Articles for the Month of Dezember 2017

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2941

TEIRESIAS spricht – von Kai Hirdt – Handlung:
Auf dem Mond Selene werden Perry Rhodan, Gucky und Gi Barr von TEIRESIAS empfangen. Das Mondgehirn zeigt sich wenig auskunftsfreudig und bezeichnet die Völker dieser Galaxis als Schatten der Milchstraßenvölker. Immerhin sind nicht nur die Gäonen sondern auch die Thoogondu von dort gekommen. Fragen zur Manipulation der RAS TSCHUBAI werden von TEIRESIAS nur ausweichend beantwortet. Immerhin ermuntert die Positronik Rhodan dazu, seine uralten administrativen Rechte zu verwenden. Programmcodes, die seit Urzeiten in der Positronik schlummern. Mit einem Transport von Plasma, das zur Regeneration nach Aponte gebracht werden soll, können Rhodan und seine Begleiter Selene verlassen. Der Transport wird abgeschossen und Gucky teleportiert sie in die Hauptstadt. Hat TEIRESIAS falsches Spiel getrieben und Rhodan verraten?
In Aponte sind die drei auf sich gestellt. Zwei Ziele bieten sich an um Beweise für die Manipulation der RAS TSCHUBAI zu finden. Das Hauptquartier der Flotte mit Arbo Perikles Dannan persönlich. Oder der gondische Mentor Doomadh und die Kontakterin Lupita Shona. Rhodan will mit Dannan beginnen. Da die Stadt im Aufruhr ist und das Militär Kontrollstellen eingerichtet hat, ist das Vorankommen schwierig. Das Hauptquartier wird durch Parafallen gesichert. Guckys Fähigkeiten können daher nicht genutzt werden. Kurz vor dem Ziel fällt Rhodan eine Gruppe von Gäonen auf. Das Militär scheint an ihnen ein Exempel statuieren zu wollen, um Dannans Position zu unterstreichen. Rhodan und Gi Barr können das verhindern. Allerdings sind so starke Kräfte zusammengezogen worden, dass ein Vorstoß ins Flottenkommando nicht mehr in Frage kommt.
Stattdessen nehmen Rhodan und Co die Thoogondu ins Visier. Überraschend einfach können sie zu Lupita Shona, der Gondu-Kontakterin vorstoßen. Die hat sie bereits erwartet. Sie kennt auch die Wahrheit, will sie allerdings nicht preisgeben. Sie wartet ab, denn Geschichten werden von den Siegern geschrieben. Gi Barr und Perry Rhodan sind enttäuscht. Als sie durch Aponte schlendern, kommen sie in Kontakt zu einer Widerstandgruppe. Deren Anführer ist Admellan Harven. Rhodan kennt ihn. Tags zuvor gehörte er den Demonstranten an. Wie nun zu erfahren ist, haben Harven und seine Leute eine Ablenkung geplant gehabt. Sie planten das Flottenkommando zu sprengen. Sie haben die Informationen von einem Gefangenen, den sie gefoltert haben. Auch sonst sind die Vorstellungen der Widerstandsgruppe eher die von Verschwörungstheoretikern.
Perry Rhodan schreitet ein. Er will die Bombe selbst platzieren, macht er Harven weiß. Wohl wissend, dass dies wahrscheinlich eine Falle ist, gehen er, Gi Barr und der Ilt durch einen Transmitter ins Flottenkommando. Dannan ist nicht dort. Dafür finden sie Antan Outinen, den Chef des Geheimdienstes. Er sitzt schwer verletzt in einer Arrestzelle. Sie befreien ihn und können das Gebäude verlassen. Outinen hat sich selbst eine Warnung in die Brust geritzt. Dannans Schergen haben ihm eine Bombe implantiert. Wird er teleportiert, geht sie hoch. Gi Barrs Rüstung operiert den Gäonen. Sie bringen ihn zu Harven, der ihn ärztlich versorgen kann. In einer Space-Jet auf dem Raumhafen finden sie Unterschlupf. Nachdem Antan Outinen soweit hergestellt ist, richtet der Geheimdienstchef eine Botschaft an Volk, in der er Dannan als Verräter bezeichnet.
Die Reaktion des Admirals lässt ahnen, dass er vollständig wahnsinnig geworden ist. Er droht Aponte zu vernichten, wenn Rhodan sich nicht ausliefert. TEIRESIAS schleust Rhodan, Barr und den Ilt in die ARTEMIS ein. Gi Barr kann Dannan stellen. Der Wahnsinnige hat zuvor den Kommandanten seines Schiffes ermordet, als der Befehle verweigert hatte. Rhodan und Gi Barr können Dannan aufhalten, der dabei ums Leben kommt.
Die Lage im Neo-Solsystem beruhigt sich etwas. Die Thoogondu ziehen ihre Flotte ab. Ob dies auf Dauer ist, bleibt unklar. Die RAS TSCHUBAI wird Sevcooris verlassen. Syllester Ford und die Journalistin Shari Myre begleiten die Terraner. Sie wollen sich in der Milchstraße engagieren, denn dort sind noch Gäonen aktiv. Ende November bricht die RAS TSCHUBAI auf, nachdem sich Perry Rhodan noch mit einer Rede an die Bürger des ZSI gewandt hat. Gi Barr bleibt zurück und lässt sich Wochen später von TEIRESIAS dessen Rolle im Konflikt bestätigen.

