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30.10.2011 von Uwe Bätz.
Planet der Formatierer – von Wim Vandemaan – Handlung:
Shamsur Routh, auf der geistigen Ebene eines Kindes, gelangt über das Transitparkett nach Gadomenäa unter der Sonne Banteira. Puc hat ihn auf seine eigene Anweisung hin, die Erinnerungen genommen und beginnt damit, diese Backups nach und nach zurückzuspielen. In der Stadt Whya auf Gadomenäa wird der Journalist in der Halle Sternenfall zusammen mit anderen Terranern, hauptsächlich Jugendlichen, von einem Sayporaner begrüßt. Außer dem Sayporaner befinden sich noch andere humanoide Gestalten in der Halle, die Zofen und die Junker. Die offensichtlich künstlichen Geschöpfe kümmern sich um die Ankömmlinge. Die etwa eineinhalb Meter großen mädchenhaften Zofen mit starren Puppengesichtern verteilen heiße Tücher und Getränke an die Terraner. Von den Junkern gibt es weniger als die Zofen. Die Junker präsentieren sich als deutlich über zwei Meter große Roboter aus dunkelgrünem Metall. An der Stelle des Kopfes tragen sie einen transparenten Zylinder, in dem Routh nur ein grünes Wallen erkennen kann.
Von der Hallendecke senken sich blaue Sterne auf die Ankömmlinge und heften sich auf die Stirn. Die Willkommenssterne, so der Sayporaner, seien als Geschenk gedacht. Routh ist misstrauisch und lässt sein Implantmemo den hauchdünnen und nur fingernagelgroßen Stern untersuchen. Puc stellt fest, dass der Stern Einfluss auf Routh nimmt, indem er die Ausschüttung eines Proteohormons namens Oxytocin anregt. Das Hormon entfaltet verschiedene Wirkungen. Es mindert Stress und wirkt beruhigend. Shamsur befiehlt Puc, die Auswirkungen zu neutralisieren. Da der Stern keine Kommunikation mit einer anderen Stelle zu haben scheint, bleibt die Manipulation unentdeckt.
Die Terraner werden auf Ziehväter und Ziehmütter verteilt. Von der Zofe Dindirri wird Routh zu dem Gebäude seines Ziehvaters Chourtaird gebracht. Das Gebäude Nhymoth gehört zur Stadt Whya, die überwiegend aus einzelnen Turmgebäuden, den Daakmoy besteht. Die Türme ragen dabei teilweise bis zu 7000 Meter auf. Ab einer Höhe von mehreren hundert Metern sind die Daakmoy zum Teil über Brücken miteinander verbunden. Über ein Gefährt, das als Wegschale bezeichnet wird, bringt man Routh zu einem der Geschlechtertürme der Patronatswelt, wie Dindirri erläutert. Mit einem Lift wird der Journalist auf eine fast vollständig leere Etage gebracht. Eine eiförmige Konstruktion stellt sein Quartier dar. Ausgestattet mit einem Spender, der Decke und Essen zur Verfügung stellt, lässt man Routh alleine. Bevor er einschläft informiert ihn Puc darüber, dass er weitere Erinnerungen im Schlaf zurückladen wird. Routh wünscht sich, mehr über Puc zu erfahren.
Rückblende: Shamsur Routh reist mit Jaron Peppererg auf der Jagd nach einer Story zum Planeten Pataralon im Patarkon-System. Dort sollen Aras ein Geheimprojekt betreiben. Die beiden Journalisten kommen einem Tierexperiment auf die Spur. Von den Aras und einem Swoon werden Truthähne und Kraniche manipuliert. So soll eine Gehirnprothese entwickelt werden, die sämtliche Gedächtnisinhalte einer Person speichern und vorrätig halten kann. Shamsur und Jaron werden als Versuchskaninchen missbraucht. Beiden wird ein Implantmemo eingepflanzt, dessen organischer Bestandteil aus ihren eigenem Gehirn entnommen wird. Puc betrachtet Routh daher als Großen Bruder. Jaron Peppererg stirbt bei der Prozedur. Und Routh hat seitdem Visionen und Träume von Kranichen.
Shamsur Routh erwacht und hat nun wieder alle Erinnerungen an Puc. Er trifft auf seinen Ziehvater. Chourtaird ist ein Greis und gerade dabei, Kopffüßler in einem Bassin zu füttern. Das Gespräch ist belanglos. Rouths Fragen ignoriert der Alte zumeist. Allerdings hat Chourtaird auch keine Einwände, als Routh sich die Stadt ansehen möchte. Ein Junker teilt Routh mit, dass seine Neuformatierung für den übermorgigen Tag angesetzt sei. Routh beobachtet in einer Etage von Nhymoth eine groteske Zeremonie, auf deren Höhepunkt sich eine Zofe und ein Junker in ein Feuer stürzen und darin verbrennen.
Dann erkundet der Journalist die Stadt. Er beobachtet zwei junge Terranerinnen bei einem Marionettenspiel. Sie zeigen sich abweisend als er sie anspricht. In der Stadt schweben riesenhafte Faltfiguren, die ihn an Origami-Figuren erinnern. Zurück in seinem Daakmoy findet er in einer Etage eine Holo-Darstellung des Systems. Achtzehn Planeten, davon fünf Planeten, die auf gleicher Umlaufbahn die Sonne Banteira umkreisen, der sogenannte Weltenkranz. Das System hat keine Asteroiden. Der Junker Cülibath bezeichnet es als bereinigtes System.
