Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2949

Die Biophore – von Michael Marcus Thurner – Handlung:
Die oxtornische Sicherheitschefin von Sunset City, Youko Ortokur, verhört Teo Tauren. Zumindest glaubt sie, ihren Stellvertreter vor sich zu haben. Tatsächlich ist es Adam von Aures, der mit Tauren die Plätze getauscht hat. Sie beißt sich an Adam/Teo die Zähne aus. Auch mit Perry Rhodan kommt sie nicht weiter. Der Unsterbliche behauptet, seinen ZA verloren zu haben und zu altern. Im Übrigen tischt er eine Geschichte auf, nach der jeder Bürger der LFG mit Konsequenzen rechnen müsse, wenn Ortokur ihm nicht glaubt. Schon gar nicht dürfe man auf Terra nachfragen.
Im Wega-System ist eine kleine Flotte der LFG mit der Sicherung von Wanderer betraut worden. Kommandantin Loa Heptinkhal von der ERIK THEONTA langweilt sich. Ein tefrodischer Handelsraumer, die NESHLER OORYM, hält sich nicht an die Flugkorridore und erregt dadurch die Aufmerksamkeit der Terraner. Die ERIK THEONTA fängt das Schiff ab. Unweit des Wega-Systems und nur 27 Lichtjahre von Terra entfernt, scheint sich ein Konflikt anzubahnen.
Perry Rhodan und Adam von Aures haben Youko Ortokur und Delarosa, der Direktorin von Sunset City inzwischen eine weitere Geschichte aufgetischt. In einem Außenposten der Station wartet ein wichtiger Begleiter von Perry Rhodan. Gemeinsam fliegt man dorthin. Es ist jedoch Teo Tauren. Während Rhodan mit einem Anfall für Ablenkung sorgt, tauschen Teo und Adam wieder die Plätze. Adam verwandelt sich in den ominösen Begleiter Rhodans, namens Karim Sbarcea. Man fordert nun die Biophore, um Rhodan helfen zu können. Ortokur und Delarosa wollen sich das überlegen. Derweil dringt Dorodena in Sunset City ein und bringt Perry und Adam in seine Klause auf dem Marschiere-Viel. Er hat ein Funkgespräch mit Vetris-Molaud arrangiert. Zunächst unterhält sich der Tamaron mit Adam, der weiterhin wie Karim Sbarcea auftritt. Dennoch vermutet Vetris-Molaud in seinem Gegenüber Adam von Aures. Er will sich mit ihm real treffen. Doch zunächst will er mit Rhodan sprechen. Zu dem Gespräch kommt es nicht mehr. Eine Energieentladung tötet Dorodena und verletzt Rhodan schwer. Er muss in Sunset City versorgt werden.
Im Wega-System spitzt sich die Situation zu. Die VOHRATA mit sechs Begleitschiffen und mit Vetris-Molaud an Bord erscheint. In seiner Begleitung ist auch Assan-Assoul. Der Tamaron will Wanderer und seinen Bewohnern Asyl im Neuen Tamanium anbieten. Es kommt zu einem Scharmützel mit der Wachflotte der LFG. Die Schiffe der Tefroder fliegen dennoch Wanderer an und Assan-Assoul scheint seine Psi-Kräfte einzusetzen. Was dann geschieht, hat der Mutant jedoch nicht zu verantworten. Wanderer flieht. Die Kunstwelt erscheint im Solsystem und nimmt in der Umlaufbahn von Neptun den Platz des Mondes Despina ein.
In Sunset City behaupten Rhodan und Sbarcea, dass sie von Dorodena entführt wurden. Rhodan misstraut seinem Begleiter. Er erfährt, dass sich Wanderer ins Solsystem abgesetzt hat. Adam von Aures behauptet, durch die Gliedmaßen Homunks in Symbiose mit dem Androiden zu leben und an einem übermenschlichen Ganzen teilzuhaben. Der Adaurest behauptet auch, dass es einen Faktor im Solsystem geben muss, der es schützt. Vielleicht hat das mysteriöse Sonnensiegel damit zu tun. Adam von Aures kann erneut Perry Rhodan für sich einnehmen. Zusammen mit ihren Unterstützern, Monutariu, Buhesh, Edelwey und Tauren stehlen sie die Biophore und entkommen mit einer Space-Jet. In einer zweiten Space-Jet setzen sich die Techno-Mahdi ab, die ihnen geholfen haben.
Nächstes Ziel von Adam von Aures ist das Solsystem. Er will sich Bostichs Hilfe dabei holen. Lockmittel soll die Biophore sein, mit der man die Haluter retten könne.

 

Rezension:
Halbzeit im Genesis-Zyklus und gleichzeitig ist dies der letzte Band der Trilogie über die Biophore. Vor einer Woche schrieb ich noch, dass ich den Roman von Verena Themsen unterhaltsam fand. Dass ich jedoch einen roten Faden vermisste. Zu viel Geplänkel schufen zwar viele Bilder. Eine Fokussierung auf die Zyklushauptstory wäre jedoch zur Halbzeit wünschenswert gewesen. Nun, in dem Roman von Michael Marcus Thurner war noch Platz, um zur Halbzeit das Gewünschte unterzubringen. Der Titel „die Biophore“ klang zudem verheißungsvoll.
