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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3014

Der Feind in mir – von Michelle Stern
Die THORA ist zusammen mit Reginald Bull und Perry Rhodan auf dem Weg nach Rudyn im Ephelegonsystem. Rhodan hat viele Fragen, doch egal was er anstellt, sein alter Weggefährte weicht ihm aus. Eine andere, gefährliche Situation, tut ein Übriges, um den Dialog zwischen den Unsterblichen zu verhindern. Die beiden Kopfgeldjäger Dancer und Schlafner sind an Bord. Sie müssen Unterstützung gehabt haben. Aber sie haben auch Fehler begangen und konnten dadurch als Bedrohung wahrgenommen werden. Da zu vermuten ist, dass Perry Rhodan ihr Ziel ist, bietet sich der Unsterbliche als Köder an. Eine Besichtigungstour durch das Flaggschiff soll die Eindringlinge anlocken. Doch Dancer und Schlafner haben ein anderes Ziel und fallen nicht darauf rein. Durch ihre Fazialmasken, mit der sie die Identität anderer annehmen können, sind sie schwer aufzuspüren. Doch Aluna Meghendi, die Sicherheitschefin der THORA ist zusammen mit ihrem Booth eine uneinnehmbare Festung. Glaubt sie zumindest. Aber die Eindringlinge können Organoide in die Körper anderer einsetzen und sich deren Gefolgschaft versichern. An Bord beginnt ein Katz-Maus-Spiel. Als Dancer und Schlafner endlich gestellt sind, ist die Bedrohung allerdings noch nicht vorbei. Der unheimliche Feind kann in jedem stecken und hat noch einiges zu bieten.
Erneut ein Roman, in der erkennbar das Bemühen, die Zyklushauptstory hinauszuzögern, das Geschehen dominiert und alles andere in den Hintergrund rücken lässt. Die Handlung selber interessiert mich immer weniger. Während des Lesens analysiere ich hingegen den Text, die Dialoge und das Zusammenspiel der Figuren nur noch darauf, was sich die Autoren als nächstes einfallen lassen, um die Antworten zu verzögern. Es ist schon extrem auffällig. In Momenten der Ruhe gehen die Protagonisten einem Gespräch aus dem Weg. Und in Momenten, in denen die Action überwiegt, beginnen sie Gespräche. Diese werden dann von der Autorin abgewürgt, denn schließlich sind die Helden gerade in irgendeiner Gefahr und da kann man sich nicht über Vergangenes unterhalten oder Antworten auf drängende Fragen einfordern. Dieses „Stilmittel“ wird in diesem Zyklus extrem ausgereizt. Und natürlich ist es kein Stil. Es ist einfach ein schlechter Weg, eine Story zu erzählen. „Show, don’t tell“ („Zeigen, nicht erzählen“) ist ein Ratschlag für die moderne Literatur, den auch die Rhodan-Autoren lt. eigener Aussage folgen. Nicht ein Erzähler steht im Vordergrund sondern Handlung und Dialog bestimmen das Geschehen. Oberflächlich betrachtet halten sich die Romane der Serie an diesen Grundsatz. Und auch Michelle Stern lässt ihre Figuren agieren und setzt auf Dialoge. Wie erwähnt macht sie dies jedoch in einer Art und Weise, dass der Erzählstil von „Zeigen, nicht erzählen“ ein Stück weit ausgehebelt wird. Natürlich werden noch die Romane kommen, in denen die zurückliegenden bedeutenden Ereignisse von Figuren, die sie erlebt haben, beschrieben werden. Und zwar so, dann man als Leser „dabei“ ist. Aber warum nutzt man solche Elemente nicht bereits auf den Weg dorthin? Bull könnte sich auf eine Frage Rhodans hin, an ein Ereignis erinnern und es in einem eingeschobenen Kapitel „erleben“ und somit an Rhodan und die Leser transportieren. Stattdessen wird dieses unsägliche abgehackte Frage-Antwort-aus-dem-weg-gehen-und-nach-Ausflüchten-suchen-Spiel unendlich vorangetrieben. Dieser Aufbau ödet mich an.
Wie auch schon im letzten Roman, scheinen die technischen Daten der THORA wieder wichtiger zu sein, als die Gefühle Rhodans und Bulls nach 500 Jahren der Trennung. Auch dies ist Teil dieses seltsamen Aufbaus. Rhodan wird von seiner Enkelin und dem Mutanten Yaradua begleitet. Auch hier hätte ein Dialog einer der beiden mit Besatzungsmitgliedern der THORA für Auflockerung sorgen können. Dem geht die Autorin aus dem Weg. Klar, sie „darf“ ja nichts verraten und aus der aktuellen Begrenzung der erzählerischen Mittel wäre einer solcher Dialog wahrscheinlich genauso ermüdend geworden, wie der Dialog der Hauptfiguren.
In diesen Roman mischen sich dann auch noch die üblichen Erzählschwächen. Yaradua kann dankenswerterweise (für die Autorin) den SERUIN nicht bedienen. Die Funktion, den SERUN die Steuerung zu überlassen, wurde wohl in den zurückliegenden Jahrhunderten aufgegeben. Und der TARA-Psi kann zwar Teleportation und Telekinese aber nicht denken. Wieso lässt er Schlafner los, statt mit ihm zu teleportieren, als die anderen Roboter angreifen? Abgesehen davon, hätten die anderen TARAS Schlafner sicherlich nicht gefährdet. Aber so ist es dann wie immer, die Guten gehen an der eigenen Dusseligkeit irgendwann zugrunde.
Die wenigen positiven Elemente, die der Roman auch hat, gehen bei diesem Handlungsaufbau unter.