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Ansichten zu PR 2678

Das Windspiel der Oraccameo – von Michael Marcus Thurner – Handlung:
Wörgut Gooswart ist Kriegsminister der Oraccameo. Auf einer abgelegenen Welt hat er ein Geschöpf namens Maran Dana Fogga gefunden und es zu seinem Berater gemacht. Der analytische Verstand Foggas soll ihm beim Aufstieg an die Spitze der Oraccameo helfen. Fogga ist eine seltsame Kreatur, der die Welt aus kultureller Sicht betrachtet. Alles ist für ihn Schauspiel, Dichtung und Tanz. Eines Tages wird Gooswart von Tion Youlder, dem Obersten Herrn seines Volkes eingeladen, einer Hinrichtung beizuwohnen. Die Exekution der Delinquenten erfolgt mit einem neuen Gerät. Die drei Oraccameo werden entleibt. Das Gerät entzieht ihren Körpern jede Lebensenergie, die Bewusstseine können gespeichert werden.
Nach der Hinrichtung trifft der Kriegsminister auf Cofirazi Marturia, dem Ethik-Minister und einem seiner Widersacher beim Kampf um die Höchste Position im Reich der Oraccameo. Die beiden Minister werden zu Tion Youlder bestellt. Der Oberste Herr lebt streng abgeschirmt von Energiefeldern in einem Teil seines Raumschiffs, der Sicherheitstonne und bewacht von den Falciden. Youlder plant die Herstellung von Kollektoren, um ganze Planeten zu entvölkern. Mit den gefangenen Bewusstseinsinhalten soll experimentiert werden, ob sie sich verschmelzen lassen, um ein Geistwesen zu bilden. Der Oberste Herr möchte, auch für sich selbst, Unsterblichkeit für die Oraccameo erlangen.
Youlder ist von Fogga beeindruckt und lädt ihn mehrmals zu einem Treffen ein. Foggas Halter Gooswart sieht darin eine Chance mehr über den Obersten Herrn zu erfahren. Tion Youlder seinerseits ist nicht entgangen, dass sein Kriegsminister grenzenlosen Ehrgeiz entwickelt, um an die Spitze des Reiches zu gelangen. Auf der schwach besiedelten Welt Tairmino wird ein neues Experiment mit dem Entleibungsgerät gestartet. Maran Dana Fogga und sein Halter Wörgut Gooswart sind an Bord der ZACKENGUT Zeuge des neuerlichen Versuches. Mehr als 300.000 Wesen werden getötet. Die aufgenommene Energie sprengt die Kollektoren. Die Beobachter verspüren den Hauch einer Berührung, als sich die Geistesenergie schlagartig verflüchtigt. Cofirazi Marturia nutzt den Fehlschlag für eigene Propagandazwecke aus.
Kriegsminister Gooswart hat nicht nur die Macht im Blick. Seine Hauptaufgabe ist der Krieg gegen die Kuippri. Ihre Larvenschiffe bringen die Sporen diese Volks auf unzählige Welten, wo sie sich rasch vermehren. Die Kuippri sind kurzlebige Wesen, die sich in den wenigen Wochen ihrer Existenz einem Rausch der Vernichtung hingeben. Unterstützt werden die Kuippri von einer Roboterzivilisation, die dem Schwarmvolk Schiffe zur Verfügung stellt. Trotz vieler militärischer Erfolge gegen die Kuippri gerät Wörgut Gooswart unter Druck. Mit Hilfe Foggas gelingt es, Kuippri-Flotten ins Tairmino-System zu locken. Bei den Kämpfen werden auch die Spuren des fehlgeschlagenen Experiments vernichtet und der Ethik-Minister steht ohne Beweise da. Maran Dana Fogga spinnt immer weitere Intrigen, um seinen Halter und sich selbst voranzubringen.
Youlder ist von Gooswarts Vorgehen angetan, sagt ihm allerdings auf dem Kopf zu, dass sie nie Freunde werden. Gooswart schlägt Youlder vor, dass Fogga die Entwicklung der Kollektoren vorantreiben soll und der Oberste Herr geht darauf ein. Jahre später, Tion Youlder ist mittlerweile ein Greis, findet ein neuerliches Experiment statt. Eines der Erkenntnisse ist, dass erst ab einer bestimmten Masse ein Geistwesen entstehen kann. Tion Youlder scheint den neuerlichen Fehlschlag nur schwer zu verkraften. Und Fogga nutzt die Gunst der Stunde, um auf politischer Ebene weiter zu intrigieren. Die Kuippri sollen stärker geredet werden als sie sind und die Oraccameo sollen dazu getrieben werden, ein Geistwesen zu bilden, als einzige Möglichkeit den Feind zu besiegen. Auf einer Ratsversammlung kann Fogga einen Falciden des Obersten Herrn mit Nano-Maschinen infizieren.
Doch auch Tion Youlder ist verschlagen. Er hat den Kalten Raum schaffen lassen, um dort die Flotte der Oraccameo zu verstecken. Außerdem ist er körperlich und geistig reger, als es nach außen den Anschein hat. Er will selbst vergeistigt werden und im Kollektiv zum Vordenker werden. Er setzt Fogga und Gooswart unter Druck, dieses Ziel unbedingt zu erreichen. Beim Rückflug vom Kalten Raum werden die Schiffe der Oraccameo mit Youlder und Gooswart von den Kuippri angegriffen. Im allgemeinen Tumult hetzt Fogga mit dem Ruf „Sam qin shi! – Ich bin der Herr der Gesichter“ die manipulierten Falciden auf Tion Youlder und lässt ihn töten.
