Articles for this day of 11. Dezember 2016

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2886

pr_2886Der Schwarze Sternensturm – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Eines der Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI hat den Mutanten, dem das Schiff seinen Namen verdankt, als Vorfahre gehabt. Col Tschubai übt die Tätigkeit eines Medienwarts aus. Aber auch privat ist er sehr an Medien interessiert, die seinen beruflichen Alltag bestimmen. Als er vom Fragment eines verschollenen Filmes erfährt, ist er Feuer und Flamme, die Datei zu bekommen. Noch dazu, als er herausbekommt, dass Ras Tschubai etwas mit diesem Film zu tun hatte.

In der Zentrale des Riesenschiffes laufen derweil andere Überlegungen. Nach einer kontrovers geführten Diskussion entscheidet Sergio Kakulkan zugunsten der Tiuphoren in das Gefecht einzugreifen. Die RAS TSCHUBAI verlässt den Ortungsschutz der Sonne Lichtfahne A und greift die Gyanli-Flotte an. Obwohl das terranische Schiff mit seinen Beibooten schnell Erfolge erzielt, zeigen die Gyanli wenig Respekt. Ein zum Wrack geschossener Gyanli-Raumer wird geentert. Col Tschubai soll mit seiner Spezialausbildung die geborgenen Daten entschlüsseln und analysieren. Er stößt auf das Tagebuch des Gyanli Shuramorv und vertieft sich darin. Col Tschubai ängstigt die grenzenlose Überheblichkeit, die selbst die privaten Einträge Shuramorvs zeigt.

An Bord der RAS TSCHUBAI werden gefangene Gyanli in einem Hangar gesperrt. Auch hier zeigen diese Wesen keinerlei Angst. Noch bevor Verhöre beginnen können, kommt es im Hangar zu einer Explosion. Die Schiffsführung analysiert das Bildmaterial und die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass ein winziges Schwarzes Loch an Bord erzeugt wurde, das dann zu den verherrenden Schäden geführt hat. Die Gyanli selbst scheinen geschützt gewesen zu sein und sind nun im Schiff unterwegs. Noch an weiteren Orten der TSCHUBAI tritt ein Schwarzes Loch auf. Schnell ist der Begriff vom Schwarzen Sternensturm geprägt. Die Schutzschirme versagen und weitere Invasionskräfte kommen über eine unbekannte Transmittertechnologie an Bord. Außerdem können die Roboter der Gyanli Transmitterfelder aufbauen und erlauben damit den eingedrungenen Feindkräften jeden Ort an Bord zu erreichen. Sergio Kakulkan lehnt eine Flucht ab und die Aagenfelt-Barriere würde zu viel Energie beanspruchen. Die RAS TSCHUBAI wird von Gyanli-Schiffen eingekesselt.

Col Tschubai erfährt durch die Daten auch von einem Gyanli namens Onodaurd, der wohl der Anführer jener Truppen ist, die gerade die RAS TSCHUBAI entern. Er informiert die Schiffsführung über seine Erkenntnisse. Doch alle Versuche, diesen speziellen Gyanli zu fangen, scheitern. Er ist wie ein Geist. Die Invasoren erobern immer weitere Teile des Schiffes. Kakulkan beschließt schließlich die Evakuierung. Die ausgeschleusten MARS-Kreuzer, die bislang die Gyanli-Flotte auf Distanz gehalten haben, sollen andocken und so viele Besatzungsmitglieder wie möglich an Bord nehmen. Gucky beteiligt sich an der Suche nach Onodaurd, kann aber nichts ausrichten. Während Col Tschubai sein Schiff, die RALPH SIKERON verpasst, wird der Plan, den Onodaurd verfolgt, endlich deutlich. Er will an ANANSI. Die beiden Betreuer der Semitronik versetzen ANANSI in den Vakuumschlaf. Onodaurd tötet Zanabazar und Culsander.

Die MARS-Kreuzer verlassen die RAS TSCHUBAI. Dabei wird die RALPH SIKERON vernichtet. Kakulkan kapituliert und schickt zu Verhandlungen Jawna Togoya. Die Posbi wird jedoch von Onodaurd getötet. Als Onodaurd die Zentrale einnimmt, tötet er auch Sergio Kakulkan. Während Col Tschubai zu anderen Besatzungsmitgliedern stößt und sich Widerstand formiert, ist auch außerhalb des Schiffes Hilfe unterwegs. Perry Rhodan musste hilflos mit ansehen, wie die RAS TSCHUBAI eingenommen wird. Mit der ODYSSEUS will er getarnt in das Schiff eindringen.

