Articles for the Month of August 2020

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3077

Unter dem Weißen Schirm – von Verena Themsen
Auf dem Planeten Ecaitan, der sich im inneren des Sternenrads befindet, ist die Astrophysikerin Chione McCathey in die Gefangenschaft der Cairaner geraten. Sie wird von der cairanischen Kosmopsychologin und Agentin Dupa Emuladsu verhört. Die Cairanerin hat Angst um ihren Sohn Aipu. Die Tatsache, dass die Terranerin aber Aipu gefunden und die Cairaner informiert hatte, besänftigt Dupa Emuladsu etwas. Zwischen den Frauen entwickelt sich ein Informationsaustausch. McCathey berichtet über ihre Erlebnisse an der Seite Aipus. Und bekommt im Gegenzug Informationen zu HATH’HATHANG, der Schöpferin des Sternenrads. Eine Superintelligenz, die lange tot ist. Oder vielleicht doch nicht.
Die anderen Mitglieder des Einsatzteams, Hyperphysiker Lionel Obioma, Dancer, Schlafner und der TARA-Psi sind inzwischen in die Stadt Orsaidd eingedrungen. Die Cairaner fühlen sich im Sternenrad sicher. 70 Milliarden Cairaner leben darin. Aber die Terraner und der Roboter können sich in Maskierung vielfach frei bewegen. In verschiedenen Aktionen sammeln die Eindringlinge Informationen, treten in Kontakt zu Báalols und versuchen in Erfahrung zu bringen, welche Pläne die Cairaner verfolgen. Sie werden Zeuge von Experimenten. Das Ziel scheint klar. Die Bleisphäre soll geknackt werden.
Das Einsatzteam erfährt von einem besonderen Computersystem. Eine Enzephalotronik soll die Berechnungen ermöglichen, um ins Innere der Bleisphäre zu gelangen. Die beiden Mutanten und Obioma sehen darin einen Ansatzpunkt. Sie wollen die Enzephalotronik sabotieren. Sie wissen jedoch nicht um den besonderen Aufbau der Enzephalotronik. Die Pläne müssen im letzten Moment geändert werden.
 
Schaue ich zum Fenster hinaus, komme ich mir ebenfalls vor, wie unter einem Weißen Schirm. Die Sonne gleißt und die Luft wabert. Hinter mir liegt ein prall gefüllter Roman von Verena Themsen. Die Geschichte hatte ein paar Längen. Aber ansonsten kann ich nur Positives zu dem Roman sagen. Die eingestreuten Verhörprotokolle von Dupa Emuladsu sind allesamt interessant gestaltet. Die Autorin verpackt geschickt bekannte und neue Informationen darin und schafft eine besondere Atmosphäre zwischen den beiden Figuren. Da die Verhörprotokolle den Zusatz „Privat“ tragen, könnte es sein, dass sie nicht an andere Cairaner herangetragen werden.
Der andere Teil des Romans ist dem Einsatzteam gewidmet. Hier schafft die Autorin schön zusammenhängende und aufeinander aufbauende Szenarien, die das Team letztlich zur Enzephalotronik führen. Am Ende eskaliert die Situation, als alle den „Inhalt“ des Rechners erfahren.
Verena Themsen „weiht“ ihre Figur Lionel Obioma in das Geheimnis des TARA-Psi ein. An und für sich haben diese Passagen den Charakter einer Wiederholung. Allerdings einer sehr angenehm zu lesenden Wiederholung. Als Leser erfahre ich hier zwar nicht grundlegend Neues oder etwas Überraschendes, dennoch hat mir die Perspektive der Informationsaufnahme des Wissenschaftlers bei diesen Enthüllungen sehr gut gefallen. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allenfalls zum (un)genutzten Potential der Figur Lionel Obioma anzumerken. Der Mann (Lionel) ist am aufregendsten Ort seiner Laufbahn zugange und beschäftigt sich eher mit Agententätigkeit. So ein oder zwei Exkursionen, die seine wissenschaftliche Neugierde zum Vorschein gebracht hätten, wären passend gewesen. Aber auch so war die Figurendarstellung gelungen, wie überhaupt auch Dancer und Schlafner unter der Schreibe von Verena Themsen „lebendiger“ wirkten als in den letzten Romanen.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 11

