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Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 03

Zielpunkt Nebelzone – von Olaf Brill
Während die SOL bei der Ritterwelt Kessaila verharrt, ist die CALAMAR, mit Roi Danton an Bord, unentdeckt geblieben. Die besondere Korvette ist mit einem leistungsfähigen Ortungsschutz von Varantir ausgestattet worden. Nun bildet das Schiff die Eingreifreserve, falls die SOL sie benötigt. Etwa 20 Spezialisten bilden die Besatzung. Einer von ihnen ist Ennyas Anchi. Der auf Evolux geborene Solaner-Nachfahre ist mit seinen 22 Jahren ein Frischling. Trotz seiner Unerfahrenheit hat Roi Danton ihn persönlich ausgewählt. Und Anchi hat nicht die geringste Ahnung, warum er ausgesucht wurde. Er hatte sich für die von Roi Danton gegründete Nachwuchsschmiede beworben. Allerdings wurde er abgelehnt.
Er wird Dantons Stellvertreter an Bord, Peet Matabiau, vorgestellt. Der sorgt dafür, dass Ennyas Anchi in den folgenden Tagen eine Ausbildung erhält. Seine Trainerin ist Minon Crompton, eine Positronikspezialistin. Nach Tagen der Ausbildung bekommt die CALAMAR einen Datensatz der SOL zugespielt. Es sind Koordinaten einer geheimen Waffenschmiede von BARILS Rittern, die Perry Rhodan erbeutet hat. Roi Danton soll sich dort umsehen.
Die CALAMAR erreicht nach drei Tagen ein Sternsystem, das noch in der Entstehung begriffen ist. Das Zentralgestirn wird nur von Staubmassen umkreist, die erst in Jahrmillionen Planeten bilden werden. Eine 1500 km durchmessende Nebelzone erregt die Aufmerksamkeit der Solaner. Zahlreiche Raumstationen umkreisen die Zone, die offensichtlich mit Projektoren errichtet wurde. Dazu kommt ein riesiger Schiffsverkehr unterschiedlicher Spezies. In all dem Trubel setzt ein Team von der CALAMAR auf eine der Stationen über, um Informationen zu sammeln. Roi Danton, Peet Matabiau, Minon Crompton und Ennyas Anchi bringen in Erfahrung, dass die Stimme BARILS, also der höchste Ritter in diesem Orden zusammen mit Vertretern der Chaos-Mächte an einem extrauniversellen Portal arbeitet. Das Team kann eine besondere Station erreichen. Dort ist auch eine Skapalm-Bark TRAITORS eingeschleust. Mit dem Eintreffen von Haldukass, der Stimme BARILS und Krefferk, einem Diener des Chaos, gerät das Team in Gefahr und sucht nach einem Ausweg.
 
Roi Danton würde eine stärkere Rolle in dieser zweiten Mini-Serie um die SOL spielen. So glaubte ich. Das Absetzen der CALAMAR mit dieser Figur an Bord deutete dies auch an. Und tatsächlich spielt Roi Danton in diesem Roman von Olaf Brill eine größere Rolle. Größer beinahe, als in den 12 Romanen der ersten Serie zusammengenommen. Und doch ist er nicht die Hauptfigur. Die ist ein anderer. Ennyas Anchi, ein Neuling. Olaf Brill schildert alle Geschehnisse aus der Sicht dieses Jungsolaners.
Und dessen Sicht ist eine emotionsgeladene Sicht. Eine mit Höhen und Tiefen. Ennyas Anchi ist nicht gerade eine Figur, die ich nach den ersten Zeilen als sympathisch einstufte. Was nicht unbedingt gleich zur Abwertung führt. Es gibt genügend andere Figuren, die ich als unsympathisch empfinde. Und deren Auftreten ich dennoch mit Begeisterung folge.
Die Figur des Ennyas Anchi wird an der Seite einer noch jüngeren Figur eingeführt. Der Autor gibt das Alter der beiden mit 22 und 20 an. Junge Erwachsene. Stilmäßig fühlte ich mich eher an Jugendliche erinnert. Und der Roman schien auf den ersten Seiten eher ein Jugendabenteuer zu werden. Die Dialoge und Handlungen wirkten so grün wie ihre Figuren. Dörfler eben, wie der Autor mehrfach betont. Damit folgt die Serie auch im 2. Zwölferblock den schon eingeschlagenen Pfaden aus der ersten Mini-Serie. Man nehme einen Unsterblichen und kombiniere diesen mit einfach gestrickten Figuren vom Land.