 

Rezension:

Eine schwer zu verdauende Geschichte, die Michael Marcus Thurner mit dem Schwarzen Sternensturm abliefert. Die Handlung selbst überrascht nicht. Seit Zyklusbeginn sehen wir sowohl das Team Rhodan, als auch die Besatzung der RAS TSCHUBAI, von kleinen Ausnahmen abgesehen, auf der Siegerstraße. Der Roman letzte Woche, als mit Klavtaud oder Pushaitis ein sehr mächtiges Wesen in den Reihen der Gyanli aktiv wurde, hat gezeigt, dass die Despoten Orpleyds noch nicht alle Karten aufgedeckt haben. Von daher war es nur noch eine Frage der Zeit, bis dem Vorstoß der Terraner der erste Dämpfer versetzt wurde.

Dramaturgisch macht die Geschichte im Zykluskontext also alles richtig. Und auch mit der Charakterisierung der Figuren kann Michael Marcus Thurner überzeugen. Als Filmfan war ich von Col Tschubai und dessen Jagd auf ein altes Filmfragment sofort angetan. Auch die Erzählperspektive überzeugte. Die Figur wird wie ein Spielball an die Brennpunkte des Geschehens geworfen. Die Reaktionen und Gefühle, die der Autor Col Tschubai mitgibt, sind einerseits intensiv, andererseits bewusst distanziert. Als Leser spüre ich ein wenig von der Ohnmacht, die Col Tschubai empfindet, wenn er mal hier, mal dorthin geschickt wird, und immer nur so viel Information bekommt, wie es gerade braucht, um das Ziel zu erreichen. Eine weitere Ablenkung vom Hauptgeschehen boten die Analysen von Col Tschubai. Mit Shuramorvs Tagebucheinträgen gelingt dem Autor eine weitere Facette der Despoten Orpleyds aufzuzeigen.

Auch anderen Besatzungsmitgliedern des Riesenschiffs kann der Autor Leben einhauchen. Von anderen hingegen müssen wir uns verabschieden. Jawna Togoya war zuletzt kaum noch in Erscheinung getreten, dennoch war sie eine wichtige Vertreterin der neuen Posbis. Auch Kommandant Sergio Kakulkan ist ein Opfer von Michael Marcus Thurner geworden. Kakulkan war, trotz der herausgestellten Position, in allen bisherigen Romanen schlecht charakterisiert worden. Nur ein einziges Mal hat diese Figur mehr Tiefe bekommen. Das war in der Kurzgeschichte „Das Grab in Ogygia“ von Uwe Anton, die im Rahmen von Band 2 der Perry Rhodan-Storys erschienen ist.

Damit die Dramaturgie dieses Romans passte, musste Thurner allerdings einige Verrenkungen machen. Durch die Bank sind alle Autoren immer gut darin, einen überlegenen Feind zu schildern. Gleichzeitig tun sie sich schwer, wenn es darum geht, dass die geliebten Figuren auch mal eine Niederlage einstecken müssen. Zu einer Zeit, als die Überlegenheit des Gegners, gesteuert durch den geheimnisvollen Onodaurd noch nicht abzusehen war, bereiteten mehrere Fehler der Terraner die kommende Niederlage vor.

Der Kommandant beginnt die sich anbahnende Katastrophe mit einem unverzeihlichen Fehler. Noch während der Schlacht lässt er kleinere Einheiten, bis herab zu Space-Jet und Shift (!) ausschleusen, die dann, kaum verwunderlich, höchst attraktive Ziele für die Gyanli-Raumer darstellten. Bei allem Mitgefühl, das die Terraner für die geschundenen Tiuphoren empfinden, aber die Bergung von Opfern beginnt „hinterher“ und nicht „während“ der Schlacht. Beim zweiten Fehler, den der Autor begeht, habe ich als Leser genauso verdattert geschaut, wie der Medienwart Tschubai. Der wird gleichzeitig mit Raumlandetruppen an Bord eines Feindschiffs eingesetzt! Das ganze Manöver läuft schief. Paradoxerweise werden später, als die Gyanli an Bord der RAS TSCHUBAI wüten, die zivilen Kräfte aufgefordert, in ihren Kabinen zu bleiben. Die dritte Szene, die mir einen der unverzeihlichen Flüche entlockte, war die, als Thurner beschrieb, wie der Schwarze Sternenschwarm schwere Schäden an Bord der RAS TSCHUBAI hinterlässt und die hochwertigen Schutzschirme versagen. Niemand, außer Togoya, zieht die älteste Handlungsweise in einer Schlacht in Betracht, die da lautet: Rückzug! Kakulkan, resp. Thurner, lässt das nicht zu. Es gibt noch mehr zu bemängeln, aber dabei belasse ich es mal.

