Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2866

PR_2866Die Finale Stadt: Turm – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Atlan und seine Gefährten sind auf dem Weg in den vierten Teil der Finalen Stadt, den Turm. Der Pensor hat die Gruppe mit einer Kutsche abgeholt. Mit dem eigentümlichen Gefährt geht die Reise durch wechselnde Landschaften oder vielmehr unterschiedliche Realitäten. Der Pensor bezeichnet seine Para-Fähigkeit der Steuerung als die eines Movationsinjektors. Ansonsten ist der Kutscher recht wortkarg. Der Turm, so teilt er mit, hat keine messbare Ausdehnung. Der Turm wird sich den Gästen anpassen, um für ihre Sinneswahrnehmungen fassbar zu sein. Die Kutsche nimmt eine letzte Hürde, dann haben sie ihr Ziel erreicht. Ecke Grand Central und 42nd Street in New York City.

Die Fahrt endet mitten in geschäftigem Treiben. Menschen strömen aus U-Bahn-Stationen, gehen einkaufen, besuchen Lokale, Taxis hupen und Lastwagen liefern Waren. Nach und nach erkennt Atlan Unterschiede. Alles wirkt wie im Jahr 1955. Aber es gibt architektonische Unterschiede. Manche Gebäude scheinen aus späteren Epochen zu stammen. Und auch Außerirdische bevölkern die Straßen, davon viele, die Atlan auf seiner Suche in den Jenzeitigen Landen bereits kennengelernt hat. Eine Terranerin namens Pamela Bess stellt sich als ihre Planwalterin vor und tourt sie durch die Stadt.

Der Konglomerierte Bacctou ist nach seinen Niederlagen angeschlagen. Das Sediment Irrlicht soll den Erfolg bringen.

Pamela Bess gibt an, dass der Atope Julian Tifflor die Menschen bei einer seiner Missionen hierhergebracht hat. Obwohl Atlan Zweifel an dieser Realität hat, lädt er Pamela Bess zu einem Essen ein. Vorher will sie jedoch die Werft zeigen, in der die MOCKINGBIRD gebaut wird. Es ist Tifflors Richterschiff und es wird retrograd gebaut. Er besitzt das Schiff seit ewigen Zeiten oder wird es einmal besitzen. Bei seinen Missionen in der Vergangenheit meldet Tifflor Bedürfnisse seines Schiffes, die beim Bau berücksichtigt werden, so dass die MOCKINGBIRD bereits modifiziert zu ihrer Mission aufbricht. Die beiden Geniferen Lua und Vogel sind von Anfang an fasziniert von dem im Bau befindlichen Schiff. Mit ihren speziellen Sinnen erfassen sie den besonderen Charakter des Schiffes. Atlan hingegen ist ungeduldig. Endlich erhält er eine Einladung zum Treffen mit Tifflor für den nächsten Tag. Er verlässt die Baustelle und verbringt den Abend und die Nacht mit Pamela Bess.

Die beiden Jugendlichen setzen mit der insektoiden Optimierungsingenieurin Zykpyvarra die Besichtigung fort. Mit ihren Geniferensinnen spüren sie bei einem internen Transportsystem, den Schwerelos-Transmittern, eine Abweichung. Mehr noch, Lua und Vogel sind überzeugt, dass es sich um Sabotage handelt. Die Abweichung wird korrigiert aber von Sabotage will Zykpyvarra nichts wissen. Lua und Vogel lernen BIRD kennen, das erwachende Bordgehirn des Richterschiffes. Und beide spüren, dass sie nur deshalb die Besichtigung bekommen, weil die dem Schiff zukünftig angehören sollen. Beim Gestalten der Wohnräume der Besatzung kommt es zu einem weiteren Zwischenfall. Ein Roboter greift Zykpyvarra an und verletzt sie schwer. Lua und Vogel können sie retten, sind aber nur kurze Zeit später erneut das Ziel eines Angriffs.

