Articles for the Month of Mai 2019

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3014

Der Feind in mir – von Michelle Stern
Die THORA ist zusammen mit Reginald Bull und Perry Rhodan auf dem Weg nach Rudyn im Ephelegonsystem. Rhodan hat viele Fragen, doch egal was er anstellt, sein alter Weggefährte weicht ihm aus. Eine andere, gefährliche Situation, tut ein Übriges, um den Dialog zwischen den Unsterblichen zu verhindern. Die beiden Kopfgeldjäger Dancer und Schlafner sind an Bord. Sie müssen Unterstützung gehabt haben. Aber sie haben auch Fehler begangen und konnten dadurch als Bedrohung wahrgenommen werden. Da zu vermuten ist, dass Perry Rhodan ihr Ziel ist, bietet sich der Unsterbliche als Köder an. Eine Besichtigungstour durch das Flaggschiff soll die Eindringlinge anlocken. Doch Dancer und Schlafner haben ein anderes Ziel und fallen nicht darauf rein. Durch ihre Fazialmasken, mit der sie die Identität anderer annehmen können, sind sie schwer aufzuspüren. Doch Aluna Meghendi, die Sicherheitschefin der THORA ist zusammen mit ihrem Booth eine uneinnehmbare Festung. Glaubt sie zumindest. Aber die Eindringlinge können Organoide in die Körper anderer einsetzen und sich deren Gefolgschaft versichern. An Bord beginnt ein Katz-Maus-Spiel. Als Dancer und Schlafner endlich gestellt sind, ist die Bedrohung allerdings noch nicht vorbei. Der unheimliche Feind kann in jedem stecken und hat noch einiges zu bieten.
Erneut ein Roman, in der erkennbar das Bemühen, die Zyklushauptstory hinauszuzögern, das Geschehen dominiert und alles andere in den Hintergrund rücken lässt. Die Handlung selber interessiert mich immer weniger. Während des Lesens analysiere ich hingegen den Text, die Dialoge und das Zusammenspiel der Figuren nur noch darauf, was sich die Autoren als nächstes einfallen lassen, um die Antworten zu verzögern. Es ist schon extrem auffällig. In Momenten der Ruhe gehen die Protagonisten einem Gespräch aus dem Weg. Und in Momenten, in denen die Action überwiegt, beginnen sie Gespräche. Diese werden dann von der Autorin abgewürgt, denn schließlich sind die Helden gerade in irgendeiner Gefahr und da kann man sich nicht über Vergangenes unterhalten oder Antworten auf drängende Fragen einfordern. Dieses „Stilmittel“ wird in diesem Zyklus extrem ausgereizt. Und natürlich ist es kein Stil. Es ist einfach ein schlechter Weg, eine Story zu erzählen. „Show, don’t tell“ („Zeigen, nicht erzählen“) ist ein Ratschlag für die moderne Literatur, den auch die Rhodan-Autoren lt. eigener Aussage folgen. Nicht ein Erzähler steht im Vordergrund sondern Handlung und Dialog bestimmen das Geschehen. Oberflächlich betrachtet halten sich die Romane der Serie an diesen Grundsatz. Und auch Michelle Stern lässt ihre Figuren agieren und setzt auf Dialoge. Wie erwähnt macht sie dies jedoch in einer Art und Weise, dass der Erzählstil von „Zeigen, nicht erzählen“ ein Stück weit ausgehebelt wird. Natürlich werden noch die Romane kommen, in denen die zurückliegenden bedeutenden Ereignisse von Figuren, die sie erlebt haben, beschrieben werden. Und zwar so, dann man als Leser „dabei“ ist. Aber warum nutzt man solche Elemente nicht bereits auf den Weg dorthin? Bull könnte sich auf eine Frage Rhodans hin, an ein Ereignis erinnern und es in einem eingeschobenen Kapitel „erleben“ und somit an Rhodan und die Leser transportieren. Stattdessen wird dieses unsägliche abgehackte Frage-Antwort-aus-dem-weg-gehen-und-nach-Ausflüchten-suchen-Spiel unendlich vorangetrieben. Dieser Aufbau ödet mich an.