Am nächsten Tag wird Routh in die Ikonische Symphonie von Whya gebracht. Zusammen mit achtzig Terranern nimmt er an der Veranstaltung des Sayporaners Pläccriz teil, der sich als Formatierer bezeichnet. Holoprojektionen vermitteln eine seltsame Geschichte. Während Pläccriz vorgibt die Geschichte der Sayporaner zu vermitteln, zeigen die Projektionen ein Zerrbild der terranischen Geschichte. Insbesondere die negativen Auswüchse der terranischen Geschichte werden verzerrt dargestellt. Mit Entsetzen beobachtet Routh, dass die jungen Terraner beginnen, diese Bilder in sich als „Erinnerungen“ aufzunehmen und dadurch ein gänzlich anderes Bild der Menschheit erhalten.
Puc hat zwischenzeitlich Rouths Tochter Anicee in einer anderen Stadt lokalisiert. Um dorthin zu gelangen benutzt Routh eine Onuudoy, eine fliegende Landschaft mit dem Namen Nebelschlucht. Der Journalist macht dort die Bekanntschaft eines Mannes und eines Jungen. Allerdings kann er nichts über deren Herkunft erfahren. Am Zielort trifft er endlich Anicee. Sie zeigt sich reserviert, weist ihn aber nicht ab. Er darf im Daakmoy übernachten, das auch seine Tochter bewohnt. Puc bekommt Kontakt zu einer seiner Spionsonden, die über das Transitparkett Anicee gefolgt sind. In den Aufzeichnungen sieht Routh, dass seine Tochter einen engeren Kontakt zu einem Terraner namens Benat hat. Es stellt sich heraus, dass Benat bei den Formatierungs-Sitzungen sich hitzige Wortgefechte mit den Sayporanern liefert. Als sich Anicee wieder mit Benat trifft, schickt Routh die Spionsonde hinterher. In der Aufzeichnung des Treffens sieht er, dass sich Anicee und Benat offensichtlich streiten und dann trennen. Benat wird im Anschluss an das Treffen von einer Zofe ermordet. Als der Journalist seine Tochter mit der Geschichte konfrontiert, glaubt sie ihm nicht. Er hat Anicee an die Sayporaner verloren.
Routh kehrt nach Whya zurück. Bei einer weiteren Tour durch die Stadt hat er auf einem freien Platz die Wahrnehmung einer mentalen Präsenz, die Interesse an ihm zeigt. Dem mentalen Sog kann er sich nur mit Pucs Hilfe widersetzen. Er beschließt Chourtaird reinen Wein einzuschenken. Er teilt ihm mit, dass er sich nicht formatieren lassen möchte und dass er seine Tochter retten will. Überraschenderweise will ihm Chourtaird im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen. Routh hat jedoch noch ein anderes Problem. Puc teilt ihm mit, dass er psychisch zerrüttet ist und dass seine Zeit als selbstbewusste handelnde Person begrenzt sei. Seine Beobachtungen in der Stadt, das seltsame Ritual, die fremdartige mentale Präsenz, all das könnten Symptome seines fortschreitenden Bewusstseinszerfalls sein.
Rezension:
Einmal mehr hat Wim Vandemaan eine komplexe Geschichte geschrieben mit vielen kleinen Facetten, die eine Zusammenfassung schwierig machen, da nicht immer klar wird, ob die Erlebnisse der Romanfigur lediglich Auswüchse einer übersteigerten Phantasie der Figur oder Einflussnahme von außen sind und für die weitere Handlung von Bedeutung sein könnten.
Eine der absonderlichen Facetten waren die Erlebnisse Rouths auf der fliegenden Landschaft. Die Wahrnehmungen des Protagonisten zu den Schlangen im endlosen Bungalow, der alte Mann und der Junge, das war selbst für meinen Geschmack etwas zu bizarr. Der Autor ist in diesen Szenen zu verspielt und verliert sich in seiner eigenen Bildsymbolik.
Haben mich im letzten Roman von Wim Vandemaan seine Anekdoten über die gesellschaftliche Entwicklung der Terraner und deren Auswüchse fasziniert so muss ich allerdings feststellen, dass mir in der Fortsetzung ein bisschen die Inhalte fehlen, die eine Erklärung dafür bieten, warum die jungen Terraner sich so manipulieren lassen können. Anders ausgedrückt, warum fallen die Jugendlichen auf die Sayporaner herein? Auf der einen Seite ist das noch nicht vollständig ausgereifte Gehirn, das der Autor anführt zwar ein Argument aber keinesfalls kann es als vollständige Begründung herhalten, warum die Jugendlichen so unkritisch sind. Auch die Auswirkungen des Willkommenssterns reichen m.E. nicht aus, um das Verhalten der jungen Menschen zu erklären. Der Auftritt des Terraners Benat zeigt zwar, dass es mindestens 1 Kritiker gibt, aber auch das ist zu wenig, da dem eben viele Tausend andere blindgläubige Jugendliche gegenüberstehen. Sollte es also eine gesellschaftliche Entwicklung der Terraner im 51. Jahrhundert NGZ geben, der die Jugendlichen so anödet, dass sie lieber den Gehirnwäschen Fremder ohne Widerstand entgegentreten, dann wurde diese Fortentwickelung nicht in den Romanen aufgezeigt.
Auch Rouths Entwicklung wird von Wim Vandemaan nicht in letzter Konsequenz beschrieben. Auf der Erde hatte die Figur zwei Seelen. Die eine des Journalisten, die andere des Vaters, der sich um seine Tochter sorgt. Von beiden ist nicht viel übrig geblieben. Zwar lässt der Autor seine Hauptfigur diverse Exkursionen durchführen aber es fehlt die letzte Entschlossenheit, die einen Journalisten auszeichnen sollte, um die Geheimnisse von Gadomenäa aufzudecken. Auch seine Besorgnis um seine Tochter hält sich in Grenzen. Auch hier könnte man anführen, dass der vom Autor völlig überraschend auf der vorletzten Seite eingebrachte Aspekt der psychischen Zerrüttung seiner Figur als Erklärung dienen könnte. Ich hoffe, dass dem nicht so ist und dass in der Fortsetzung die Figur tatsächlich etwas bewirken kann. Es wäre zu begrüßen, denn Routh ist eine der wenigen handelnden Personen in diesem Zyklus. Fällt diese Figur weg, was bleibt dann noch?