In seinem Blog schreibt Michael Marcus Thurner über die Arbeit zu diesem Roman u.a.: „Dennoch habe ich Szenen zu verantworten, für die ich vermutlich ziemliche Schelte und Vorwürfe zu hören bekommen werde.“ Stimmt, mein Vorwurf lautet, für die Zielerreichung über das notwendige Maß an Dummheit hinaus, das unsere Helden meist in solchen Geschichten zeigen, noch ein gutes Stück weiter gegangen zu sein. Hier war nichts zu gewinnen. Das Ziel dieses Romans war klar. Auf den Weg dorthin hat sich der Österreicher nicht mit Ruhm bekleckert.

 

Interview mit Kai Hirdt zu Perry Rhodan Jupiter

In meinen Rezensionen zu den Romanen der Jupiter-Serie hatte ich zuletzt die eine oder andere Frage formuliert und Kai Hirdt bot an, mir darauf Antworten zu geben, die ich in meinem Blog veröffentlichen darf.

 

Uwe Bätz: Worin unterscheidet sich die Heftromanserie in ihrem dramaturgischen Aufbau von der alten Veröffentlichung als dickes Taschenbuch (Ziegel)?

Kai Hirdt: Es gibt gar keine riesigen Unterschiede: Jupiter ist immer noch Jupiter. Im Wesentlichen haben wir einen weiteren Handlungsstrang ergänzt, sodass wir in mehreren Heftromanen zwischen zwei Handlungsebenen hin- und herblenden. Aber unser Ziel war nicht, die Dramaturgie grundlegend zu verändern. Ein paar Verbesserungen wollten wir einführen, wo die erste Fassung noch Aufwärtspotenzial hatte.

 

Uwe Bätz: Lt. News auf der PR-Homepage vom 12.05.2106 ist die Basis für die ergänzende Handlung erneut ein Exposé von Wim Vandemaan. Warum wurde ein vierter Handlungsstrang gemacht?

Kai Hirdt: Das hatte zwei technische und einen inhaltlichen Grund. „Technisch 1“ ist simpel und formal: Das Format Miniserie bei PERRY RHODAN hat nun mal zwölf Hefte, und wir mussten auf die richtige Länge kommen.

Das hätte man nun gerade noch über Bord werfen können, um zu sagen „Diese Serie hat aber nur zehn Hefte.“ Da kommt aber Grund „Technisch 2“ ins Spiel: Die Handlungsabschnitte des Buches haben nicht alle Heftromanlänge. Das geht direkt am Anfang los: Der Prolog hat etwa 60.000 Zeichen, also rund ein Drittel Heft. Der erste Haupthandlungsabschnitt hat dann zwar etwa die richtige Länge für ein Heft, aber wenn er hinter den Prolog gesetzt wird, muss das letzte Drittel ins nächste Heft. Das sind halt keine sinnvollen Abschnitte. Schließlich soll die Hefthandlung nicht irgendwann beliebig abgebrochen werden, sondern jedes Heft soll sich als geschlossene Einheit anfühlen. Es war also klar, dass wir an manchen Stellen kürzen mussten, an manchen aber auch neue Texte einbauen, damit die Hefte sich wirklich wie Hefte und nicht wie Textauszüge lesen.

Der wesentliche inhaltliche Grund ist, dass wir dadurch die Möglichkeit hatten, einige Ungereimtheiten des Taschenbuchs zu erklären. Darin ist die Informationsvergabe an mehreren Stellen etwas abrupt, oder es wurden Dinge gar nicht erklärt, die ich als Leser gerne besser verstanden hätte. Ich konnte den Text so gestalten, dass Chayton Rhodan nach und nach all diesen Dingen begegnet und all diese Informationen erhält, sodass sich für den Leser zugleich die drei schon bestehenden Handlungsstränge runder und stimmiger anfühlen.

 

Uwe Bätz: Und wie kam es zu Chayton Rhodan? Hat Euch PR 1177 Der Junge von Case Mountain inspiriert, mal wieder was zum Privatumfeld Perry Rhodans zu schreiben?

Kai Hirdt: Das ist eigentlich eine Frage für Wim Vandemaan. Von ihm stammt das Exposé zu Band 1, die Familiengeschichte der Rhodans in Manchester mit dem verschwundenen Chayton. Wo er die Ideen dazu hergenommen hat, weiß ich gar nicht.

