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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2888

Garde der Gerechten – von Hubert Haensel/Susan Schwartz – Handlung:

Der Befreiungskampf um die RAS TSCHUBAI hat begonnen. Noch sind mehrere tausend Gyanli an Bord und die Zentralkugel ist in der Hand des geheimnisvollen Onodaurd. Aber unter der Führung von Perry Rhodan werden nach und nach die Schiffssektionen zurückerobert und die Gyanli inhaftiert. Dem Medienwart Col Tschubai kommt die Aufgabe zu, Kontakt zu ANANSI zu halten, bzw. die kurzen Botschaften, die von der Semitronik an sein Tagebuch übermittelt werden, an die Verantwortlichen weiterzugeben.

Von einigen Besatzungsmitgliedern fehlt jede Spur. Sie sind entweder in der Zentralkugel gefangen oder an Bord des mysteriösen Gitterschiffs, das nach wie vor an der Außenhülle der RAS TSCHUBAI verankert ist. Auch von Gucky bleibt verschwunden. Pey-Ceyan und Attilar Leccore erfahren von den Gefangenen nur sehr wenig über Onodaurd. Niemand scheint ihn zu kennen. Der Kelosker Gholdorodyn arbeitet daran, mit dem Kran und Rhodans Dakkar-Spanne den Paratronschirm um die Zentralkugel zu überwinden.

Inzwischen kommt es unter den Gefangenen zu einer Auseinandersetzung. Vier Gyanli werden von anderen Mitgefangenen angegriffen. Für zwei von ihnen kommt jede Hilfe zu spät. Die beiden anderen, Cirhitin und Zerrtoum, werden medizinisch betreut. Unter Pey-Ceyans Kontrolle geben die beiden Gyanli an, einer Opposition unter den Gyanli anzugehören, die sich die Garde der Gerechten nennt. Sie kämpfen gegen die Linearen Operatoren. Ihnen geht es um die Freiheit ihres Volkes.

Während die Terraner ihre Pläne zur Eroberung der Zentralkugel vorantreiben, kommt es zu einem weiteren Zwischenfall. Die Gyanli Cirhitin und Zerrtoum werden entführt. Man kommt den Verschleppten schnell auf die Spur. Die beiden Gardisten wurden zu einem portablen Transmitter gebracht und abgestrahlt. Dank der Wuutuloxo kann der Transportvorgang umgekehrt werden. Cirhitin und Zerrtoum erscheinen verwirrt wieder im Ausgangsgerät. Der Chef des Ersten Raumlandebataillons, Oberstleutnant Licco Yukawa, will den Transmitter, der offensichtlich durch Strukturlücken im Paratron führt, nutzen, um in die Zentralkugel vorzustoßen. Mit TARAS wird der Vorstoß gewagt. Derweil grübeln die Verantwortlichen darüber nach, warum ANANSI, obwohl fast das ganze Schiff unter der Kontrolle der Terraner steht, ihr Koma nicht beendet.

Die Zentralkugel kann eingenommen werden. Als die Terraner in die Zentrale eindringen, erwartet sie ein grauenvolles Bild. Alle Gyanli darin sind tot und schrecklich zugerichtet. Die gefangenen Terraner werden glücklicherweise nur betäubt in einem Nebenraum gefunden. Und auch Jawna Togoya kann geborgen werden. Die Posbi hat zwar ihren Körper verloren, aber ihre biopositronische Identität ist noch intakt. Während Togoya von anderen Posbis behelfsmäßig einen Körper verpasst bekommt, versucht Rhodan die Geschehnisse in der Zentrale aufzuklären. Ein Ereignis bringt ihn auf die richtige Spur. Zerrtoum ist geflohen. Rhodan rekonstruiert die Ereignisse. Als Cirhitin und Zerrtoum per Transmitter in die Zentrale transportiert wurden, hat Onodaurd seine Chance erkannt. Er tötete alle Gyanli, einschließlich Zerrtoum und kehrte in dessen Gestalt zurück. Nun ist er auf der Flucht.

Während die gefangenen Gyanli in ein instandgesetztes Schiff transportiert werden, macht Rhodan zusammen mit Togoya und Unterstützung der erwachten ANANSI Jagd auf Onodaurd. Der Fremde zeigt sich als Wolke unterschiedlich großer Objekte, die sich zum Gitterschiff bewegt. Es kommt zum Kampf. Togoya gelingt es, etliche der Objekte zu zerstören und zu bergen. Dennoch kann Onodaurd geschwächt zum Gitterschiff gelangen. Er setzt die dort befindlichen Besatzungsmitglieder als Geiseln ein und gibt seine Identität preis. Es ist Pushaitis. Rhodan lässt sie ziehen. Er setzt darauf, dass Gucky und Farye Sepheroa einen Weg finden, sich zu befreien. Die RAS TSCHUBAI fliegt unter ihren neuen Kommandanten Perry Rhodan die Heimatwelt der Gyanli an.

 

Rezension:

Die Tschubai-Chroniken werden vorerst mit diesem Roman abgeschlossen, der von Hubert Haensel und Susan Schwartz gemeinsam verfasst wurde. Der Rahmenaufbau der Handlung hat mir gut gefallen. Zunächst werden die Invasoren Schritt für Schritt aus den wichtigsten Sektionen des Schiffes gedrängt. Im Zuge dieser Operation treten erstmals Oppositionelle des Regimes auf. Diese Entdeckung legt am Ende der Geschichte das nächste Ziel Perry Rhodans fest. Noch während die Terraner an einer Möglichkeit tüfteln, in die eigene Zentralkugel einzudringen, kommt es zu zwei Wendungen. Die beiden Gardisten werden entführt und eröffnen dadurch die Chance auf Rückeroberung des Restschiffes. Und dieses Ereignis ist gleichermaßen die Chance für den Anführer der Invasoren, das Schiff zu verlassen.