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23.10.2011 von Uwe Bätz.
Flucht von der Brückenwelt – von Verena Themsen – Handlung:
Der Trupp Terraner und Favadarei unter der Führung von Jenke Schousboe hat festgestellt, dass der Körper ALLDARS wohl schon vor langer Zeit aus dem Schrein verschwunden ist. Mittlerweile haben die Truppen der Allgegenwärtigen Nachhut die Spur der Eindringlinge aufgenommen und rücken gegen den Schrein vor. Die Terraner verständigen sich, dass sie einzeln die Flucht aus dem Schrein antreten und auf verschiedenen Wegen zurück in den Unterschlupf in der Ringstadt gelangen wollen.
Der Plan gelingt und für kurze Zeit können die Terraner sich in der Ringstadt versteckt halten. Unterstützt werden die Fremdweltler von den Glückswaisen um Shipa Gajoship. Die Fagesy kommen ihnen jedoch immer wieder auf die Spur, so dass sie mehrmals das Versteck wechseln müssen. Zu Gute kommt den Terranern, dass es mittlerweile in der Stadt zu verschiedenen Aufständen der Bevölkerung gegen die Allgegenwärtige Nachhut kommt. In dem allgemeinen Chaos können die Terraner immer wieder untertauchen.
Der Oberste Marschgeber Facao bestraft Mareetus für dessen Versagen und dem Verlust des Intrantums, mit dem die Fremden in den Schrein gelangen konnten. Er setzt einen neuen Hohen Marschgeber ein und beauftragt diesen mit einer Strafaktion gegen die Favadarei der südlichen Welt. Insbesondere soll deren Heiligtum, das Totenhirn, vernichtet werden. In einer Rede an die Bewohner der Ringstadt behauptet Facao, dass die Fremden den Leichnam der SI gestohlen haben. Der Hohe Marschgeber Phocallu, der die Strafexpedition leitet, stößt auf erbitterten Widerstand der Favadarei.
Unterdessen übt der Favadarei Finukuls Verrat. Er gibt den Terranern die Schuld an der Strafexpedition gegen sein Volk und hintergeht die Expeditionsleiterin. Jenke Schousboe gerät auf der Flucht durch den Verrat in Gefangenschaft und wird zu Facao gebracht. Da sie nicht die gewünschten Informationen zu ihrem Schiff und der BOMBAY herausgibt, wird sie gefoltert. Auch die VAHANA ist mittlerweile entdeckt worden und wird angegriffen. Ein Fagesy gelangt an Bord und kann nur mit Mühe getötet werden. Das Blut des toten Fagesy entwickelt jedoch ein beängstigendes Eigenleben.
Den Expeditionsteilnehmern gelingt die Befreiung von Jenke Schousboe, die durch die Folter arg mitgenommen wurde. Vom Totenhirn gehen Informationen über Schaltzentralen, mit deren Hilfe das dysfunktionale Feld um die Planetenbrücke abgeschaltet werden kann über die BOMBAY an die VAHANA. In einer weiteren Kommandoaktion kann eine der Schaltzentralen erobert werden und ein Abschnitt des Feldes deaktiviert werden. Während die Favadarei zurückbleiben, gelingt dem SKARABÄUS die Flucht in den Raum. Vom oberen Planeten steigen Raumschiffe auf, die der Protektor Gaztraid im Auftrag des Obersten Marschgebers auf die Fremdweltler hetzt. Die Schiffe greifen die VAHANA an. Während des Angriffs entdeckt Jenke Schousboe in der Zentrale einen seltsamen eiförmigen Körper, von der Farbe des Blutes des Fagesy, der an Bord getötet wurde. Sie versuchen die BOMBAY zu warnen, dass die VAHANA kontaminiert ist, aber der Funk ist gestört.
Die BOMBAY nimmt die VAHANA bei einem gewagten Manöver mit dem Traktorstrahl an Bord und nimmt Kurs auf das Solsystem. Facao besucht Gaztraid und berichtet ihm, dass die Kriegs-Ovula die Verbindung hergestellt hätten. Gaztraid bedankt sich über diese gute Nachricht. „Alles läuft nach Plan.“
Rezension:
Ein handwerklich guter Roman von Verena Themsen mit einigen Schwächen im Detail. Größtes Manko ist der Handlungsaufbau. Im Exposé stand als Zielvorgabe, dass die Mitglieder der BOMBAY-Expedition die Planetenbrücke verlassen werden. Vermutlich war es der Autorin überlassen, eine spannende Fluchtstory zu schreiben. Nun, das Ziel wurde erreicht, spannend war es allerdings selten. Ein dramatischer Abschnitt war zum Beispiel die Entdeckung des SKARABÄUS in der Schlucht nahe der Ringstadt durch die Fagesy und der folgende Angriff. Ansonsten war das Tempo in der ersten Romanhälfte trotz zahlreicher Fluchtmanöver eher gemächlich.
