Ansichten zu Perry Rhodan Jupiter Heft 02

PR_Jupiter02Das Artefakt von Ganymed – von Hubert Haensel/Kai Hirdt – Handlung:

Die Lemur-Archäologin Kateen Santoss ist zum Jupiter-Mond Ganymed gereist. Viele Jahre waren ihre Eltern dort auf der Suche nach Hinterlassenschaften der Lemurer. In der letzten Nachricht sprach ihr Vater von einer bevorstehenden Entdeckung. Nur kurze Zeit später verglühte das kleine Schiff von Kateens Eltern in der Jupiteratmosphäre. Kateen Santoss hat sich ihre eigene berufliche Laufbahn durch unüberlegte Aktionen zum Teil verbaut. Nur als Touristin hat sie noch die Chance, auf Ganymed Forschungen zu betreiben. Da der Mond inzwischen zu einem begehrten Skiparadies avanciert ist, hat Kateen Santoss eine Reise gebucht. Bei einem Ausflug ihrer Gruppe in das Land zwischen Galileo City und der Ovadja Regio kommt es zu ungewöhnlichen seismischen Aktivitäten. Die Lemur-Archäologin reagiert besonders intensiv auf die Ereignisse. Sie bekommt starke Kopfschmerzen und scheint gewisse Dinge zu spüren, die sich da entwickeln.

Zur gleichen Zeit, es ist Anfang Februar 1461 NGZ, ist Chayton Rhodan noch immer in einem Labor von MERLIN gefangen. Die Chefwissenschaftlerin Anatolie von Pranck führt abscheuliche Entzugsexperimente an ihm durch. Neben Chayton sind noch mehrere andere Tau-acht-Süchtige inhaftiert. Chayton Rhodan schmiedet Fluchtpläne. Er bekommt eine Chance, als von Pranck überraschend von Faktoreichef Oread Quantrill gerufen wird. Für ein bestimmtes Ereignis, das am 02. Februar eintreten soll, will die Wissenschaftlerin ihre Versuche aussetzen. Dabei begeht sie einen Fehler. Eine kleine Positronik mit ihren Aufzeichnungen und einem Vorrat an Tau-acht wird nicht ausreichend gesichert. Per Stimmautorisierung kann Chayton Rhodan Zugriff auf das Gerät nehmen. Eine Gefangene mit geringen telekinetischen Kräften kann die Droge durch die Lüftung in die Zelle bugsieren. Mit den durch den Kristallstaub ausgelösten Parakräften befreien sich die Gefangenen. Allerdings kann der Sicherheitsdienst die Gefangenen ausschalten. Nur Rhodan gelingt die Flucht mit dem Gerät der Wissenschaftlerin in die Lüftungsschächte der Station.

Am Abend des 2. Februars will sich Kateen Santoss in der Bar ihres Hotels vergnügen. Wieder hat sie starke Kopfschmerzen. Als ihre Desorientierung schlagartig verschwindet, erschüttern Beben die Anlage. Auch ihren Begleitern fällt nun auf, dass es zwischen ihrem Unwohlsein und den Ereignissen auf dem Mond einen Zusammenhang geben muss. In der Ovadja Regio ist das Eis aufgebrochen und hat unbekannte Objekte freigelegt. Sofort macht sich die Lemur-Archäologin auf den Weg dorthin. Auch andere Touristen folgen ihr. Viele denken an einen Gag zur bevorstehenden 3000-Jahr-Feier von Galileo-City. Am Zielort wird das Artefakt inzwischen von Robotern abgeschirmt. Mehrere versetzt übereinandergestapelte Würfel aus einem unbekannten Material türmen sich etwa 150 Meter hoch auf. Wobei der größte Würfel an der Spitze thront. Kateen Santoss kann dennoch zum Artefakt vordringen und fühlt sich in der Nähe der Würfel wohl.

Auf Terra sind Reginald Bull, Perry Rhodan und Mondra Diamond über das Artefakt informiert. Die Altersdatierung ist ungenau. Zuerst wird das Objekt auf 200.000 Jahre geschätzt. Später auf 175.000 Jahre. Lemurisch kann das nicht sein. Sie kennen auch Homer G. Adams Berichte über das Kristallfischer-Syndikat, das in den vergangenen Jahren erstaunliche Investitionen getätigt hat. Woher das Geld stammt, ist unklar. Sie vermuten jedoch Drogen hinter den Geschäften. Reginald, Perry und Mondra fliegen zum Ganymed.

