Articles for the Month of August 2019

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3027

Zurück nach Arkon – von Hubert Haensel
Auf Trandafir im Holuvasystem ist ein Raumschiff der Ladhonen abgestürzt. Atlan macht sich mit seinem Team zur Absturzstelle auf. Bislang ist es noch keinem Galaktiker gelungen, ein Schiff der Piraten in die Hände zu bekommen. Entweder fliehen sie oder zerstören ihr Schiff, wenn sie Gefahr laufen, es an den Feind zu verlieren. An der Absturzstelle sind Arkoniden eifrig dabei, einen Weg ins Innere des Wracks zu finden. Doch der Schiffskörper wird von einem Schutzschirm geschützt. Atlan kommen Details des Absturzes merkwürdig vor. Es könnte eine Falle für Thantur-Baron Larsav da Ariga sein.
Der Baron selbst ist auch vor Ort. Und die Situation spitzt sich zu. Eine Flotte von Doppelkeilschiffen der Ladhonen erscheint im System. An Bord des arkonidischen Flaggschiffs ARAZUN wird die Lage analysiert. Noch nie ist eine solche Konzentration von Piratenschiffen in Erscheinung getreten. Doch den 62 Schiffen der Piraten stehen fast 200 arkonidische Einheiten gegenüber. Zunächst scheinen die Arkoniden nicht ernsthaft bedroht zu sein. Die Lage eskaliert, als ein von den Ladhonen gekaperter Handelsraumer der Arkoniden die ARAZUN um Hilfe bittet und gleichzeitig hunderte von Doppelkeilschiffen um den Planeten materialisieren. Eine Schlacht entbrennt und Atlan gerät mit seinem Team zwischen die Fronten. Das Ziel der Ladhonen scheint Thantur-Baron Larsav da Ariga zu sein.
 
Für Team-Autor Hubert Haensel ist es der erste Beitrag zum laufenden Zyklus. Fehlt nur noch Kai Hirdt, der momentan durch die Mini-Serie Mission SOL voll in Beschlag genommen wird.
Die Geschehnisse, die Hubert Haensel in seinem Roman ausbreitet, werden von der Raumschlacht beherrscht. An irgendeiner Stelle des Romans geht der Autor auf frühere Seeschlachten ein. Das war keineswegs nur ein Vergleich, den er da anstellt. Hubert Haensel schildert seine Schlacht im All und die Manöver der beteiligten Kräfte so, wie sie auf See ablaufen würden. Der Autor, obwohl mit dem Genre SF sehr vertraut, ignoriert dabei hauptsächlich zwei Elemente beinahe konsequent: Entfernungen und Geschwindigkeiten. Die Schilderungen der Aktionen geraten dadurch zwar anschaulich aber eben auch irgendwie verkehrt. Dass die Aktionen im All den üblichen Schemata teilweise zuwiderlaufen störte mich anfänglich allerdings nur wenig. Erst über die Distanz des ganzen Romans summierten sich dann die Ungereimtheiten und beeinflussten ein wenig das Lesevergnügen.
Atlan und seine Begleiter sind in diesem Roman leider nur Beobachter. Aktive Handlungen gehen vom Arkoniden nicht aus. Erst ganz zum Ende hin greift der Unsterbliche ins Geschehen ein und beeinflusst den Fortgang der Geschichte maßgeblich.
Der Roman war, vielleicht oder gerade wegen der besonderen Art in der Schilderung der Raumkämpfe, recht unterhaltend.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 6

Das Orakel von Takess – von Hermann Ritter
Die Funknachricht seines Sohnes, der in einer Proto-Chaotischen Zelle irgendwo in Tare-Scharm festsitzt, hat Perry Rhodan bewogen, nach Evolux zurückzukehren. Von den Sequenz-Räten, von denen er empfangen wird, erhofft sich der Unsterbliche Hilfe bei der Suche nach dem Standort der verderblichen Einflusszone des Chaos. Doch die Mitglieder des Rates wollen einige Monate abwarten, bis der Statthalter der Kosmokraten abgezogen ist. Erst dann wollen sie die Suche beginnen. Sie fürchten um den Ruf der Werftwelt. Rhodan erfährt jedoch vom Orakel von Takess, das vielleicht seine Frage beantworten könnte. Da es keine Beschränkungen gibt, die ihm den Zugang zum Orakel verwehren könnten, begibt sich Rhodan auf eine Pilgerreise. Er wird von Elpin Vonnedal und Pravo Ylapp begleitet.
Mahlia Meyun hat indes den Entschluss gefasst, in ihr Tal zurückzukehren. Doch auf ihrem Weg dorthin wird sie aufgehalten. Und auch Rhodan stellen sich mehr Schwierigkeiten in den Weg, als ihm lieb sein kann. Der Zusammenhalt der Gruppe ist gefährdet, als Yakonto und Sathox in die Abläufe eingreifen und Rhodan erfahren muss, dass sein Vorgehen unterminiert wird.
 