Dieser kluge Handlungsaufbau wird allerdings durch einzelne sehr ungeschickte Aktionen der Figuren getrübt. In der ersten Romanhälfte erleben wir Terraner, die erbittert um ihr Schiff kämpfen und dabei ohne SERUN und Schutzschirm unterwegs sind. Terraner, die gemütlich in der Kantine ein Frühstück einnehmen und sich dort abschießen lassen. Terraner, die keinen Zugang zu den eigenen Beibooten haben und auf die eigene Technik nicht einwirken können. Einzelne derartige Ereignisse kann ich verkraften. In der Masse jedoch zeigt sich, dass Plausibilität einmal mehr der Dramaturgie geopfert wurde.

Wieder einmal, das fällt mir in letzter Zeit häufiger auf, kommt die erste Romanhälfte deutlich schlechter weg als die zweite Hälfte. Zum einen liegen in der ersten Hälfte besonders viele der dümmeren Aktionen, zum anderen ist der Handlungsrahmen natürlich darauf ausgerichtet, um in der zweiten Hälfte Ergebnisse zu produzieren. Im zweiten Romanteil werden die Ziele erreicht. Dadurch wirkt dieser Teil bereits ungleich besser als der erste Teil. Zudem wurde zum Ende hin das Tempo erhöht.

Durch die Tempoerhöhung bleiben zwangläufig Details auf der Strecke. Was genau jetzt der Kelosker tut, um den Paratronschirm zu durchdringen, wird erstmal nicht gebraucht, da doch ein Transmitter des Gegners den gleichen Zweck erfüllt. Später wird die „Erfindung“ des Keloskers doch benötigt, um die gefangenen Gyanli durch den Paratron nach außerhalb zu transportieren. Aber da hatten die Terraner die Zentralkugel eh wieder im Griff.

Der Medienwart Col Tschubai kommt in der ersten Romanhälfte nicht mehr ganz so gut rüber wie noch am Anfang der Trilogie. Das hat seinen Grund. Die Autoren legen dieser Figur zu viel in den Mund oder in die Gedanken. In der Kantine wird diese Figur überfrachtet. Da wird alles Mögliche hineingepackt, was das aktuelle Geschehen, der Ahnherr und die Historie der Terraner zu bieten haben. In der zweiten Romanhälfte wird auch diese Figur wieder besser, weil abgeschwächter, dargestellt.

Es ist schön, dass es auf Seiten der Gyanli eine Opposition gibt. Dass zuletzt Milliarden von Onryonen blind dem Atopischen Tribunal folgten, war ein Fauxpas der letzten Zyklushandlung.

Mit der Wiederauferstehung von Jawna Togoya haben die beiden Autoren Probleme. Jawna ist eine Posbi mit einem zentralen Positronikkern und einem robotischen Endoskelett über dem eine Biomolplasthülle den Körper einer Frau abbildet. Aber die Figur ist mehr als nur die Summe ihrer Bestandteile. Sie besitzt eine eigene Persönlichkeit und hat eine ÜBSEF-Konstante entwickelt. In den entscheidenden Szenen bleiben die Autoren ungenau, was von der Posbi übrig geblieben ist. Zuerst heißt es, dass ihr Gehirn keinen Schaden genommen hat und sie ihr Bewusstsein schützen konnte. Dann wird vage von Erinnerungen (Speicherinhalte?) gesprochen, auf die zurückgegriffen werden kann. Die Figur selbst bezeichnet sich als zerbrochen. Der Satz, dass es vielleicht Jahre dauern könnte, bis die Posbi wiederhergestellt sei, darf natürlich auch nicht fehlen. Immer wenn die Autoren nicht weiterwissen, schreiben sie diesen Satz in die Handlung. Im 51. Jahrhundert sollte die Ersatzteilbeschaffung für Posbis doch einigermaßen geregelt sein. Und Biomolplasthüllen gibt’s an jeder Ecke.

Während die Autoren also der eigentlichen Frage, ob das Bewusstsein der Figur Schaden genommen hat oder gar nur noch die robotische Komponente erhalten ist, ungeschickt aus dem Weg gehen, verschwenden sie umso mehr Zeit darauf, das äußere Erscheinungsbild der Figur zu beschreiben. Es wird mehr Wert darauf gelegt, das „Äußere“ wieder herzustellen. Schade, das war sehr dürftig.

Bescheiden war auch Rhodans letzter Befehl. Als er im vergangenen Roman seiner Enkelin nicht helfen konnte, als sie in das Gitterschiff verschleppt wurde, war der Held angeschlagen und zwar noch bevor er wusste, wer Onodaurd ist. Und nun lässt er zu, dass dieser überaus gefährliche Gegner, der in der TSCHUBAI gezeigt hat, zu welchen Taten er fähig ist, mit dem Schiff entkommt, auf dem sich Farye Sepheroa befindet. Der Unsterbliche setzt sich ein anderes Ziel. Überraschend vertraut er plötzlich darauf, dass Gucky und seine Enkelin die Sache schon richten werden. Diese Entscheidung war nicht nachvollziehbar.

Mein Fazit: Eine kluge Rahmenhandlung und ein flotter Schreibstil sind positiv zu benennen. Ungeschickte Einzelaktionen und fragwürdige Entscheidungen dämpfen jedoch das Lesevergnügen.