Auf MERLIN ist Chayton Rhodan seit zwei Tagen auf der Flucht. Inzwischen hat er sich in die Aufzeichnungen der Wissenschaftlerin gehackt. Deren Untersuchungen fördern Grauenvolles zu Tage. Sein Wunsch, an die Droge Tau-acht zu gelangen, könnte tödlich für ihn enden. Anatolie von Pranck hat festgestellt, dass die Probanden nach dem Entzug bei jeder neuen Dosis sterben werden. Die Droge führt zu Empathieverlust und die Drogensüchtigen entwickeln eine hohe Aggression. Chayton Rhodan steckt in der Zwickmühle. Endlich kann er auf Tau-acht zugreifen, aber die nächste Dosis wird seine letzte sein.

 

Rezension:

Im zweiten Teil der Jupiter-Serie werden mehrere Handlungsstränge verfolgt. Mit Chayton Rhodan werden die Ereignisse aus Band 1 direkt fortgesetzt. Alle anderen Handlungen sind hingegen neu oder verknüpfen sich nur lose mit dem Auftaktband.

Chayton und seine Mitgefangenen werden zu Versuchszwecken gefoltert. Er und die anderen sind auf Entzug. Die geschilderten Emotionen sind glaubwürdig, auch die opportunistischen Gedanken oder Handlungen der Gefangenen. Die Gefühlskälte, die Chayton nicht nur an den anderen Personen sondern auch an sich selbst beobachtet, wird erst nach und nach enträtselt. Durch die Einnahme von Tau-acht kommt es zu einem Empathieverlust. Entsprechend gefühlskalt zeigen sich die Gedanken von Chayton Rhodan. Und doch zeigt die Figur einige Empfindungen, die, auch wenn sie hartherzig sind, zeigen, dass er noch nicht alles verloren hat. Ich bin gespannt, wie es mit Chayton weitergeht.

Eine weitere Handlung widmet sich dem Titel des Romans. Das Artefakt von Ganymed steht im Mittelpunkt dieses Geschehens und wird aus der Perspektive der Lemur-Archäologin Kateen Santoss entdeckt. Die Einführung der Figur und der Schlussteil mit der Untersuchung des Artefakts können überzeugen. Der Mittelteil ist deutlich zu lang geraten. Natürlich soll durch die Figur auch etwas von dem Umfeld ihres Besuches auf Ganymed vermittelt werden. Diverse Freizeitaktionen und Gadgets werden beschrieben und erzeugen eine vielfältige Kulisse. Leider wurde versäumt, der Figur mehr Tiefe zu verleihen. Wir erfahren fast nichts über die Person Kateen Santoss. Es gibt nur wenig charakterisierende Textstellen. Außerdem wird sie als Archäologin bezeichnet. Auch hier bleibt völlig unklar, welche Fähigkeiten oder Erfahrungen sie dafür mitbringt.

Die Einführung der drei Unsterblichen auf der Erde, die sich zum Ganymed begeben, ist für meinen Geschmack auch etwas zu breit ausgefallen. Zwar ist es schön, hin- und wieder mal etwas über die Hobbys der Hauptfiguren zu erfahren, aber in den diversen Gesprächen wird mir eine Spur zu häufig auf Ereignisse aus der Vergangenheit des Solaren Imperiums oder gar des Aufbaus der Dritten Macht eingegangen. Immerhin war mit dem Erscheinen des Objekts auf dem Jupiter-Mond bereits ein Verdacht hinsichtlich eines lemurischen Artefakts eingebracht worden. Die zahlreichen anderen Ereignisse aus den Erinnerungen der Unsterblichen korrelierten nur wenig mit den aktuellen Geschehnissen. Für die erwähnten Zeitdatierungen waren die anderen Reminiszenzen eher unnötig.

Im zweiten Band verliert die Geschichte etwas an Fahrt, bleibt allerdings flüssig zu lesen und kann die Spannung für den folgenden Band aufrechterhalten.

 

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