In einigen Abschnitten hat Verena Themsen das Lokalkolorit der Planetenbrücke gut eingefangen, beispielsweise in der Szene, in der sich Jenke Schousboe nach der Flucht aus dem Schrein ALLDARS alleine zum Unterschlupf durchschlägt. Oder die Szene im Tempel, als sich die Flüchtlinge durch die Massen der Fremdwesen durchkämpfen müssen. In anderen Szenen hingegen übertreibt die Autorin ihre Detailverliebtheit. Für meinen Geschmack werden die Namen der Flüchtlinge zu häufig genannt, so als würde uns die Autorin ein ums andere Mal beweisen wollen, dass sie die Situation fest im Griff hat. An anderen Stellen des Romans werden mitten in den zumeist harmlos verlaufenden Verfolgungsszenen mit den Machthabern der Planetenbrücke Hintergrundinformationen zu den Figuren eingestreut. Das passte dann überhaupt nicht und zerstörte das ohnehin nur rudimentär vorhandene Gefahrenszenario. Beispielsweise streut die Autorin bei einem Schusswechsel mit den Verfolgern ein, dass Pia Aftanasia Clonfert, wie Pifa laut ihres Ausweises mit vollem Namen hieß, die Führung übernahm. Das ist ja alles schön aus dem Datenexposé entnommen, aber wenn die Truppe sich im Kampf befindet, dann sollte zu einem Vokabular gegriffen werden, dass das Bedrohliche der Situation zum Ausdruck bringt und nicht etwa den vollen Namen einer Figur, wie er im Ausweis steht.
In der zweiten Romanhälfte hat die Autorin das Tempo etwas angezogen. Gut gefiel mir, dass ihre Figuren handeln, statt nur zu beobachten und abzuwarten wie es leider sehr häufig in den letzten Heften der Fall war. Dennoch bin ich froh, dass die Abenteuer auf der Planetentube nun vorbei sind. Für meinen Geschmack wurde diesem Schauplatz, auch wenn er recht exotisch war, zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.
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16.10.2011 von Uwe Bätz.
Der dunkelste aller Tage – von Hubert Haensel – Handlung:
Am 13. September 1469 NGZ trifft sich Homer G. Adams mit der Ersten Terranerin Henrike Ybarri und Vashari Ollaron, der Verteidigungsministerin. Die Nachrichten, die von Schiffen der Flotte um Sol kommen, sind alarmierend. Der Fimbul-Impuls wurde ausgelöst. Der Kontakt zu AMATERASU ist verloren gegangen. Die Sonnenstation scheint nicht mehr zu existieren. Adams glaubt nicht daran, dass Bull tot ist. Die Verteidigungsministerin will mit allen Mitteln einen Waffengang gegen die Spenta unternehmen.
In der Sonnenstation sind die Orter tot. Nicht das geringste Signal wird empfangen. Shanda Sarmottes letzte Wahrnehmung sind einige Nagelraumer, die der Station sehr nahe gekommen sind. Dann bricht sie bewusstlos zusammen. Der Effekt, der die Station aus dem normalen Raum-Zeit-Gefüge entfernt hat, wird diskutiert. Zwar könnten die Manipulationen der Spenta dahinterstehen aber Bull vermutet eher einen Sabotageakt. Eine Space-Jet soll die Umgebung erkunden. Unbemannt nähert sich das Klein-Raumschiff der Grenze der Wahrnehmung und wird durch mysteriöse Kräfte zusammengepresst und vernichtet.
Auf der Erde ist die Direktorin des Whistler-Museums in Forschungen vertieft. Toja Zanabazar wurde in diese Stellung versetzt, weil ihre Eigenmächtigkeiten in der Forschung im Whistler-Konzern ungern gesehen wurden. Ihr Robot-Assistent Pollux überbringt der Robotikerin eine handgeschriebene Einladung. Der Graue Graf denkt, es wäre an der Zeit, abwesender Freunde zu gedenken, ist es nicht?
Toja Zanabazar hat Jahre auf diese Nachricht gewartet. Sie räumt ihren Arbeitsplatz auf und verlässt das Whistler-Areal auf unbekannte Zeit. Neben Pollux nimmt sie zwei von Ihr entwickelte Roboter mit. OTHER und WISE haben die Form von Eiszapfen und basieren auf VARIO-Robotertechnologie. Beide besitzen Hochleistungs-Biopositroniken. Ihr Ziel liegt im südlichen England. In einem Landhaus trifft sie auf Homer G. Adams. Der Graue Graf und Unsterbliche serviert Ihr Earl Grey und eröffnet ihr, dass die Society of Absent Friends, die Gesellschaft der abwesenden Freunde in dieser Minute aktiv wird. Adams überreicht ihr zwei Umschläge und eine Visitenkarte. Die Karte soll sie an den Kapitän des Handelsraumers LADY LAVERNA übergeben.
An Bord der AMATERASU hat Shanda Sarmotte das Bewusstsein wiedererlangt. Sie identifiziert Korbinian Boko als den Urheber der Blase, die die Station einhüllt. Ein direkter Kontakt mit dem Koch ist nicht möglich. Korbinian ist in eine Aura gehüllt, die ihn der Realität entrückt. Shanda will außerhalb der Station den Kontakt zu Boko suchen. Bull begleitet die Telepathin. Die beiden finden sich in einer unwirklichen Umgebung wieder und werden Zeuge der Kindheitserinnerungen von Boko. Shanda versucht zu Korbinian vorzudringen und ihn zum Aufheben der Blase zu bewegen.