Mein Beitrag war, Chayton zu einer wirklichen Hauptfigur zu entwickeln. Nach dem ursprünglichem Konzept sollte der neue Handlungsstrang die Suche nach Chayton sein. Aber wenn wir schon einen neuen Rhodan in die Handlung einführen, dann sollte der auch agieren, fand ich. Entsprechend haben wir diesen ersten Plan dann gründlich verändert.

 

Uwe Bätz: Die ursprüngliche Geschichte bleibt in ihren Resultaten unangetastet. Chayton kann also nichts bewirken. Ist mein Eindruck falsch, bzw. welche Rolle hast Du für Chayton in der Serie vorgesehen?

Kai Hirdt: Das stimmt nur zum Teil. Bestimmte Dinge, die ich bei einem anderen Projekt wahrscheinlich geschrieben hätte, gingen bei Jupiter tatsächlich nicht. Beispielsweise hätte Chayton es wahrscheinlich geschafft, die Triebwerke der Station in Gang zu setzen. Aber wegen des bestehenden Bull-Handlungsstrangs musste die Faktorei halt an Ort und Stelle bleiben.

Dennoch: Im Vergleich zum Taschenbuch bewirkt Chayton eine ganze Menge. Er warnt Team Mondra vor einer Falle, er bewirkt Paos überstürzten Aufbruch zum Jupiterkern, er macht die Positronik MERLIN und die Dragoman-Roboter handlungsfähig, er stellt die Waffe her, mit der Mondra am Ende DANAE besiegt.

All diese Handlungselemente gibt es zwar auch im Taschenbuch; aber sie wirken dort alle ein wenig „aus dem Hut gezaubert“, wie unser geschätzter Chefredakteur das manchmal nennt. In der Heftserie sind sie durch Chaytons Wirken vernünftig motiviert. Zudem erhält Chayton als einziger Handlungsträger die Informationen, was die Syndikatsleute mit Jupiters Verwandlung überhaupt erreichen wollen. Damit erfüllt er eine wichtige dramaturgische Funktion, indem der Leser noch ein paar hochrelevante Dinge erfährt.

Abgesehen davon ist der Handlungsstrang autark und enthält einige Wendungen, die keine Auswirkungen auf die anderen drei Hauptthemen haben. Das ist genauso wie bei dem ursprünglichen Text; in der Mitte der Handlungsstränge schlägt jeder Protagonist sich mit seinen eigenen Sorgen herum, um bei einem Ziel anzukommen, das dann wiederum für die Gesamthandlung wichtig ist.

 

Uwe Bätz: Chayton wird durch Pao Ghyss Tau-acht-süchtig und die Droge führt bei ihm zu Empathieverlust. Dennoch will er sich rächen und trägt am Ende dazu bei, dass die Bewohner MERLINS gerettet werden.  Ist jemand, der aller Empathie beraubt wurde, fähig, solche Pläne zu verfolgen?

Kai Hirdt: Mangelnde Empathie bedeutet ja nicht, zwanghaft böse zu handeln. Es heißt nur, den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht zu begreifen. Die Frage, wie Chayton damit umgehen würde, fand ich ungemein spannend. Deshalb ist sein ganzer Handlungsstrang als Entwicklungsgeschichte angelegt.

Er beginnt wie von dir beschrieben als das empathielose Drogenopfer, das nur noch selbstsüchtige Regungen kennt: Selbstmitleid, Gier und Rachsucht. Allein die äußere Konstellation bringt ihn auf die Seite der Guten: Er will sich an den Bösen rächen, die ihm übel mitgespielt haben. Und als Verwandter des großen Perry fühlt er sich durchaus wohl dabei, bei den Guten mitzumachen. Das passt zu seinem vom Größenwahn geprägten Selbstbild.

Dann erkennt er schnell, dass dieses Gut-und-Böse-Ding wohl doch etwas komplexer ist. Als er Pao belauscht, hört er Dinge, die ihn auf intellektueller Ebene zweifeln lassen, ob sein Racheimpuls berechtigt ist. Seine erste Entscheidung auf diesem Weg ist deshalb gar nicht „Gut oder Böse“, sondern die zwischen zwei Drogenwirkungen: Rachsucht oder Größenwahn? Er entscheidet sich, sein Selbstbild als vom Schicksal auserwählter Held zu erhalten. Und damit beginnt das eigentliche Dilemma von Chayton Rhodan während der ganzen Serie: Er beschließt auf rationaler Ebene gut zu handeln, hat aber kein Gefühl mehr dafür, was „Gut“ eigentlich bedeutet.