Anker der Superintelligenz – von Olaf Brill
Perry Rhodan befindet sich in Gefangenschaft. Mit der Rückkehr der Ritterin A-Kuatond von BARIL scheint sie sich zu einer Fanatikerin entwickelt zu haben. Der Zellengenosse des Unsterblichen ist ausgerechnet die Stimme BARILS. Der Ritter Haldukass hat jedoch längst seine Befreiung geplant. Als seine Komplizen das Gefängnis stürmen und Haldukass ihnen befiehlt Rhodan zu töten, kann der Terraner seine Chance nutzen und ebenfalls entkommen. Das Siegel in seiner Brust führt ihn zu A-Kuatond. Die Ritterin hat einen Auftrag erhalten und startet von der Spitze von BARILS Adyton, der Zitadelle des Ritterordens auf Kessaila. Dort ist das Lockschiff SYRAN verankert gewesen. Die Zentrifaal soll es ins Sphärenlabyrinth steuern. Zu TRAZULS Dorn. Im letzten Moment kann sich Rhodan an Bord schleichen.
Derweil sieht sich die SOL mit einer Übermacht feindlicher Schiffe konfrontiert. Es sind jedoch nicht Traitanks, die den Hantelraumer zusetzen. Eine Flotte von Kosmokratenschiffen unterschiedlichster Bauart ist überraschend aufgetaucht und hetzt das Fernraumschiff. Auch die NEUBEGINN ist darunter. Die Schiffe wollen Eroin Blitzers letzten Befehl ausführen. Und der lautet, die SOL zu vernichten. Roi Danton will die Flotte von den guten Absichten der Solaner überzeugen. Eroin Blitzer wird aus der Suspension geholt. Der Androide verlangt den Tod von Aroff und Zerbone. Mit einem Trick will Roi Danton das verhindern. Doch Aroff hat andere Pläne.
Inzwischen hat A-Kuatond die Anwesenheit ihres Orbiters auf der SYRAN entdeckt. Es kommt zum Kampf, der unerwartet endet, als das Schiff angegriffen wird. Wieder einmal müssen sich Ritterin und Orbiter zusammenraufen. Rhodan erfährt von A-Kuatonds Auftrag und vom Plan BARILS. Die Superintelligenz will das Gleichgewicht der universellen Kräfte wahren. In ihrem Plan spielt das Viele Eine und TRAZULS Dorn eine wichtige Rolle. A-Kuatond muss sich erneut opfern, um den Plan der Superintelligenz zu erfüllen. Doch in ihrer neuen Rolle erfährt die Zentrifaal vom Untergang ihres Volkes und ändert ihre Meinung. Perry Rhodan entwickelt einen Plan, um allen gerecht zu werden.
 