Auf der Erde hat Toja Zanabazar die Springerwalze LADY LAVERNA unter dem Kommando von Flint Surtland betreten. Sie übergibt dem Plophoser die Visitenkarte von Adams. Das Handelsschiff soll in die Antarktis fliegen und dort einen Eremiten namens Vergil Rifeshyd aufsuchen. Toja übergibt dem Einsiedler einen der Umschläge. Nachdem der den Brief gelesen hat, lässt er Maschinen, Aggregate und Baublöcke seiner Station in die LADY LAVERNA verladen. Die ganze Truppe nimmt Kurs auf den Jupiter. Im Orbit des Gasriesen befindet sich die größte Baustelle des Solsystems. Tausende von Raumschiffen sind an der Rekonstruktion des Jupitermondes Ganymed beteiligt. Enoch Godolphin ist der Empfänger des zweiten Briefs. Der leitende Senator des Synkopha, des Syndikats zur Konstruktion planetarer Habitate empfängt die Ladung der LADY LAVERNA. Er lässt die Aggregate ca. 20 km unter der Oberfläche des unvollständigen Mondes bringen. Dort wurde ein Asteroid ausgehöhlt. Der Bau des Kastells beginnt unter strenger Geheimhaltung. Am 29. September 1469 NGZ nimmt die Station die Arbeit auf. Die beiden Roboter OTHER und WISE verschmelzen zur Hochleistungspositronik OTHERWISE. Adams wird per Funk informiert. Der Unsterbliche geht nach nunmehr 2 Wochen ohne Nachricht von Bull von dessen Tod aus.
Shanda und Bull bringen Boko dazu die Blase aufzulösen. Der Mutant liegt im Sterben. Mittlerweile sind 2 Wochen vergangen. Die Sonne hat sich dramatisch verändert. Die aus Ephemerer Materie geschaffenen Maschinen der Spenta haben die Arbeit aufgenommen. Sie bewirken ein Aufblähen der Sonne um das Hundertfache. Die Sonne hat sich mit der Fimbul-Kruste überzogen. Die Photonen sind in dieser Kruste gefangen. Auch die Station ist noch innerhalb der Sonne gefangen und kann die Kruste nicht durchstoßen. Shanda bewegt Boko dazu noch einmal die Blase um die Station zu erzeugen, damit die AMATERASU die Fimbul-Kruste durchstoßen kann. Das Vorhaben gelingt. Boko stirbt und die Geretteten sehen zum ersten Mal Sol von außen. Eine schwarze Kugel mit einem Durchmesser von fünfunddreißig Millionen Kilometer. Der dunkelste aller Tage hatte begonnen.
Rezension:
Hubert Haensel hat einen eher stillen Roman geschrieben. Sicherlich hätte es dutzende Möglichkeiten gegeben, die Ereignisse zu schildern, die dem dunkelsten aller Tage vorausgehen. Aus Sicht eines Menschen der Erde, eines Außerirdischen, der zum ungünstigsten Zeitpunkt das Sol-System besucht hat, aus Sicht eines Kreuzerkommandanten, aus Sicht einer Therapeutin, der die verängstigten Menschen die Praxis einrennen. Aus Sicht eines Mitglieds des Krisenstabs oder aus Sicht von hunderten anderen Personen. Und natürlich hätte es auch dutzende von Stimmungen geben können, aus der der Autor hätte wählen können. Nun, er hat sich für eine sehr zurückhaltende Geschichte entschieden. Ohne Zweifel muss es hektische Aktivitäten an anderen Orten geben, der Autor geht aber darauf nicht ein.
Die Figuren seines Romans gehen ihren Tätigkeiten mit bemerkenswerter Ruhe oder soll ich sagen unglaubwürdiger Ruhe nach. Die Museumsdirektorin aus der Gesellschaft der abwesenden Freunde macht sich ein paar Gedanken über das Erlöschen der Sonne, mehr aber auch nicht. 60 Romanheftseiten sind verdammt wenig aber ein bisschen mehr Endzeitstimmung von den inneren Planeten hätten dem Roman gut getan. Auf den äußeren Welten hingegen scheint man von der bedrohlichen Lage nichts mitbekommen zu haben. Während anderenorts sogar über eine Evakuierung des Solsystems nachgedacht wird oder über eine Einleitung der Kernfusion des Jupiter, sind tausende von Raumschiffen und ihre Besatzungen emsig dabei, den zerstörten Jupitermond Ganymed zu rekonstruieren. Eine Arbeit, die noch Hundert Jahre oder mehr in Anspruch nehmen wird. Da will man doch keinen Tag versäumen, oder?
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13.10.2011 von Uwe Bätz.
oder
Unternehmen Stardust/Sternenstaub - Synopse
Es ist schon ein paar Tage her, da erschien der 1. Band der neuen Serie Perry Rhodan NEO mit dem Titel Sternenstaub. Geschrieben wurde der Roman von Frank Borsch, der auch als Exposé-Autor die neue Reihe betreut. Ich habe das Taschenheft während der Zugfahrt zum Weltcon 2011 gelesen und viele Gespräche auf dem CON drehten sich auch um Perry Rhodan NEO.
Die Reaktionen der Besucher des Weltcons zu Sternenstaub waren durchaus unterschiedlich. Die einen fanden ihn gut, die anderen bemängelten, dass der Roman sich zu wenig von Heft 1 der alten Serie unterschied. Wieder andere konnten dem „Neuanfang“ nichts abgewinnen. Und es gab auch Besucher, die das Heft erst gar nicht lesen wollten.
Ich fand den Roman sehr gut, fand allerdings, dass sich die Handlung zu sehr an den Auftakt der alten Serie anlehnte. Allerdings habe ich die Hoffnung, dass sich die beiden Serien schon bald gehörig unterscheiden werden. Unterscheiden werden sich wohl von Beginn an die Figuren. Zwar tragen noch alle den gleichen Namen aber ob es die gleichen Personen sein werden, darf ebenfalls mit Spannung verfolgt werden.