Wie schlägt sich der Autor angesichts meiner Erwartungen? Auch sein Roman schafft wieder viele Bilder. Kaum eines scheint jedoch zu anderen zu passen. Letzte Woche nahm die Figur der Mar Tulek noch den Part einer Beobachterin ein. Aus ihrer Sicht konnte man an dem Geschehen teilhaben. Sie war ein ruhiger Pol. Dadurch traten manche Schwächen in der Geschichte nicht so deutlich in den Vordergrund. Thuner verzichtet auf Tulek. Nebenfiguren von letzter Woche sind in seinem Roman nur noch Erfüllungsgehilfen. Unkritisch bis zur Selbstaufgabe, wie die Techno-Mahdi. Oder kritisch und dennoch leichtgläubig, wie die Direktorin und ihre Sicherheitschefin. Und da sind da noch ein paar Terraner, die Wanderer bewachen, sich langweilen und Reistee trinken.
Die Geschichte lässt mich mit vielen Fragezeichen zurück. Nur leider ist es keine spannende Story mit überraschenden Entwicklungen oder Wendungen und deren Fragestellungen, die bei mir aufgeworfen werden, mich beschäftigen. Es sind die Ungereimtheiten, die mich nicht loslassen. Ich beschäftige mich also nicht mit dem Positiven des Romans, sondern mit dem Negativen.
Der Roman von Michael Marcus Thurner hat sicherlich die Ziele erreicht, die er erreichen sollte. Damit das alles funktionieren konnte, musste Adam von Aures einen unglaublichen Weitblick entwickeln, denn schließlich treten seine Vasallen an Orten, die tausende von Lichtjahren auseinanderliegen, freiwillig oder unfreiwillig für ihn an. Und die Verteidiger der Ordnung mussten sich eher dumm anstellen und ihre Bastionen, die eigentlich uneinnehmbar waren, aufgeben. Da haben wir also eine Wachflotte der LFG, die von einem einzelnen Tefroderschiff weggelockt werden. Ob alle weggelockt wurden, darüber schweigt der Autor. Nun jedenfalls lassen sie sich von Vetris-Molaud übertölpeln, der bis Wanderer vorstoßen kann. In Sunset City trifft derweil die Sicherheitschefin auf Perry Rhodan oder auf einen unbekannten Mann, der wie Perry Rhodan aussieht. Es gibt eine ganze Reihe von Zweifeln. Der fehlende ZA, die Alterung und sein wenig unsterbliches Auftreten. Erstaunlich das sein Psychogramm ihn als authentisch identifiziert. Ausgerechnet das! Der Mann hat was ganz anderes erlebt, hat sich ganz anders sozialisiert!
Wegsperren und weiter untersuchen, müsste nun die Devise sein. Aber der Gefangene tischt ein Märchen auf. Konkret sagt er eigentlich gar nichts. Er muss noch nicht mal etwas erfinden. Es reicht, dass er sagt, dass niemand Terra informieren dürfe, weil sonst alle Bürger der LFG die Konsequenzen tragen müssten. Welches das sind? Er verrät es nicht. Und die Sicherheitschefin und die Direktorin hätten Schuld an allem was dann passiert. Derart an die Wand genagelt knicken die beiden ein. Ja klar.
Es ist nicht die einzige Schwäche der Geschichte. Die Sicherheitschefin glaubt dem Perry Rhodan kein Wort, verhält sich aber anders. Sie ist überzeugt, einen Doppelgänger vor sich zu haben. Sie tut dennoch nichts. Nein halt, sie gewährt Freiheiten! Macht ja auch Sinn. Wenn die Geschichte der Gefangenen keinen Sinn ergibt, muss man sie möglichst unbeaufsichtigt lassen. Dabei werden die Überwachungsinstrumente permanent und für die Oxtornerin erkennbar manipuliert. Die Oxtornerin ärgert sich darüber, zuckt mit den 2 Meter breiten Schultern und ändert ihr Verhalten nicht. Ihrem Stellvertreter glaubt sie übrigens auch nicht. Teo Tauren hat bereits mehrfach zuvor ihr Misstrauen erregt. Der Autor listet die Verstöße, die sie ihrem Vertreter anlastet minuziös auf. Und dennoch kommt sie nicht ein einziges Mal auf den Gedanken, Teo Tauren, der zu diesem Zeitpunkt niemand anderes als Adam von Aures ist, genauso untersuchen zu lassen, wie sie es bei Perry Rhodan angeordnet hat. Ein weiterer dummer Fehler in der Geschichte.
