Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3016

In den Augen des Riesen – von Michael Marcus Thurner
Perry Rhodan genießt den Aufenthalt auf Rudyn. Er ist in der Solaren Residenz untergebracht und mit Olio wurde ihm ein persönlicher Roboter zur Seite gestellt. Wichtige Entscheidungen stehen an. Die politischen Gremien der LFG wollen sich ein Bild des Unsterblichen machen. Reginald Bull stellt den zurückgekehrten Freund zunächst im kleinen Kreis den Ministern vor. Obwohl Stillschweigen vereinbart wurde, dauert es nicht lange, bis die Nachricht von der Rückkehr einer Legende die Runde macht. Hatte Rhodan schon vor den Ministern betont, dass er alles tun würde, um die Erde zu finden, ist es umso wichtiger, die Parlamentarier auf seine Seite zu ziehen. Perry Rhodan und Reginald Bull gelingt das. Er bekommt das Mandat nach Terra zu forschen. Dazu werden ihm die RAS TSCHUBAI und die THORA und weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Nun hat Perry Rhodan Zeit, um sich auch mit Icho Tolot zu treffen.
Derweil hat Thosen Musay in Neu-Terrania auf Rudyn einen neuen Auftrag. Er ist Informationsmediator und liefert seinen Kunden Wissen. Vor allem beschafft er Informationen, die nicht allgemein zugänglich sind. Seine Auftraggeber, die pilzähnlichen Alborganer, sollen für die mächtige Familie Dawanger eine verlorene alte terranische Ahnenhaube finden. Und Thosen Musay soll das bewerkstelligen. Der Informationsmediator leidet an Psychosen und hat mitunter Wahnvorstellungen. Eine immer wieder auftauchende Phantasiegestalt ist Saessbekker, eine knallrote dämonartige Gestalt. Trotz seines Handicaps macht sich Musay an die Arbeit. Seine Recherchen erfordern es, dass er sich in die Festung Icho Tolots begeben muss. Er beschafft sich eine Tarnidentität. In den Augen des Riesen ist auch Perry Rhodan angekommen und trifft sich dort mit Icho Tolot. Die Wege Thosen Musays und Perry Rhodans kreuzen sich.
Es dauert ein bisschen, bis sich die Geschehnisse in die Augen des Riesen verlagern. Etwas mehr als die Hälfte des Romans lässt mich Michael Marcus Thurners zappeln, bis sich schließlich einer der Protagonisten, nämlich Perry Rhodan, aufmacht, seinen alten Freund Tolotos zu begrüßen. Die erste Hälfte widmet der Autor dem politischen Entscheidungsprozess. Dem Helden wird die Legitimation zur Suche nach der Erde erteilt. Das freut mich und ich habe ein wenig nach vorne geblickt. Bereits im nächsten Roman wird von Rhodans Reise in ein verändertes Solsystem gesprochen. Über die Erteilung für Rhodans Auftrag lohnt es sich, ein wenig nachzudenken. Aus dem letzten Roman wissen wir, dass Terra und Luna am 5. Januar 1614 verschwunden sind. Und natürlich haben Bull und die Terraner alles getan, um diesen Vorgang zu untersuchen. Und der letzte Roman brachte endlich auch Aufschluss darüber, wie es zur Legendenbildung kam. Zwei Jahre nach dem Verschwinden kam es zur psychoplastischen Deformation, die dazu führte, dass eine Erinnerung sich fremd anfühlt, dass sie falsch wahrgenommen wird, eher als Erzählung oder als ein Gerücht. Selbst Bull, mentalstabilisiert, berichtete, dass er nicht frei von den Erinnerungsfälschungen sei. Terra, Rhodan und anderes geriet zur Legende, zum Mythos. Und nun, im Jahre 2045 und somit über 400 Jahre nach dem Raub, erhält die Legende Rhodan die Absolution. Innerhalb weniger Stunden werden ihm Ressourcen zur Verfügung gestellt, um nach der Erde zu suchen. Nein, nicht von Bull. Sondern von Terranern, von Politikern, die mehrere Generationen nach Erinnerungsfälschung und Posizid diese Entscheidung fällen. Das geriet mir wenig plausibel. Avancierten mir die ersten Romane im Zyklus zu langsam, wird hier nun der Turbo gezündet. Die Serie ist, was das betrifft, irgendwie momentan nicht im richtigen Takt.
Aber Thurners Roman wartet noch mit einer anderen Geschichte auf. Der Österreicher schildert mit Thosen Musay einen Hypochonder. Oder doch einen Geisteskranken? Am Anfang war nicht so recht klar, in welche Richtung es mit dieser Figur gehen würde. Aber der Autor schaffte eine reizvolle Handlung. Die Psychosen seines Protagonisten waren gut beschrieben, die Figur ging mir nicht auf die Nerven und ich war neugierig, wie sich das entwickeln würde. Noch bevor Musay seinen Ausflug in Tolots Festung antrat, mehrten sich die Zeichen, das ein Organoid im Spiel sein könnte. Musays Aktivitäten nutzte der Autor zudem, um Land und Leute der zivilen Gesellschaft Rudyns an die Leser zu bringen. Mit vielen netten Details. Die Alborganer, ihr bedrohliches Auftreten und natürlich die Informationsbeschaffung von Musay. Krikkit sagt: Das ist dem Autor gut gelungen.
Gerieten die „Wiedersehen“ zwischen alten Freunden zuletzt nicht so nach meinem Geschmack, zeigt Michael Marcus Thurner, wie man das richtig macht. Für die Begegnung zwischen Tolot und Rhodan hatte der Autor das richtige Händchen, fand die passenden Worte und schilderte nachvollziehbare Emotionen. Hier stimmte alles.
Nach dem Roman der Vorwoche wird wieder etwas auf die Bremse getreten. Das störte mich allerdings nicht. Der Vorteil dieses Romans ist eindeutig der oder die Handlungsorte. Es ist entscheidend, wo die Romane spielen. Aus der Nähe zum Zentrum der Macht und zu den Unsterblichen bezieht die Geschichte ihre Brisanz. Dies ist ein weiterer Punkt, warum mich die ersten Romane nicht so überzeugten. Ich fiebere eher mit, wie sich das Geschehen entwickelt, wenn Ereignisse sofort eine wie auch immer geartete Wirkung entfalten können. Und dies ist auf Rudyn explosiver, als wenn die Geschehnisse auf irgendeinen Hinterwäldlerplaneten passiert wären. Zum Zyklusbeginn wurde meiner Ansicht nach Potential verschenkt.
Die Geschichte mit dem Organoid in Perry Rhodans Schulter kann auch Michael Marcus Thurner nicht richtig aufklären. Hier liegt einiges im Argen. Immerhin ist er der erste Autor nach Band 3011, der erwähnt, dass Rhodan ein solches Gerät im Körper trägt, bzw. damit konfrontiert wurde. Bulls „Leibarzt“ hatte das Organoid entdeckt und als Rhodan im Habitat der Träume die Absicht äußerte, das Gerät, das seine Vitalwerte las und sendete, wieder loswerden zu wollen, bezeichnete Tuomistuin, Bulls Verbindungsmann auf Gongolis, dies als Plan B. Plan A war die THORA, auf die sich alle begeben wollten. Und seitdem wird das Organoid in Perry Rhodans Schulter ignoriert.
Insgesamt betrachtet ein unterhaltsamer Roman mit tollen Figuren.

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