Ich habe die wichtigsten Figuren und ihre Darstellung in den Romanen von Frank Borsch und K.H. Scheer gegenübergestellt. Natürlich sind das nur Auszüge, dennoch wird meiner Meinung nach deutlich, wie sehr viel komplexer einige Charaktere in Frank Borschs Roman gegenüber der Darstellung von K.H. Scheer (und auch Clark Darlton) gezeichnet werden. Einzig Rhodan, abgesehen von Manoli, erscheint mir beinahe unverändert. Er richtet das eine oder andere Mal den Blick nach „Innen“, die reinen Fakten zur Person sind auch nicht besonders aussagekräftig. Die „Person“ Rhodan wird allerdings bei Frank Borsch schon alleine dadurch anders gewertet, weil seine Begleiter, insbesondere Bull, beinahe ebenbürtig sind. Bei K.H. Scheer sind die 3 Astronauten, die Rhodan begleiten lediglich die Anhängsel des Helden, die durch ihre eigenes Versagen den Helden noch aufwerten. Überraschend sehr starkes Gewicht legt Frank Borsch auf die Figur des John Marshall. Da die Figur in Band 1 Unternehmen Stardust nicht vorkam, habe ich die u.a. Informationen und Darstellungen dem 4. Heft, geschrieben von Clark Darlton, entnommen. Bei dieser Figur treten die Unterschiede am gravierendsten hervor. Frank Borsch beschränkt sich bei John Marshall nicht alleine auf ein paar wenige Hintergrundinformationen wie Herkunft, Alter, Geschlecht und Beruf. John Marshall wird vor allem durch sein Handeln lebendig. Dagegen fällt die Darstellung von John Marshall durch Clark Darlton deutlich ab.
Figur Perry Rhodan – Unternehmen Stardust
35 Jahre, Kernphysiker, Nebengebiet atomare Strahltriebwerke, Risikopilot, seine Kameraden betrachtet er distanziert, trockener Humor, beobachtet scharf, analytisch, umkreiste als erster Astronaut der Space-Force den Mond, glasklarer Verstand, Sofortumschalter, starke Hand, fester Wille.
Er reagiert immer als erster, während die anderen fluchen, irre lachen, noch schlafen oder etwas unsinniges tun. Er weiht seine Gefährten nicht in seine Pläne ein. Trotzdem folgen sie ihm letztlich. Ohne seine Befehle machen die anderen nichts.
Figur Perry Rhodan – Sternenstaub
Rhodan spricht von seiner Crew, die Bindungen zu dieser Crew erscheinen enger und persönlicher, er bezeichnet Bull als seinen Freund, er ist 37 Jahre alt, ledig, Testpilot, Absolvent der University of California in Berkeley, Sofortumschalter, als über Flipper gesprochen wird, sucht er den Blickkontakt, er fragt sich, was in ihm vorgeht, auch in Sternenstaub weiht Rhodan seine Crew nicht sofort in alles ein, er hat einen Wissensvorsprung.
Auch in Situationen, die er subjektiv zuversichtlich angeht, versucht er in sich hineinzuhören. In Gefahrensituationen reagiert er nicht alleine, seine Crew arbeitet gemeinsam mit ihm auf ähnlichem Niveau.
Figur Reginald Bull – Unternehmen Stardust
Untersetzt, elastischer Gummiball, fit, scheinbares Fett, Fachingenieur atomare Strahltriebwerke, Nebengebiet Elektronik, logischer Verstand.
Figur Reginald Bull – Sternenstaub
Systemadministrator, Co-Pilot, Spitzname „Reg“, eine Kleinigkeit zu finden und sich an ihr festhalten ist seine Strategie mit Druck umzugehen, wird von anderen unterschätzt, 36 Jahre alt, ledig, 24 Weltraummissionen, 1 Mondumkreisung, impulsiv, lässt sich niemals unterkriegen, hält nichts von Grübeln, lenkt sich ab, z.B. durch Computerspiele, hat einen „Draht“ zu allen Menschen, trifft immer den richtigen Ton.
Kennt Rhodan und Pounder und erkennt daher sofort, dass mit der „Wette“ irgendwas im Gange ist. Die Gespräche mit Rhodan sind anders als bei Scheer nicht die eines Untergebenen mit seinem Vorgesetzten, als vielmehr Gespräche von Freund zu Freund. Bull handelt auch ohne Befehle von Rhodan.
Figur Clark G. Flipper – Unternehmen Stardust
Spitzname Flipp oder Flippy, Sorgenkind, seine Frau erwartet ein Kind, „bettelt“ um Entschuldigung.
Figur Clark G. Flipper – Sternenstaub
Bordastronom und Nutzlastspezialist, 32 Jahre, Frauenheld, seine derzeitige Gefährtin Beth wird vermisst, der große Junge mit verträumten Augen, quirlig.
Die Szene mit dem Zungenbiss und der anschließenden Entschuldigung passt nicht so recht in Sternenstaub.
Figur Dr. Eric Manoli – Unternehmen Stardust
Unauffällig, ruhig, beherrscht, sogar beherrschter als Rhodan, nimmt Mühsal und Gefahr im Interesse der Forschung auf sich, verheiratet.
Figur Dr. Eric Manoli – Sternenstaub
Bordarzt und Materialforscher, 46 Jahre, Veteran zahlreicher Orbitalmissionen, ein Fels in der Brandung, ein Mann von unerschütterlicher Ruhe.
Die Figur erscheint unverändert.
Figur Allan D. Mercant – Unternehmen Stardust
Klein, lebhaft, privat eine friedfertige Natur, beruflich der Mann im Hintergrund, Chef der Internationalen Abwehr, gebräuntes Jungengesicht, verfügt über Instinkte, er riecht Gefahren und Schwierigkeiten.