Wie auch schon im letzten Roman, scheinen die technischen Daten der THORA wieder wichtiger zu sein, als die Gefühle Rhodans und Bulls nach 500 Jahren der Trennung. Auch dies ist Teil dieses seltsamen Aufbaus. Rhodan wird von seiner Enkelin und dem Mutanten Yaradua begleitet. Auch hier hätte ein Dialog einer der beiden mit Besatzungsmitgliedern der THORA für Auflockerung sorgen können. Dem geht die Autorin aus dem Weg. Klar, sie „darf“ ja nichts verraten und aus der aktuellen Begrenzung der erzählerischen Mittel wäre einer solcher Dialog wahrscheinlich genauso ermüdend geworden, wie der Dialog der Hauptfiguren.
In diesen Roman mischen sich dann auch noch die üblichen Erzählschwächen. Yaradua kann dankenswerterweise (für die Autorin) den SERUIN nicht bedienen. Die Funktion, den SERUN die Steuerung zu überlassen, wurde wohl in den zurückliegenden Jahrhunderten aufgegeben. Und der TARA-Psi kann zwar Teleportation und Telekinese aber nicht denken. Wieso lässt er Schlafner los, statt mit ihm zu teleportieren, als die anderen Roboter angreifen? Abgesehen davon, hätten die anderen TARAS Schlafner sicherlich nicht gefährdet. Aber so ist es dann wie immer, die Guten gehen an der eigenen Dusseligkeit irgendwann zugrunde.
Die wenigen positiven Elemente, die der Roman auch hat, gehen bei diesem Handlungsaufbau unter.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3013

Zielpunkt Ephelegon – von Uwe Anton
Nach beinahe fünf Jahrhunderten begegnen sich Perry Rhodan und Reginald Bull wieder. Doch eigentlich ist diese lange Zeit nur für den Residenten der LFG vergangen. Als sich die Freunde in den Armen liegen spürt Perry Rhodan, dass er sich kaum in die Situation seines Wegbegleiters aus den Tagen der Dritten Macht versetzen kann. Rhodan erfährt ein bisschen aus der Zeit, die er verloren hat. Die Symptome des Weltenbrands traten in Teilgebieten der Milchstraße noch Jahrhunderte lang auf. Im Jahr 1614 NGZ trat das Raptus-Ereignis ein. Terra und Luna verschwanden und wurden durch den Planeten Iya und dem Mond Vira ersetzt. Im 17. Jahrhundert traten die Ladhonischen Scharen auf und später die Cairaner. Ende des 18. Jahrhunderts kam es zum Posizid. Nach Aussage Bulls hat angeblich das Volk der Aarus daran Schuld. Die Wurme der Aarus haben danach die Milchstraße verlassen. Das Solsystem ist von den Cairanern abgeriegelt, das Projekt von San ist tot. Die Laren haben sich zurückgezogen und sind mit sich selbst beschäftigt. Das nächstgelegene Sternenportal auf den Weg von der Milchstraße in die Larengalaxis wurde zerstört. Icho Tolot ist stellvertretender Resident und Opiter Quint der Chef des NDE.
Gongolis soll auf Wunsch Bulls verschoben werden. So gewinnt man Zeit, damit die THORA, das Flaggschiff des Residenten, vor den Cairanern eintreffen kann. Auf dem Flug zur neuen Position wird der Antrieb sabotiert. Bei der Untersuchung des Sabotageakts wird deutlich, dass es jemand auf Perry Rhodan abgesehen hat. Der tritt nach wie vor unter seiner Tarnidentität Leo Tibo auf. Nur die scheint nichts mehr wert zu sein. Der Attentäter muss zur Strecke gebracht werden und Perry Rhodan und Reginald Bull müssen Gongolis verlassen haben, bevor die Cairaner eintreffen.
