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Ansichten zu PR 2680

Aufbruch der Unharmonischen – von Arndt Ellmer – Handlung:
In der Vergangenheit wurde die Galaxis Escalian von der Armada der Ahls angegriffen. Die Zentralflotte der Herzöge hatte den Angreifern zunächst nichts entgegenzusetzen. Denn den Angriffen ging eine Technowoge voraus, die alles elektronische und positronische Gerät lahmlegte. Einzig das Haus Trazyn konnte Widerstand leisten. Auf der Hauptwelt des Herzogtums gedieh das Syrr-Geflecht, ein halb animalisches Gewächs, das in alle Lebensbereiche dieses Zweigvolks der Lirbal Einzug gehalten hatte. Die damit ausgestatteten Rechner, Energieträger und Raumschiffe waren immun gegen die Technowoge. Die Syrr-Barken des Herzogtums Trazyn konnten die Ahls zunächst schwächen und schließlich in einem entscheidenden Kampf besiegen.
Die Familie Trazyn gewann zunächst an Einfluss in Escalian, allerdings lehnten es die Mitglieder des Hauses Trazyn auf Geheiß ihres Herzogs Mauren Trazyn ab, einen Splitter der Superintelligenz TANEDRAR in sich zu tragen. Diese Abkehr von den Zielen der Harmonie machte das Haus Trazyn über die Jahre zu einem Außenseiter in Escalian. Der politische Einfluss bröckelte und immer weniger Häuser wollten Geschäfte mit den Trazyn abschließen. Als der Sohn des Herzogs schließlich an der Macht ist, wird das Haus Trazyn zu Jyresca, zu Unharmonischen erklärt. Das Trazyn-Geschlecht flüchtet und vernichtet vorher das Syrr-Geflecht auf der Heimatwelt. Auf einer entlegenen Welt, der Wachtwelt Jyrescabat, richten die Unharmonischen ihre Basis ein und leisten fortan Unterstützung für alle Jyresca Escalians. Als es zu einem Massaker von Harmonischen an Unharmonischen kommt, beginnt der Widerstand, der bislang unbewaffnet auftrat, sich mit Waffen und Raumschiffen aufzurüsten.
In der Gegenwart wird der Widerstand von Merveres Draupadi geführt. Der Vertreter Carmydea Yukks, der seit einiger Zeit von Albträumen geplagt wird, hat lange nichts von der Herzogin gehört. Dem Widerstand ist allerdings nicht verborgen geblieben, dass starke Flottenkontingente der Harmonischen sich an der Anomalie sammeln. Die lang befürchtete Invasion des unbekannten Gegners scheint unmittelbar bevorzustehen. Vom Schauspielpalast gibt es auch ein Lebenszeichen der Herzogin. Die Nachrichten sind allerdings unklar. Womöglich wurde Carmydea Yukk umgedreht und arbeitet jetzt für die Harmonischen. Auch der Widerstand macht mobil. Angesichts der Bedrohung von außen, will der Widerstand die Gunst der Stunde nutzen und Kanzler Vedikk seine Forderungen diktieren. Die bisherige Wachtwelt Jyrescabat wird aufgegeben und ein anderer Planet als Jyrescabat eingerichtet. Diese Maßnahme ist erforderlich, da befürchtet wird, Carmydea Yukk könnte die Flotte der Harmonischen zum Versteck der Jyrescaboro führen.
Unterdessen ist Carmydea Yukk mit Pridon und dem Rest der Besatzung der SHEYAR an Bord der GARRAN unterwegs. Sie soll im Auftrag TANEDRARS Kontakt zu den Unharmonischen suchen und zwischen ihnen und der SI vermitteln. An Bord der GARRAN schlägt ihr offenes Misstrauen entgegen. Sie wird verhört. Um sich freier bewegen zu können, nutzt sie den Escaloor, der das Vorhandensein eines Escaran simuliert. Carmydea Yukk leidet unter Albträumen, in denen sie zumeist das verzerrte Gesicht ihres Bruders sieht. Sie verzögert den Flug, um die Harmonischen nicht nach Jyrescabat zu führen. Der GARRAN wird über Funk ein Treffpunkt mitgeteilt. Carmydea Yukk und Pridon wechseln mit den Unharmonischen auf ein Schiff des Widerstands. Über Umwege gelangen sie zum neuen Stützpunkt der Jyrescaboro. Merveres Draupadi verhört die Herzogin und setzt sie als Anführerin des Widerstands ab.
