Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 11

NEUBEGINN – von Dietmar Schmidt
Die SOL ist ins Susmalsystem zurückgekehrt und dort in die Verbotene Zone eingeflogen. Der schwarze Chaos-Fleck konnte unter den besonderen Bedingungen des chaotischen Mischraums entfernt werden. Allerdings ist die Gefahr für das Schiff noch nicht vorbei. Denn die SOL sieht sich zwei Ksuni-Flotten gegenüber. Regierungstruppen und Rebellen bekämpfen einander. Und die SOL ist für beide Parteien ein Feind. Zudem haben die Ksuni Traitanks reaktiviert. Im begrenzten Raum der Verbotenen Zone werden die Schiffe des Chaos zur Gefahr für die SOL. Und die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende. Die Raum-Zeit entartet erneut zum Chaotischen. Durch den aktiven Situationstransmitter findet ein Austausch zur Proto-Chaotischen Zelle in Evolux statt. Der Transmitter muss unbedingt abgeschaltet werden und die Fraktale Aufriss-Glocke um die Verbotene Zone ebenfalls.
Roi Danton geht mit einem Einsatzteam, dem auch Mahlia Meyun freiwillig angehört, an Bord des Kolonnen-Docks. Sein Ziel ist die Zentrale und mit seinen Kenntnissen der TRAITOR-Technologie hofft er, die SOL unterstützen zu können. Mahlia Meyun hingegen hat noch eine Rechnung offen, die sie an Bord des Kolonnen-Docks begleichen will.
Perry Rhodan an Bord der SOL bekommt von Colwin Heltamar in der Zwischenzeit die wahre Geschichte der Eoracten zu hören und von Eoract selbst, jenem starken Geist, den Roi Danton und Pravo Ylapp im inneren der Proto-Chaotischen Zelle gespürt haben. Und als wäre das nicht genug sieht sich die SOL einer weiteren Bedrohung ausgesetzt. Die NEUBEGINN erscheint. Ein 1126 Kilometer durchmessender Kugelraumer von der Art eines GESETZ-Gebers. Das Schiff beabsichtigt, die Chaotisierung der lokalen Raumzone rückgängig zu machen. Da das nicht gelingt, greift das Kosmokraten-Schiff zu einer drastischeren Maßnahme. Es versetzt das ganze System in einem Zustand, bevor irgendetwas existiert hat. Das Susmalsystem wird initialisiert.
Das Vorhaben würde die Zivilisation der Ksuni auslöschen und auch die SOL vernichten, die der Verbotenen Zone nicht entkommen kann.
 