Nach den ersten Seiten und nachdem Anchi auf seine Mission geht, verweht dann glücklicherweise weitgehend der Stil des Jugendabenteuers. Passagen, die eher einem Jugendroman glichen, wechselten sich nun ab mit Abschnitten, die näher am Niveau der EA lagen. Ohne dies allerdings zu erreichen. Die Gefühlswelt Anchis nimmt zunehmend eine beherrschende Rolle ein. Die ist anfänglich jugendlich-arrogant. Anchi wird als „gönnerhaft“ beschrieben. Doch er ist auch wissbegierig. Er will auch nicht alles über Hypnoschulung erlernen. Er stellt eigene Recherchen an. Allerdings ist Geduld nicht seine Stärke. Er überschätzt seine Fähigkeiten. Und er verbreitet Lügen, um andere in ein schlechtes Licht zu stellen. Das ist allerdings keine Unerfahrenheit, die er da an den Tag legt. Das ist schlechter Charakter. Aber Figuren sollen ja auch eine Entwicklung machen. Die macht Anchi tatsächlich. Nur ist diese Entwicklung holprig und wirkt an einigen Stellen gekünstelt, bzw. hinausgezögert. Denn Olaf Brill drückt zwischenzeitlich auf die Bremse. Er lässt an entscheidenden Stellen nicht die Reaktionen anderer Figuren zu, die der Entwicklung der Figur des Jungsolaners förderlich gewesen wären. Besonders deutlich wird dies in zwei Passagen. In der einen lügt Anchi über einen Vorfall, während eines Einsatzes von Matabiau. Er behauptet, dies so von Meyun erfahren zu haben. Seine Gesprächspartnerin ist Crompton. Die war dabei und erkennt also, dass der Junge Lügen verbreitet. Doch statt aufzuklären und den Jungen gleich in die Schranken zu weisen, lässt der Autor die Figur eine andere Rolle spielen. Warum eigentlich? Nur damit sie ein wenig eingeschnappt ist? Der Autor lässt nicht die naheliegende Antwort von Crompton zu, bzw. erst ganz am Ende. Und auch da werden die Reaktionen nicht plausibel geschildert. Deutlich wird dies im Gespräch zwischen Anchi und Crompton an Bord der Space-Jet. Anchi will wissen, warum er ausgewählt wurde. Und verspürt bei den „Erklärungen“ Cromptons „kalte Wut“, die in ihm aufsteigt. Dabei sind die Erläuterungen eigentlich geeignet, seinen Stellenwert in der kleinen Gruppe zu erhöhen. Doch Brill will die einfachen Emotionen wohl noch längere Zeit „pflegen.“ Er verzichtet darauf, die Auswahlentscheidung durch Crompton mit dem nötigen Nachdruck zu vertiefen und damit das Selbstwertgefühl von Anchi zu steigern. Stattdessen wird die Figur in ihrer Gefühlswelt „ungeeignet“ für diese Mission zu sein, noch bestärkt. In dieser Szene fehlte es an einer Ohrfeige für den Protagonisten.
Seite 48: „Das verstand Anchi. Als er über Matabiau gelästert hatte, da hatte er in Wahrheit dasselbe Urteil über Crompton gefällt. Deswegen hatte sie so gallig reagiert.“
Nö, lieber Autor. Das war es nicht. Anchi hatte an der Stelle zwar gelästert aber Crompton hätte ohne Probleme seine Lüge mit dem Stolpern auflösen können. Und nicht nur ohne Mühe. Es wäre, das sie ja dabei gewesen war, auch naheliegend gewesen, den Neuling in die Schranken zu weisen. Stattdessen reagiert sie tagelang abweisend. Sorry, aber das sind einfach arg konstruierte Inhalte, die selbst bei Dreifachdummköpfen (Begriff aus dem Roman) deplatziert erscheinen und nur einem einzigen Zweck dienen. Diese unpassenden Emotionen noch eine Zeitlang als ein Makel den Figuren aufzudrücken, statt sie zu entwickeln. Doch die Figur bleibt erst mal wie sie ist. Schade!