Ein Zyklus dauert hundert Hefte. In diesen hundert Heften passiert eine Menge. Mit dem Jubiläumsband am Anfang werden die Leser angefüttert. Dann folgt die Durststrecke. Dann werden die Häppchen gereicht und am Ende die Lösung garniert. Dieser Roman zählt offensichtlich zu den Häppchen. Im Untertitel wird versprochen, dass der Terraner (Perry Rhodan) einen alten Freund trifft und mehr über die neue Liga erfährt. Uwe Anton stand vor der Aufgabe, den Lesern den Mund wässrig zu machen aber gleichzeitig nicht zu viel auszuplaudern, denn zu einem späteren Zeitpunkt im Zyklus sollen ja weitere Häppchen gereicht werden. Dieses Unterfangen, einerseits glaubwürdige und nachvollziehbare Gefühle und Reaktionen bei den eingesetzten Figuren zu beschreiben und anderseits nicht zu viel zu verraten, gelang nur teilweise. Auf viele Fragen gibt es keine Antworten. Entweder, weil die Fragen erst gar nicht gestellt werden, und dass, obwohl sie auf der Hand liegen, oder die Antworten werden schlicht verweigert. Etwa was den „Raub“ von Erde und Mond angeht oder die Entstehung des Mythos Erde. Denn dafür hätten lt. O-Ton Rhodan fünf Jahrhunderte nicht gereicht. Tatsächlich waren es noch nicht mal fünf Jahrhunderte, sondern gerade mal 250 Jahre, denn der Posizid trat Ende des 18. Jahrhunderts auf. Und was passierte dann? Wie ging man damit um?
Zur Mitte des Romans legt der Autor seinen Protagonisten Perry Rhodan die Schlussfolgerung in den Mund, dass sich Reginald Bull verändert hat. Und Rhodan sich nicht sicher sei, ob ihm dieser Wandel gefiel. Dieses Fazit zu diesem Zeitpunkt des Romans kam sehr überraschend. Außer der kurzen Szene zuvor, als Bully wegen der anrückenden Cairaner Gongolis verlassen wollte und den Hôte damit im Schlamassel zurücklassen bereit war, gab es keinen anderen Beweggrund zu diesem Urteil. Oder der Autor hat es nicht verstanden, etwaige Verdachtsmomente so zu formulieren, dass ich als Leser sie erkennen konnte. Seit den Tagen, als der ZA von Reginald Bull chaotarchisch geprägt wurde, halten die Autoren das Thema auf Sparflamme, dass sich dadurch Bull verändert haben könnte oder er beeinflusst wird. Sollte das Thema in diesem Zyklus erneut aufgegriffen werden, dann wurde es hier eher ungeschickt eingebaut. Zumal die Gedankenwelt Perry Rhodans, vom Autor in der Ich-Perspektive vorangetrieben, anschließend auch noch den einen oder anderen Widerspruch enthielt. Dazu kam, dass sich der Held viele Gedanken über seine Tarnung machte und wer in seiner Umgebung sie durchschaut haben könnte. Seltsamerweise geht der Autor dabei nicht ein einziges Mal auf das Gerät ein, das in Perry Rhodan eingedrungen ist und an einen unbekannten Empfänger Impulse sendet. Auch nicht, als Rhodan den Vitalimpuls-Tarner anlegt. Die Unterdrückung der Vitalimpulse macht keinen Sinn, wenn ein anderes Gerät im Rhodans Körper sendet.
Hätte der Autor Reginald Bull in der Ich-Form erzählen lassen, dann hätte der alte Freund sich mehr wundern müssen über den zurückgekehrten Rhodan, der offensichtlich von allen guten Geistern verlassen scheint.
Die Geschehnisse mit dem Attentäter sprachen mich auch nicht an. Man hat in zwei Romanen zuvor ein Duo gefährlicher Kopfgeldjäger aufgebaut, die in diesem Roman hin- und wieder namentlich erwähnt werden. Statt sich auf die Suche nach diesen Leuten zu machen, rückt eine unbekannte Figur in den Blickpunkt des Hôte, von Reginald Bull, Perry Rhodan und ein paar mehr Leuten. Auf diesen kleinen Mann wird eine unglaubliche Hetzjagd veranstaltet und alles andere dem untergeordnet. Diese Story war lahm, da sie nur einem einzigen Zweck diente. Alles zu verzögern. Dass am Ende die Super THORA offensichtlich mit einem Trick von den Kopfgeldjägern geentert wurde, lässt das Geschehen vorher erst recht schlecht aussehen.