Raus aus Band 10 und hinein in eine Raumschlacht. So der Beginn des 11. Heftes der Miniserie. Die SOL muss sich trotz überlegener Triebwerke und Technik zwei sich belauernder Ksuni-Flotten erwehren. Autor Dietmar Schmidt beschreibt recht anschaulich, mit welcher Technik sich die Ksuni-Schiffe durch den Raum bewegen. Nicht mehr ganz so anschaulich geraten die Darstellungen, die die Manöver der SOL zum Inhalt hatten. Obwohl das Fernraumschiff den Ksuni-Schiffen an Wendigkeit und Beschleunigung in jeder Hinsicht überlegen ist, tun sich die Solaner schwer. Bevor es zu peinlich für die SOL wird, kippt der Raum in der Verbotenen Zone dann doch wieder ins Chaotische und befreit die Solaner von weiteren misslungenen Manövern. Die Figuren, die nun das Schiff führen, bleiben mit Ausnahme von Fee Kellind, die selbst kaum Auftritte hat, blass. Hier wird ein Manko deutlich, das mit dem grundsätzlichen Aufbau der Miniserie zusammenhängt. Diese Figuren, die nun die SOL retten sollen, waren 10 Hefte lang unsichtbar. Stattdessen bevölkerten die Solaner-Nachkommen mehr schlecht als recht das legendäre Schiff. Und nun, mit einem Fingerschnippen, sind die bekannten und bei mir – ich gebe es zu – nicht gerade beliebten Figuren, durch andere unbekannte Figuren ersetzt worden. Mit den neuen Figuren kann ich mich als Leser kaum noch identifizieren. Am Ende dieser Serie ist das Personal einmal vollständig durchgetauscht worden. Mahlia Meyun und Pravo Ylapp sind als Einzige übriggeblieben.
Im vorletzten Band der Miniserie bietet sich dem Leser nach den Manövern zu Beginn erstmal nichts Neues. Mahlia Meyun stellt sich wie gewohnt ihren Ängsten und ihrem Versagen der letzten Wochen und bekommt mit Roi Danton einen Seelenverwandten an die Seite gestellt, mit dem die „Vereint im Leid“-Variante einen ihrer unzähligen Aufgüsse erlebt. Die inkonsistente Schilderung der Heilerin findet dann auch eine Fortsetzung. Die, die endlich (letzter Roman) ebenfalls zum wiederholten Male nur noch Heilerin sein wollte, meldet sich freiwillig zum Risikoeinsatz. Klar, dass sie ins Kolonnen-Dock mitgenommen wird. Bei der Kompetenz! Glücklicherweise ist ihr SERUN nicht so hochgezüchtet, wie in der EA geschildert. Die Panikattacken, die sie befallen, bleiben daher unbemerkt. Und sie rettet sogar einem Einsatzmitglied das Leben. Und wie fällt die Reaktion ihres Seelenverwandten Roi Danton aus? Er rügt sie für den Einsatz, bei dem sie ein Teammitglied gerettet hat. Und sie möge dies doch bitte den Spezialisten überlassen. Also denen, die gerade das nicht geschafft haben? Ich war verwirrt. Mahlia Meyun ausnahmsweise nicht, denn sie kontert Dantons Zurechtweisung. Doch Psychologe Danton hält dagegen und wirft der Heilerin nun Überkompensation vor. Spätestens da hätte ich die beiden per Fernsteuerung nach Hause geschickt. Dietmar Schmidt hatte jedoch ein Einsehen und schleppte die beiden Streithähne weiter mit. Der unrühmliche Höhepunkt ist sicherlich Meyuns Verlassen der Zentrale des Kolonnen-Docks, das mit Verlusten eingenommen wurde. Und Danton lässt sie ziehen. Oh je! Das hätte man geschickter lösen können, indem man die Figur vorher von der Gruppe getrennt hätte. Aber so?
Die Aufarbeitung der Geschichte der Eoracten durch Colwin Heltamar brachte Licht in die zuletzt nur undeutlich als mächtiges Bewusstsein gehandelte Präsenz in der Chaos-Zelle. Die Dialoge in der Zentrale der SOL, die Heltamars Erzählung begleiten sind insofern ganz erfreulich, als dass Dietmar Schmidt die Rollen von Perry Rhodan und Pravo Ylapp vertauschte. Während der ehemalige Diener Senns mit klugem und kultiviertem Auftreten glänzt und am Ende Reaktionsschnelligkeit beweist, zeigt der erfahrene Unsterbliche und Sofortumschalter das genaue Gegenteil.
Manche Textpassagen wirkten holprig. Beispielsweise als Danton in der Zentrale des Kolonnen-Docks die Oberhand gewinnt und eine Darstellung des umliegenden Raums projiziert. Denn nun muss der Autor nachschieben, dass zwischenzeitlich ein informatives Funkgespräch stattgefunden hat. Wo doch bislang der Funk gestört war.
Was ich überhaupt nicht verstanden habe, ist, wie die Kolonnentechnik, die im Roman anfänglich erwähnt, nicht an die Bedingungen der Hyperimpedanz angepasst wurde und auf den Stand vor 20 Millionen Jahren beruht, nun die SOL so aufwerten kann, dass sie der NEUBEGINN Paroli bieten kann. Abgesehen davon, dass die Aufrüstung nur ein paar Stunden dauert. Das hätte selbst Scotty in einem Trockendock nicht geschafft! Ebenso unklar bleibt manches Detail der Handlung. Die Beteiligten sind innerhalb der Zone mit dem Kolonnen-Dock gefangen. Die Potentialwerfer beispielsweise nutzen die Hyperbarie naher Sonnen. Doch durch die Fraktale Aufriss-Glocke sollte das nicht gehen. Mit der Einführung der Hörstöpsel gelingt Dietmar Schmidt eine Überraschung. Diese Technologie wurde in der Perry Rhodan-Serie bislang nicht eingesetzt. Ach, die guten alten Hörstöpsel!
Der grundsätzliche Rahmen und der Aufbau der Geschichte haben mir gefallen. Der Autor lässt seine Figuren Erfolge erzielen und Rückschläge verzeichnen. Und steigert das Bedrohungspotential während des ganzen Romans. Um am Ende nochmal eins draufzupacken. In den Details zeigen sich jedoch Schwächen. Die Abgrenzung zwischen Verbotener Zone und dem Wirken von NEUBEGINN wird nicht deutlich. Die Problemlösung mit der SOL-Aufrüstung wird die Waffenfanatiker entzücken. Aber auch da ist vieles Hoppla-Hopp geschehen und die Hyperimpedanz blieb unberücksichtigt.
Fazit: Guter Spannungsbogen in diesem Roman, aber die Therapie geht noch bis ins Finale. In den Details zeigen sich Höhen und Tiefen. Zu den Figuren (alte und neue) kann kein Draht aufgebaut werden. Der Austausch der Nebencharaktere kurz vor Ultimo ist ein schwerer handwerklicher Fehler im Aufbau der Miniserie, denn die SOL wird nicht zuletzt über ihre Crew identifiziert. Und die genießt zu wenig Augenmerk im Plot.