Am nächsten Morgen erwacht Atlan an der Seite der Planwalterin. Die Wohnung sieht anders aus, als er es von Pamela Bess erwartet hätte. Atlan spürt die Gefahr und tatsächlich greift ihn Pamela Bess an, die nun auch ihr Äußeres verändert hat. Als Atlan zu unterliegen droht, kommt ihm der Staub des Bacctou zu Hilfe, der sich an seinem Zellaktivator angelagert hatte. Er bringt den Gegner zum Schrumpfen und vernichtet ihn letztendlich. Atlan findet in der Wohnung die ermordete echte Pamela Bess und Tifflor lässt ihn abholen. In einem Hochhaus in der 5th Avenue trifft Atlan den alten Freund, der sich merklich verändert hat. Er ist älter geworden, mit weißen kurzen Haaren und trägt eine Brille. Für Tifflor sind Jahrzentausende vergangen, seit sie sich gesehen haben. Tifflor zufolge hat der Bacctou im Auftrag des Matan Addaru gehandelt. Allerdings hat der Matan eine Art Sicherheitsventil im Konglomerierten Bacctou installiert. Der Staub hat verhindert, dass Atlan getötet wurde. Tifflor kennt nicht alle Schliche seines Atopenkollegen, aber Atlan sollte wohl nur festgehalten werden. Atlans Ansinnen, mit Thez in Kontakt zu kommen, lehnt Tifflor ab. Aber der Arkonide kann mit Glossberc sprechen, der sich in das Äußerste des Turms, zum Atopischen Proximus, zurückgezogen hat.

Atlan erfährt durch Tifflor, dass der Fauthe Than, eine Botschaft in Atlan, eine Hieroglyphe, entdeckt hat. Auch Perry Rhodan soll eine solche Botschaft in sich tragen. Atlan kann nicht mit Thez sprechen, weil Thez verblasst sei. Er könne jedoch sein Anliegen beim Kongress der Fauthen vortragen, dem bestimmenden Gremium der Finalen Stadt. Er wird dort auch Matan Addaru treffen, der ebenfalls auf dem Weg zum Kongress ist.

Tifflor wird informiert, dass in der Werft ein Zwischenfall eingetreten ist. Er steckt eine Schachtel ein und lässt sich mit Atlan zusammen vom Pensor in die Werft bringen. In der Werft klaffen zwei Risse, die alle Gerätschaften in Nichts auflösen, sobald sie damit in Berührung kommen. Der Feind ist schnell ausgemacht. Es ist eine Exuvie, eine Haut von Matan Addaru. Lua und Vogel sind verletzt und nicht ansprechbar. Der Pensor kämpft mit seinen Parakräften gegen die Haut und schleudert sie aus der Finalen Stadt, aus der Veste Tau hinaus in den Brei. Lua und Vogel geht es schlecht. Ihre ÜBSEF-Konstanten sind miteinander verschränkt worden. Die Ärzte der Finalen Stadt sind ratlos. Tifflor hat eine Lösung. Er gibt seinen Zellaktivator her, den er in einer Schachtel mitgebracht hat und den er nach eigenen Bekunden nicht mehr benötigt, da er auf andere Weise unsterblich ist. Der Chip rettet die beiden, die nun gemeinsam unsterblich sind und sich nicht weit voneinander trennen dürfen.

Bevor sich Atlan und Tifflor auf den Weg zum Atopischen Proximus machen wird dem Arkoniden noch etwas zuteil, das auch Perry Rhodan erlebte. Er wird mit dem Vigintilliardengesicht konfrontiert. Atlan soll im Atopischen Proximus, der auch der See der Fauthen genannt wird, mit Vermittlung der Fauthen, mit Thez sprechen. Er ist am Ende seiner Reise.

 

Rezension:

Die Finale Stadt: Letzter Teil. Auch Turm genannt. Doch ähnlich wie schon beim Hof hat dieser Namensbestandteil eine geringere Bedeutung erlangt, als man es von den vier Heften um die Finale Stadt erwarten konnte.

Atlan ist also am Ende seiner Reise. Nach der Milchstraßenebene folgt noch die Audienz bei Thez. Oder auch nicht! Dazu sind die Geschehnisse, die Autor Michael Marcus Thurner zum Abschluss dieser vier Bände beschreibt, zu unbestimmt geraten. Einmal heißt es da, dass Atlan nicht mit Thez sprechen könne, da Thez verblasst sei. Er könne stattdessen mit dem Fauth Glossberc sprechen, der sich in den Atopischen Proximus zurückgezogen hat. Dann wieder wird Atlan von Tifflor zum Kongress der Fauthen eingeladen, dem bestimmenden Gremium der Finalen Stadt. Schließlich treten Atlan und Tifflor die Reise zum Atopischen Proximus an, der auch der See der Fauthen genannt wird. Dort soll er nun doch mit Thez sprechen können, die Fauthen würden vermitteln.