 

Rezension:
TEIRESIAS spricht, so der Titel des Romans von Kai Hirdt. Viel zu sagen hat die Biopositronik nicht. Das klang im Roman der Vorwoche noch geheimnisvoll, als das Mondgehirn seinen uralten Traum offenbarte, sich mit dem Unsterblichen zu treffen. Der Roboter mit Transmitterfunktion, der Portier, hatte diese Einladung am Ende von Heft 2940 formuliert. An diese Worte knüpft Kai Hirdt aber nicht an. Der überlebensgroße Kopf, als der sich TEIRESIAS zeigt, erzeugte ein starkes Bild bei mir. Die Floskeln, die danach ausgetauscht wurden, zerstörten diesen schönen Eindruck rasch.
Nach dem wenig ergiebigen Gespräch reisen Perry und seine Begleiter nach Gäon. Was sie dort tun wollen? Keine Ahnung. Irgendwie fehlte bereits zu Beginn so etwas wie eine rote Linie in dieser Geschichte. Die Helden lassen sich treiben, werden attackiert und landen schließlich in der Hauptstadt Aponte. Drei Personen haben sie ausgemacht, die irgendetwas mit der Manipulation der RAS TSCHUBAI zu tun haben könnten. Pläne machen die drei kaum. Ein bisschen Schminke und weiter geht’s. Das Hauptquartier der Flotte wird als Ziel auserkoren. Wie sie da eindringen wollen? Keine Ahnung. Der Autor weiß es auch nicht. Stört ihn auch nicht. Geduldig listet er auf, warum seine Figuren keine Chance haben. Die Parafallen werden erwähnt. Also hat Gucky keine Chance. Übrigens würde er auch nicht als Feuerwehr taugen. Denn warum sollten die Gäonen die Parafallen abschalten, wenn sie Rhodan und Barr habhaft geworden wären? Doch der Autor ist mit der Liste, warum ein Eindringen ins Flottenkommando nicht klappt, noch nicht fertig. Die Rüstung von Gi Barr verhindert keine Identitätsprüfung und Rhodans Schminke wird auch nicht helfen. Also, was wollen die drei tun?
Sie tun gar nichts. Eine Demonstration verhindert, dass sie weiterkommen. Kai Hirdt vermerkt dazu, dass seine Figuren so kurz vor dem Ziel aufgeben mussten. Tatsächlich wären sie auch so gar nicht weitergekommen. Die Gruppe nimmt nun die Thoogondu ins Visier. Und wird dabei direkt oder indirekt von TEIRESIAS unterstützt. Gucky kommentiert dies mit den Worten: „Unser redseliger, nichtssagender Freund bleibt undurchsichtig.“ Der beste Satz der ganzen Geschichte! Einerseits wird das unergiebige Gespräch mit der Mondpositronik herrlich persifliert, andererseits ein Wink gegeben, dass TEIRESIAS seine Finger im Spiel hat. Und so ist es letztlich auch gekommen.
Wie schon im Roman der Vorwoche zeigt auch Rhodan hier wieder einen Mangel an Vertrauen. Die kurze Szene, als sie Lupita Shona gegenübertreten und der Unsterbliche mal wieder den Verräter sieht. In Gi Barr natürlich. Der hatte zuvor mehrere Dutzend Möglichkeiten verstreichen lassen. Nur Rhodan checkt das nicht.
Nachdem die obligatorische Infiltrationsmethode in Form einer Transportkiste zum Einsatz kam, lässt Kai Hirdt auch die obligatorische Widerstandsbewegung aufmarschieren. Die entpuppen sich bei näherer Betrachtung als nerdige Verschwörungstheoretiker im Stile „Die einsamen Schützen.“ Obwohl, die einsamen Schützen hätten keine Menschen gefoltert.
Die Geschichte, die von vielen Zufällen geprägt zu sein schien, nahm nun an Fahrt auf. Die Szene, in der Gi Barr den Geheimdienstchef operiert und dabei seine Gedanken ordnet gehört mit zu den besseren Abschnitten des Romans. Schließlich kann die unmittelbare Gefahr eines ausufernden Bürgerkriegs gebannt werden.
Rhodan hält noch eine Rede, danach fliegt die RAS TSCHUBAI nach Hause. Kai Hirdt prügelt eine Art von Bestandsaufnahme in die Geschichte und TEIRESIAS Wirken oder vielmehr seine Wahrscheinlichkeitsberechnungen beenden den Ausflug ins Goldene Reich. Na ja, nicht ganz. In der Milchstraße warten auch noch ein paar Gäonen auf uns. Schade, ich kann diesen Ablegern der Menschen immer weniger Sympathie entgegenbringen.
Auch wenn zuletzt die Menschen des Zweiten Solaren Imperiums im Fokus der Erzählungen standen, erschienen sie dennoch nur als interessantes Beiwerk. Nicht die Menschen haben die Einladung an Perry Rhodan ausgesprochen, sondern die Thoogondu, deren Zerwürfnis mit ES den Antrieb ihrer Motive darstellte. Es bleiben viele Fragen offen. Reicht die Saat der Wahrheit aus, die im ZSI gesät wurde, oder werden die Thoogondu die Geschichte des ZSI einmal mehr beeinflussen?
Die wichtigste Frage aber ist die, welchen Stellenwert dieser Ausflug im Zykluskontext bedeutet? Um was geht es eigentlich in diesem Zyklus, der den Namen Genesis trägt?