Der Roman von Olaf Brill beginnt, wie sollte es anders sein, mit Rhodans Gefangenschaft. Der Autor lässt seinen Protagonisten über diese Situation zumindest mit einem Augenrollen reflektieren. Besser wird es dadurch natürlich nicht. Obwohl es für den Autor wohl einfacher ist, seine Figur aus einer Krisensituation zu führen, und daher dieses Element immer und immer wieder eingesetzt wird. In der Miniserie jedoch deutlich zu häufig. Rhodans Eindringen in das Lockschiff war hingegen wieder spannend geschrieben. Ich konnte mit dem Helden mitfiebern. Auch wenn das Siegel der Ritterin die Spannung dann abrupt raubte. Konsistent war dieses Element sowieso nicht. Rhodan darf es nicht einsetzen, um sich gegenüber A-Kuatond nicht zu verraten. Aber er setzt es, wenngleich nicht bewusst, ein, um an Bord zu gelangen. Die Ritterin hätte gerade da den Einsatz bemerken müssen. Sie war zwar durch den Chor abgelenkt aber das aktive Siegel hätte ihr nicht entgehen dürfen. Später, als es ihr unter dem Eindruck des Chors sogar noch schlechter ging, hat sie das Siegel schließlich auch entdeckt, als Rhodan zu nachlässig war.
Rhodan grübelt im Übrigen darüber, dass es sich gar nicht um A-Kuatond handeln könnte. M.E. war ihm aber schon im vorhergehenden Roman, nicht nur wegen dem Siegel, klar, dass die junge Zentrifaal doch die Ritterin sein muss.
Wie schon in Dietmar Schmidts Roman ist auch in dieser Geschichte von Olaf Brill die Hauptfigur im Zentrum des Geschehens, ohne allerdings wenig eigene Akzente setzen zu können. Die Befreiung aus der Gefangenschaft besorgt ein anderer für ihn. Der SYRAN, auf die er gelangt, kommt eine wichtige Rolle zu. Eine Rolle, in die ihn allerdings A-Kuatond einweiht, die diese Informationen am Anker der Superintelligenz BARIL erhalten hat. Zusammen mit einem Auftrag. Den auch nur sie ausführt. Rhodan bleibt zunächst nur, ein wenig die Orter zu bedienen. Als A-Kuatond im Chor aufgeht, kann Rhodan die Mission ohne sie nicht zu Ende führen. Er holt sie zurück. Nur hat A-Kuatond inzwischen Informationen erhalten, die sie erneut zur Gegnerin Rhodans macht. Erst hier kann der Titelheld erstmals eingreifen und etwas bewegen.
Die Nebenhandlung an Bord der SOL, die das Schicksal von Aroff und Zerbone betrifft, war für meinen Geschmack etwas zu breit angelegt. Und dem Ricodin dichtet der Autor einige wundersame Fähigkeiten an. So wie auch Rhodans Parafähigkeit mal wieder erwähnt wird. Die seit Jahrzehnten keine Rolle mehr spielt. Dieses Aufwärmen war unnötig. Das Ende der Nebenhandlung fand ich gut. Vielleicht spielt Aroff noch das berühmte Zünglein an der Waage.
Wie schon mehrfach erwähnt, ist mir die Zyklusstory eine Spur „zu groß“ angelegt. Auf kleinem Raum, wie diese 12 Romane, entwickeln die „kosmischen“ Pläne, an denen der Titelheld unfreiwillig mitwirkt, genauso unfreiwillig eine andere Wirkung. Eine, in der die Zutaten nur noch mit einem Achselzucken quittiert werden. SoW war gestern, geblieben ist hier teilweise nur ein Namedropping.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3076

Inmitten der Lichtfülle – von Arndt Ellmer
Die THORA und ihre drei Begleitschiffe KARYA, BALANOS und SYKE sind von den schweren Hyperstörungen betroffen, die das Erscheinen des Sternenrads der Cairaner ausgelöst hat. An Bord der SYKE halten sich auch der Hyperphysiker Lionel Obioma und die Astrophysikerin Chione McCathey auf. Das Gebilde, das im Normalraum nahe der Bleisphäre materialisiert ist, identifizieren beide als Weißes Loch. Und die Cairaner scheinen es zu beherrschen. Es ist kleiner als die Beobachtung des Objekts im Leerraum vor der Milchstraße gezeigt hat. Offensichtlich kann die Größe variiert werden. Zwei Sonnen, zwischen denen das Weiße Loch platziert ist und die von mehreren Planeten umkreist werden. Aus dem Weißen Loch werden von zwei gegenüberliegenden Polen riesige Energiemengen ausgestoßen, die das System in einen weißen Schirm hüllen.
Die FONAGUR ist von den Cairanern aufgebracht worden und wird nun zum Sternenrad geschleppt. Auf der SYKE entsteht der Plan, an Bord zu gehen und damit in das Innere des Cairanischen Machtinstruments zu gelangen. Der TARA-PSI, der sich an Bord der FONAGUR aufhält, benötigt Salkrit. Lionel Obioma und die Astrophysikerin Chione McCathey können sich mit einem Beiboot dem Naatraumer so weit nähern, dass sie vom TARA-Psi per Teleportation abgeholt werden können, bevor die Cairaner das Beiboot vernichten. Sie werden von Dancer und Schlafner in Empfang genommen. Der Weiße Schirm wird durchflogen und das Schiff zum Planeten Ecaitan gebracht. Diese Welt wird nicht nur von Cairanern bewohnt. Dort steht auch die Stadt Kosmopolis, in der mehr als 1 Million Terraner leben, sowie Vertreter anderer Völker der Milchstraße.
Die cairanische Kosmopsychologin und Agentin Dupa Emuladsu soll sich um die FONAGUR kümmern. Sie soll herausfinden, was mit der Besatzung geschehen ist. Dabei kommt die Cairanerin dem Einsatzteam auf die Schliche, die inzwischen nach Kosmopolis vorgedrungen sind. Während die Terraner versuchen an Informationen zu gelangen, macht Dupa Emuladsu Jagd auf die Eindringlinge.
 
