Articles for this day of 8. Januar 2017

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2890

Die Schiffbrüchigen der Ewigkeit – von Christian Montillon – Handlung:

Als Gucky aus dem Katoraum zurückkehrt, kollabiert das Schwarze Loch an Bord der RAS TSCHUBAI und zieht eine Spur der Zerstörung durchs Schiff. Sichu Dorksteiger analysiert das von Gucky mitgebrachte Artefakt. Der Trypatresor birgt ebenfalls ein Mikro-Blackhole in sich. Die durchs Schiff springende Katopore hat bald ihre Energie verbraucht und löst sich auf. Gholdorodyn und Dorksteiger untersuchen den Trypatresor und wollen dem Tiucui-Kristall, der die Katopore umgibt, Informationen entlocken. Das gelingt und die Informationen werden von ANANSI in Bilder umgewandelt, die einen Blick in die Vergangenheit gewähren und die Entwicklung der Superintelligenz KOSH zeigen.

Alles beginnt in der Galaxis Doushavvat. Um die rote Sonne Baicekosh winden sich die Bänder von Basantiu-Balotiu. Auf diesen Bändern leben die Angehörigen von fünf verschiedenen Völkern, die die Technolution anstreben. Die Trennung des Bewusstseins vom Körper und die Speicherung in einer Maschine. In kleinen Forschergruppen, die Kosh genannt werden, wird das Wissen gemehrt. Denn Wissen ist der Puls der Kohäsion, der die Technolution vorantreibt. Zwei Wissenschaftler aus dem Volk der Thessgerer machen entscheidende Fortschritte. Gelcui entwickelt die Möglichkeit, Bewusstseinsinhalte in einem Speicherkristall zu speichern und Katona entdeckt den Katoraum. Gelcui bleibt es schließlich vorbehalten, sein Bewusstsein vom Körper zu lösen und als erstes Wesen in den Katoraum vorzustoßen.

Späteren Generationen ist überliefert, dass der Kristall mit Gelcuis Bewusstsein eines Tages verschwand. Aber er erschien immer wieder als Geist, der davor warnte, der Pantomat, die allumfassende perfekte Maschine, dürfe niemals entstehen. Doch seine Warnungen wurden ignoriert oder fehl gedeutet. Die Bewohner von Basantiu-Balotiu speicherten glückliche Momente ihres Lebens ab und eines Tages erwacht der Pantomat zum Leben, der nun mehr war als nur die Summe aus Erinnerungen und Maschinen.

Dem Pantomat steht ein Helfer, ein Orakel, zur Seite, bei dem es sich um Gelcui handelt. Er will den Pantomat lehren, glücklich zu sein. Doch insgeheim hat der Pantomat längst bemerkt, dass das Orakel keineswegs allwissend ist. Und der Pantomat hat auch die Schatten bemerkt, die in sein Dasein treten. Dennoch antwortet der Pantomat stets aufs Neue auf die Frage ob er glücklich sei, mit Ja. Der Pantomat vernetzt alle Maschinenkinder über den Ruf der Sammlung miteinander und nennt sich das Pavvat.

Das Pavvat hat viele Fragen aber auch große Ängste. Die Schatten, die es begleiten sind die Angst. Das Pavvat fürchtet die Schatten. Das Pavvat erforscht den Katoraum, in der Hoffnung, dort die Schatten zurücklassen zu können. Der Aufenthalt unter allem Grund hat das Pavvat verändert. Mehr denn je stellt sich das Pavvat die Frage: Wohin gehe ich? Das Pavvat macht den nächsten Schritt. Es schafft aus sich selbst die neun Pashukan, entvölkert mit ihnen rücksichtslos die Galaxis und reift zur Superintelligenz KOSH. Das Orakel rettet eine seiner Nachfahren, Anncui, vor dem Tod. Mit ihr will er den Irrweg der SI stoppen. KOSH will bereits den nächsten Schritt der Evolution machen. Er will eine Materiesenke werden, denn das sei seine Natur. Er will zugleich seine Spuren in Doushavvat löschen, um die Hohen Mächte, allen voran den Chaotarchen Cadabb, zu täuschen. Denn er will als Materiesenke keiner bestimmten Seite angehören. KOSH adaptiert das Volk der Onabinia zu zukünftigen Trägern des Geistes von Basantiu-Balotiu. Die Tiuphoren sind geboren.

Doch KOSHS Aktivitäten und die seiner Pashukan rufen erst Recht Cadabb auf den Plan, der KOSH bekämpft. Cadabb will die SI schwächen und dann unter seine Obhut nehmen. Es kommt zu immensen Schlachten. KOSH vereinnahmt die Bänder von Basantiu-Balotiu und transportiert sie zu einem Zufluchtsort. Dort hat Cadabb eine Falle gestellt. Einer der Pashukan ist ein Verräter. Im Kampf kann Tellavely den Verräter mit einer Lüge überlisten. Nur drei Pashukan bleiben über.

Auch KOSH ist schwer angeschlagen. Er sucht einen Anker für den kümmerlichen Rest seiner selbst und vergräbt sich im Maschinenleib des Pavvat. Trotzdem schafft er es noch, sich von Cadabb zu lösen und Orpleyd zu erreichen. Beim Durchgang durch den Staubgürtel verliert KOSH an Substanz. Er kann den Planeten Tiu platzieren, bevor er darauf abstürzt. Tellavely, Nunadai und Pushaitis verwalten sein Erbe. Sie senden die Tiuphoren aus, um Bewusstseine zu sammeln. Damit genügend Zeit bleibt, vereisen sie die Galaxis. Und sie erwählen die Gyanli als Hilfsvolk, die Orpleyd in einen Kokon für KOSH transformiert, in der die Entwicklung der SI zur Materiesenke ablaufen soll.

