Miniserien und auch zwei Beiträge zu Perry Rhodan-Extra.

In einem Beitrag des Perry Rhodan-Forums hat zuletzt ein Leser gefragt, was denn Perry Rhodan und seine Leute eigentlich auf Olymp wollten. Die Frage fand ich ziemlich gut. Denn die Ziele, die der Unsterbliche im Terminus-Minizyklus verfolgt, sind mir auch nicht so klar. Es geht darum, die Unbekannten aufzuspüren, das sogenannte Heimliche Imperium, das nach Erkenntnissen der Zeitspringer die Galaxis ins Chaos stürzt. Doch die „Datenlage“ ist mau. Vor zwei Heften kristallisierte sich heraus, dass auch jede Menge an Menschen von den Welten des Solaren Imperiums und anderer Machtblöcke verschwunden sind. Dem wollte man auf Olymp nachgehen. Dieses Ziel hat man durch die Aktivitäten der Cynos gestört, ein wenig aus den Augen verloren. Und auch in diesem Roman schwächeln Motiv und Ziel der Figuren.

Zu Beginn der Geschichte dieses Romans werden kurz die Daten angesprochen, derentwegen nun Rhodan in die Eastside reist. Die SolAb hat in Daten, die Saedelaere von Nosmo mitbrachte und anderen Daten von Olymp genau 1 Koordinatensatz entdeckt, der in beiden Quellen auftaucht. Das reicht Perry aus, um mal eben 60.000 Lichtjahre weit zu fliegen. Die Rückkehr des Nosmo-Teams wird übrigens nicht behandelt. Da aber die beiden Zeitspringer mit Rhodan ins Arcane-System aufbrechen, scheinen alle wieder vereint. Der Maskenträger wird nicht erwähnt, ebenso wenig Deighton.

Im Arcanesystem setzt der Autor bei beiden Kommandounternehmen auf das gleiche Team. Indem Zitarra bevorzugt wurde, ging ich davon aus, dass diese Figur ein wenig mehr Spielraum, als bisher bekommen sollte. Tatsächlich bleibt der männliche Zeitspringer harmlos in dieser Geschichte. Nur einmal begehrt er gegen Rhodan auf. Und wird zurrechtgewiesen. Zitarra nickt und ist fortan brav. Das Konfliktpotential, das ich durch die Figur erhofft hatte, spielte der Autor nicht aus. Auch sonst kommen die eingesetzten Figuren über den Part „Anhängsel von Perry Rhodan“ kaum hinaus. Nur einmal darf Gucky eine Extratour drehen und auch die war harmlos.

Seine „Hausaufgaben“ hat Bernhard Kempen gemacht. Er leistet sich keine oder nur geringe Schwächen mit dem Perry Rhodan-Vokabular. Anfangs zieren noch einige sperrige Satzkonstruktionen den Lesegenuss. Mit zunehmende Verlauf und vor allem dann, als die CART RUDO verlassen wurde, wird der Stil gefälliger. Die Problematik des Ortungsschutzes, bzw. das „Nichtauffallen“ im Arcanesystem wird für meinen Geschmack etwas zu häufig eingesetzt, bzw. zum Thema gemacht.

Auf Arcane selbst fällt auf, dass der Autor seine Figuren doch arg einbremsen muss. Die Geheimnisse des Zyklus sollen nicht zu früh aufgedeckt werden. Von daher ist es doch sehr merkwürdig, dass Rhodan und sein Team keinerlei Anstalten machen, eine der auf dem Planeten angetroffenen Terraner, Arkoniden, Ferronen oder Akonen, näher zu untersuchen, zu befragen, zu belauschen. Was auch immer. Rhodan geht den verschwundenen Menschen nicht nach. Dabei lag es auf der Hand, dass die Menschen, die dort die Raumschiffe bauten und die von Gucky geespert wurden, zu den Verschwundenen zu zählen waren. Zumindest hätte man versuchen können, einen Blick auf die Belegschaft zu erhaschen. So aber tat die Gruppe Rhodan alles, um selbst unter Deflektorschutz allen und jedem aus dem Weg zu gehen.

