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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3037

Der Abyssale Ruf – von Michelle Stern
Die RAS TSCHUBAI fliegt das Huphurnsystem an, die Heimat der Cairaner. Auf dem Weg dorthin werden Raumschiffe der Phersunen beobachtet, die Vektormaterie transportieren und damit drei unbewohnte Planeten eines Sternsystems auflösen. Im Zielgebiet und in der Nähe des Huphurnsystems geht das terranische Schiff in den Ortungsschutz eines Sterns. Die Ortung zeigt, dass die Heimatwelt der Cairaner nicht mehr existiert. Aber zehntausende von Schiffen der Phersunen und anderer Völker halten sich in einer Raumkugel von 50 Lichtjahren Durchmesser um das Huphurnsystem auf. Der Abyssale Triumphbogen kann nicht geortet werden. Die Fremdvölker sind von den Phersunen aufgefordert worden, dem Abyssalen Ruf zu folgen. Perry Rhodan will das Gleiche tun. Die PAQUA wird von der STARTAC SCHROEDER in die Nähe des Ziels gebracht. Icho Tolot und Tenga bleiben auf dem Kugelraumer als Einsatzreserve.
Die PAQUA mit Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger, Gry O’Shannon, Jalland Betazou, Farye Sepheroa und Donn Yaradua setzt die Reise alleine fort. Zusammen mit der Suggestivzuhörerin Penelope Assid soll Yaradua die Kontrolleure der Phersunen gegebenenfalls beeinflussen, damit sie als harmlose Besucher gelten. Das gelingt und die PAQUA darf ins Huphurnsystem. Durch die Beeinflussung durch Assid erfahren die Galaktiker erstmals ein wenig über eine geheimnisvolle Hintergrundmacht. Die Kandidatin Phaatom ist es, dem der Dienst der Phersunen gilt. Im Huphurnsystem können sie den Abyssalen Triumphbogen beobachten. Der Anblick hat eine verstörende Wirkung auf die Beobachter. Zwei nebeneinanderliegende, kreisförmige Strukturen pulsieren um eine dazwischenliegende pyramidenförmige Raumstation. Während die Wissenschaftler erste Theorien entwerfen, erscheint ein schwarzer Ringraumer und greift den Triumphbogen an. Ohne Erfolg, aber Rhodan kann unbemerkt von den Phersunen ein Besatzungsmitglied mit dem Paau retten. Es ist eine Thesan namens Pezenna Flaith, die behauptet die Begegnung mit ihm im temporalen Kanal gesehen zu haben.
Als die Phersunin Kumusheg Eshall den Abyssalen Appell hält, erfahren die Besucher etwas mehr über Phaatom. Die Kandidatin will sich weiterentwickeln und benötigt die Substanz des Galaxiengevierts, die sie in sich aufnehmen will. Nach Rhodans Ansicht ist Phaatom mindestens eine Superintelligenz und will den Aufstieg zur Chaotarchin vollziehen. Den verbliebenen Völkern wird ein Ausweg aufgezeigt. Sie dürfen in andere Galaxien auswandern. Und die Phersunen machen noch eine besondere Lotterie. Die Besucher dürfen, sofern sie ausgewählt werden, die Größe der Kandidatin Phaatom erkunden und werden dafür in den Abyssalen Triumphbogen gebracht. Klar ist, dass sich Perry Rhodan bewerben wird.
 
Im Idealfall erzählen Perry Rhodan-Romane zwei spannende Geschichten. In der einen wird die Haupthandlung, die Zyklushandlung, also quasi der rote Faden, vorangetrieben. In der anderen Geschichte erzählen die Autoren ein wöchentlich wechselndes Abenteuer unserer Helden. Diese Episoden werden meist mit Ende des Romans beendet. Hin und wieder wird ein interessanter Plot auf mehrere Hefte ausgedehnt und ebenso gelegentlich dürfen liebgewonnene Nebencharaktere auch in späteren Geschichten auftreten. Der Roman von Michelle Stern ist von der Art her ein Schlüsselroman zur Zyklushandlung. Einer, der zeigt, wie bisherige Geschehnisse zu deuten sind, welche Absichten hinter den Aktionen bestimmter Völker stecken und in welche Richtung es mit der Haupthandlung gehen könnte.