Meine Kontakte zum Autor Hermann Ritter beschränkten sich bislang auf zwei Kurzgeschichten, die er zum NEO-Universum beigetragen hat. Und die ich ganz gut fand. Nun darf er die erste Hälfte der Mini-Serie Mission SOL abschließen. Der Autor verfolgt in seinem Roman zwei Handlungsebenen. In der einen ist Mahlia Meyun bestrebt, in das Tal der Gestrandeten zurückzukehren. Die andere Ebene begleitet Perry Rhodan auf der Suche nach einem Hinweis auf die Koordinaten der Proto-Chaotischen Zelle, in der sich sein Sohn aufhalten soll.
Die Mahlia Meyun-Ebene ist stark gefärbt von den teilweise außer Kontrolle geratenen Emotionen der Protagonistin. Sie gibt sich die Schuld, als Anführerin im Kolonnen-Fort versagt zu haben. Etliche Solaner kamen ums Leben. Die schrecklichen Bilder haben sich in ihr Gedächtnis eingebrannt und prägen sehr die Handlungen der Heilerin. Außerdem mehren sich die Selbstzweifel der Figur, mit dem Verlassen ihres Mannes und der Kinder und der beginnenden Liaison mit Elpin Vonnedal das Richtige zu tun. Der Autor greift hier in die Vollen. Gerade zum Beginn des Romans werden die Gemütsbewegungen der Heilerin sehr drastisch geschildert. Für meinen Geschmack hat der Autor zu dick aufgetragen. Vieles wiederholt sich. Natürlich gerät die Figur in einen schrecklichen Kreislauf und der Autor möchte dies auch mit starken Bildern ausdrücken. Aber irgendwann hatte ich als Leser genug von der Figur.
Glücklicherweise gab es noch die Geschehnisse um Perry Rhodan zu lesen. Hier konzentriert sich der Autor ebenfalls sehr stark auf die Figuren. Einerseits Rhodans Beobachtungen und Überlegungen, andererseits das Handeln der Figuren in seinem direkten Umfeld. Von Evolux war hier fast nichts zu lesen. Diese phantastische Welt geht im Roman von Hermann Ritter unter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nochmal zurück zu Mahlia Meyun. Ausgerechnet dieser Person in ihrer arg eingeschränkten Sicht der Dinge spendiert der Autor ein oder zwei Ausblicke auf die Steile Stadt. Abgesehen von den Verkehrsproblemen und den Einflüssen, des bis dato Unbekannten, der die Bemühungen der Solaner torpediert, war das zu wenig. Aus einem solchen Handlungsort muss mehr gemacht werden. Das war fade.
Nun, die Geschichte ging noch weiter. Es folgte der für mich beste Abschnitt des Romans. Die Pilgerreise, die keine war. Rhodan scheitert. Schließlich doch die Möglichkeit, eine Antwort vom Orakel zu erhalten. Und Rhodan scheitert ein weiteres Mal, weil sich zwei Bauernrüpel vordrängen. Der eine, der mehr wissen möchte, der andere, um die Liebe seines Lebens bemüht. Das war mal überraschend und ich habe mir vor Vergnügen auf die Schenkel geklopft.
Es folgte das Finale. Die Geschichte fragmentierte zusehends. Iphir mit einem Verstand und zwei Körpern, Yakonto-Attentäter, verwirrte Sathox, eine Weiße-Saal-Adaption, die Zusammenführung der beiden Handlungsebenen, tragische Momente, Schuldzuweisungen, die unvermeidliche Gefangennahme und wiederholte Einkerkerung von Rhodan usw. usw. Der Autor verlor die Kontrolle und rettete sich in den letzten Satz, mit dem er den Staffelstab an Marc A. Herren weitergibt, der uns dann hoffentlich den Mann mit der Maske näherbringt.
In Erinnerung ist mir noch der Satz geblieben, als Elpin Vonnedal und Pravo Ylapp an Rhodan den Vorschlag mit dem kleinen Dreierteam herantragen:
„Ein gemeinsamer Einsatz auf niedrigstem Niveau.“
Das könnte auch ein Fazit zu diesem Roman sein.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3026