Auf Jyrescabat mehren sich die Albträume unter den Mitgliedern des Widerstands. Es wird Alarm gegeben. Auf den Wänden der Zufluchtsstätte zeigen sich Gesichter. Die Unharmonischen geraten unter fremden Einfluss. Carmydea Yukk erkennt mit ihren letzten klaren Gedanken, dass sie über die Gerätschaften Sholoubwas, den Escaloor und den Esca-Jyrlant manipuliert werden. Dann gerät auch die Herzogin unter dem Einfluss und ruft zum Kampf für QIN SHI auf.

Rezension:
Die Ereignisse des vorliegenden Romans von Arndt Ellmer knüpfen an Heft 2643 an. Somit sind 37 (Lese)Wochen seit dem Aufbruch Carmydea Yukks vergangen. Dem Konflikt zwischen Harmonischen und Unharmonischen Bewohnern (Jyresca) Escalians kam in den bisherigen Romanen dieser Zyklusebene eine hohe Bedeutung zu, insofern überrascht es nicht, dass die Ereignisse jetzt einem Höhepunkt entgegenstreben. Störend wirkt allerdings der große zeitliche Abstand. Der Autor hat sichtlich Mühe, die damaligen Ereignisse aufzugreifen, ohne zu häufig auf Wiederholungen zurückgreifen zu müssen.
Arndt Ellmer bleibt sich seinem Stil treu und versucht in jede noch so kleine oder harmlose Situationsbeschreibung ein dramatisches Element einzubauen. Würde man nur einzelne Kapitel lesen, bekäme man den Eindruck, das ständig Action herrscht. Tatsächlich entpuppen sich die meisten Aktionen als heiße Luft. Auch die Namensgebung mutet zuweilen skurril an, beispielsweise wenn der alte Palast der Trazyn, der in einem Mondkrater versteckt wurde, vom Autor als Kröte bezeichnet wird.
Einige Inhalte der Geschichte haben sich mir nicht erschlossen. Beispielsweise die detaillierte Schilderung von Draupadis Albtraum, der eher ein Rückblick war, als die Wiedergabe eines (Alb)Traums oder die psychologische Untersuchung von Carmydea Yukk an Bord der GARRAN. Welchem Zweck diente die Untersuchung mit einer Hypnose, in der die Herzogin schläft aber dennoch gefesselt werden musste? Auch die Beschreibungen beim Aufbruch der Unharmonischen von der Zufluchtswelt Jyrescabat waren von Hektik geprägt und in manchen Textpassagen war mir trotz mehrmaligen Lesens nicht ganz klar, was eigentlich passiert. Ebenso umständlich wird Carmydea Yukks Flug zu den Jyresca geschildert. Auf der neuen Zufluchtswelt der Jyresca angekommen, wird der Herzogin Misstrauen entgegengebracht. Das ist ja noch verständlich. Unverständlich ist jedoch, dass Carmydea Yukk lange Zeit nicht versucht, die Geschehnisse an Bord des Schauspielpalasts zu erklären. Auch ihren Auftrag von der SI TANEDRAR spricht sie selbst lange nicht an. Der Autor hält den Konflikt zwischen Yukk und Draupadi völlig unnötig und künstlich am Leben.
Der eigentlichen „Aufgabe“ des Romans, nämlich die Schilderung der Unharmonischen als eine Art fünfte Kolonne der Superintelligenz QIN SHI, widmet sich der Autor nur widerstrebend. Natürlich ist es ein kleiner Paukenschlag am Romanende, wenn plötzlich die Unharmonischen, durch die Geräte des Konstrukteurs Sholoubwas beeinflusst, dem Herrn der Gesichter begegnen und dessen Einfluss erliegen. Es wäre nur schön gewesen, wenn uns der Autor bis zu diesen finalen Punkt „mitgenommen“ hätte, mit seiner Geschichte.