Und es geht noch weiter. Selbst Adam von Aures traut sich mittlerweile selbst nicht mehr! Klingt absurd, wird aber in der Geschichte beschrieben. Wir erinnern uns. Der Adaurest verrät nicht gerade viel von seinen Zielen. Eines aber verfolgt er sehr hartnäckig. Er will den Rhodan aus der Enklave zur neuen Gallionsfigur der Menschheit machen. Der andere Rhodan sei durch ES manipuliert. Dem Rhodan aus der Enklave stehen zwei Dinge im Wege. Er ist eben nicht ganz der Rhodan dieses Universums. Er ist zu alt. Also wollte ihm Adam eine Verjüngung verpassen. Dieses Ziel hat er erreicht. Nicht auf die Weise, wie ursprünglich angepeilt. Aber ein bisschen Handwedeln und schon klappte das mit der Verjüngung. Das zweite Problem erweist sich als noch größere Schwierigkeit. Der Rhodan aus der Enklave stirbt. Nun wird das Thema Biophore angegangen. Ohne auch nur ansatzweise eine wissenschaftliche Grundlage dafür zu erstellen, wie eine Biophore das Leben des Doppelgängers retten könnte, wird das Ding geklaut. Aber geklaut werden kann es nur deshalb, weil sich Adam von Aures der Gliedmaßen Homunks bedient. Folgerichtig kommt der Rhodan aus der Enklave zum Schluss, dass Adam von Aures nun im Sinne von ES agiert. Der arme Kerl ist selbst manipuliert. Er darf sich nicht mehr selbst trauen.
Adam von Aures verrät in allem was er bislang tat nichts von den Zielen, die er verfolgt. Aber er offenbarte, dass der richtige Rhodan dieses Universums durch ES manipuliert wird. Er setzt in der Erreichung seiner unbekannten Ziele auf den Rhodan aus der Enklave. Dass dieser ebenfalls manipuliert sein könnte, schrieb ich bereits. Und nun bedient sich Adam der Extremitäten von Homunk und wie der Enklaven-Rhodan in diesem Roman ausnahmsweise korrekt bemerkt, handelt Adam von Aures dann im Sinne von ES. Wer ist hier manipuliert? Entpuppt sich der Adaurest nur als Handlanger der SI?
Noch ein paar Worte zu Rhodan aus der Enklave. Die Figur begleitet uns nun schon eine Weile. Es bleibt unklar, welche Absichten die Autoren mit dieser Figur verfolgen. Dass Adam von Aures alles oder nichts sein kann, daran wird sich wohl noch lange nichts ändern. Dem Enklaven-Rhodan hätte man jedoch längst ein Profil verpassen müssen. „Dieser“ Rhodan ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Er taugt einfach zu nichts. Gebetsmühlenartig wälzt er die immer gleichen Gedanken, um dann doch seinem Herrn und Meister als treu ergebener Hund hinterherzutrotten. Tolle Gallionsfigur!
Ich hatte an diesen Roman, der die erste Zyklushälfte abschließt, keine allzu hohen Erwartungen. Dass er letztlich so schwach sein würde, überrascht jetzt doch etwas. Der Zyklus begann stark. Ein Machtvakuum durch den Abfluss der Eiris ausgelöst, schien mehrere Interessengruppen anzulocken. Die Thoogondu, die sich selbst mit dem Wesen von Wanderer auseinandergesetzt hatten. In deren Schatten eine zweite Menschheit. Die Gemeni mit ihren Sprossen und den Geschenken. Dazu kleinere Rätsel, wie Ellerts Auftauchen, ein zweiter Rhodan, der Adaurest, eine Krankheit unter den Halutern, die weitere Wandlung Bostichs. Positiv: Die Rückkehr Reginald Bulls. Und zuletzt fiel sogar das Wörtchen Genesis, das, wir erinnern uns, dem Zyklus den Namen verleiht.
Bis Heft 2930 ergaben die vorgenannten Themen sicherlich kein größeres Bild. Aber die einzelnen Puzzlestücke waren nett anzusehen. Und die Romane waren durch die Bank gut geschrieben. Dann erfolgte aus meiner Sicht ein Einbruch. Die Geschehnisse um Quinto-Center zeigten handwerkliche Schwächen, die folgende Rückkehr ins Goldene Reich geriet uninspiriert. Nur die beiden Romane der Expedition nach Thoo konnten überzeugen. Zuletzt schien man mit dem Biophoren-Thema ein Knallerthema auszupacken. Es hat nur nicht gezündet. Es ist zu wenig, mal eben Wanderer ins Solsystem zu versetzen und mal eben die These eines geheimnisvollen Schutzes des Solsystems aufzustellen. Kurz vorm Gong nochmal Bostich erwähnt und die Haluter und Vetris-Molaud. Nichts davon wird anständig verknüpft oder in einer Geschichte erzählt. Es ist einfach nur das Fallenlassen von ein paar Namen. Der Leser wird schon was draus machen.
Falsch gedacht. Der Leser erwartet eine Geschichte, eine mit roten Faden. Davon sind wir leider weit entfernt.

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