Articles for the Month of April 2020

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3060

Die Thesan und der Lordadmiral – von Michelle Stern
Das Bündnis zwischen Cairanern und der USO bringt der Organisation von Lordadmiral Monkey verschiedene Aufträge ein. Die USO fliegt Geleitschutz für Handelskarawanen im Auftrag des Friedensbundes. Die RATBAR TOSTAN begleitet mit anderen Schiffen einen Konvoi nach M15. Das dort lebende Volk der Nuru hat zufälligerweise mit dem Auftauchen der Cairaner in der Milchstraße erstmals ein Lineartriebwerk entwickelt. Lordadmiral Monkey glaubt nicht an einen Zufall. Außerdem sind die Cairaner in Nuruvrao, wie die Nuru den Kugelsternhaufen nennen, seit Monaten besonders aktiv. Der Oxtorner will mehr herausfinden. Getarnt folgt seine NIKE QUINTO dem Konvoi nach M15, dessen Zentrum ein riesiges Schwarzes Loch einnimmt. Der Flug geht nach Zarut, dem dritten Planeten des Poilusystems. Mit Zemina Paath geht der USO-Chef auf Zarut in den Außeneinsatz.
Trotz der noch jungen Geschichte der raumfahrenden Nuru, hat sich der Planet vielen anderen Spezies geöffnet. Monkey und Paath tarnen sich nur leicht und fallen in der Menge nicht auf. Ein Spektakel der besonderen Art steht in der Stadt Taymen an. Dort veranstalten die Nuru das beliebte Kloknu-Spiel. Monkey interessiert sich zunächst für die Spiegelstadt. So wird die hiesige Ansiedlung der Cairaner genannt. Der Unsterbliche will bei seinem Einsatz auch mehr über und von Zemina Paath erfahren. Die Thesan scheint auf etwas in M15 anzusprechen.
Das ungewöhnliche Duo sammelt Informationen und stößt auf eine geheime Einrichtung. Die beiden Agenten sind allerdings nicht alleine im Einsatz. Zwei Tomopaten wurden von einer Legatin der Cairaner engagiert, um eine wichtige Person aufzuspüren. Und auch Agenten des Panarchives sind auf Zarut im Einsatz. Wer ist die geheimnisvolle Person, die von fremden Dämonen beherrscht zu sein scheint?
 
Autorin Michelle Stern beschreibt die Geschehnisse auf Zarut aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Monkeys Erlebnisse an der Seite der Thesan schildert sie in der Ich-Erzählung. Den zweiten Handlungsstrang hingegen aus der Sicht eines Cariraners. Die Ich-Erzählung Monkeys dürfte eine Premiere sein. Zumindest erinnere ich mich nicht, diese Erzählform mit dieser Serienfigur schon einmal gelesen zu haben. Der Oxtorner ist sehr unterkühlt. In der Außenperspektive lässt sich eine solche Distanziertheit einfacher beschreiben. Doch die Autorin hat sich etwas einfallen lassen. Monkey kommentiert seine Beobachtungen und Wahrnehmungen. Seine eingeschränkte Empathie anderen Wesen gegenüber wird quasi von Zemina Paath wahrgenommen. Das Duo ergänzt sich dadurch. Monkey liefert Erfahrung, Insiderwissen und Kraft. Die Thesan steuert Feingefühl und Takt bei.
Dazu passend die Beobachtung von Zemina, wie sie den Oxtorner sieht und ihn liest und ihn das wissen lässt. Diese Mischung eines Agentenduos war kurzweilig. Auch wenn einige der Dialoge etwas ausgefeilter hätten sein dürfen. Das Lokalorit kam auch nicht zu kurz. Die noch junge Kultur der Nuru wurde gut in Szene gesetzt.
In der zweiten Romanhälfte wird das Geschehen einigermaßen mysteriös. Eigentlich geht es nicht um einen sondern um zwei Cairaner, die verschwunden oder untergetaucht sind. Beide scheinen von Dämonen beherrscht zu werden. Dahinter stehen wohl Phersunen. In Heft 3016 tauchte eine Phantasiegestalt namens Saessbekker auf. Eine dämonartige Gestalt. Agenten des Panarchives beschatten oder bewachen einen Cairaner, der den Agenten aber entkommen kann. Einem zweiten Cairaner wird eine sehr aufwändige Illusion vorgespielt. Am Ende habe ich etwas den Faden verloren. Wer ist entkommen und wer hat wem dabei geholfen oder wurde entführt? Etwas unklar ist auch der Wissensstand Monkeys hinsichtlich der Phersunen. Diese haben die Cairaner aus dem Galaxiengeviert vertrieben. Das sollte dem Unsterblichen bekannt sein. Zemina Paath hatte davon berichtet, als ihr das Hirnfragment eines anderen Thesan implantiert wurde. Die Zeichnung in Blut, wie sie in einer Szene geschildert wurde, hätte dem ungleichen Duo etwas sagen müssen.
Aufklärung vermutlich im nächsten Roman!