Atlan und die Kristallsklaven – von Marlene von Hagen und Michael Marcus Thurner
Im Ephelegonsystem werden die Weichen für künftige Operationen gestellt. Gucky bleibt bei Reginald Bull. Perry Rhodan bricht mit der RAS TSCHUBAI in die Heimat der Cairaner auf. Und Atlan beschäftigt sich zunächst mit seinem eigenen Volk. An Bord der TREU & GLAUBEN reist der ehemalige Imperator nach M13. Er wird vom TARA-Psi und dessen Betreuern begleitet. Außerdem sind Dancer und Schlafner, sowie Giuna Linh und Lanko Wor dabei. Und ein Begleitschiff der PATOMAN-Klasse, die CAI CHEUNG unter dem Kommando von Gesa Wisman. Offizieller Auftrag des Schiffes sind diplomatische Gespräche. Deshalb ist auch der Barniter Tono-C4 an Bord.
Beim Anflug auf M13 sammelt man Informationen und wird so auf das Holuvasystem aufmerksam, das etwa 2100 Lichtjahre vom Zentrum des Kugelsternhaufens entfernt in Richtung Milchstraße liegt. Der Thantur-Baron Larsav da Ariga soll dieses System besuchen und weckt somit Atlans Neugierde. Der Arkonide geht mit einer Space-Jet der ZALTERTEPE-Klasse aus dem Bestand der CAI CHEUNG in einen Einsatz auf den Planeten Trandafir. Die Eingeborenen, die Nukazani, werden dort von den Arkoniden ausgebeutet. Atlan will diesem Volk helfen und in Erfahrung bringen, warum die Arkoniden dort tätig sind.
 
In seinem Blog verrät der Autor Michael Marcus Thurner, dass er diesen Roman nicht alleine geschrieben hat. Er hatte Unterstützung von Marlene von Hagen, einer Fantasy-Autorin, die er aus seinen Schreibcamps kennt. Die Aufgabenteilung war wie folgt: Marlene schrieb jenen Teil des Romans, der die Zivilisation der Nukazani zum Inhalt hatte und Michael den Part, der mehr im Perryversum verankert war.
Zunächst werden jedoch die neuen Figurenpaarungen festgelegt. Eine überraschende Randnotiz ist der Einsatz von Gucky an der Seite von Reginald Bull. Das könnte den Kommandounternehmen Rhodans in der Ferne mehr Spannung verschaffen. Könnte aber auch bedeuten, dass der Titelheld in der Heimat der Cairaner auch öfters in Gefangenschaft gerät, als es ohnehin schon der Fall ist und der Ilt ihn nicht davor bewahren oder heraushauen kann. Man möge mir diesen kleinen Seitenhieb auf typische Rhodan-Muster-Szenarien verzeihen. Wer es nicht versteht, der lese bitte die Mini-Serie Mission SOL.
Atlan selbst geht mit einer ganzen Figurenriege auf Fahrt nach M13. Für meinen Geschmack waren da 2-4 Figuren zu viel dabei. Für manche reicht es da kaum zu einer namentlichen Erwähnung. Und dann klagt der Autor, dass ihm der Platz fehle. Weniger ist manchmal einfach mehr. Giuna Linh und Lanko Wor waren überflüssig. Dann hätte der Soldat Gonk noch ein bisschen mehr berücksichtigt werden können.
Der TARA-Psi entwickelt ein erstaunliches Eigenleben. Ich erinnere mich jetzt nicht, dass dieser Roboter mal mit Gucky zusammengetroffen ist. Könnte auch sein, dass man dieses Szenario bewusst vermieden hat, um das Geheimnis um diesen Roboter noch eine Weile pflegen zu können. Alles im Allen barg der Part des Einsatzes auf dem Planeten keine großen Überraschungen oder Entwicklungen und man erfährt ein bisschen über die Situation in M13
Mehr Brisanz barg der Part von Marlene von Hagen. Die Autorin schildert eine ungewöhnliche Gesellschaft, in der die erwachsenen Männer ihre eigenen Kinder, meist Zwillingsgeborene, als willkommene Sklaven betrachten. Nun ja, ganz so fremd ist das nun auch nicht. Kinder sichern mir die Rente und dem geschilderten Trubarg ein schönes Leben. 😉
Die Autorin musste meiner Ansicht nach nicht fürchten, den falschen Ton zu treffen. Wären Menschen, Arkoniden oder Terraner, von ihresgleichen versklavt worden und hätten jene Verhaltensweisen an den Tag gelegt, wie sie Trubarg und andere Figuren zeigten, dann hätte man eine nette kleine Moraldiskussion beginnen können. Die Autorin schafft jedoch erkennbar Distanz. Die Nukazani haben eine Gesellschaft entwickelt, über deren Sozialverhalten wir aus unserer Sicht bestenfalls die Nase oder eben den Rüssel rümpfen können. Eine Ethik-Keule muss hier nicht geschwungen werden, da die Autorin die Debatte über die Kommentierungen Atlans abhandelt.
Und ganz so verbunden in die „unmoralische“ Kultur ist der Protagonist Trubarg dann doch nicht. Den körperlich Benachteiligten, wie Dreirüssel, bietet er eine Heimstatt. Seine Frauen können sich, nach eigener Aussage, auch kaum beschweren und zum Ende hin zeigt der Protagonist dann sogar das Potential für Umwerfungen. Nur seine, selbstverständlich unschuldigen, Beteiligungen an Todesfällen nicht ganz so gut geratener Geschwister werfen ein bisschen ein schales Licht auf diese Figur.
Eine unterhaltsame Geschichte, in der mir die Schilderungen der Nukazani am besten gefielen.