Nach über sechs Jahren Pause hat der dienstälteste Perry Rhodan-Autor Arndt Ellmer wieder einen Roman zur größten SF-Serie der Welt beigesteuert.
Der Autor pflegt einen besonderen Stil. Typisch für Arndt Ellmer ist, dass er bekannten Begriffen und sattsam bekannten Szenarien andere Namen gibt und andere Abläufe konstruiert. Das lockert nicht nur das rhodansche Vokabular auf, sondern gibt den bekannten Mustern einen anderen Anstrich. Mechanische Katapultschlitten, die Space-Jets ins All befördern hatten wir schon ein paar Jahrtausende nicht mehr. Manche Beschreibung führt auch in Sackgassen. Beispielsweise in den Darstellungen der Auswirkungen, als das Sternenrad erscheint und die Schiffe der Galaktiker durcheinanderwirbelt und der Autor das Verursacherprinzip auf dem Kopf gestellt sieht. Oder wenn eine Wissenschaftlerin den Begriff lunar verwendet und damit auf astrophysikalische Besonderheiten in der Frühzeit des Universums verweisen möchte. Auch die Figuren sind außergewöhnlich. Designerkinder wechseln sich ab mit cairanischen Abnormitäten und mit eitlen Legaten. Wege, die der Autor seine Figuren zurücklegen lässt, sind nur selten geradlinig. Und auch mancher Gedanke ist vielfach verschlungen und lässt nicht immer schlussfolgern, in welche Richtung der Autor seine Geschichte entwickelt. So manchem Gegenstand wird ein geheimnisvolles Eigenleben angedichtet. Jeder gewöhnliche Raum wie ein Irrgarten verschachtelt.
Die Geschichte entwickelte dadurch eine Skurrilität. Eine, wenn sie nicht zu häufig verwendet wird, durchaus unterhaltend ist. Nur allzu oft will ich diese Art nicht lesen wollen.
Einige der von Arndt Ellmer eingesetzten Charaktere fand ich gut. Enttäuschend sind die Figuren des Einsatzteams. Obwohl Atlan vor Ort ist, wird er nicht als Protagonist eingesetzt. Erneut bestimmen Nebenfiguren die Handlung. Natürlich hätte der Arkonide die Handlung forciert. Und es erscheint einleuchtend, dass dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus Autorensicht nicht gewünscht war, eine starke Figur einzusetzen. An Atlan hat man als Leser eben gewisse Erwartungen. Die vorerst aber wohl nicht erfüllt werden sollen. Das ändert leider nichts daran, dass Dancer und Schlafner ziemliche Langweiler sind. Letzte Woche schrieb ich zum Vorgängerroman, dass die beiden Mutanten keine Impulse in die Handlung bringen. Das ist in diesem Roman nicht anders. Dann vielleicht Lionel Obioma und Chione McCathey? Mit den beiden Wissenschaftlern wird das Geschehen etwas bunter. Das Quartett kann jedoch nicht überzeugen. Obwohl sie aktiv tätig sind, verströmen die Figuren Passivität. Als Leser sind mir die vier Figuren völlig unbekannt geblieben. Die vier sind problemlos austauschbar.
Ansonsten unverkennbar ein Arndt Ellmer-Roman!