Am Ende bin ich enttäuscht. Den technischen Daten der THORA und dem kleinen Scharmützel mit den Ladhonenraumern wird beinahe mehr Raum eingeräumt als dem persönlichen Gespräch zwischen Perry und Bully. Und damit hinterlässt der Roman einen faden Eindruck bei mir.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3012

Totenschiff – von Liza Grimm
Die Geschwister Dva und Odin wachsen auf Ghabar auf. Der Planet ist eine Strafkolonie der Cairaner. Hierhin deportieren die Machthaber der Milchstraße unerwünschte Personen. So auch Yerina, eine Historikerin, die im Jahr 2003 NGZ die falschen Fragen stellte und nach Ghabar gebracht wurde. Hochschwanger gebar sie kurz nach der Ankunft ein Mädchen und einen Jungen. Den Deportierten wird ansonsten jede Lebensenergie durch einen Vital-Suppressor geraubt. Yerina geht später einen Pakt mit dem Cairaner Gaivhari Gaishanc ein. Mit dem Versprechen, das Yerina mit ihren Kindern den Planeten verlassen darf, führt er Experimente an den Kindern durch. Er setzt ihnen Paragewebe ein. Beide entwickeln eine Paragabe. Dva kann die Bewegung ihrer Gliedmaßen auf andere übertragen und ihr Bruder Odin kann andere in den Schlaf schicken. Beide sind immun gegen den Vital-Suppressor. Als sie älter werden und Gaishanc sie nicht gehen lässt, fliehen sie zusammen mit ihrer Mutter von Ghabar. Sie finden Unterschlupf beim Überschweren Horbitan. Ihre Fähigkeiten sind dem Kapitän eines Walzenraumers sehr nützlich. Horbitan befehligt das Totenschiff, das die Leichname von Deportierten zurück zu ihren Heimatwelten bringt.
Doch Gaivhari Gaishanc gibt seine Versuchspersonen nicht so leicht auf. Er schickt den Geschwistern Kopfgeldjäger hinterher. Dva und Odin können sich wehren und gelangen in den Besitz einer Liste potentieller Opfer der Kopfgeldjäger. Eine der Zielpersonen ist die Arkonidin Thi-Laktrote. Die Geschwister warnen sie vor den Cairanern. Als Dank bildet die Arkonidin die beiden in der Kamptechnik Dagor aus. Die Geschwister sind nun auf Rache aus. Doch sie haben auch einen Schwachpunkt. Ihr Paragewebe benötigt Vitalenergie. Notgedrungen müssen sie einen Pakt mit einem alten Peiniger schließen. Und sie werden auf ein Ziel angesetzt. Eine Person, die eine starke Vitalenergiequelle ist.
Die Autorin Liza Grimm steuert einen Gastroman zur erfolgreichsten Science Fiction-Serie der Welt bei. Von der Anlage her ist die Geschichte ein Prequel und mündet in die Vorgängerromane von Verena Themsen und Susan Schwartz und den Geschehnissen im Habitat Gongolis. Erzählt wird die Vorgeschichte der Arena-Kämpfer, deren Show Perry Rhodan und seine Begleiter beiwohnen konnten. Die Kapitel, die auf Ghabar angesiedelt sind, haben mir gut gefallen. Die Story ist zwar nicht neu und es gibt Parallelen zur Vorgeschichte von Anakin Skywalker aber die Ereignisse werden intensiv erzählt und die Geschichte schnörkellos vorangetrieben. Mit den Figuren Dva und Odin konnte ich zwar nicht so richtig mitfiebern, dazu waren sie etwas zu einfach gestrickt, aber deren Motive und Handlungen waren nachvollziehbar. Auch die Geschehnisse auf dem Totenschiff und die Konfrontation mit den Verfolgern gerieten überzeugend. Danach ließ die Geschichte etwas nach. Es begann mit der Begegnung mit der Arkonidin. Diese Figur wirkte sehr hölzern. Und auch dem Zusammenspiel der drei Charaktere fehlte es an Würze. Auch hier ist die Story nicht gerade neu. Ein Lehrling oder vielmehr zwei Lehrlinge treffen auf einen Meister und werden geschult und ausgerüstet. Diesem Plot konnte die Autorin keine eigene Note verpassen.
Mit dem weiteren Fortgang der Geschichte zeigen alle Figuren eine starke Ambivalenz. Irgendwie musste die Autorin aus den armen Opfern vom Romanbeginn die unbarmherzigen Jäger entstehen lassen. Die zwiespältigen und zerrissenen Gefühle, die insbesondere Dva zeigt, kommen mitunter sehr sprunghaft daher. Letztlich führt der Roman wie erwähnt zu den Ereignissen im Habitat. Dieser andere Blickwinkel am Ende hebt die Geschichte wieder etwas an.