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2940

Der Putsch – von Uwe Anton – Handlung:
Nach dem Mnemo-Schock stehen sich die Parteien im Neo-Solsystem kampfbereit gegenüber. Der Thoogondu Ruogoovid hat Perry Rhodan mit dem Einsatz von Waffen gedroht. Das kann Arbo Perikles Dannan, der den Putsch angezettelt hat, nur Recht sein. Der Admiral und Oberkommandierende der Raumflotte des Zweiten Solaren Imperiums hat ebenfalls eine Flotte versammelt. Nach dem Austauschen nutzloser Funksprüche greift die gäonische Flotte an. Dem terranischen Trägerschiff können die Attacken nichts anhaben. Dannan zeigt sich unversöhnlich und Cassandra Sommerset, die Solastratorin kommt mit ihrer Botschaft, den Konflikt friedlich zu lösen, nicht an.
Stattdessen geht ein Riss durch die Raumflotte. Etliche Schiffe, die bislang Dannan gefolgt sind, scheren aus. Es entbrennt ein Bruderkrieg. Die Journalistin Shari Myre, die eigentlich für den Admiral gearbeitet hat, schickt ihre Interviews, die sie an Bord der RAS TSCHUBAI geführt hat, an ihren Sender. Statt zu manipulieren entscheidet sie sich für die Wahrheit. Während der Übertragung wird der Sender von Dannan-treuen Soldaten gestürmt. Die Verbindung bricht ab.
Ruogoovid erweist sich als ruhiger Thoogondu. Er greift mit seiner Flotte entgegen seiner Ankündigungen nicht ein. Und vereinbart sogar einen zeitlich befristeten Waffenstillstand mit Rhodan. Sommerset äußert inzwischen eine Ahnung. Die beiden Mediker, die mit einer Barkasse an Bord genommen wurden, haben ihren Argwohn geweckt. Ein kurzer Auftritt der beiden wird ausgewertet und betätigt die Vermutung der Regierungschefin. Eine noch in der Entwicklung befindliche Mentaltechnologie wurde an den beiden Gäonen angewandt. Das Psychotrope Kommando, oder einfach ausgedrückt, der Jekyll-Hyde-Schalter. Die betroffenen Personen können, ohne dass sie es bemerken, bei Bedarf programmierte Handlungen ausführen. Rhodan entsendet ein Sicherheitsteam zur Barkasse. Noch vor dem Zugriff passiert etwas Merkwürdiges. Der Paratronschirm, der das Schiff der Gäonen umgibt und von der RAS TSCHUBAI aufgebaut wird, hat einen Aussetzer. Die beiden Mediker können festgenommen werden aber die Barkasse hat an Gewicht verloren. Etwas Unbekanntes hat sich aktiviert und ist auf die RAS TSCHUBAI gelangt.
Die ARTEMIS, Dannans Flaggschiff, fliegt mit anderen Schiffen weitere Angriffe auf die RAS TSCHUBAI. Und das Riesenschiff erwidert plötzlich das Feuer und zerstört drei am Angriff nicht beteiligte Schiffe der gäonischen Flotte. Niemand hatte den Feuerbefehl gegeben. Die Untersuchungen ergeben, dass wohl Nanotechnologie der Thoogondu zum Einsatz kam. Die Maschinen haben sich aufgelöst, nachdem sie Positroniken infiltriert hatten. Ein Nachweis der Manipulation ist Rhodan somit nicht möglich. Die Terraner positionieren die RAS TSCHUBAI neu und bergen Überlebende und Verletzte aus den Wracks, die per Transmitter nach Gäon transportiert werden. Gi Barr ist einer der Akteure.
Der Soldat hat noch einen Vorschlag an Perry Rhodan. Das Mondgehirn TEIRESIAS könnte wertvolle Informationen beherbergen. Der Unsterbliche geht mit Gucky und Gi Barr auf ein Kommandounternehmen. Während die RAS TSCHUBAI das System verlässt, teleportiert Gucky das Team auf den Mond Selene. Gi Barr beantragt eine Unterredung mit der Mondpositronik. Noch bevor es dazu kommt, greifen Agenten ein. Doch die drei Besucher erhalten unerwartet Hilfe. Ein Roboter erscheint und eröffnet Rhodan, dass es seit über tausend Jahren der Traum von TEIRESIAS ist, sich mit dem Unterblichen zu treffen. Der Roboter bringt sie zum Mondgehirn.

 