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 02

BARILS Botschaft – von Madeleine Puljic
Die SOL wurde mit den Mitteln des Ritterordens beschlagnahmt. Das Schiff ist von Robotern aus der Schlachtspitze von A-Kuatond besetzt. In Begleitung von zwei weiteren Ritterschiffen wird die SOL nach Kessaila geleitet. Dort, in BARILS Adyton, soll Perry Rhodans Verhandlung stattfinden. Die Zitadelle des Ritterordens ist das beherrschende Gebäude in Muaal, der Hauptsiedlung der Ritterwelt. Rhodan wird von A-Kuatond begleitet. Zwei weitere Ritter schließen sich an. Yalaba, die Forscherin und Semmaru, der Diplomat. Rhodans Flug zum Adyton gleicht einer Zurschaustellung. Drei Wesen, die in der Menge stehen, sehen in ihm einen Mörder, den es zu bestrafen gilt.
Der Orden tritt zusammen, um über Rhodan ein Urteil zu fällen. Die fehlenden Ritter nehmen als Hologramme teil. BARILS Stimme ist der siebte Ritter. Der Unsterbliche wird angeklagt, eine Ritterin in Ausübung ihrer Pflichten behindert zu haben. Er darf sich verteidigen. Im Orden kommt es zu einem Patt. Das letzte Votum liegt bei BARIL. Rhodan soll zunächst Prüfungen absolvieren, um ihn besser einschätzen zu können.
Der Unsterbliche sucht nach Fluchtmöglichkeiten. Was Rhodan nicht ahnt, einer der Ritter ist ein Intrigant. Und das macht es dem Terraner nicht leicht, den Orden und seine Absichten zu verstehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
 
