Articles by Uwe Bätz

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3024

Der Geist von Hellgate – von Verena Themsen
Im Orbit um Hellgate dockt die zurückgekehrte BJO BREISKOLL an ihrem Mutterschiff an. Atlan hat die RAS TSCHUBAI verlassen und trifft sich mit Perry Rhodan auf Hellgate. Die beiden Unsterblichen bringen sich auf den aktuellen Stand ihrer Erlebnisse und beschwören den Geist von Hellgate herauf. Die beiden Männer schmieden Pläne. Perry Rhodan will die Heimat der Cairaner aufsuchen und Atlan, der inzwischen einiges über neue Völker und Allianzen in seiner Heimat Thantur-Lok herausgefunden hat, will in der Milchstraße den Hebel ansetzen, um die Rätsel dieser Zeit zu lösen.
Zunächst jedoch muss die RAS TSCHUBAI aufgerüstet werden, denn den Flug zur Heimat der Cairaner kann das Schiff zwar bewältigen, nicht jedoch den Rückflug. Die mobile Werft HEPHAISTOS der LFG soll den Umbau bewerkstelligen. Die Werftbesatzung ist über die wahre Identität der Besatzung der RAS TSCHUBAI nicht informiert. Aber Sabru, die Sicherheitschefin der Werft ist sehr neugierig. Und die Ekhonidin verfolgt auch noch andere Pläne. Die Führung der RAS TSCHUBAI, allen voran Sichu Dorksteiger, Gucky, Atlan und Perry Rhodan sehen sich unversehens mit neuen Herausforderungen konfrontiert, als Naats, Zain-Konstrukte, Piraten und ominöse Hintermänner ein Auge auf HEPHAISTOS werfen.
 
Gleich zu Beginn des Romans schafft Verena Themsen eine Szene, in der sich für mich viel von dem ausdrückte, wie diese Geschichte auf mich wirkte. Die Ekhonidin Sabru führt mit dem Naat Kloog ein Gespräch über Blumen. Und der Naat denkt über eine Frage sehr lange nach, obwohl die Ekhonidin sicher ist, dass er die Antwort kennt. „Er suchte lediglich die Worte sorgfältig aus, in die er sie kleidete.“
Diesen Eindruck, den Sabru da äußert, hatte ich in Bezug auf den Roman der Autorin. Woran genau das lag, kann ich nur schwer beschreiben. Aber der Text wirkte auf mich ebenfalls sorgfältig, zudem sehr lebendig, unterhaltsam und kurzweilig. Abgesehen natürlich von den technischen Ausschweifungen, die wohl mal wieder sein mussten. Die ich aber dennoch nicht übertrieben fand. In allen anderen Beschreibungen und Handlungen erzeugt die Autorin mit wenigen Worten eine hohe Aussagekraft. Auch die Dialoge waren kurz und stimmig mit genau dosierten Gefühlen. Vieles wurde schnell auf den Punkt gebracht. Und die Geschichte mit Sabru und der Wendung war einfach überzeugend geschildert.
Der Roman stellt zudem Weichen. Alle bisherigen Ereignisse fließen hier zusammen. Mit den Erkenntnissen, die Atlan zudem aus seiner Heimat gewonnen hat, werden neue Schauplätze und neue Rätsel eingeführt. Naats, Freischaren und geheimnisvolle Technologiegeber. Dazu die Vermutungen zum Antagonist hinter verschiedenen Gruppierungen, wie den Cairanern. Als wäre das nicht genug, packt die Autorin auch noch die Thesanit in ihre Geschichte. Die Zain-Konstrukte dürfen auch noch ran, obwohl hier das Fluidum des Unbekannten nicht richtig ausgespielt wurde.
Zur Entwicklung des Zyklus trägt der Roman ebenfalls etwas bei. Die erwähnte Weichenstellung werden auch die Einsätze der Figuren betreffen. Offen ist noch, mit welchen Partnern die drei Hauptfiguren ihre weiteren Abenteuer bestreiten werden. Aber Bull bleibt wohl Statthalter, Rhodan geht auf Fernreise und Atlan wird der Aufräumer vor Ort sein. Diese wohlbekannte und wenig innovative „Aufgabenteilung“ ist ein Wehrmutstropfen in einem ansonsten sehr guten Roman.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3023