Rezension:
Es geht mit kleinen Schritten voran. Der Roman von Uwe Anton zeigt ein uneinheitliches Bild der Situation im gäonischen Reich. Ebenso uneinheitlich agieren die Figuren des Autors. In der ersten Romanhälfte machen alle Figuren Fehler und gestehen sich diese Fehler im zweiten Abschnitt der Geschichte ein. Danach bringt Uwe Anton noch die Ereignisse ins Rollen, die den Band der nächsten Woche füllen werden.
Was ich an diesem Roman nicht mochte, ist, wenn Figuren das Offensichtliche ein ums andere Mal durchkauen. Beispielsweise der Dialog zwischen den Eheleuten Sichu und Perry im ersten Teil. Da hilft auch nicht, dass Uwe Anton versucht, dieses Gespräch mit Humor zu untermalen. Der Witz kommt doch sehr spröde daher.
Wiederholungen sind leider ein Markenzeichen von Uwe Anton. Sehr schade, wie ich finde. Das rekapitulieren früherer Ereignisse kann hilfreich sein, wenn es darum geht einen komplexen Sachverhalt für die eigene Geschichte nochmals aufzuarbeiten. Oder diesem Sachverhalt einen neuen, einen anderen Blickwinkel zu verpassen und damit eine neue Bedeutung zu generieren. Hier waren es jedoch nur Wiederholungen. Teilweise waren diese Wiederholungen auch noch ungeschickt gesetzt und nahmen Tempo aus der Geschichte. Ausgerechnet dann, wenn es mal zur Sache ging. Beispielsweise als die RAS TSCHUBAI ohne Befehl das Feuer eröffnet. Statt nun die Panik, den Schrecken, die Gegenmaßnahmen oder was auch immer einzufangen, lässt Uwe Anton alle früheren Ereignisse, in denen Schiffe etwas Ähnliches taten, Revue passieren. Nun wiederhole ich mich. Schade, sehr schade.
Zwei Textpassagen sind es, die mir dennoch in Erinnerung geblieben sind. Rhodan sagt beim Gespräch mit dem Thoogondu, dass man einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen kann und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen. Sehr richtig. Und genau aus diesem Grund muss die Geschichte jetzt einfach an Fahrt aufnehmen. Sonst kann man solchen Worten nicht trauen.
In der zweiten Textpassage ist es wiederrum Perry Rhodan, dem es fröstelt, der sich Gedanken macht, ob sich die Ereignisse wiederholen, sie (die Terraner) lähmen und verhindern, dass sie auch nur einen Schritt vorankommen. Hier scheint nun wieder das genaue Gegenteil propagiert werden. Die Geschichte nimmt keine Fahrt auf.
Das Hin und her mit Gi Barr ist dabei nur ein weiteres Element, in dem die Geschichte auf der Stelle tritt. Der Figur Rhodan fehlt es, wie es scheint, an 3000 Jahren Erfahrung. Anders lässt sich das Verhalten, das Rhodan im Umgang mit dem Gäonen pflegt, nicht mehr erklären. Mal Bewacher an der Seite, dann frei bewegen, dann ohne Yester, dann mit Yester, dann ohne Epsaler, dann mit zwei Mann, dann im Einsatz, dann nicht im Einsatz. Dann Vertrauen, dann kein Vertrauen, dann von Bord, dann nicht von Bord. Und ewig die gleichen Gedanke, die der Held wälzt. Was denn nun?
