Articles for the Month of Dezember 2019

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3045

Mörder des Residenten – von Hubert Haensel
Im März 2046 NGZ erhält Reginald Bull auf Rudyn die Aufzeichnungen des Cairaners Guulmen Cutthunese. Das Dossier gehört zu den Daten, die Spinoza Godaby beim letzten Einsatz erbeutet hat. Und es ruft alte, längst verschütten geglaubte Erinnerungen in Bull wach. Es geht zurück zum 16. November 1572 NGZ, als Hekéner Sharoun ermordet wurde und beschreibt auch die Jahre davor. Damit wird klar, dass die Cairaner schon viel früher in der Milchstraße aktiv waren, als bislang bekannt.
Nachdem der Weltenbrand gebannt war, litten die Bewohner des Solsystems nach wie vor unter den Nachwirkungen, die nur langsam abklangen. Der Posbi Ganud landete auf Terra, um Bulls Frau und seine Tochter als Leibwächter zu beschützen. Vetris-Molaud hatte den Vorschlag gemacht und der Posbi war diesem gefolgt. Die seltsamen Phänomene im Solsystem legten an Häufigkeit und Stärke zu. Ein Bote aus der Stadt Allerorten forderte Toio und Shinae auf, in den Schutz der Stadt zu fliehen, solange dies noch möglich war. Das taten die beiden dann auch. Nur Bull sah sich den Terranern verpflichtet und blieb zurück.
In dieser Zeit wurden die ersten Cairaner aktiv und sahen für ihre Pläne die Liga Freier Galaktiker als größten Störfaktor an. Sie beschlossen, mindestens einen wichtigen Repräsentanten der Liga auszuschalten. Die Wahl fiel auf Hekéner Sharoun. Im Idealfall sollte auch noch einer der Aktivatorträger ausgeschaltet werden. Der Cairaner Guulmen Cutthunese unterzog sich mit Hilfe eines Aras mehreren Operationen, um wie ein Terraner auszusehen. Er gelangte nach Terra, um die Menschen zu studieren. Über Organoide in seinem Körper sandte er regelmäßige Berichte an seinen Konsul. Im Wegasystem stieß er schließlich auf eine Extremistengruppe, die den Ferronen Sharoun als Verräter betrachteten und schloss sich der Gruppe an. Diese Gruppierung plante schließlich einen Anschlag. Unter Zuhilfenahme eines Energiewesens von Gol sollte auf einer Forschungsstation um Sol, die das Sonnensiegel untersuchte, eine Falle für den Residenten gestellt werden.
Zur gleichen Zeit machte ein Raumschiff der Liga, die ULIXES eine beunruhigende Entdeckung. Das Schiff hatte die Bilokal-Sphäre entdeckt, mit der die Völker der Vecuia zur Milchstraße vorstießen. Schwer beschädigt erreichte das Schiff das Solsystem. Hekéner Sharoun sagte den Termin auf der Forschungsstation ab, doch Guulmen Cutthunese konnte umdisponieren. Er tötete die anderen Attentäter seiner Gruppierung und konnte dennoch seinen Auftrag ausführen, indem er die ULIXES zerstörte und dabei den Residenten so schwer verletzte, dass dieser am nächsten Tag verstarb. Die Daten der ULIXES wurden dabei ebenfalls unwiederbringlich vernichtet.
 