Figur Allan D. Mercant – Sternenstaub
Klein, undurchsichtig, selbstbewusst, umgibt sich mit einer Aura des Geheimnisvollen, alt aber jung wirkendes Gesicht, trägt Ausweis der Homeland Security, behauptet seit Jahrzehnten im Fach (Geheimdienst ?) zu sein, er behauptet auch, auf einem unwichtigen Posten abgeschoben worden zu sein, warnt Pounder und damit Rhodan vor der Bombe, die Homeland Security ins Bodenfahrzeug der STARDUST geschmuggelt hat, knüpft Verbindungen zu den Geheimdiensten anderer Länder, gehört einer Gemeinschaft an, die über den Tellerrand menschlicher Vorurteile hinaussehen können, wird deshalb zum Verräter (zumindest in den Augen von Homeland Security).
Figur John Marshall – Götterdämmerung (die Figur taucht erst im Band 4 auf)
Kassierer (Beamter) in der Zentralbank, 26 Jahre, Telepath, Junggeselle, zeigt Interesse an Miß Nelson von nebenan. Möchte aus seiner Fähigkeit Kapital schlagen, spricht deshalb Rhodan an. Der kann ihm kein Geld bieten, so entscheidet er sich vorerst für die Ideale.
Figur John Marshall – Sternenstaub
Anfang 30, war früher Investmentbanker, leitet jetzt das Pain Shelter, eine Heimat für Straßenkinder. Die Stiftung dazu hat er von seinem Boni als Investmentbanker gegründet, will alle aus der Bande von Außenseitern gleich behandeln, hat von jeher ein unheimlich anmutendes Gespür für Lügen, trotz offensichtlicher Schwierigkeiten sucht er das Gute in jeden Menschen zu erkennen, er gibt jeden eine Chance, glaubt nicht an Heilige oder Götter, ist ein aufmerksamer Beobachter, er ist einfühlsam, er „kennt“ seine Straßenkinder, er macht sich Sorgen wegen der finanziellen Nöte, aber mehr noch um „seine“ Kinder.
Wie oben geschrieben wird Marshall von Borsch aber insbesondere durch sein Handeln lebendig. Mit dem neuen John Marshall ist Frank Borsch meiner Meinung nach sicherlich die größte Überraschung zum Auftakt der neuen Serie gelungen.
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9.10.2011 von Uwe Bätz.
Countdown für Sol – von Arndt Ellmer – Handlung:
Die Spenta sind mit ihren drei Schiffen nach wie vor in der Sonne aktiv und schaffen mit ihrem Geist ephemere Materie, aus denen sie Maschinen bauen, die die Sonne zum Erlöschen bringen sollen. Nach Kalkulationen der Positronik ARINNA an Bord der AMATERASU sind mindestens 3 und maximal 19 weitere Schiffe nötig um den Plan der Spenta in die Tat umsetzen zu können.
Da passiert es! Elf weitere Schiffe der Sonnenhäusler nähern sich der Sonne. Bevor LFT-Schiffe die Spenta daran hintern können, erreichen die Nagelraumer die Sonne und verschwinden darin. Die Erste Terranerin informiert Bull über die Entwicklung. Der Resident fordert die Besatzung auf, alles zu tun, um die Koordinaten der Fremden zu ermitteln, damit die Schiffe der Flotte mit Waffengewalt gegen die Spenta vorgehen können.
An Bord der Sonnenstation ist auch ein Stardust-Terraner mit einer Psi-Fähigkeit. Korbinian Boko wuchs im Stardust-System auf. Seine Eltern waren Funkenleute. Er hat eine Zwillingsschwester namens Lia. Während seine Schwester über die Fähigkeit der Teleportation verfügt, war seine Fähigkeit lange Zeit unbekannt. Erst Jahre später gewinnt er Erkenntnisse übers seine Psi-Kräfte. Er kann einen Raum im Raum schaffen, eine Blase im Universum, in die er sich zurückziehen kann. Er nennt sie seine Klause. Unbewusst hat er mit seiner Begabung einen Unfall verursacht, bei der seine Schwester so schwer verletzt wurde, dass sie zu einem Pflegefall wurde. Gelähmt und ohne der Möglichkeit zur Kommunikation dämmert sie in einem Überlebenstank dahin. Nach dem Tod der Eltern reiste Korbinian mit Lia über den Nebeldom zur Erde. In Terrania findet er eine Anstellung als Koch. Eines Tages bekommt er Kontakt zu einem Sayporaner namens Stradprais. Der Fremde, der sich als Heiler versteht, sucht seine Schwester auf und beginnt auf seiner Phenube zu spielen. Nach mehreren Besuchen dieser Art kann Lia wieder ihre Augen bewegen und nach einiger Zeit sogar wieder erste Worte sprechen. Die Hilfe des Sayporaners ist jedoch nicht selbstlos. Stradprais drängt Korbinian dazu, seine Stellung in Terrania aufzugeben und sich als Koch an Bord der AMATERASU zu verdingen. Auf ein bestimmtes Signal hin, soll er seine Fähigkeit einsetzen.
In der Sonne ist es den Terranern endlich gelungen, den Aufenthaltsort der fremden Schiffe zumindest annäherungsweise zu bestimmen. Obwohl die Daten nur ungenau sind, befiehlt Reginald Bull den Angriff auf diese Positionen. Plötzlich wird ein kurzer Funkspruch von der Erde empfangen. Der Empfänger muss an Bord der Sonnenstation sein. Übergangslos verschwindet die Sonne und macht einer milchig weißen Wand Platz. Außerhalb der Sonne beginnen die LFT-Schiffe mit dem Feuer auf die errechneten Positionen der Spenta-Raumer. Es bleibt unbekannt, ob sie Wirkung erzielen. Die Verbindung zur AMATERASU bricht ab und eine Schockfront unbekannter Natur läuft durch die Sonne.