Auch mit einer anderen Figur ist Perry Rhodan uneins in der Beurteilung. Sommerset, die Solastratorin, wird von ihm gelobt. Tatsächlich zeigt sich die Politikerin schwach in ihrer Außendarstellung. Und wie es innen aussieht, hat Uwe Anton ausnahmsweise getroffen. Soll ich, oder soll ich nicht, sind die Gedanken dieser Figur. Spät, viel zu spät in der Geschichte legt er der Figur selbstkritische Äußerungen in den Mund. Wie wäre die Geschichte gelaufen, wenn die Figuren offensiv, statt defensiv aufgetreten wären? Ganz anders, lautet die Antwort. Aber dann hätte es eben nicht noch einen weiteren Band gebraucht. Hoffentlich kommt nächste Woche endlich mal ein Schlussstrich. Viel länger darf das nicht mehr gehen mit den Manipulationen und der Aufklärung dieser Betrügereien.

Ansichten zu Das blutende Land

Das blutende Land – von Klaus N. Frick – Handlung:
Der Autor steigt mit der Hauptfigur in seine Geschichte ein. Der Bauernsohn Sardev Örhun geht mit seinem Vater auf Wolfsjagd. Aus der Herde der Freibauern im Land Patloren werden immer wieder Tiere gerissen. Die Jagd von Vater und Sohn ist erfolgreich und Sardev kann den Wolf töten. Doch es war kein gewöhnliches Tier. Es war ein Geisterwolf. Weder Sardev noch sein Vater wissen, was das bedeutet.
An dieser Stelle angelangt, verlässt Klaus N. Frick die Figur Sardev für geraume Zeit. Andere Figuren und Entwicklungen rücken in den Vordergrund. Wir lernen die Figur Shorrn Mekeis kennen. Er ist einer der Anführer der Raureiter, die für Ordnung sorgen. Mit Shorrn führt der Autor die Handwerker, die Huren, die Kräuterhexen und andere Bewohner der Dörfer um die Stadt Nogtehantis im Land Patloren ein. In eben jene Stadt Nogtehantis entsendet das Imperium der Eskoher einen neuen Statthalter. Nesh-Tilan kann seiner Beförderung in die abgelegene Gegend zunächst nicht viel abgewinnen. Aber er will sich hier Respekt verschaffen. In seiner Begleitung reist eine junge Frau. Zarg-Nolesa verlässt Nesh-Tilan alsbald. Sie hat einen Auftrag von der Innung der Magier und ist auf der Suche nach den letzten Quellen der alten Magie.
Nun kommt auch Sardev wieder in die Geschichte. Er legt sich mit den Raureitern an und wird in den Kerker von Nogtehantis verbracht. Zarg-Nolesa trifft bei ihrer Suche auf den Zauberer Dorpjatt, der offensichtlich die alte Magie für seine Zwecke einsetzt. Zarg-Nolesa möchte für die Innung der Magier etwas von dieser Magie sichern. Sie bringt Sardev zum Zauberer und der sorgt dafür, dass Sardevs Geist mit dem eines Wolfes verschmolzen wird. Doch die Experimente Dorpjatts setzen noch andere Kräfte frei, die das Land in einen blutigen Krieg stürzen. Sardev erweist sich als der Einzige, der den Zauberer aufhalten kann.