Ein braver Roman. Irgendwie wollte der Funke bei mir nicht so recht überspringen.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2916

Gestohlenes Leben – von Kai Hirdt – Handlung:

Der Khasurnbaron Yergeo da Gnotor ist mit Ovasa, seinen persönlichen Roboter, sowie Kylldin und Quendressa an Bord des Sprosses KYLLDIN gegangen. Bhal Kharnaim begrüßt die Gäste. Yergeo da Gnotor drängt auf die Behandlung durch ein Physiotron, um schnellstmöglich Klarheit über diesen Vorgang zu erhalten. Der Bhal führt sie in eine Halle, in der sich mehrere Gebilde aus kristalliner Struktur erheben und jeweils Platz für eine Person bieten. Die Physiotrone führen die Körper in die Juvenilform zurück. Dosierte Vitalenergie führen zur Jugendform des Körpers. Nebenwirkungen sind möglich. Unter Umständen muss eine Prozedur wiederholt werden. Für Yergeo da Gnotor sind zwei Zyklen von je 62 Jahren Verjüngung angesagt, für Quendressa sind es drei. Kylldin hingegen wird nur von ihrer Behinderung geheilt. Die Mehandor und der Baron betreten ein Physiotron und ihre Welt versinkt im Licht.

An Bord der KATOR GIRMOMAR hat Kommandantin Zaroia da Bargk das Kommando über die wenigen Schiffe, die Girmomar schützen. Die Arkonidin wird von einem Siganesen beraten, den sie den Zweifler nennt. Er ersetzt ihr den Extrasinn, der bei ihr nicht aktiviert wurde. Der Kommandantin ist auch das Söldnerschiff ENORKETRON mit Kommandant Vartkon da Orbonodh unterstellt. Der zeigt sich nicht wählerisch in seinem Handeln. Inzwischen haben sich fünftausend Schiffe dem System genähert und fordern Einflugerlaubnis. Die Bewerber streben alle eine Verjüngung an Bord des Sprosses KYLLDIN an. Vartkon da Orbonodh feuert auf eindringende Schiffe, während Zaroia da Bargk mit diplomatischen Mitteln Konflikte vermeiden will. Sie hat Mühe, Vartkon da Orbonodh auf ihren Kurs einzuschwören.

Als Yergeo da Gnotor wieder zu sich kommt fühlt sich sein Körper merkwürdig an. Tatsächlich wurde er verjüngt. Und auch sein Extrasinn, den er vor vielen Jahren verloren hatte, meldet sich wieder. Doch noch während sich der Baron an die neuen Verhältnisse gewöhnt, fällt ihm Seltsames auf. Sein Extrasinn ist fordernd, beleidigend und aggressiv. Zunächst kann da Gnotor seinen mentalen Begleiter bändigen. Ihm fällt auf, dass mit seinen Erinnerungen etwas nicht stimmt. Sie sind ihm fremd geworden, als wären es nicht seine eigenen. Sein Extrasinn analysiert zudem die Vorgänge im Physiotron. Alle bekannten Zeitmaßstäbe, wie die Dauer der Behandlung oder die Dauer des Zyklus selbst, scheinen an terranische Maßstäbe angepasst. Yergeo da Gnotor wird misstrauisch. Er beobachtet an sich selbst auch zunehmend Wut. Diese Gefühle sind so stark, dass er Mühe hat, damit umzugehen. Auch Quendressa wurde verjüngt und der Baron sieht sich mit einer wunderschönen, begehrenswerten jungen Frau konfrontiert, wodurch sein Hormonhaushalt erst recht in Unordnung gerät. Und Kylldin ist geheilt.