Rezension:
Arndt Ellmer knüpft an den letzten Roman der Sol-Ebene von Wim Vandemaan an. Der Fimbul-Impuls ist mir in ausgezeichneter Erinnerung und bislang der besten Roman in diesem Zyklus. Die vorliegende Geschichte kann an diese Leistung nicht anknüpfen. Man merkt wie verzweifelt der Autor versucht die Spannung hoch zu halten aber seine Mittel sind begrenzt. Sowohl die Exposé-Vorgaben (das erste Heft eines Viererblock kann unmöglich zu Ergebnissen führen) als auch seine schriftstellerischen Fähigkeiten verhindern einen guten Roman. Kapitelweise konnte das Heft überhaupt nicht überzeugen. Es strotzt nur so von Fehlern im Handlungsaufbau und von unlogischen Handlungsabläufen. Sehr ungeschickt war der Einstieg mit den Geschehnissen bei Merkur, als weitere Fremdschiffe in die Sonne fliegen können, der anschließende Rückblick nach Stardust und dann der Wechsel zur Bully-Ebene.
Vandemaan hatte als Steilvorlage einen klassischen Cliffhanger hinterlassen. Jugendliche von der Erde und anderen Welten Sols wurden entführt, die Sonne und damit alles Leben im Sol-System wird bedroht und der Resident hält eine patriotische Rede an die Nation. Jetzt wäre es geschickt gewesen, dieses Szenario zu nutzen. Stattdessen stolpert der Autor mit einem dilettantisch geschriebenen Auftakt in die Sol-Ebene und verabschiedet sich anschließend mit einem Rückblick auf die Familie Boko im Stardust-System. Zurück in der Sol-Handlung folgen seitenweise Daten-Exposé-Auszüge, die einem Rainer Castor ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern, die an dieser Stelle aber so überflüssig wie eine Warze an einem Okrill waren. Und schließlich folgte der 1. Höhepunkt des Romans im negativen Sinne, als Arndt Ellmer seinen Protagonisten Reginald Bull sagen lässt, dass jeder Fremdraumer, der in die Sonne gelangt ein Sargnagel (im wahrsten Sinne des Wortes) für das Sol-System darstellt.
Da zu diesem Zeitpunkt die Flammrede Bulls 9 Stunden Handlungszeit zurücklag ist es mehr als unlogisch, dass bei einer solchen existenziellen Bedrohung für alles Leben im Sol-System eigentlich gar nichts in der Zwischenzeit passiert ist und die Geschehnisse aus Kapitel 1 muten geradezu absurd an. Natürlich müssen die 11 Sargnägel in die Sonne gelangen, sonst hätten wir ja keine Zuspitzung der Situation aber bitte nicht mit so einem Billigplot von einem Schiff, das den Merkur verlässt und zufällig die Bahn der Sargnägel kreuzt, die anderen LFT-Schiffe behindert und ratzfatz sind dann die Spenta plötzlich in die Sonne eingeflogen.
Sollte der Roman einen Spannungsbogen gehabt haben, dann habe ich ihn nicht entdecken können. Der Autor tut auch wirklich alles, damit erst gar keine Spannung aufkommen kann. Dazu greift Arndt Ellmer mehrmals auf ein typisches Element trivialer Literatur zurück, indem er auf die Hoffnungslosigkeit in dem von ihm verfolgten Handlungsfäden hinweist. Der Autor schafft es innerhalb weniger Zeilen völlig konträre Feststellungen über die Lage von sich zu geben. So schreibt er, dass es Monate, Jahre oder Jahrzehnte dauern könnte, bis man die fremden Schiffe in der Sonne findet. Nur einen Absatz später arbeiten die Positroniken an einem Suchmuster, das einen schnellen Treffer versprechen soll.
Der Handlungsfaden des Romans, der sich in Rückblenden mit dem Schicksal einer Familie von Funkenleuten im Stardust-System beschäftigt ist holprig geschrieben. Die Geschichte ist vorhersehbar und bedient zu viele Klischees. Anfangs habe ich darüber gerätselt, welche Botschaft uns der Autor damit vermitteln möchte, außer der Absicht Fahrt aus der anderen Handlung herauszunehmen. Mit dem Auftreten des Sayporaners wurde klar, dass die Handlungen zusammengeführt werden. Trotzdem konnte ich der Geschichte der Zwillinge nichts abgewinnen. Arndt Ellmer verwendet die richtigen Vokabeln, trotzdem nimmt er die Leser nicht mit in seiner Erzählung. Der Geschichte mangelt es an Feingefühl oder um ein Element aus dem Roman aufzugreifen, die Zutaten mögen allesamt vorhanden gewesen sein aber das Gericht schmeckte nicht. Manchmal gab es geringe Ansätze, beispielsweise als Ellmer seine Figur Korbinian die Reaktionen seiner Schwester auf die Behandlung des Sayporaners miterleben lässt. Dann wiederum lässt der Autor Korbinian, der 5 Jahrzehnte seines Lebens aufopferungsvoll und mit Hingabe seiner Schwester gewidmet hat und jede Änderung wie ein nasser Schwamm aufsog, als Volltrottel erscheinen, wenn er ihn gegenüber Ve sagen lässt, dass ihn die Fortschritte seiner Schwester verborgen geblieben sind.
Fazit: Es kann nur besser werden.
Geschrieben in Perry Rhodan | Keine Kommentare »