Das Tempo in dieser Miniserie ist hoch. Band 1 führte in die Galaxis, in der die Superintelligenz BARIL einen Ritterorden gegründet hat und mit diesem Machtinstrument einer zweifelhaften Mission nachgeht. Die Motive und Ziele dieses Ordens zu ergründen, ist Perry Rhodans Aufgabe. Statt behutsamen Vortastens und sondieren der Lage, sticht der Unsterbliche gleich ins Wespennest. Er greift in eine Auseinandersetzung ein. Und trifft auf mehrere Mitglieder des Ordens. Diese geleiten ihn in diesem Roman von Madeleine Puljic, Band 2 der Serie, gleich zur Hauptwelt des Ordens. Rhodan wäre nicht Rhodan, wenn er nicht auch dort für Unruhe sorgen würde. Die Autorin lässt ihren Protagonisten verschiedene Rollen einnehmen. Unfreiwilliger Gast, Prüfling, Schlachtenlenker, Gefangener, Flüchtender, Opfer, Aufklärer, Kläger und Beklagter. Am Ende Orbiter.
Und Rhodan erbeutet Informationen über geheime Forschungen, die die Grundlage für Roi Dantons Abenteuer werden. Im dritten Band. Doch zunächst zurück zu diesem Roman. Hohes Tempo? Ja. Gute Unterhaltung? Nur teilweise. Warum? Nun ja, dieser geschilderte Perry Rhodan ist gewöhnungsbedürftig.
Die Figur des Perry Rhodan in diesem Heft unterscheidet sich vom Perry Rhodan der Hauptserie. Die Figur des Titelhelden, bzw. seine Darstellung, hat sich natürlich im Laufe der Zeit geändert. Auf diese Änderungen hier einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Von daher ziehe ich einen Vergleich zur Darstellung des Helden in der aktuellen Hauptserie. Der dortige Rhodan erhält in seiner Darstellung viel Raum durch Innenperspektiven. Auch die Betrachtung dieser Figur, sein Auftreten und sein Handeln durch Freunde, Wegbegleiter und andere Figuren erzeugen ein bestimmtes Bild bei mir. Es ist keine einfache Figur und in manchen Situationen kommt es aufgrund unterschiedlicher Autoren natürlich auch zu Abweichungen dieses Bildes. Die Schwankungen sind jedoch gering. Der Titelheld der EA ist eine komplexe Figur, mit der man sehr viel anstellen kann.
Von dieser Komplexität und dieser Differenzierung ist der geschilderte Perry Rhodan der Miniserie SOL so weit entfernt, wie Yahouna von der Milchstraße. Oberflächlich betrachtet werden der Figur ähnliche Eigenschaften zugeschrieben, wie sie den Unsterblichen in der EA auszeichnen. Doch der Rhodan der Miniserie erscheint mir ungeschlachter. Alles was der Rhodan der Hauptserie kann, kann Rhodan Mini auch. Nur nicht so elegant, tiefgründiger, bedeutsamer. Und auch nicht so eloquent. Rhodan Mini ist abwartender, sein Handeln nicht immer durchdacht. Er flucht, verliert die Nerven und häufig den Überblick. Dem Rhodan der Miniserie fehlt es an Feinschliff. Und das wirkt sich auf die Geschichte aus.
Perry Rhodan bringt das Permit eines Ritters an sich, bzw. tauscht es gegen seines aus, das ihm nur eingeschränkte Bewegungsfreiheit gewährt. In den nächsten Minuten hat er Angst, dass sein Trick auffliegt. Denn wenn der Diplomat bei irgendeiner Überprüfung scheitert, wird der Permittausch offenkundig. Rhodan ahnt ja zu diesem Zeitpunkt nicht, dass sein Opfer gegen ihn intrigiert. Von daher wäre schnelles Handeln angesagt. Aber Rhodan legt sich hin und wartet auf die Nacht. Wie doof ist das denn? Mit jeder verstrichenen Minute steigt doch erst recht das Risiko, dass sein Tausch auffliegt.
Gestolpert bin ich auch über Rhodans Überlegungen zu den sieben Rittern. Er „erkannte“, dass die Ritter, jeder auf seine Art, an Probleme herangingen. Und für jeden gab es einen genauen Gegenpol. Hier endeten Rhodans Überlegungen zunächst. Eigentlich hätte ihm ja schon nach der Lektüre von BARILS Botschaft auffallen müssen, dass sich sieben Ritter eben nicht in steter Waage halten konnten und dass bei 7 Rittern eben einer keinen Gegenpol haben konnte. Die Stimme BARILS gibt den Ausschlag. Diese Erkenntnis gewinnt der Leser ungleich früher als die Figur Rhodan. Und macht den Unsterblichen in seiner ungewohnten Darstellung in dieser Serie gleich nochmal uninteressanter.
Es folgten Szenen auf Rhodans Flucht, in der sich der Unsterbliche nicht selbst treu war. Er will Roboter als erstes ausschalten und tut es dann doch nicht. Als sein Kom-Armband endlich nach Tagen wieder Verbindung zur SOL hat, ist er von der eintreffenden Nachrichtenflut genervt und schaltet es ab. Ah ja. Nochmal kurz zur Erinnerung. Er ist gerade auf der Flucht und will zum Raumhafen. Um wohin zu gelangen? Vielleicht ja zur SOL. Und die hat er gerade abgewürgt, als sich unterstützen zu lassen. Himmel hilf! Später schaltet er dann doch wieder ein und bekommt die Hilfe, die er so dringend benötigt. Das hätte man ein wenig anders schildern müssen.
Mein Fazit: Ausgerechnet mit der Hauptfigur werde ich nicht warm. Vielleicht schafft es Roi Danton, mich anzusprechen. Diese Figur soll in der zweiten SOL-Serie mehr Auftritte erhalten.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3059