Ich bin verwirrt. Welchen Ort sucht Atlan nun auf? Den Kongress der Fauthen, zu dem auch der Atope Matan Addaru unterwegs ist? Oder den Atopischen Proximus, wo sich ein einzelner Fauth namens Glossberc aufhalten soll? Wenn die Fauthen (Mehrzahl) vermitteln würden, warum wird dann geschildert, dass nur ein einzelner Fauth dort sei, der Fauth Glossberc? Kann Atlan nun mit Thez sprechen oder nicht? Und welche Rolle spielt der Atopische Hof? Wir erinnern uns. Als Atlan und Tifflor in die Jenzeitigen Lande kamen, war diese Institution das erklärte Ziel ihrer Bemühungen. Hat Julian Tifflor dieses Ziel erreicht?

Ist der Atopische Hof ein Bestandteil der Finalen Stadt oder ist er die Finale Stadt? Der Vorgängerroman, der ja immerhin an einem Ort spielte, der Hof hieß, brachte keine Aufklärung. Mit Band 2850 hieß es, dass am Atopischen Hof die Richter bestellt würden und der Atopische Hof beweglich sei und Atlan Glück hätte, dass der Atopische Hof in diese Insel der Hiesigkeit, in die Veste Tau, eingezogen sei. Warum Tifflor im Lehen des Matan Addaru sein Domizil aufgeschlagen hat ist schon merkwürdig und wird ebenfalls nicht geklärt. Und wie schon im letzten Heft gefragt, warum macht man sich diese Mühe mit Atlan? Wenn, außer dem Matan, offensichtlich niemand etwas dagegen hat, dass der Arkonide zu einem Gremium Zugang erhält, den Atopischen Hof, den Atopischen Proximus, den Kongress der Fauthen oder was auch immer, dann hätte ein Fingerschnippen oder ein Handwedeln genügt.

Apropos Handwedeln. Im Roman der Vorwoche konnte Oliver Fröhlich noch eine Portion Humor in seinen Roman packen, als es darum ging eine Lösung von Thez´ „Umdenken“ zu präsentieren. Der Autor hatte mit einem ironischen Seitenhieb auf seine Leser das Handwedeln, mit dem Thez seine Inseln und Anderes angeblich schafft, mit einer besonderen Technologie erklärt. In diesem Roman ist das bereits wieder vergessen. Nicht nur der Pensor wedelt beständig mit der Hand, auch die Szenarien werden herbei- oder fortgewedelt, dass es eine wahre Pracht ist.

Ich hatte mich sehr auf diesen Viererblock (ups, böses Wort) gefreut. Die Milchstraßenebene mit den Tiuphoren sagte mir nicht zu und Atlans Erlebnisse, wenngleich sehr breit erzählt, boten da eine willkommene Abwechslung. Dazu der Begriff „Finale Stadt“, der Erwartungen schürte. Nach den vier Bänden macht sich Ernüchterung breit. Schon nach dem dritten Teil hatte ich ein Resümee gezogen. An meiner Einschätzung hast sich nicht viel geändert. Die Geschichte lebt nicht. Es ist eine bloße Aneinanderreihung von phantastischen Szenen und Orten. Aber es fehlt an etwas Lebendigen, an etwas, dass das Ganze verbindet. Es fehlt an einem Aufbau, der dem Protagonisten einen Erkenntnisgewinn bringt, einen, den er sich selbst erarbeitet. Stattdessen wird Atlan nur durchgewedelt, ähem. durchgewunken. Inzwischen sind selbst die Ziele von Atlan unklar geworden oder werden unklar beschrieben. Atlan ist nicht der Einzige, der den Durchblick verloren hat. Auch der Autor kämpft mit dem Stoff und trägt mehr zum Wirrwarr bei, als dass er Lösungen bietet.