Perry Rhodans Plan ist einfach. Er will das Pavvat finden und zerstören, die Entwicklung zur Materiesenke verhindern, den Zugang zum Katoraum sabotieren und vorher die Gefangenen befreien.

 

Rezension:

Schlüsselroman nannte man solche Geschichten früher und wohl auch noch heute. Als ich durch war, ging es mir wie so mancher Romanfigur. Zu viel …

Eine Rahmenhandlung ist kaum vorhanden. Zwar erleben wir die Historie KOSHS aus dem Blickwinkel von Zeitzeugen, aber lediglich Gelcui wird noch ein gewisser Raum eingeräumt, der diese Figur etwas lebendig werden lässt. Alle anderen Figuren sind nur Statisten in einem Äonen andauernden Prozess.

Hin und wieder unterbricht Christian Montillon diese Erzählung, um die Reaktionen Perry Rhodans, Guckys oder von Sichu Dorksteiger einzufangen. Aber wie eingangs erwähnt, ist das Wissen, das über die Figuren hereinbricht, einfach zu mächtig. Perry Rhodans Erkenntnisgewinn, bzw. seine Schlussfolgerungen sind nicht immer synchron zu den Daten aus dem Trypatresor. Noch bevor der Katoraum erwähnt wird, zieht er bereits eine Verbindung zwischen Bewusstseinsspeicherung und dem Raum unter allem Grund. Das ist aber nur eine Kleinigkeit am Rande, die mir nur deshalb aufgefallen ist, weil sie noch relativ am Anfang der Geschichte liegt. Danach wurde ich von der Fülle an Informationen fast erschlagen.

Namensableitungen erreichen in dieser Geschichte einen inflationären Zustand. Es ist ja schön, wenn aus Namen und Namensbestandteilen historische Entwicklungen belegt werden oder auf Ursprünge zusammengeführt werden. Hier war es ein bisschen zu viel des Guten. Zumindest für meinen Geschmack, denn falsch ist das keineswegs, was Christian Montillon da macht. Genau so sollen Zusammenhänge erläutert werden. Dennoch …

Am Ende muss sich sogar der Sofortumschalter Perry Rhodan von Gucky düpieren lassen als er ankündigt, tätig werden zu wollen und Gucky meint, dass er das schon vor einer halben Ewigkeit angemerkt hat.

 

Ansichten zu Captain Fantastic

Zuletzt im Heimkino habe ich Captain Fantastic gesehen, der im deutschen Verleih den bescheuerten Zusatztitel „Einmal Wildnis und zurück“ bekommen hat. Familienvater Ben, gespielt von Viggo Mortensen, lebt mit seinen sechs Kindern fern der Zivilisation in den Wäldern an der Nordwestküste der USA. Der Aussteiger erzieht seine Kinder nach seinen eigenen Vorstellungen. Selbst die jüngsten müssen sich einer unerbittlichen geistigen und körperlichen Ausbildung stellen. Das Familienleben wird durch die Krankheit der Mutter belastet, die, Heilung suchend, die Wildnis vor einiger Zeit verlassen musste. Als Bens Frau Leslie, die an einer bipolaren Störung leidet, Selbstmord begeht, verlässt die ganze Familie mit einem alten Schulbus die Wildnis und macht sich auf den langen Weg nach New Mexico, um dort den letzten Willen der Mutter zu erfüllen, die verfügt hat, dass sie verbrannt und ihre Asche eine öffentliche Toilette heruntergespült wird.

Die Reise ist vor allem für die Kinder eine Herausforderung, da insbesondere die jüngeren zum ersten Mal mit den Auswüchsen der sogenannten modernen Gesellschaft konfrontiert werden. Unterschiedliche Lebens- und Denkweisen prallen aufeinander. Unterwegs erfährt Ben, dass sich sein ältester Sohn Bodevan hinter seinem Rücken und mit Unterstützung seiner Frau, erfolgreich an verschiedenen Eliteuniversitäten beworben hatte. Ben muss auch erfahren, dass sein eigenes Verhalten zumindest teilweise zu Leslies Depressionen geführt hat.

In New Mexico angekommen verurteilt Leslies Vater den Lebensstil der Aussteiger. Er droht Ben mit Anwälten und der nimmt Abschied von seinen Kindern. Doch die finden sich unterwegs wieder bei ihm ein und gemeinsam erfüllen sie den letzten Willen der Mutter. Ben lässt seinen ältesten Sohn gehen und lebt den übrigen Kindern, die nun eine reguläre Schule besuchen, auf einen Bauernhof.

Was habe ich nicht alles gelesen, was in diesen Film hineininterpretiert wurde. Der Film sei ideologisch verbrämt, sei politisch, sei formelhaft und multipliziere lediglich die Klischees des amerikanischen Independent-Kinos.

Für mich ist der Film eine Tragikomödie mit einer wunderbar aufspielenden Darstellercrew, allen voran Viggo Mortensen. Der besondere Eigensinn der Familie wird mancher Prüfung unterzogen und am Ende müssen beide Seiten Federn lassen. Die konservative Weltanschauung, wie sie von Leslies Vater oder Bens Schwester vertreten wird aber auch Ben selber muss erkennen, dass er seine Kinder nicht auf „das“ Leben vorbereitet hat sondern nur auf ein Leben, wie er es sich vorstellte. Höhepunkt des Films ist für mich die Szene, als Ben, der alleine am Abend vor dem Schulbus sitzt, von seinem ältesten Sohn erfährt, dass dieser sich vom Vater unbemerkt erfolgreich an Eliteuniversitäten beworben hat. Die Emotionen, die da freigesetzt werden, sind großes Kino. Ein absolut sehenswerter Film!