Hubert Haensels zweiter Roman zum laufenden Zyklus beschäftigt sich mit einem Ereignis, von dem wir schon im Roman 3015 erfahren haben. Es geht um die Ermordung des Residenten Hekéner Sharoun. Der Autor legt nun offen, dass dieses Attentat von den Cairanern geplant und ausgeführt wurde. Das erste Auftreten von Vertretern des „Friedensbundes“ ist also ein eiskalter Mord. Da hilft es auch nicht, dass der Autor seiner Figur Guulmen Cutthunese bewundernde Worte zum Staatswesen der Liga in den Mund legt. Und es hilft auch nicht, dass er ihn bedauernde Äußerungen machen lässt. Zu den zahlreichen Begleitmorden und Kollateralschäden an Unschuldigen, die seinen Plänen im Weg stehen.
Die Innenansichten des weitgehend isoliert auftretenden Guulmen Cutthunese geben nicht allzu viele Informationen preis. Außer ihm wird nur ganz kurz ein Shenpadri erwähnt und der Ara wird gekauft worden sein. Die Geschichte passt, trotz aller Ideen, die sich Hubert Haensel hat einfallen lassen, um seinen Roman zu füllen, nicht so richtig ins Gefüge des Zyklus. Kurz nach Heft 3015 hätte der Roman nicht gepasst, weil damals die Informationen des Thesanit fehlten. Und jetzt passt er nicht, weil der Erkenntnisgewinn mager ausfällt und das titelgebende Ereignis eigentlich längst abgehakt ist.
Die Story sprach mich daher nicht besonders an. Trotz der erwähnten Einfälle. Beispielsweise auf die Wesen von Gol einzugehen. Oder das Sonnensiegel in Erinnerung zu rufen. Die Geschichte hätte an Gewicht gewonnen, wenn durch das Ableben des Residenten eine Situation hätte entstehen können, die den Cairanern dienlich gewesen wäre. Nur, das wird in diesem Roman nicht beschrieben. Die Ermordung des Residenten hatte auf das Gesamtgeschehen keinen Einfluss. Die Infos der ULIXES hingegen wären brisant und vielleicht entscheidend gewesen. Letztlich ist es nur einem Zufall zu verdanken, dass die wichtigen Informationen der ULIXES ebenfalls verloren gingen. Die Motive der Cairaner, den Residenten zu ermorden, bleiben auch nach dieser Geschichte ebenso unklar, wie der durchlaufene „Entscheidungsprozess“, welche der auserkorenen Personen denn nun getötet werden sollte. Letztlich führt der Autor notwendige Gedanken nicht zu Ende. Seine Figur stellt Vergleiche zwischen der Vecuia und der LFG an. Auf dieser Ebene hätte er eigentlich seine Attentatspläne begraben oder zumindest stärker hinterfragen müssen.
Und wie erwähnt, hätte auch die Wirkung dieser Geschichte eine andere sein können, wenn sie zu einem anderen Zeitpunkt erschienen wäre. Und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem ich als Leser eben noch nicht über das Ableben des Residenten informiert war. Aber dazu hätte man wiederum die Motive der Cairaner stärker betonen müssen. Und diese sollen zunächst weiterhin im Verborgenen bleiben.
 

Ansichten zur Fan Edition 19 Planet der alten Gärten

Planet der alten Gärten – von Judith Fandrich
Anfang des Jahres 1369 NGZ wird ein altes terranisches Notsignal empfangen. Es stammt von der HEMISPHERE, einem Ultraschlachtschiff, das vor eineinhalb Jahrtausenden während der Schwarmkrise spurlos verschwand. Ein Schicksal, das es mit vielen anderen Schiffen zu jener Zeit teilt. Nun stellt sich heraus, dass das Schiff damals noch eine Notlandung auf einem Planeten hinlegte, der heute von intelligenten Wesen auf niedrigem Technologieniveau bewohnt wird. Atlan und Michael Rhodan haben keine anderen Aufgaben und da sie sich mit so alten Schiffen auskennen, machen sie sich auf, die HEMISPHERE zu besuchen. Einerseits, um eventuelle Gefahren, die von dem Schiff ausgehen könnten, abzustellen, andererseits um herauszufinden, warum das Notsignal gerade jetzt gesendet wird.
Begleitet werden sie von Mirna Sann. Die junge Pilotin steuert die MERLIN auf den Planeten, nachdem sie von einem größeren Schiff abgesetzt wurden, das sie später wieder aufnehmen soll. Der Anflug gestaltet sich schwierig. Ein unbekannter Einfluss zwingt die MERLIN zu einer Notlandung. Die drei Galaktiker kommen in Kontakt zu einem Einheimischen. Der Lotori ist über die Anwesenheit der Terraner wenig überrascht. Er berichtet Michael und Atlan von einer Gefahr, die dem Planeten droht. Und die beiden Unsterblichen machen sich auf, um diese Gefahr zu beseitigen. Aber die üppige Vegetation des Planeten hält für die beiden Männer noch einige Überraschungen bereit.
 