 

Den Einstieg fand ich richtig gut mit der intensiven Schilderung eines Jagderlebnisses, den damit verbundenen Emotionen, den Sinneswahrnehmungen und den Beobachtungen. Klaus N. Frick vermittelt überzeugend die Anspannung der Jäger.
Auch in der Folge bestimmen Sinneswahrnehmungen und Emotionen den Roman. Die Kapitel sind so aufgebaut, dass zunächst die Hauptfigur, ein einfacher Bauerssohn, eingeführt wird, gefolgt von Raureitern in Rüstungen, gefolgt von einem statthaltenden Verwalter und der geheimnisvollen Zarg-Nolesa. Während Prolog und erste Kapitel Land und Leute schildern, bleibt die Fantasy dezent im Hintergrund. Es hätte auch ein Mittelalterroman sein können, wenn man die zwei Monde und die unbekannten Ländereien und Bewohner ausblendet. Der Geisterwolf schien mehr Legenden zugeordnet und die Kräuterhexen sind auch nichts Ungewöhnliches. Erst nach und nach wird der Fantasy vom Autor mehr Raum gegeben.
Die Geschichte entwickelt sich nur langsam. Der Autor lässt sich und seinen Figuren Zeit. Die Geschichte ist ein langer Fluss, der viele Windungen macht, aber beständig fließt. Geschwindigkeitssteigerungen sind selten. Der Autor setzt mehr auf epische Darstellungen. Er entwirft ein detailliertes Bild der Verhältnisse in Patloren. Die Bewohner müssen sich tagtäglich Herausforderungen stellen. Die Beschreibungen, die der Autor verwendet, sind roh, unverblümt und dreckig. Der Leser wird mit Körpergerüchen und Körperausscheidungen konfrontiert. Charlotte Roche lässt in ein, zwei Szenen grüßen. Die Figuren sind wenig liebenswert, häufig nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Sie handeln mitunter schonungslos. Insbesondere der Statthalter sieht sich von Feinden umgeben. Er wälzt unablässig Gedanken, ob ihm der eine oder andere etwas Böses will. Derartige Schilderungen werden vom Autor recht häufig angewandt. Sympathie mit einer Figur in dem Sinne, dass ich mit ihr mitfiebere oder an ihrem Schicksal Anteilnahme zeige, stellt sich nur an wenigen Stellen ein.
Mit dem vom Zauberer entfachten Brodem und der Ausbreitung des Totlebens gewinnt die Geschichte dann auch an Spannung. Die so unterschiedlichen Figuren werden in einer finalen Schlacht zusammengeführt und mit dem Epilog schließt der Autor den Kreis zu einer Szene im Prolog seiner Geschichte. Der Roman hatte seinen Reiz. Der Autor pflegt einen enorm realistischen Stil. Und von diesem Stil, der schonungslosen Beschreibung der Geschehnisse, weicht er nicht ab. Zu keiner Zeit.
Die recht kurze Inhaltsangabe des Verlags zu diesem Buch hat mich übrigens nicht angesprochen. Ich habe zu diesem Roman nicht aus Neugierde wegen des Inhalts sondern vielmehr aus Neugierde wegen des Autors gegriffen. Klaus N. Frick ist Redakteur der Perry Rhodan-Serie. Oder wie er selbst immer mal wieder anführt, Redakteur einer Raketenheftchenserie. Aus Gesprächen mit den Autoren von Perry Rhodan weiß ich, dass sie dem Redakteur nachsagen, ziemlich genaue Vorstellungen darüber zu äußern, wie ein Roman zur Serie Perry Rhodan zu schreiben ist.
Es interessierte mich daher herauszufinden, wie sich Klaus N. Frick als Autor schlägt. Nun ist sein erster großer Roman kein Perry Rhodan-Roman geworden. Ja noch nicht mal ein Science Fiction-Roman, sondern eine Fantasy-Geschichte. Aber sie hat einen Stil, der mir gefällt und kann sich sehen lassen.