Entsprechend etwas unterrepräsentiert war diesmal das wöchentliche Abenteuer. Es zeigt die in den letzten Romanen im Einsatz befindlichen Figuren im Zusammenspiel und eine Hauptfigur, die nun selbst in das Geschehen eingreift. Mit einem Koffer rettet Perry Rhodan einer Thesan das Leben. An den Paau habe ich mich noch nicht gewöhnt. Es ist schon ein seltsames Bild, das die Autorin hier zeichnet, wenn sie Perry Rhodan in einen Koffer zwängt und ihn durch die Gegend schickt. Das erinnert mich ein wenig an eine moderne Märchenfigur, die im Fernsehen unter dem Titel „Die Abenteuer des Herrn Tau“ lief. Aber vielleicht ist es auch nur die Phonetik, Tau und Paau, die mich in die Irre führt.
Das Schicksal der Figuren konnte mich nicht so richtig berühren. Zum einen nicht, weil die Elemente, die Michelle Stern hier auffährt, von wahrhaft kosmischen Ausmaßen sind. Zum anderen nicht, weil es vorherbestimmt war. Behauptet zumindest Pezenna Flaith. Und mit dem Ergebnis der Prüfung durch die Phersunen behielt die Thesan in diesem Punkt also schon mal Recht. Mit dieser Vorhersehung, sofern sich Flaith entsprechend frühzeitig äußern sollte, muss man (als Autor) natürlich vorsichtig umgehen. Oder den Figuren Mittel in die Hand geben, das Los doch zu beeinflussen.
Die kosmischen Zusammenhänge sind es jedoch, die diesen Roman dominieren. Die Autorin greift tief in die Trickkiste, wenn sie die AACHTHOM, bzw. Aachthor erwähnt, einen Beauftragten der Kosmokraten im Stile der sieben Mächtigen. Später werden dann auch noch die Ritter der Tiefe erwähnt, weil Rhodan an Flaith eine Aura erkennt, die ihn an eine Ritteraura erinnert. Und dazwischen fällt, nicht zu vergessen, die Abyssale Ansprache. Die Kandidatin Phaatom will sich fortentwickeln. Was sie ist und was sie werden will, bleibt unklar. Der Status dieser Wesenheit soll die Leser wohl noch eine Weile beschäftigen. Und das ist gar nicht so einfach. Denn die Serie hat es in der Vergangenheit nicht richtig verstanden, Pflöcke einzuschlagen. Es gibt das Zwiebelschalenmodell und es gibt eine Interpretation des Pensors zu den Evolutionsstufen höherer Mächte. Das Zwiebelschalenmodell wurde insbesondere in den Bänden um Heft 1000 herum mit vielen widersprüchlichen Informationen in den Geschichten lanciert. Sollte mit der Interpretation des Pensors der Versuch der aktuellen Autorengeneration verbunden sein, diesen Widersprüchen zu begegnen und einen Neuanfang zu wagen, dann wäre es langsam an der Zeit auch entsprechende Fakten zu schaffen. Denn diese Sicht auf den Kosmos liegt nun auch bereits über 200 Hefte in der Vergangenheit. Allerdings haben die beiden Exposé-Autoren auch schon viele andere Ideen vom Stapel gelassen und dann doch nicht zu Ende verfolgt. Stichwort Meister der Insel.
Von daher könnte es sein, dass für den kosmischen Reigen, der sich hier auftut, vielleicht weder Zwiebelschalenmodell noch die Sichtweise des Pensors eine Grundlage liefert. Der Roman selbst war gut. Spannend wird es jedoch sein, ob die Darstellungen und Evolutionen höherer komischer Mächte von den Exposé-Autoren solidarisiert werden können. Oder ob sie sich alles offen lassen. Letzteres würde ich bedauern.