Planet der alten Gärten ist die 19. Ausgabe der Fan Edition der Perry Rhodan-Fanzentrale. Das Heft lag schon einige Zeit auf meinem Stapel der ungelesenen Bücher und die Feiertage gaben mir endlich die Zeit, es zu lesen. Das Titelbild des Heftes stammt von Uli Bendick und zeigt die HEMISPHERE inmitten der von Pflanzen überwucherten Stadt und einen Lotori mit den charakteristischen vier Ohren im Vordergrund. Der Roman ist mit 163 Seiten für einen Heftroman sehr lang. Unter Berücksichtigung der Schriftgröße schätze ich, dass er mindestens die doppelte Heftromanlänge eines typischen Perry Rhodan-Heftes hat. Wahrscheinlich sogar noch etwas mehr.
Judith Fandrich siedelt ihren Roman im Jahr 1369 NGZ an. Abgesehen von einem kurzen Prolog, der eine der Hauptfiguren vorstellt und auf die Nöte der Lotori hinweist, kommt die Autorin schnell zur Sache. Zwei Seiten weiter befinden sich die beiden Unsterblichen Michael Rhodan und Atlan bereits mitten in ihrem Einsatz. Die Story folgt zunächst bekannten Mustern. Für die junge Pilotin Mirna Sann ist es der erste Einsatz und dann gleich an der Seite von zwei Legenden. Nach der Bruchlandung der MERLIN sortiert die Autorin die Figurenkonstellation neu. Mira ist erst mal für lange Zeit abgemeldet und die beiden Unsterblichen begegnen Liin, einem Lotori. Dass es sich dabei um eine der Figuren aus dem Prolog handelt, kann man als Leser zwar vermuten aber Sicherheit in dieser Frage bekommt man als Leser erst, als Liin an die alte Wirkungsstätte, in dem Fall die HEMISPHERE, zurückkehrt.
Und diese Rückkehr beschäftigt das Figurentrio Atlan, Mike und Liin in der ersten Romanhälfte hauptsächlich. Liin sieht eine Bedrohung des Planeten in der Nutzung der terranischen Technologie durch die hiesige Herrscherkaste, die ihren Einfluss ausdehnen möchte. Und genau wegen einer solchen Gefahr der missbräuchlichen Nutzung von Technologie, sind die beiden Unsterblichen hierhin aufgebrochen.
Den Schreibstil der Autorin empfand ich zunächst als sehr gefällig. Sie führt gut in den Stoff ein und versteht es geschickt, auch bekannte Szenerien für den Leser interessant zu beschreiben.
Die Autorin lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte. Die Begegnung zwischen Liin, der das Notsignal aktiviert hat, um die Terraner anzulocken, und den drei Besatzungsmitgliedern der MERLIN wird sorgfältig beschrieben. Auch auf dem Weg in die Stadt und durch die Stadt, den Michael Rhodan, Atlan und Liin gemeinsam gehen, steckt viel Beschreibung. Hier baut die Autorin vor allem den Hintergrund der Figur Liin aus. Wir erfahren etwas über ihn, seine Herkunft, seine Beweggründe. Stellenweise geriet das etwas langatmig. Weniger wegen der Informationen an sich, die gut gesetzt waren, als vielmehr an einigen Abschweifungen. Die Autorin setzt bestimmte Aktionen in ihrem Roman, d.h. die Figuren erreichen ein bestimmtes Ziel oder führen einen Dialog. An diesen Punkten erweitert die Autorin den Hintergrund des Geschehens durch zusätzliche Informationen. Nur kehrt sie nach diesen Abstechern nicht immer an den Punkt zurück, an dem sie zu einer Erklärung ausholte, sondern holt das eine oder andere Mal zu weiteren erzählerischen Bögen aus. Hier wäre mir ein kompakterer Stil manches Mal lieber gewesen. Und hin und wieder übertreibt es die Autorin, wenn ihre Figuren alle möglichen und unmöglichen Eventualitäten und Fallkonstellationen in Gedanken durchkauen, statt sich auf die eine Sache zu konzentrieren.
Trotz dieser weitläufigen Erzählweise sind es immer wieder die Details, die die Geschichte lebendig machen. Die Überwindung der Sprachbarriere, da die Translatoren nicht funktionieren, die Einschätzungen beider Seiten zu den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, zu den Geschlechterrollen, der Umgang mit Redensarten, das Interpretieren von Gesten und Körperhaltungen machen das Figurenspiel interessant. Diese Ausgestaltungen von Details ziehen sich durch den ganzen Roman und sorgen für eine atmosphärisch dichte Story. Etwa zur Hälfte des Romans „offenbart“ sich Liin seinen/ihren beiden Begleitern. Von diesem Zeitpunkt an nimmt die Story auch mehr an Fahrt auf. Die Figuren werden vor größere Probleme gestellt und der Einfluss der Vegetation auf die Handlungen der beiden Unsterblichen gerät immer intensiver. Spätestens hier geriet mir auch der Titel des Romans wieder in Erinnerung. Planet der alten Gärten. Dieses Titelmotiv wird von der Autorin zwar nicht vergessen, denn die Einflüsse der Vegetation sind allgegenwärtig, aber eben oberflächlich. Mir fehlt die Auseinandersetzung der Besucher mit dem Einfluss der Pflanzen auf einer anderen, tieferen Ebene. Erst ganz am Ende beschäftigen sich die Unsterblichen mit den Faktoren, die sie auf ihrer Mission beeinflusst haben und kommen zu Erklärungen. Das mystische in dem Begriff der alten Gärten hätte vorher jedoch ein bisschen stärker betont werden müssen.
Abgesehen davon schlägt sich die Autorin sehr gut. Sie führt ihre Story zu einem runden Ende. An einigen Stellen hätte dem Roman eine Straffung aus meiner Sicht gut getan. Aber es ist eine gelungene Fan-Story, die ich empfehlen kann.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3044

