Articles for this day of 1. März 2020

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3054

Die letzte Welt der Vecuia – von Dennis Mathiak
Nur einen Tag nach Abflug von Perry Rhodan mit der TESS QUMISHA, rüstet sich die RAS TSCHUBAI zur Suche nach der VECU. Dem Versprechen, die Superintelligenz zu befreien, will die Besatzung nun nachgehen. Der Sextadim-Span, den der Cairaner Bru Shaupaard im Nacken trägt, vermittelt ihm den Standort eines Planeten, auf dem sich das Gefängnis der VECU befindet. Die Superintelligenz ist in einem Abyssalen Verlies aus Vektormaterie gefangen. Bru Shaupaard besteht darauf, dass neben ihm und Wavalo Galparudse, der Haluter Icho Tolot, sowie Gry O’Shannon, Penelope Assid und Jalland Betazou an der Unternehmung zur Befreiung der SI teilnehmen sollen. Gry O’Shannon aus der Suspension zu holen, birgt ein Risiko. Denn schließlich kann sie vom Advokaten aufgespürt werden. Da der Planet Zpud aber fast 26000 Lichtjahre entfernt ist, hofft man, dass der Advokat sie dort nicht aufspüren kann.
Auf der Zielwelt Zpud ist zur gleichen Zeit der Henker Shukkner auf dem Weg zur Stadt Bossonu. Der Dovoin hofft darauf, dort gute Geschäfte zu machen. Sein Sklave Klurn ist immer an seiner Seite. Noch ahnt Shukkner nicht, dass er bald eine schicksalhafte Begegnung haben wird.
Das Zielsystem wird von starken Verbänden der Phersunen geschützt. Dennoch kann eine ZALTERTEPE-Jet den Kordon aus Schiffen und Vektormaterie durchdringen. Kurz vor dem Planeten werden sie dann doch entdeckt. Bevor das Schiff vernichtet wird, kann das Team, wenn auch mit Verlusten, Zpud erreichen. Der Planet ist von Schiffswracks der Vecuia übersät. Die einheimischen Dovoin nennen sie Sternensplitter. Einige Dovoin beuten die Wracks aus. So kommt das Einsatzteam in Kontakt zu Einheimischen, die etwas über eine Insel berichten, die vor langer Zeit aufgegeben worden war. Der Einfluss von Vektormaterie muss die Dovoin von dort vertrieben haben.
Icho Tolot und die anderen haben nun ein Ziel. Doch je näher sie dem vermeintlichen Gefängnis der VECU kommen, umso stärker werden die Auswirkungen der Graumaterie. Und Bru Shaupaard scheint mehr zu wissen, als er bislang preisgegeben hat.
 
Nach Andreas Brandhorst (3005) und Liza Grimm (3012) erneut ein Gastroman. Dennis Mathiak ist allerdings kein Unbekannter im Perryversum. Der Autor hat schon für NEO und diverse Miniserien geschrieben, sowie Atlan-Taschenbücher verfasst.
Seine Geschichte gliedert sich in zwei Handlungsstränge. In der einen führt der Autor die Leser in die Welt der Dovoin aus Sicht eines Einheimischen ein. In der anderen machen sich die Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI auf, eben jene Welt zu erreichen, weil sie dort das Gefängnis der VECU vermuten. Ein altbewährter Aufbau also. Man ahnt, nein als Leser weiß man, dass sich die Wege von Shukkner und Co. und dem Einsatzteam kreuzen werden.
Ein probates Mittel ist auch die Strategie der Terraner, mit der Dennis Mathiak sein Einsatzteam losschickt. Die haben nämlich keinen Plan und setzen wie immer darauf, dass ihnen „vor Ort“ schon das richtige einfallen wird. Angesichts dessen, dass Bru Shaupaard von einem Abyssalen Verlies aus Vektormaterie spricht, ist diese Vorgehensweise allerdings ziemlich tollkühn. Man könnte auch sagen: Sinnlos. Weder haben die Terraner eine Methode zur sicheren Aufspürung der Graumaterie, noch einen Schutz, geschweige denn ein Gegenmittel.
Auch hier ahnt man als Leser bereits, nein, weiß man als Leser, dass den Helden der Zufall in die Hände spielen wird. So ähnlich kommt es dann auch. Bru Shaupaard hat ein paar Informationen verschwiegen und legt die Karten endlich auf den Tisch. Überraschend für mich ist allenfalls das Ergebnis des Einsatzes. Die Terraner sind in nur 1 Roman ziemlich weit gekommen.
Das erreichte Ergebnis kam auch dem Autor, bzw. seiner Geschichte zugute. Er konnte eine flotte, schnörkellose Handlung schreiben. Wobei, nach dem Einstieg in die Lektüre sah es für mich noch nicht so flott aus. Die beiden Handlungsebenen schienen in einem Clinch zu liegen. Detail kontra Wiederholung. Die Dovoin-Welt war detailreich. Beinahe schon zu detailreich! Zumindest für meinen Geschmack. Etwas mehr Figurendarstellung hätte es sein dürfen. Dafür weniger Umgebung. Aber da gab es ja noch die andere Handlungsebene. Hier brachte der Autor die Leser zunächst auf den Stand der Dinge „vor“ dem kleinen Jubiläum in der Zyklushandlung. In einem Interview geht der Autor auf diese Herausforderung ein. Er musste die Stammleser wieder abholen, die vier Wochen Pause auf dieser Handlungsebene hatten und auch potentielle Neu- und Wiedereinsteiger mit dem Stoff zufriedenstellen.
Einige dieser „Erklärungen“, die für diese Zwecke notwendig waren, gerieten mir etwas zu umfangreich. Aber je weiter der Roman voranschritt, desto kürzer wurden diese Wiederholungen und wichen schließlich einer Handlung, die ich als flott empfand. Die Absicht, Gry O’Shannon aus der Suspension zu holen, damit sie den Einsatz mitmachen kann, lässt der Autor diskutieren. Er war sich also der Schwierigkeit, diese Figur mitzunehmen, bewusst. Das Argument, dass aufgrund der Distanz zum bisherigen Einsatzgebiet es eher unwahrscheinlich sei, dass Gry O’Shannon vom Advokaten aufgespürt werden kann, erscheint schlüssig. Ist m.E. jedoch zu kurz gedacht. Denn es geht zum Verlies der VECU. Man sollte angesichts der vergangenen Ereignisse um die Sextadim-Späne meinen, dass dem Advokaten klar sein sollte, dass seine Feinde versuchen werden, die SI zu befreien.
Mit den Figuren kommt der Autor gut zurecht. Im Fokus steht häufig Penelope Assid. Deren Emotionen hat der Autor nachvollziehbar eingefangen. Sehr schön beispielsweise die Gemütsbewegungen, die die Figur während der Beobachtung der Vektormaterie an Bord der RAS TSCHUBAI an der Seite des Onryonen verspürt. Auch der Umgang dieser Figur mit anderen Teammitgliedern, ihre Beobachtung von Wavalo Galparudse und wie Tolot reagiert. Das hat mir gefallen.
Dennis Mathiak hat seine Sache gut gemacht. In eine Serie einsteigen, die seit beinahe 60 Jahren läuft und in ein Team von Autoren vorstoßen, von denen einige eine nach Jahrzehnten bemessene Schreiberfahrung haben, dürfte etwas Nervosität ausgelöst haben. Dem Roman merkt man das allerdings nicht an.