Auch Cofirazi Marturia wird bei einem neuerlichen Intrigenspiel Foggas getötet, so dass Wörgut Gooswart die Nachfolge als Oberster Herr des Reiches antreten kann. Wörgut Gooswart erzielt dank der überragenden Fähigkeiten der Zasa-Piloten große Erfolge beim Kampf gegen die Kuippri. Fogga lässt Gerüchte über das reine und gute Geistwesen QIN SHI verbreiten, dass es der Wunsch jedes Oraccameo sein musste mit ihm in Kontakt zu treten. Jahre später ist auch Gooswart stark gealtert und Fogga scheint mit seinen Plänen dem Ziel ganz nahe zu sein. Die Kollektoren, die nun als Weltengeißel bezeichnet werden, entvölkern vier Planeten. Während alle gebannt die Bildung der Geistwesen beobachten, sind unzählige Oraccameo dabei, ebenfalls vergeistigt zu werden. Auch der im Sterben liegende Gooswart will bis in alle Ewigkeit herrschen.
In diesen letzten Momenten offenbart sich Fogga seinem Halter. Die Roboterzivilisation hat Fogga ausgeschickt, um die Oraccameo zu manipulieren und in den Untergang zu treiben. Als die Weltengeißel über Ora die Arbeit aufnimmt, werden alle Oraccameo und auch Fogga vergeistigt. Auch Gooswart treibt als ein Bewusstsein von vielen durch den Bewusstseinspool QIN SHI. Etwas Großes steht noch bevor, die Verschmelzung mit den vier anderen Bewusstseinspoolen. Doch die vier anderen Geistwesen lehnen QIN SHI ab. Und Gooswart erinnert sich an die letzten Worte Foggas. QIN SHI wird dahintreiben, zu schwach, um etwas zu ändern, bis es verhungert und verdummt im Nichts stranden wird.

Rezension:
Letze Woche schrieb ich noch ein paar Zeilen zum Höhepunkt der Chanda-Ebene. Diese und vermutlich auch noch nächste Woche geht es aber noch einmal in die Vergangenheit dieser Galaxis. Wieder einmal wird die Lebensgeschichte einer SI aufgerollt. Übten diese Entwicklungen in ferner Serienvergangenheit noch eine Faszination auf mich aus, ich denke an die KAISERIN VON THERM und an BARDIOC, so hat sich dieser Reiz im Laufe der Jahre doch stark abgeschwächt. Ich hoffe für die jüngeren Leser, dass sie diesen Geschichten heute ähnlich anhängen, wie ich es vor 35 Jahren tat.
Die Erzählung von Michael Marcus Thurner begann vielversprechend. Die Verhältnisse in Chanda oder Chalkada bis zur Geburt der Superintelligenz QIN SHI sind uns bereits aus den Rückblicken der Figur Ramoz bekannt. Ein häufig gebrauchtes Stilelement der Serie findet daher auch in der aktuellen Geschichte Anwendung. Der Leser bekommt bereits in anderen Romanen erzählte Geschehen nochmals, diesmal aus anderer Perspektive, vorgesetzt. Der Autor schlägt sich, wie gesagt, anfangs wacker. Die Figur Maran Dana Fogga entwickelt sich schnell als treibende Kraft im Hintergrund. Ein wenig seltsam muten die Ideen des Autors an, wenn er die Motive dieser Kreatur beschreibt, die in allem was sie sieht und hört eine Verbindung zu Dichtung, Schauspiel und Tanz zieht. Auch die im Roman zahlreich geschilderten Tötungen von Lebewesen werden von Michael Marcus Thurner zumindest zu Beginn seines Romans mit Kunst in Verbindung gebracht. Der Protagonist Fogga sieht in der Hinrichtung mehrerer Gefangener ein Schauspiel, das ihn in seinen Bann zieht und er macht sich Gedanken zur Dramaturgie und zu Effekten. Der Autor hat damit durchaus ein brisantes Thema angegangen. Vergegenwärtigt man sich allerdings, dass in unserer realen Welt es immer noch zahlreiche Länder gibt, darunter die USA, die Hinrichtungen vor Publikum zelebrieren, dann sind die Beschreibungen des Autors gar nicht mehr so geschmacklos, wie es auf dem ersten Blick erscheinen mag.
Die Kunst hat sich schon länger mit dem Tod beschäftigt, das wissen wir nicht zuletzt aus Ausstellungen eines Gunther von Hagens, der in seinen Körperwelten Tote zur Schau stellt. In Thurners Roman wird dem Obersten Herrn übrigens ebenfalls die Haut abgezogen und sein Leichnam zur Schau gestellt.
Im weiteren Verlauf des Romans verliert die Geschichte etwas an Schwung. Die Verbindungen der Figur Fogga zur Kunst werden vom Autor kaum noch verfolgt und die Figur entwickelt sich mehr zu einer Intrigen schmiedenden Gestalt. Wie gut diese Ränke eingefädelt wurden, erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten. Zum Ende hin gelingen dem Autor wieder ein paar überraschende Wendungen. Und erst ganz am Ende seiner Erzählung werden erste Ansätze zu einer Verbindung zur SI TANEDRAR angestellt.
Fazit: Die Geschichte hatte im Mittelteil ein paar Längen, wusste aber dennoch gut zu unterhalten.