Der On-Pirat – von Michael Marcus Thurner
Nach der Reparatur der RAS TSCHUBAI auf der Dunkelwelt Culsu führt Atlan das Schiff ins Mhoragsystem. In der Chromosphäre des Begleitsterns Haika wartet die Besatzung auf die Rückkehr Perry Rhodans. Doch nicht der Unsterbliche nähert sich dem Riesenschiff, sondern der Onryonen-Raumer des On-Piraten Buunyn Paccnarash. Der Kommandant der BELTECC wittert Beute, als er ins Nest der Piraten zurückkehren möchte, das sich ebenfalls im Stern Haika verbirgt. Die fortgeschrittene Halbraumtechnologie seines Volkes ermöglicht den Piraten die frühe Ortung des Kugelraumers, ohne dabei selbst entdeckt zu werden. Paccnarash setzt einen On-Legaten in Marsch. Das zylindrische Gerät erreicht durch den On-Raum die Zentrale der RAS TSCHUBAI und paralysiert im Umkreis von 200 Metern alle Besatzungsmitglieder. Der Zufall will es, dass Atlan und Gucky sich außerhalb des Bereiches aufhalten. Während die erste Offizierin Magebe Lenski die Delegation der Piraten, die an Bord gekommen ist, hinhält, statten Atlan, Aurelia und Gucky dem Nest der Piraten einen Besuch ab. Die drei entdecken zahlreiche gefangene Galaktiker an Bord, aber auch 50 Ladhonen und ein Wesen, das ein Zain-Konstrukt sein könnte. Atlan will die Geiseln befreien und für eine Situation sorgen, in der er Verhandlungen mit den Onryonen über die Freigabe der RAS TSCHUBAI führen kann. Doch seine Aktionen laufen nicht wie geplant.
 
Nicht Atlan steht im Mittelpunkt der Geschichte von Michael Marcus Thurner, obwohl der Arkonide mehrmals Nägel mit Köpfen macht und einsame Entscheidungen trifft. Und auch nicht Gucky, obwohl der Ilt mehrmals die Kastanien aus dem Feuer holt. Es ist auch nicht Aurelia, obwohl die Posmi mehr noch als Gucky unangenehme Aufgaben aufgetragen bekommt. Diese drei Protagonisten sind zwar präsent, aber sie werden von der Darstellung des On-Piraten Buunyn Paccnarash getoppt.
Allerdings ist die Figur des Paccnarash für mich als Leser schwer zu greifen gewesen. Das lag an der Ich-Form der Erzählperspektive, die der Autor für seinen Protagonisten gewählt hat. In anderen Erzählsituationen hätte verstärkt die Möglichkeit bestanden, das angeberische Auftreten des Piraten zu bewerten, zu hinterfragen und die Wirkung auf andere Figuren und ihre Einschätzungen ins Spiel zu bringen. Die Ich-Perspektive ließ das zwar auch zu aber der Autor manövriert Paccnarash in Situationen, in denen mir nicht immer klar wurde, wie diese Figur, die ja der Bösewicht der Geschichte war, tatsächlich tickt. Einige Szenen waren natürlich schon deutlich, insbesondere die, in denen er bewusst gelogen hat. Andere Szenen, in denen seine Prahlerei und seine Selbstüberschätzung dominierten, waren mehrdeutig.
Der Typ war schon sehr von sich eingenommen und das hat mich einerseits befremdet, weil ich das Innenleben dieser Figur nicht richtig greifen konnte. Andererseits hat es mich amüsiert. Denn es gab einige sehr humorige Szenen in dieser Geschichte. Eine herrlich komische Situation war beispielsweise die Aktion zum Start des Legaten mit dem Startbutton, den der On-Pirat betätigen musste.
In der Darstellung Aurelias und Atlans Umgang mit der Posmi ist der Autor dagegen so deutlich von früheren Darstellungen abgewichen, dass ich schnell den Verdacht hatte, dass die Posmi das Zeitliche segnen würde. Mit dem Zain-Konstrukt kommt jedoch ein anderes interessantes kybernetisches Wesen quasi als Ersatz an Bord.
Ein unterhaltsamer Roman. Atlan hat noch nicht ganz die Form aus dem letzten Zyklus erreicht, aber immerhin ist der Arkonide nach der Reparatur der RAS TSCHUBAI wieder im Einsatz.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 4

Welt des ewigen Todes – von Ben Calvin Hary
Perry Rhodan und einige der Nachkommen der Solaner kennen nun einen Teil der Missionsgeschichte der SOL. Der Mittelteil des Generationenschiffes ist jedoch vom Yakonto Masling Dryw vor 150 Jahren zu einer Forschungseinrichtung geschickt worden. Leider sind die Koordinaten dieser Einrichtung unbekannt. Curcaryen Varantir könnte sie wissen. Dazu muss der Algorrian aber erst gefunden werden. Mit etwas Überredungskunst erhält Perry Rhodan vom Regierenden Rat Evolux die Koordinaten des Planeten Skamant-Efthon. Dort soll sich der geniale Wissenschaftler aufhalten. Die SZ-2 macht sich auf dem Weg. Skamant-Efthon entpuppt sich als ehemalige Welt der Chaosmächte. Die Algorrian, die dort einen Forschungskomplex unter einem Schutzschirm betreiben, sind arttypisch sehr abweisend. Perry Rhodan lässt sich davon nicht beeindrucken. Er landet in einer Space-Jet und vier Begleitern dennoch auf dem Planeten. Er ahnt nicht, dass er sich und seine Bergleiter dadurch in Lebensgefahr bringt. Denn Skamant-Efthon ist die Welt des ewigen Todes.
 