Das Gespräch mit Porcius beim ersten Zusammentreffen führt ihn weiter in diese Richtung. Porcius sagt leichthin „Es ist nie eine gute Sache, jemanden umzubringen.“ Klingt einfach, ist aber für einen Menschen ohne Empathie alles andere als selbstverständlich. Damit beginnt seine Suche nach Regeln, wie man eigentlich gut handelt. Das ist jedoch in einer Ausnahmesituation wie auf MERLIN alles andere als einfach.

Auf der Suche nach dieser Antwort „Was ist eigentlich gutes Handeln?“ wird Chayton erst Einsiedler, dann erkennt er, dass er mit anderen Menschen interagieren muss. Er wird enttäuscht und betrogen, hält dennoch an seiner Grundsatzentscheidung fest. Bis zu dem Moment, da es hart auf hart kommt, in Heft 10. Das ist sein Entscheidungsmoment: Rettet er selbstsüchtig sein eigenes Leben, oder versucht er gegen jede Wahrscheinlichkeit noch etwas auf MERLIN zu bewegen? Und vor dieser moralischen Herausforderung versagt er. Er handelt hier selbstsüchtig. Ein anderer Weg ist für den drogengeschädigten, empathielosen Charakter nicht möglich.

Äußere Umstände verhindern allerdings seine Flucht. Ab diesem Moment weiß Chayton, dass er todgeweiht ist. Jetzt kann ihm wirklich alles egal sein, für ihn wird es keinen Unterschied mehr machen. Aber genau deshalb kann er eben auch gut handeln, wie es seit Heft 4 sein Ziel ist. Er selbst stirbt ohnehin, aber warum nicht die letzten Stunden nutzen, um andere zu retten? Das wird dann eben doch noch mal heroisch, aber halt erst, als Eigennutz überhaupt keine realistische Option mehr ist.

Insofern begleiten wir Chayton elf Hefte lang durch eine Menge schwierige Konflikte zwischen Eigennutz und Altruismus, Rache und Vergebung, Emotion und Verstand, und er durchläuft dabei eine schwierige Entwicklung mit einigen Rückschlägen, bis er am Ende wirklich in der Lage ist, zu MERLINS Rettung beizutragen. Der Chayton aus Heft 4 hätte nicht tun können, wozu der Chayton am Ende von Heft 10 fähig ist.

 

Uwe Bätz: Vielen Dank für die detaillierten Antworten. Du schreibst für NEO, machst die Comics und zur Miniserie Arkon hast Du auch einen Roman beigesteuert. Was sind Deine nächsten Projekte und wann sehen wir Dich mit einem Roman in der Erstauflage?

Kai Hirdt: Zur Erstauflage ist meine Antwort dieselbe wie immer: Wenn man mich fragt, werde ich bestimmt nicht ablehnen. Für den Vereiste-Galaxis-Zyklus jedenfalls bin ich nicht eingeplant.

Aber ich langweile mich ja auch so nicht. Im Augenblick habe ich Comicband 4 fertig gelettert, mit dem Zeichner das Skript zu Band 5 durchgesprochen und das Skript für Band 6 vor der Brust. Außerdem schreibe ich weiterhin zwei NEOs pro Staffel.

Ob ich bei der nächsten Miniserie dabei bin, weiß ich noch gar nicht. Zumindest eine kurze Pause, bei der ich nicht auf allen Hochzeiten tanze, wäre ganz erholsam. Bei Jupiter musste ich ja ein halbes Jahr lang alle zwei Wochen ein Manuskript abgeben; und selbst die Hefte, in denen ich nur sehr wenig angepasst oder dazu geschrieben habe, haben jeweils mehrere Tage Arbeit verursacht, weil ich sie mehrfach gründlich lesen und analysieren musste, welche Auswirkungen sie auf die jeweils anderen Handlungsstränge haben und welche Informationen der Leser dort erhält. Oder eben auch, welche Informationen immer noch fehlen und deshalb an anderer Stelle eingebaut werden müssen. Damit stand ich sechs Monate unter Dauerstrom. Das Hirn jetzt eine Weile zu entkrampfen, wäre nicht verkehrt.

Ganz abgesehen davon habe ich ein paar Dinge auf meiner Liste, die ich gerne schreiben würde, die nichts mit PERRY RHODAN zu tun haben. Dafür war im letzten Jahr keine Zeit; es wäre aber schön, wenn ich ein oder zwei davon im Jahr 2017 angehen könnte. Davon ist allerdings noch nichts soweit spruchreif, dass ich das jetzt schon verkünden könnte.