Das Supramentum – von Michelle Stern
Der NDE-Agent Spinoza Godaby ist zusammen mit dem TARA-Psi zum hermetisch abgeriegelten Kontinent Foosaal auf Trakarat vorgedrungen. Unterstützt werden die beiden von Ydio-Do, einer Agentin der Gläsernen Insel. In der Siedlung Klayndnar liegt das eigentliche Ziel des Trios. Dort arbeiten die Cairaner und die Báalols an einem Geheimprojekt. Das Supramentum. Die Báalols werden von den Mitgliedern des cairanischen Friedensbundes auch als Kandidaten für das nächste Volk bezeichnet. Sollen die Thesanit von den Báalols ersetzt werden?
Die Agenten und der Psi-begabte Roboter müssen ins Zentrum von Klayndnar vordringen, in die Fabrik. Dort wird an etwas gebaut. Die Sicherheitsmaßnahmen sind hoch und die Cairaner misstrauisch. Sie wissen um den Versuch einer Infiltration, bei der der TARA-Psi seine Vernichtung vorgetäuscht hat. Eine unbekannte Größe für die Agenten ist auch Klicker, der seltsame Begleiter des Konsuls. Das Trio gelangt zunächst in einen Beobachtungsraum. Dort können sie das Supramentum erstmals zu Gesicht bekommen. Und das, was sie sehen, verunsichert sie. Soll mit dem Supramentum, das hier entsteht, die Milchstraße unterjocht werden? Auszuschließen ist das nicht. Das Trio beschließt einzugreifen. Einerseits sollen mehr Informationen beschafft werden, andererseits das Projekt sabotiert werden. Doch der Einsatz verläuft nicht wie geplant. Denn die Cairaner forcieren den Bau des Supramentums. Und eine unheimliche Bedrohung erwacht.
 
Michelle Stern setzt die Geschichte der Vorwoche mit den gleichen Figuren fort. Und steigt gleich mit den Beobachtungen und Emotionen der Tefroderin in die Geschichte ein. Ydio-Do belegt ihren Begleiter mit der Aussage, dass sein Anblick sie irritiere und diese Irritation nur knapp an dem Gefühl für ein niedliches Haustier vorbeiginge. Um dann festzuhalten, dass Spinoza das für ihn typische arrogante Lächeln aufsetzte. Über diese Empfindungen und Beschreibungen musste ich erst mal das Heft absetzen, denn das passte irgendwie nicht zusammen. Allerdings hatte schon Michael Marcus Thurner das Pärchen in seinem Roman kleine Frechheiten und liebevolle Unverschämtheiten austeilen lassen. Und Michelle Stern setzt das fort. Wenngleich nicht ganz so locker und elegant wie ihr österreichischer Autorenkollege. Zum terranischen Tölpel gesellt sich dann auch noch ein anderer Tölpel. Der denkblinde Klicker. Mit dieser Figur, nicht zuletzt aufgrund ihrer äußeren Erscheinung, die dem Supramentum ähnelt, verband ich die eigentliche Gefahr für das Agententrio. Zumindest die Gefahr aufzufliegen. Aber in den entscheidenden Momenten hielt Klicker ein Nickerchen.
Zum Einschlafen war die übrige Handlung zwar nicht, allerdings auch weit davon entfernt, mich zu elektrisieren. Die Geschichte der Vorwoche konnte mit unterschiedlichen Lokalitäten auftrumpfen. Dies fehlt in diesem Roman nahezu vollständig. Das Geschehen wird daher weitgehend vom Zusammenspiel der beiden Agenten beherrscht. Und dieser Bogen war dann doch bald ausgereizt. Da nützte es auch nicht, dass der TARA-Psi auftaute und seine Ansichten zu der einen oder anderen Situation vertrat.
Die Beobachtungen zum Supramentum erinnern an die Golem-Legende. Etwas Unfertiges und unbelebtes wird zum Leben erweckt und in Kleider gesteckt, um einen Auftrag auszuführen. Die Autorin bleibt bei dem ganzen Geschehen in den Beschreibungen vage. Neben dem Golem-Motiv verfolgt die Autorin auch noch ein anderes. Das Porträt des Konsuls Haransoga Goanat erinnert an das Bildnis des Dorian Gray. Auch hier bleibt vieles vage, wenngleich ausgerechnet der unbedarfte Klicker den richtigen Vergleich anstellt und einen (Zauber)Spiegel sieht, über den der Konsul wohl einen Blick in seine Seele nehmen will. Mit dem Golem und Dorian Gray baut die Autorin eigentlich zwei starke Motive in ihren Roman ein, aber es mangelte etwas an der Verknüpfung dieser Motive mit den realen, pardon, fiktiven Geschehnissen.