Ben Calvin Hary ist momentan das Gesicht der Perry Rhodan-Serie. In Ermangelung einer filmischen Umsetzung der größten Science Fiction-Serie der Welt veröffentlicht der Autor auf der Youtube-Plattform kleine Videos rund um Perry Rhodan. Die können sich sehen lassen. Sie sind dynamisch, witzig und liefern viele Informationen.
Welt des ewigen Todes ist die zweite Profiarbeit des Autors zum Perryversum. In der Arkon-Miniserie gab er sein Debüt und nun schickt er Perry Rhodan und die Nachkommen der Solaner auf einer Brotkrumenspur durch Tare-Scharm.
Der Stoff, den der Autor in seinem Roman verarbeitet, passt in die Zeit. Seit dem großen Erfolg von The Walking Dead erfreuen sich Geschichten über die Rückkehr der Toten großer Beliebtheit. Natürlich ist dieser Roman nicht ganz so einfach gestrickt. Die (Un)toten in diesem Roman sind quicklebendig und vor allem keine dumpfen Kreaturen, die bar jeder Intelligenz sich auf die Suche nach Frischfleisch machen. Die Zombies von Skamant-Efthon sind eigentlich gar nicht tot. Ihre ÜBSEF-Konstanten kehren nach dem Ableben in die Körper zurück. Eine, den Chaotarchen zunächst zugeordnete Technologie soll das ermöglichen. Siebendimensional natürlich, damit auch Curcaryen Varantir etwas zu knabbern hat. Und der Autor geht auch auf die so Geschundenen selbst ein, die nach dem Ableben offensichtlich anderen Zielen folgen. Letztlich entpuppt sich das Szenario dann doch ein bisschen anders. Ben Calvin Hary baut eine Wendung in seine Geschichte ein.
Insgesamt betrachtet wartet diese Episode über Untote dann doch in weiten Bereichen mit genretypischen Inhalten auf. Wie die permanente Gefährdung der Missionsteilnehmer und das massenhafte Auftreten der Untoten. Dazu kommt natürlich noch die Unklarheit, ob es jemand „erwischt“ hat und ähnliche Zutaten. Andererseits kommt die Story ein bisschen anders daher als eine „normale“ Zombieerzählung. Sie enthält SF-Elemente. Und sie kommt auch etwas anders daher als beispielsweise diese Episode aus DS9, in der eine gestrandete Gruppe Jem’Hadar nicht sterben kann, weil jeder, der auf dem Planeten stirbt, wiederbelebt wird. Allerdings erinnert die Wendung in Hary‘s Roman dann doch an die Lösung der DS9-Geschichte.
Der Plot hat mich letztlich nicht so gepackt. Die Geschichte zog mich einfach nicht in ihren Bann. Das lag auch an den Figuren. Die Nachkommen der Solaner, allen voran die Heilerin Mahlia Meyun, müssen sich an der Seite von Perry Rhodan behaupten. Einerseits sind da die „Rangkämpfe“, die sie austragen müssen, da sie alle noch auf der Suche nach ihrem Platz sind. Andererseits wirkten gerade diese Auseinandersetzungen kindisch auf mich. Wenn sich Mahlia Meyun zwischen zwei Streithähne stellt und im Anschluss die kleinen Wehwehchen verarztet, dann habe ich das Gefühl, es nicht mit Erwachsenen zu tun zu haben. Sie wirken immer noch wie Kinder auf mich. Wie die Kinder, die die Erwachsenen der SOL zurückgelassen haben. Aber seitdem sind 150 Jahre vergangen.
Ich haderte mit diesen Figuren. Die Dialoge wirkten etwas gestelzt auf mich. Die geschilderten Emotionen waren nicht nur einfach. Mich störte auch etwas ihre Zurschaustellung. Alles wirkte etwas „dick“ aufgetragen. Und trotzdem wurde so manches Gefühl auch noch erläutert oder hinterfragt. Ich mag es feinfühliger und sensibler mit mehr Raum für die Interpretation.
Jedenfalls bekamen die Figuren durch die Schilderungen von einfachen Gefühlen nicht die nötige Tiefe, um sie ernst zu nehmen. Es half auch nicht, dass sie zu Lösungen beitrugen. Die waren irgendwie ebenfalls zu simpel gestrickt und wurden dennoch als Heldentaten gefeiert. Thermitbomben gegen die Kälte beispielsweise.
Wie letztlich Masling Dryw die Flucht gelang, habe ich nicht verstanden. Er wird von Mahlia Meyun außerhalb des Beiboots gestellt. Dort kommt es dann zum Kampf und nachdem die Heilerin die Informationen von Dryw erhalten hat, paralysiert sie ihn. Später heißt es dann, er hatte den Autopiloten vorprogrammiert, so dass das Beiboot alleine starten konnte. Nur wäre das Beiboot eigentlich ohne ihn gestartet, denn er lag außerhalb.
Zusammengefasst ein interessantes Setting, in dem mich aber die Figuren nicht überzeugen konnten.