2 comments on “Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 11

  1. Kai

    Mit Verlaub – dass Funktionsträger, die in Band 11 eingeführt werden, blass bleiben, ist volle Absicht und handwerklich komplett richtig. Denn die Miniserie dreht sich nun einmal um das in den Bänden 1 bis 3 eingeführte Personal und begleitet es bis zum Ende. Der handwerkliche Fehler wäre gewesen, jetzt wirklich eine komplett neue Besetzung aus dem Hut zu zaubern und in den Vordergrund zu schieben. Das Problem ist wohl eher, dass du die Hauptfiguren der Serie einfach nicht magst.

    1. Uwe Bätz

      Stimmt, die Hauptfiguren, resp. eine Hauptfigur, mag ich nicht. Daraus habe ich auch kein Geheimnis in meiner Romanbetrachtung gemacht.

      Auch wenn Nebenfiguren von Autor zu Autor eine unterschiedliche Gewichtung erhalten und demzufolge unterschiedlichen Einfluss auf die Handlung nehmen, darf man jedoch deren Einfluss auf den Leser nicht unterschätzen. Es sind nicht selten die Nebenfiguren, zu denen eine Empathie aufgebaut wird, mit denen sich die Leser identifizieren. Sie können in einer Serie auch etwas lockerer gehandhabt werden, als das Charakter-Konzept, in das man die Hauptdarsteller zwängt. Gerade in der Perry Rhodan-Serie sind die liebgewonnenen Nebenfiguren Legion. Wenn wir an das Raumschiff SOL denken, fallen uns (Leser) spontan Bjo Breiskoll, Romeo und Julia und andere ein. Mit der Miniserie Mission SOL verband ich auch die Hoffnung (Leser haben zuweilen Träume) auf eine Besatzung, die vor langer Zeit aufbrach und die nicht nur das Missionsziel nicht erreichten, sondern auch in ihren Wünschen und Sehnsüchten an Bord des legendären Fernraumschiffs scheiterten. An eine Besatzung, die mit Perrys Hilfe, das Schiff wieder flott macht. Das ist nicht geschehen. Das weiß ich jetzt in Band 11. Aber die Crew vor Ultimo auszutauschen lässt weder der einen Seite unbeliebter Darsteller, noch der anderen Seite unbekannter Darsteller den Raum, bei mir dem Leser sowas wie Empathie aufzubauen. Und das bezeichne ich als einen Fehler.

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