Der transuniversale Keil – von Leo Lukas
Am 10. September 1777 NGZ setzt der Posizid ein. Der Haluter Ishan Dropat wird Zeuge dieses Ereignisses. Er ist Wissenschaftler und auf Last Hope zugegen, als Sunset City über Hyperfunkkanäle mit einer neuen Art Virus konfrontiert wird, der sich rasend schnell über die Milchstraße ausbreitet. Auch die Station ist vor dem Virus nicht gefeit. Der Zufall will es, dass der 1600 Meter Raumer BLAISE PASCAL im Orbit seit Stunden isoliert ist. Dort wird an einem neuen Rechner gearbeitet, einer Hypertronik. Der Forschungsraumer der GALILEI-Klasse ist offline. Die Hypertronik könnte nun ein Rettungsanker sein, wenn das darin enthaltene Wissen in den Hyperraum gerettet werden kann. Dropat und andere Wissenschaftler gehen an Bord und informieren die Besatzung. Die Hyperbits, mit denen die Hypertronik rechnet, führen allerdings dazu, dass nicht feststeht, für welche Bezugsebene, unter Umständen ein anderes Universum, die Rechenergebnisse geliefert werden. Es müssen daher verschiedene Rechenwege begangen und Interpretationsmodelle geschaffen werden.
Der Posizid setzt die Wissenschaftler unter Druck, die Experimente voranzutreiben. Als das Schiff mehrere Transitionen vornimmt, erkennt die Besatzung mit Schrecken, dass man in einem fremden Universum gelandet ist. Last Hope ist hier, ebenso wie die gesamte Milchstraße, unbewohnt und nur eine merkwürdige Statue kann auf dem Planeten entdeckt werden. Weitere Sprünge führen zu Katastrophen. Der Zufall führt das Schiff wieder in das Universum mit der Statue. Ähnliche Hinterlassenschaften werden auf anderen Planeten entdeckt. Schließlich kann nach langer Zeit ein Kontakt zu den Statuen hergestellt werden. Diese sind Teil einer metauniversellen Struktur. Diese Totumsfraktion markiert bewusstseinslose Universen und kam in Kontakt zur Hypertronik. Dadurch wurde die BLAISE PASCAL beeinflusst. Die Totumsfraktion sieht für sich eine Gefahr aus dem Universum, dem die BLAISE PASCAL entstammt. Die Bleisphäre strahlt in etliche Universen aus. Dieser transuniversale Keil könnte außer Kontrolle geraten. Um dies zu stoppen, soll die Hypertronik so geschult werden, dass sie das Schiff in die Bleisphäre steuern kann. Jahrhunderte vergehen. Die Nachfahren der ersten Besatzung siedeln längst auf einer Welt, als Ishan Dropat die BLAISE PASCAL ins angestammte Universum zurückschickt.
Das Schiff materialisiert, von Chariklis in einer Vision vorhergesagt, in der Nähe der Bleisphäre. Atlan, Gucky und der TARA-Psi gehen an Bord und erfahren die Geschichte des Schiffes. Aber auch die Ladhonen entern das Schiff und die Cairaner erheben Anspruch.
 
Da war da noch die Frage zu klären, wie kommen Atlan und Co. in das abgeschottete Arkonsystem? Der Roman von Leo Lukas liefert dafür eine Perspektive. Für den Österreicher ist dieser Band ein Jubiläumsroman. Vor genau 1000 Wochen hat der Autor seinen Einstand in der Serie gehabt. Wenn es um ungewöhnliche Schicksale von Raumschiffen und deren Besatzungen geht, hätte der Roman eigentlich von Michael Marcus Thurner geschrieben werden müssen. Aber dann wäre das Jubiläum futsch gewesen.
Leo Lukas schreibt seinen Roman aus zwei Perspektiven. Jener der Vergangenheit aus der Sicht des Haluters und jener der Gegenwart, aus dem Blickwinkel des Arkoniden. Die kleinen Schritte, die seine Figuren Atlan, Gucky und Sallu Brown bei der Ergründung des Rätsels, des plötzlich aufgetauchten Schiffes machen, führen sie nur langsam an die Wahrheit heran. Parallel dazu nähert sich der Autor mit den Schilderungen des Haluters der Gegenwartsebene. Die beiden Handlungsstränge sind gut aufeinander abgestimmt.
Mit der Hypertronik liefert Leo Lukas eine weitere Variante, ein weiteres Prinzip der inzwischen unzähligen Rechenanlagen in der Serie. Während die meisten dieser Rechner nur sehr schwammig beschrieben werden, oftmals nur mit Leistungsparametern, dichtet der Autor seiner Erfindung (oder vom Exposé vorgegeben) ein paar Details an. Hyperbits und Verschränkungen fließen ein und lassen ein wenig an Quantencomputer unserer Zeit denken, die anderen Prinzipien folgen, als klassische Elektronengehirne. Es wird ein Einzelfall bleiben. Die Positronik wird uns bis zum Ende der Serie begleiten. Dennoch mal etwas anderes.
Ein gut geschriebener, unterhaltsamer Roman, bei dem ich lediglich Atlans Entscheidung kritisiere, das Schiff zunächst aus der Hand zu geben. Seine Flotte war vor Ort, die BLAISE PASCAL in Reichweite, da hätten die Ladhonen gar nicht ran gekonnt. Zudem die Posbi-Flotte im Hintergrund parat stand. Aber der Unsterbliche baut noch eine Hintertür ein.