Manche geschilderte Emotion oder Reaktion scheint im Widerspruch zum ansonsten geschilderten Gefühlsleben des Protagonisten zu stehen. Nicht falsch, aber irgendwie auch nicht passend. Der gleiche Anchi, der so dumme Lügen verbreitet, weil er glaubt, darüber mit anderen schwätzen zu können, hegt plötzlich aber auch andere, sensiblere Gedanken, als er sich die Zukunft des Mauritiussystems in Jahrmillionen vorstellt.
Anchis Gefühlskurve ist schon eine rechte Zick-Zack-Line. Und seine Überlegungen sind ebenfalls sprunghaft. Manche Schilderung lässt sich natürlich seiner Unerfahrenheit unterordnen. Schließlich schildert der Autor seine Geschichte aus der Perspektive von Anchi. Aber es lässt sich eben nicht alles darunter summieren. Beispielsweise als sie an Bord von S-1 gehen. Die Kontrollen, wenn man sie als solches überhaupt bezeichnen kann, regen Anchi zu der Überlegung an, dass Dantons Zellaktivatorchip entdeckt werden könnte, wenn sie gescannt würden. Auch das ist nicht verkehrt. Allerdings wäre eine andere Überlegung naheliegender gewesen. Nämlich dass sie auffliegen würden, da sie gar keine Fengolyonen sind, sondern eben Terraner. Die haben 1 ID-Karte geklaut, und 1 Schiff und sonst keine Tarnung betrieben. Diese Überlegung, hinsichtlich eines Datenabgleichs zwischen Aussehen und Gästen, kommt vom Autor tatsächlich später noch. Und zwar dann, als sie in die vier zugewiesenen Quartiere angelangt sind. Ich bevorzuge Lektüre, in der die Figuren zu dem Zeitpunkt, in dem etwas geschieht, naheliegende, zur Situation passende Überlegungen anstellen. Olaf Brill hingegen „schiebt“ naheliegende Gedanken und Reaktionen der Figuren zwei Seiten später als Beschreibung oder Beobachtung hinterher. Die Geschichte entfaltet dadurch keine Schlagkraft. Und dann sind die nachgeschobenen Erklärungen auch noch unvollständig. Angefordert waren sieben Fengolyonen. Danton und Co sind jedoch nur vier. Auch hier müssten Interaktionen zwischen Stationspersonal und dem Einsatzteam eingeschoben werden. Um einfach mehr Spannung zu generieren! So bleibt vieles harmlos.
Ich haderte mit dieser Figur. Es gelang mir nicht immer, mich als Leser auf die Figur einzulassen. Und es gab auch andere Passagen, die mich irritierten. Die CALAMAR nähert sich der Nebelzone getarnt. Allerdings macht sie den Anflug durch den Staubgürtel. Nun kenne ich zwar die Wirkungsweise des Ortungsschutzes nicht. Allerdings kennt ihn Danton auch nicht. Von daher könnte sich die Korvette durch den Flug innerhalb des Staubgürtels verraten, weil sie die Materie beeinflusst. Nun, das Manöver blieb ohne Auswirkung. Nur ich machte mir Gedanken darüber.
Die Erfolge des Teams sind übrigens einzig auf lasche Kontrollen zurückzuführen. Der Supermarkt bei mir um die Ecke hat härtere Kontrollen am Einlass und im Markt selbst. Deplatziert wirken auch andere Gedanken, die der Autor seiner Figur Anchi mitgibt. Der beobachtet auf S-1 Wesen, die allesamt ihrer Arbeit nachgingen. Und kommt zu dem Schluss, dass es an Bord offenbar keine Zivilisten gäbe. Schon merkwürdig. Zivilisten arbeiten also nicht!
Am Ende zeigt Anchi Skrupel. Er kann nicht auf Krefferk schießen. Matabiau bescheinigt ihm, dass dies sogar gut sei. Denn wenn er ohne Training auf Krefferk geschossen hätte, wäre er ein kaltblütiger Mörder. Und so einen wollen sie im Team nicht haben. Und was ist jetzt der Umkehrschluss aus dieser Szene? Mit Training wäre es in Ordnung, ein kaltblütiger Mörder zu sein? Oder nur Kaltblütig, weil ein etwaiges Training ihm diese Handlung nun erlaubt? Oder ein Mörder, weil er ein Training genossen hat? Oder erlaubt es das Training zu differenzieren, wen man töten darf und wen nicht?
Mein Fazit: Eine Geschichte und eine Figur, mit der ich leider nicht warm wurde.