Im System spitzt sich die Lage zu. Inzwischen fordern 40.000 Schiffe Einflugerlaubnis. Ein alter arkonidischer Veteran muss abgeschossen werden, als er sich über das Einflugverbot hinwegsetzt.

Bhal Kharnaim soll da Gnotor Antworten liefern. Der Gemen erläutert, dass die Erinnerungen vor der Prozedur dem Gehirn entnommen und anschließend wieder aufgeprägt wurden. Anders wäre es nicht möglich gewesen. Der Extrasinn von Yergeo da Gnotor gewinnt zunehmend die Oberhand und übernimmt den Körper. Ovasa bekommt den Auftrag, ein Physiotron zu sichern. Der Baron kann nicht eingreifen. Schließlich ist es Kylldin, die den Roboter aufhalten kann. Yergeo da Gnotor vertraut sich dem Bhal an, der mit einer zweiten Behandlung im Physiotron die Nebenwirkungen behebt. Der Extrasinn scheint geheilt, nur die Erinnerungen sind nach wie vor sehr seltsam für den Baron. Während die beiden Mehandor an Bord bleiben wollen, kehrt Yergeo da Gnotor nach Girmomar zurück, wo er begeistert empfangen wird.

Unbemerkt von allen Bewerberschiffen ist die GOS’TUSSAN, das ehemalige Flaggschiff des Kristallimperiums, in das System eingeflogen. Das Schiff ist seit dem Angriff auf den Zeitriss nicht mehr gesehen worden. Das Schiff zeigt sich den Verteidigern und Zaroia da Bargk geht an Bord. Sie wird zu Bostich vorgelassen, der sich in Begleitung des Haluters Sawru Maudh befindet. Bostich will den Spross erobern, den er für eine Gefahr hält. Die Physiotrone sollen gesichert werden. Der Imperator ignoriert, dass es das Imperium nicht mehr gibt und fordert den Oberbefehl über die Einheiten des Giromsystems.

Rezension:

Der Einstieg in den Roman ließ bereits ahnen, dass hier die Gedanken von Yergeo da Gnotor wiedergegeben werden. Danach setzt Kai Hirdt mit dem Einflug in den Spross an dem Vorgängerband an und verdeutlicht noch einmal das Besondere dieses Raumschiffs. Um dann mit der Zeichnung der Figuren fortzufahren. Die Figur des Khasurnbarons Yergeo da Gnotor, der seine Umgebung aufmerksam beobachtet, der berufliches und privates reflektiert, ließen mich als Leser rasch in die Geschichte eintauchen. Die Figuren waren mir sehr sympathisch. Es gefiel mir sehr gut, wie sich die Figuren mit ihrer jeweiligen Lage auseinandersetzten.

Toller Roman von Kai Hirdt. Die Geschichte profitiert vom zwar langsamen aber gut durchdachten Aufbau der Vorgängerromane zu dieser Handlung. Geschenke werden angeboten und es baut sich ein Gefühl drohenden Unheils auf. Der Untertitel des Romans suggeriert Unglück für den Baron. Und so kommt es dann auch. Er hat zwar 124 Lebensjahre gewonnen, aber er kehrt auch verändert in die Welt zurück, die er für den Jungbrunnen verlassen hatte. Seine Erinnerungen fühlen sich falsch an, als wären sie nicht seine eigenen. Erinnerungen prägen eine Person. Ob Yergeo da Gnotor in 124 Jahren so sein wird, wie zuvor, darf bezweifelt werden. Dazu passt der Romantitel „Gestohlenes Leben“ sehr gut. Der Autor gibt seinem Protagonisten viel Raum, um über die Veränderungen nachzudenken. Und der Baron muss damit leben, dass seine Erinnerungen möglicherweise manipuliert wurden. Hier zeigt sich eine Parallele zum Goldenen Reich. Denn dort werden Erinnerungen definitiv verfälscht.