Den Handlungsorten und Figuren fehlt etwas. Alles und Jeder ist nur noch Faksimile. Jede Frage nach der Realität wird mit Ausflüchten beantwortet, und selbst die Ausflüchte werden noch verklausuliert. In den Jenzeitigen Landen ist nicht nur das Wissen des gesamten Universums angehäuft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen keine Rolle mehr. Raumschiffe werden gebaut, obwohl sie längst im Einsatz sind. Ursache und Wirkung werden vertauscht, bzw. gibt es keine Kausalketten mehr. Das Szenario ist derart abgehoben, dass es nicht mehr händelbar ist und die Geschichten der Autoren darunter leiden. Es gibt Ansätze, die verfolgt werden, um die phantastischen Elemente nicht zu übermächtig erscheinen zu lassen. Es werden Bilder aus dem Hier und Jetzt eingeflochten. New York, Hochhäuser, Freiheitsstatue, bekannte Straßennamen und dazwischen Figuren mit Gefühlen, wie Neid, Eifersucht, Neugierde und Liebe. Mit diesen Empfindungen kann der Leser etwas anfangen. Doch diese Ansätze sind nicht an das übrige Setting angepasst und entfalten keine Wirkung.

Die Unsicherheit der Autoren mit diesem Stoff wird über handelnde Figuren, hier Atlan, an die Leser transportiert. Die Geschichten in den Jenzeitigen Landen sind gespickt mit Darstellungen, die zweierlei ausdrücken: Hilflosigkeit und die Absicht, die Fragesteller dumm zu halten. Da werden schon mal Sätze wie dieser hier reingesetzt: „Für Geschöpfe mit monopolarer Realität ist das schwer zu erfassen. Die Textur der Raumzeit auf den Inseln der Hiesigkeit ist mit dem Realitätsgewebe des untergegangenen Universums zwar verwandt aber nur weitläufig.“ Aha!

Andere Versuche, die Leser mitzunehmen scheitern ebenso gnadenlos. Tifflor, der Jahrmillionen-Mensch ist den Autoren bereits vor vielen Jahren entglitten. Die Versuche Michael Thurners das „menschliche“ in Tifflor zu suchen und darzustellen, wirken kindisch. Nach „Jahrzehntausenden“ (!) trifft Tifflor seinen Freund Atlan. Sie essen eine Pizza und alles wird gut! „Die Menschlichkeit besitzt eine enorme Beharrungskraft“ legt Thurner seiner Figur Atlan bei dessen Gespräch mit dem Atopen Tifflor in den Mund. Als würde damit der Werdegang Tifflors erklärt! Was der Autor hier schreibt, ist nur eine Phrase, Thurner macht sich gar nicht erst die Mühe, diesen Satz zu erläutern. Er kann es nicht!

Ein enttäuschendes Finale in der Finalen Stadt!

2 comments on “Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2866

  1. A. Fischer

    Es ist jetzt etliche Jahre her, trotzdem möchte ich festhalten, dass es mir ging wie Ihnen. Der ganze Atopen-Zyklus war m.E. nichts als eine Diashow. Die Autoren sprühten vor fantastischen Ideen über, konnten diese aber nicht zu einer in sich schlüssigen Geschichte verbinden. Ich weiß immer noch nicht, was das Vigintilliardengesicht ist. Dafür wissen wir, warum wie nie gehört haben, was Atlan hinter den Materiequellen erlebt hat. Die ursprüngliche Autorengeneration verstand, dass man diese ins Transzendente abgleiteten Elemente mit Fingerspitzen anfassen muss. Hingegen war das Atopenthema von vornherein aufs Abgleisige ausgelegt, das Scheitern vorprogrammiert. Die ganze Rahmenhandlung war zu überdreht, zu unfassbar; und damit war der Großzyklus von Tag 1 an verloren. Es war alles Fassade, und nichts dahinter.

    1. Uwe Bätz

      Puh, meine Rezension zu diesem Roman schrieb ich vor fast zwei Jahren und erinnerte mich gar nicht mehr so richtig. Aber ja, damals habe ich was „rausgehauen“, weil ich insbesondere mit dem Viererblock um die Finale Stadt haderte. In meinem Zyklusfazit (Teil 1 vom 20.09.2016 und Teil 2 vom 23.09.2016) habe ich dann aber auch noch die positiven Seiten des Zyklus herausgestellt.

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